Sonntag, 14. Juni 2015

Die Rotbartsaga. Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon von Wolfgang Schwerdt



Klappentext
Es war reiner Zufall, dass ich auf die Geschichte des legendären Schiffskaters Rotbart gestoßen bin - vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall hat ein alter Holländer damit zu tun, dass ich Carlszoons Cottage an der Mündung des Mystic-River an der Nordwestküste von Connecticut USA entdeckte. Dort fand ich auf dem Dachboden Dokumente, Tagebücher und eine Unmenge Souveniers des holländischen Kapitäns Carl Carlszoon. Der reiste im 17. Jahrhundert um die Welt und hat in seinen Journalen viel über seinen treuen Begleiter, den Schiffskater Rotbart, berichtet. In diesem Buch mit dem Untertitel "Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" erzähle ich, wie ich auf die Rotbartgeschichte gestoßen bin und wie aus dem Sohn der Katzenspelunkenbetreiberin auf der holländischen Insel Texel der legendäre Schiffskater Rotbart geworden ist.

Fünf Reisen hat der sagenhafte Rattenfänger gemacht, die ihn in alle Teile der Welt geführt haben. Einzelne Episoden dieser Reisen sollen einen Vorgeschmack geben, was den Leser in den folgenden fünf Bänden der Rotbartsaga erwartet. In diesem Buch erfährt der Leser erst einmal die Geschichte wie alles begann, mit kleinen und großen Abenteuern des vierbeinigen Seemanns und seiner KollegInnen.

Das Buch verbindet Abenteuer, Geschichte, Seefahrt und natürlich Katzengeschichten in einer Form, die Leser von 12 bis 120 begeistert.

 
Leseprobe:
(aus Kapitel 9: Abenteuer der fünften Reise)

. . . Rotbarts Begeisterung für die Gelage des Königs [Schiffskater Roi de Merguéz] hatte weniger mit den erlesenen Speisen zu tun, die der schwarzweiße Schiffskater seinen KollegInnen auftischte. Bevor er sich zu den gemeinsam schmatzenden Felinen gesellte, schlug er sich daher im Laderaum mit einer ordentlichen Portion Ratte den Bauch voll. Pasteten und anderer Menschenfraß waren nicht sein Ding. Überaus unterhaltsam waren aber die Geschichten, wie Le Roi die erlesenen Speisen für seine Empfänge organisierte. Rotbarts Vermutung, dass die königliche Beschaffungskriminalität durchaus für die eine oder andere Zwistigkeit unter den Zwei-beinern verantwortlich sein könnte, war dabei nicht ganz von der Pfote zu weisen.
Mit zunehmender Dauer der Fahrt gestaltete es sich naturgemäß immer schwieriger, etwas über die natürliche Katzennahrung hinaus zu organisieren. Selbst die wurde immer magerer. Die speziellen Vorräte von Kapitän und Offizieren neigten sich langsam ihrem Ende zu. Die Fische, die der Mannschaft an den Haken gingen, reichten kaum zur Versorgung der Menschen an Bord. Der König hatte sich bisher noch nie dabei erwischen lassen, wenn er die Vorratskammern oder die Kombüse inspizierte, um sich seinen Anteil an den dortigen Delikatessen zu sichern. Aber je knapper die Nahrung, desto sorgfältiger wurde sie vor dem Zugriff hungriger Menschen und gieriger Tiere geschützt. Da auch verurteilte Diebe und Kriminelle an Bord waren, fiel der Verdacht zunächst nur selten auf die vierbeinigen Mannschaftsmitglieder, wenn mal wieder der eine oder andere gerade gefangene Fisch aus der Pütz verschwand. Ein schlechtes Gewissen hatten die Katzentiere nicht und [Schiffskater] Molière brachte die moralische Verfassung seiner Spezies auf den Punkt:

„Das Böse liegt im Aufsehn, das es macht, im Lärmen, das die Welt darüber schlägt. Die Sünde im Geheim ist keine Sünde.“

