Sonntag, 8. Oktober 2017

DAS ERBE DER BARONE VON HOFSTETTEN, Dritter Teil: DAS PHARAONENGRAB* Aus der REIHE Max und Micha, die Junior-Detektive vom Wolfgangseevon Klaus Kurt Löffler

 
KLAPPENTEXT: 

Die Königsmumie im Mausoleum beunruhigt die Bewohner des Sarazenenschlössl. Max und Micha werden nach West-Theben geschickt, um den früheren Diener der Familie Abdulla nach der Herkunft der Altertümer zu befragen. Als von den Jungen jede Nachricht ausbleibt, befürchten Tessi und ihr Vater, dass den beiden etwas zugestoßen sei, und begeben sich auf die Suche. In el Kurna kann niemand etwas über den Verbleib der Jungen sagen. Sie wollten ein Ausgrabungslager im Tal der Könige aufsuchen, wo Abdulla arbeitet. Dort sind sie aber nicht angekommen, wie der beteuert. Er hilft bei der Suche, die aber erfolglos bleibt. Dann bietet ein Unbekannter seine Hilfe an. Können Vater und Tochter ihm trauen oder geraten sie selbst in Gefahr? Denn den Grabräubern, die ein noch unbekanntes Königsgrab entdeckt zu haben scheinen, ist jedes Mittel recht.
Veröffentlicht als eBook und Print bei Amazon.


Leseprobe

Während Tessi noch überlegte, was sie ihrem Vater von den Gesprächen berichten sollte, trat ein dunkelhäutiger Ägypter in europäischer Kleidung an ihren Tisch und nahm unaufgefordert Platz.
Bevor der Baron dagegen protestieren konnte, kam der uneingeladene Tischgast zur Sache. »Ich sehe davon ab, mich vorzustellen«, äußerte er kalt. »Denn für das, was ich mit Ihnen zu besprechen habe, ist es besser, wenn Sie nicht wissen, wer ich bin ... Ich habe gehört, dass Sie nach dem Verbleib zweier Jungen forschen, die in Ihrem Auftrag unterwegs waren. Ich könnte Ihnen bei der Suche behilflich sein, da ich den - übrigens unfreiwilligen - Aufenthalt kenne. Wir erwarten aber eine Gegenleistung. Im Nachlass Ihres Vaters befinden sich gewisse Gegenstände, die uns gehören und die wir zurückhaben wollen.« 
»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«, erwiderte von Hofstetten verwundert. »Ich habe erst vor kurzem das Erbe angetreten und bin noch dabei, die Hinterlassenschaft zu sichten.« 
»Es handelt sich um die Altertümer, die der Botschafter in seinem Hause in einer unterirdischen Kammer verwahrte.« 
»Um darüber Aufschluss zu erlangen, sind die Jungen hergereist! Stammen sie aus einer legalen Quelle?«
»Ihre Frage ist sicherlich nicht ernst gemeint! Eine solche erlesene Ansammlung finden Sie sonst nur im Museum.« 
»Dann gehören sie auch dorthin und an keinen anderen Platz. Ich werde mich nicht an der Verschiebung illegal ausgeführter Altertümer beteiligen, die unrechtmäßig aus einer Grabstätte entfernt wurden.« 
Der Fremde lachte. »Ihre Mitwirkung ist nicht nötig. Wir sind auch so in der Lage, uns wieder in den Besitz der Sachen zu setzen, die der Botschafter für uns verwahrt hat. Von Ihnen erwarten wir nur, dass Sie Stillschweigen über die Sache bewahren. Das liegt übrigens auch im eigenen Interesse. Sie werden kaum daran interessiert sein, dass die Rolle Ihres Vaters bei dieser heiklen Angelegenheit öffentlich bekannt wird.« 
»Das ist richtig! Woher sollen wir aber wissen, dass Sie Wort halten und die Jungen tatsächlich freigeben?« 
»Sie gehen kein Risiko ein. Ich werde vorleisten, damit Sie sehen, dass Sie uns vertrauen können. Ich bringe Sie zu dem Ort hin, an dem sich die Jungen - ich hoffe noch lebend! - befinden.« 
Von Hofstetten wollte wegen des zynischen Einschubs heftig erwidern, als ihn seine Tochter mahnend am Ärmel zog. Er nahm sich zusammen. »Wie lange brauchen wir, um dorthin zu gelangen?«, fragte er stattdessen.
»Ich werde Sie mit dem Jeep hinfahren. Das wird die Sache beschleunigen. Ich muss Ihnen aber die Augen verbinden, weil der Ort geheim ist.« 
»Wieso bringen Sie die Jungen nicht einfach zu uns?«, fragte Tessi.
»Weil ich für meine Sicherheit fürchten müsste.« 
»Sie vertrauen uns also auch nicht?«
»Ich bin Geschäftsmann und wahre nur meine Interessen. Die Übergabe wird in den Bergen im ›Niemandsland‹ stattfinden, sodass ich mich ungehindert entfernen kann.« 
»Und wie kommen wir wieder zurück?«
»Ein paar Stunden Fußmarsch werden Ihnen gut tun! Das gibt uns den Vorsprung, den wir brauchen ... Aber entscheiden Sie sich jetzt, ob Sie auf meinen Vorschlag eingehen wollen. Meine Zeit ist begrenzt.« Mit diesen Worten stand der Fremde auf und machte Anstalten, sich zu entfernen. Dann drehte er sich nochmals um: »Kein Wort zu niemandem«, befahl er. »Sonst betrachte ich unsere Abmachung als erledigt und Sie sehen die Jungen nie wieder.« 
Tessi und ihr Vater erhoben sich verschreckt. »Können wir nicht wenigstens …?«, versuchte von Hofstetten Zeit zu gewinnen.
»Nein!«, unterbrach der Ägypter. »Sie gehen so, wie Sie sind, oder gar nicht. Alles andere wäre für mich ein unnötiges Sicherheitsrisiko.« 
Von Hofstetten sah ein, dass er sich fügen musste und folgte dem Unbekannten ohne weitere Einwände. Tessi zögerte einen Moment, als sie an Ahmeds nächtliche Warnung dachte. War das der vorausgesagte Versuch, sich nun auch der Retter zu bemächtigen, nachdem man schon Max und Micha ausgeschaltet hatte? ... Wohl