Der letzte Fischzug des Roi de Merguéz allerdings hatte durchaus für Aufsehen gesorgt und erhebliches Lärmen der Welt oder besser des Smutje zur Folge. Der große Fisch, den der Schiffskoch noch am Abend in die Kombüse gehängt hatte, um ihn am nächsten Morgen mit viel Wasser und Schiffszwieback zu einer Suppe zu verarbeiten, war für den König allzu verlockend. Er wusste natürlich um das Risiko, aber er kannte auch alle Tricks, wie sich so ein lukratives Beutestück nahezu geräuschlos vom Haken lösen und über geheime Wege unbemerkt aus der Kombüse schaffen ließ. Der Kombüsenkater wusste auch, dass die Nachtwache die beste Zeit für ein solches Unterfangen war. Der Koch schlief zu dieser Zeit tief und fest in seiner Hängematte unter der Back, direkt neben der Schiffsküche. Er würde allerdings beim kleinsten Geräusch hochschrecken, um nach dem Rechten zu sehen.
Aber ein Roi de Merguez machte keine Geräusche! Und so schlich sich der Kater beim nächtlichen Doppelschlag der Schiffsglocke aus seinem kuscheligen Quartier in der Segel-kammer über das Zwischendeck in die Kombüse, deren Tür der Smutje immer einen Spalt offen ließ, um die Küchendünste und die Hitze des Herdes von der frischen Nachtluft vertreiben zu lassen. Das große Loch, das die Ratten in einer versteckten Ecke in den Boden der Vorratskammer genagt hatten, würde Le Roi für den Rückzug mit seiner Beute nutzen. Soweit der Plan. Die Tür knarrte mit jeder Bewegung des Schiffes im seichten Seegang. Es fiel also gar nicht auf, dass sie auch knarrte, als sich der Kombüsenkater hindurchzwängte. Die Orientierung fiel ihm nicht schwer. Schließlich lag er oft dösend in der Kombüse, wenn der Schiffskoch das Essen für die Mannschaft zubereitete. Der Smutje hatte vollstes Vertrauen zu dem gemütlichen Kater. Nicht ein einziges Mal hatte der auch nur Anstalten gemacht, etwas vom Essen stibitzen zu wollen. Kein Betteln, wenn ein für Katzen besonders leckerer Duft durch den Raum zog, weder mit Blicken noch durch Körpersprache. Angebotene Lecker-bissen wurden königlich ignoriert. An Menschenessen, davon war der Koch überzeugt, hatte sein vierbeiniger Freund keinerlei Interesse. Auch der große Fisch, der da unter der Decke hing, verursachte bei Roi de Merguez nicht einmal ein einziges kurzes Schwanzzucken. 
Es war nur der Hauch eines Lichtschimmers, der das Innere der Kombüse erreichte. Le Roi bewegte sich gekonnt im Lautlosmodus, selbst als er mit wenigen Sprüngen die Spiere er-reichte, an der der Fisch mit einem eisernen Haken befestigt war. Mit einer Geschicklichkeit, die man dem etwas fülligen Kater gar nicht zugetraut hätte, balancierte er tief geduckt zwischen Spiere und Decke entlang. Mit den Krallen seiner kräftigen Pfote hob er den Haken von der Stange und ließ seine Beute langsam, langsam hinab. Immer länger wurde sein Vorderbein, bis der Schwanz des Fisches den Boden berührte. Immer länger wurde der Kater, als er – mit den Hinterbeinen noch an der Spiere festgeklammert – die Last langsam auf den Boden gleiten ließ. Ein sattes Plopp, das vom Knarren der Tür übertönt wurde, und auch der Kater landete schließlich auf den Planken, direkt neben dem beinahe einen Meter langen Markrelenfisch. Vorsichtig schleifte der König seine Beute zu dem Rattenloch, sprang hinunter und zog den schuppigen Festschmaus kopfüber hinterher. . . .

Kurzvita Autor:
Geboren 1951 in Berlin, publiziert der studierte Betriebswirt Wolfgang Schwerdt als Historiker, Buchautor und Journalist seit den frühen 80er Jahren zu den Themenbereichen Archäologie und Kulturgeschichte. Ab 2002 kam der Publikationsbereich Internet hinzu. Heute betreibt Schwerdt 10 Blogs und Internetmagazine zu den Themen Katzen, Kultur, Seefahrt und Geschichte und hat ca. 20 E-Books und Taschenbücher veröffentlicht.

Neben Sachbüchern zur Kulturgeschichte veröffentlicht Schwerdt seit den 2010er Jahren auch Fantasy sowie Kurzgeschichten und Romane zu Katzen und Seefahrt. Insbesondere hier versucht der Autor über spannende Abenteuerinhalte auch Kinder und Jugendliche zu erreichen, unterhaltsam ein wenig geschichtliches Wissen zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Mit seinem Projekt Rotbartsaga hat der Autor seit 2014 seinen literarischen Schwerpunkt für die nächsten Jahre gefunden. Derzeit ist der zweite Band „Schiffbruch vor Sumatra“ in Arbeit, der voraussichtlich im Frühjahr 2016 erscheinen wird.                                    

Der Rotbartsaga-Projektblog: http://rotbartsaga.com
Der Autor auf Facebook: http://www.facebook.com/wschwerdt

Sonntag, 7. Juni 2015

Treppensturz von Tine Sprandel

Aus der Serie: Quick, quick, slow – Tanzclub Lietzensee

Klappentext:

Eine Tänzerin der Latein-Formation, Rita Färber, sitzt verstört, mit den Händen vor dem Gesicht, auf der Treppe im Hinterhof des Tanzclub Lietzensee. Vor ihr die Leiche ihres Tanzpartners Frederik Tapis. Was ist geschehen? Während die Polizei den Tatort sichert, versucht Rita Erinnerungsfetzen zusammenzuführen. Sie entdeckt, dass ihr Exfreund Holger Flimms aus ihrer Münchner Heimat eine leidenschaftliche Rolle spielt. Wer trägt die Schuld?
Gedruckt 72 Seiten, ISBN-13: 978-1490531229;bei amazon 

Leseprobe:

Kapitel 6

Rita schob ihre zwei Finger weiter auseinander. Eine rote Jacke beugte sich über die Leiche und trug einige Daten auf ein Klippboard ein. Die Szene wirkte falsch. Unecht. Wenn das Ganze doch nur ein Traum wäre! Rita versuchte aufzuwachen. Ein Traum – klar, es war normal, dass man sich nicht an alle Einzelheiten eines Traumes erinnerte. Das würde alles erklären!
Sie wachte nicht auf, weil sie nicht schlief. Die rote Jacke drehte sich um, ein rundes männliches Gesicht sah sie an.
„Sollen wir das Mädchen nicht doch untersuchen?“, sagte das runde Gesicht.
Die Stimme der Kommissarin antwortete: „Lassen wir ihr noch etwas Zeit.“
Das runde Gesicht sah immer noch sorgenvoll aus. Aber es drehte ihr wieder den Rücken zu.
Sie hatte sich doch darauf eingelassen, mit Frederik als Partner in der Formation zu tanzen. War sie von allen guten Geistern verlassen gewesen? Wo war ihre Menschenkenntnis geblieben? Nur weil sie hier neu war, weil sie seinen Berliner Slang mochte, die direkte Art – ach, was wusste sie schon. Wahrscheinlich war sie nur eitel und ehrgeizig. Nach knapp zwei Wochen im neuen Tanzverein hatte sie, Rita Färber, einen neuen Partner und reale Aussichten auf einen Platz in der A-Formation. Das war’s. Sie war eine blöde Kuh. Eitel. Eitel. Eitel.
Immer noch Mittwoch, der zwölfte Tag in Berlin
Mit dem schwarzen Trägerkleid, einem Cardigan und den braunen Stiefeln mit Absätzen war sie passend genug angezogen, fand Rita. Doch als sie mit Kirsten den Club betrat, verschwand ihre gute Stimmung schnell. Was dachten die Square Dancer über die Fotos? Hatten sie sie gesehen? Würden sie Rita verurteilen, belächeln, bemitleiden. Bemitleiden und Belächeln wäre schlimmer als Verurteilen. Was dachten sie von ihr?
Kirsten hatte sie wahrscheinlich nicht gesehen; sie war ausgeglichen wie immer. Rita mochte ihre ehrliche und leicht naive Art – allerdings drehte sich bei ihr zu viel um Kohle und Kleidung. Sie plapperte gerade davon, während sie sich einen guten Platz suchten, von dem aus sie die Bühne im Blick hatten. Rita hörte nur halb zu.
Der Club war relativ klein, ein einziger Raum, durch viele Säulen unterteilt. Gegenüber vom Eingang lag die Bühne, links davon die Theke. Rechts säumten einige Stehtische die Wand und in der Mitte verteilten sich Tische; von den hinteren Plätzen aus konnte man sicher nicht mehr gut sehen. Alle Möbel wirkten robust und langlebig, schienen schon viele Schrammen und heißen Kneipendunst gesehen zu haben. Alles aus Holz, die Bühne ebenso wie die Wandvertäfelung. Obwohl nicht mehr geraucht wurde, schien an den Wänden noch der Dunst zu hängen. Die Tische waren mit Stars and Stripes dekoriert und fast komplett besetzt. Das Publikum gemischt. Als sie einen freien Stehtisch an einer Säule ergattert hatten, schlenderte einer der Square Dancer, Hinnerk Martens, mit einem Bier in der Hand zu Rita und Kirsten herüber.
„Es dauert, bis es losgeht. Willst du ein Bier?“, fragte er Rita.
„Bier wäre klasse.“
„Typisch Hinnerk, hat nur Augen für die Neulinge. Mir bietest du kein Bier an?“, beschwerte sich Kirsten sofort.
„Du trinkst kein Bier, das weiß ich – aber ich hätte dir schon auch etwas mitgebracht.“
„Vergiss es. Ich hab da hinten ein paar alte Freunde gesehen und bin dann mal drüben. Wir sehen uns später!“ Sie zwinkerte Rita zu und Rita staunte. Egal – sie brauchte jetzt kein dauerndes Reden. Hinnerk streckte ihr sein Bierglas entgegen. Rita nahm es und er legte seinen Zeigefinger an die Lippen. „Nicht weggehen, ich hol mir schnell ein neues.“
Rita lächelte. Hinnerk verstand es, dass man sich in seiner Nähe wohlfühlte.
Akzeptiert, angenommen.
Und plötzlich war da wieder die Leere. Es sollte eigentlich ein anderer hier stehen; einer, bei dem sie sich mehr als wohlfühlte. Sie vermisste das Herz, das hüpfte.
Ihr Herz hüpfte schon lange nicht mehr. Es krampfte sich immer mehr zusammen und quetschte Herzsaft heraus. Es versteinerte. Rita trank ihr Bier in einem Zug aus.
Diese Berliner Kölsch Gläser waren lachhaft klein. „Darf ich?“ Sie trank auch Hinnerks neues Glas in einem Zug aus.
„Das ist jetzt nicht nett“, sagte Hinnerk.
Jetzt fühlte sich alles nicht mehr so trostlos an. Jetzt konnte es losgehen.
„Ich hole uns Nachschub“, versprach Rita.
„Na, dann gehe ich zur Sicherheit mit.“ Im Lokal wurde es immer voller. Sie quetschten sich an der Bühne entlang. Das Ambiente erinnerte Rita mehr an eine Wirtschaft mit Kabarettbühne im Münchner Vorland als an eine Westernkneipe in Berlin.
Sie gelangten zur Bar und Hinnerk schob ihr einen Barhocker hin und setzte sich selbst auf einen. „Ich sitze besser hier, ich bin heute nur Ersatzmann, die Squares sind bis jetzt komplett. Wenn etwas ist, kann ich so sofort einspringen.“
Rita nickte. Sie sah keinen Square Dancer weit und breit. Er wollte also mit ihr reden. Sie trank von ihrem Bier.
„Was spülst du herunter?“, fragte Hinnerk. Als sie nicht antwortete, fügte er hinzu: „Ich ahne es. Du findest die Fotos daneben?“
„Wieso das denn?“ Ritas Stimme klang schrill. „Sie sind doch cool, voll die geniale Werbung“
„Wenn du das so sehen kannst.“ Hinnerk lehnte sich auf seinem Barhocker zurück, als ob er sie besser abschätzen wollte.
„Ist mir doch egal – die Fotos gehen ja nur um die halbe Welt. Und wenn ich mal Tänzerin bin – wird es Tausende solcher Fotos geben.“
„Und es ist dir nicht peinlich? Ich meine, was sagen deine Freunde zu Hause dazu?“
In seinen Augen lag eine Mischung aus Verwunderung und Bewunderung.
Als ob er Rita erforschte.
Sie sagte nichts – sie trank. Sie dachte an Holger. Holger daheim – er sah die Bilder. Er war ja gewiss nicht prüde – das war es nicht –; aber er konnte Bilder lesen – er las in ihrem Gesicht wie kein anderer. Und er würde den Schmerz sehen und die Macht und – dass sie sich nicht gewehrt hatte.
Einmal nach der Trennung hatte er auf sie gewartet in der Stadt und stellte nur eine Frage: „Hast du dich getrennt, weil du das wolltest oder weil deine Eltern das wollten?“
Rita hatte geantwortet: „Natürlich, weil ich das wollte.“ Auch damals klang ihre Stimme etwas zu schrill.
Dann sagte er: „Dann ist es so – dann lass ich dich in Ruhe“. Und er wartete nie wieder nach dem Training auf Rita. Er rief auch nicht an – er antwortete nicht auf ihre SMS und ging nicht ans Telefon. Erst wieder in den fünf Tagen vor ihrer Abreise.
Aber es war nicht ihr Wunsch gewesen – Rita war es nur nicht gewohnt, Entscheidungen zu treffen, die andere missbilligten. Und an dem Abend mit Hinnerk in diesem Club war es genauso. Es ist etwas anderes, zuzustimmen als gar nichts zu sagen. Es ist etwas anderes, Fotos löschen zu lassen als sie hinzunehmen.
Sie trank wieder einen Schluck Bier, anstatt zu antworten. Natürlich hatte sie nicht zugestimmt. Ihr waren die Fotos zuwider.
Sie würde auf einem Berliner Radioball tanzen. In einer Show. Keine Ahnung was, Hans-Dieter würde sie schon noch einweisen – war ja nicht so schwer, in Gänseformation einen Salsa zu tanzen und ein paar Hebewürfe einzubauen. Frederik hatte die Folgen schon mit ihr geübt. Das kam auf solchen Bällen immer gut an.
Nach dem dritten Bier konzentrierte sie sich darauf, nicht zu lallen.
Hinnerk fing schon wieder an: „Du hast zugestimmt?“
Natürlich nicht, natürlich doch. Rita wand sich. Nur nicht zugeben, dass der Kerl sie so ausnützte. Doch sie wollte nicht lügen; es war alles so unendlich peinlich.
Rita knetete ihre Finger, damit ihr etwas Gescheites einfiel.
„Hör mal, ich muss wissen, ob du zugestimmt hast!“
„Du? Was musst du, was weißt du schon, was geht es dich überhaupt an?“
Was für eine Ausfragerei, als ob sie ein Kleinkind wäre! Gleichzeitig schämte sie sich. Hinnerks Tonfall war nicht ungerecht, nicht überheblich. Er erinnerte sie schon wieder an Holger. Etwas länger und etwas blonder. Rita versank in ihren Barhocker.
Eine der Tänzerinnen aus der Square Dance-Gruppe trat auf ihn zu. „Hinnerk, Jens musste kurzfristig weg. Springst du ein?“
„Gleich, gleich.“
„Hinnerk, es geht los, wir treten jetzt auf und du musst dich noch umziehen.“
Es hätte nur noch gefehlt, dass diese Ziege ihn vom Hocker zog.
Und Rita half ihr noch; sie sagte zu Hinnerk: „Du kannst ruhig gehen, ich komm schon klar.“
„Nicht weggehen, wir reden in der Pause weiter.“
„Was soll das bringen?“
„Ich will dir helfen, Rita, glaub mir. Ich will nicht, dass du so endest wie Carmen.“
...

Die Autorin:

Die gelernte Gärtnerin Tine Sprandel arbeitet nach Zwischenstationen am Theater und im Gartenbau  als Autorin, Texterin und Webdesignerin. Sie wohnt mit ihrer Familie  im Münchner Süden. Für die Reihe „Quick, quick, slow – Tanzclub Lietzensee“ schreibt sie gerade an dem zweiten Roman. Außerdem ist sie für die Covergestaltung zuständig.
Mehr zu Tine Sprandel: www.asprandel.de

Sonntag, 31. Mai 2015

„Der Richter aus dem Schattenreich, Fletchers erster Fall“ von Rudolf Otto Schäfer



              

Klappentext:

Fletcher, ein unscheinbarer und durchschnittlicher Typ, will nach der Trennung von seiner Frau und dem nachfolgenden Umzug in ein kleines englisches Dörfchen, eigentlich nur seine Ruhe haben. 
Als aber Tom, der quirlig-nervende Geist eines Teenagers plötzlich Kontakt zu ihm aufnimmt und ihn um Hilfe bittet, ist es mit der Ruhe schlagartig vorbei. 
Dämonische Mächte planen die Menschheit zu versklaven. 
Zusammen mit der attraktiven Alison - Besitzerin eines Esoterik-Geschäfts und selbst ernannte Fachfrau für übersinnliche Phänomene, nehmen sie den Kampf auf. 
Wird das ungleiche Trio die Welt retten können? 


Leseprobe:

Das war wohl das Falscheste was ich hätte sagen können. Das Ding blähte sich auf und im ganzen Haus wurde es dunkel wie die Nacht. Eine Stimme so dunkel und bedrohlich wie sie nur aus der Hölle kommen konnte, schrie: „Menschlein, du hast angefangen mit Dingen zu spielen, die du nicht mal ansatzweise verstehen kannst oder wirst! Ich rate dir, pack deine Sachen und verschwinde aus diesem Ort! Lauf so weit du nur kannst und komm niemals wieder zurück!“
Ich schluckte und in meinen Ohren war wieder dieses grausame Pfeifen, wie ich es schon so oft hatte. Unwillkürlich hatte ich mich nach unten geduckt und versuchte in der Schwärze des Flures etwas zu erkennen. Ich meinte, ganz hinten im Dunkeln so etwas wie eine große Person stehen zu sehen, aber ich konnte mich auch irren.
Das Einzige was mir einfiel, war: „Sagt wer?“
In dem Moment, in dem mir das herausrutschte, hätte ich mir am liebsten selber eine geknallt! Ich und meine große Fresse wieder!
Die schwarzen Schlieren zogen sich immer mehr zusammen und bildeten zum Schluss eine feste Person. Das milderte meine Angstgefühle aber um keinen Deut. Denn jetzt stand – keine vier Meter von mir entfernt – eine fast zwei Meter große, in einen Kapuzenmantel gehüllte Gestalt.
Sie hob den Arm und deutete mit einer geschwärzten Hand auf mich. Es knallte laut und die Gestalt war von jetzt auf gleich verschwunden und tauchte keine Armlänge vor mir wieder auf.
Ich rutschte langsam mit meinem Rücken an der Tür nach unten. Dieses Ding schaute auf mich herab.
Erhältlich bei Amazon und Google Play



Rudolf Otto Schäfer wurde am 13.02.1968 in Lennestadt Sauerland geboren. Von der Natur und drei Schwestern umgeben wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Nach erfolgter Schullaufbahn und dem Willen seiner Eltern durfte er nicht den erträumten, sondern den gewünschten beruflichen Weg einschlagen. Statt sich dem Studium zu widmen, lernte er Metall nach allen Regeln der Kunst zu bearbeiten. Sich in Fantasiewelten zu flüchten, schien die einzige Möglichkeit zu sein, dieses durchzuhalten. Bücher wurden verschlungen und die Begierde groß, selber zu schreiben. Nach einem Fachstudium und diversen anderen Arbeitsbereichen machte er sich kaufmännisch selbständig und eröffnete nebenbei noch ein Esoterik Geschäft. Sich mit Büchern zu umgeben und auf einfach unglaubliche Menschen zu treffen, schienen das Leben perfekt zu machen.
Da aber eine Familie nicht vom Lebensglück allein ernährt werden kann, arbeitet er seit 2007 am Airport. Nach einigen Kurzgeschichten hat er 2014 seinen ersten Fantasy Krimi auf dem Markt gebracht, dem noch zahlreiche andere folgen sollen.
Lebenserfahrung, eigene Erlebnisse und Humor spiegeln sich in seinen Kurzgeschichten und in seinen Büchern wieder. Bisher erschienen sind: Der Richter aus dem Schattenreich und Das dunkle Ritual. Beides sind Fantasy – Krimis für Jugendliche und Erwachsene. Spannung mit einem gehörigen Anteil Humor. Fertiggestellt wurde 2015, dass Kinderbuch „Kiara und das Schimpfmonster“. Eine Fantasy - Geschichte für die ganz Kleinen. Ein Vorlesebuch über Mut und Freundschaft.
Link zur FB Fanpage: https://www.facebook.com/fantasyschaefer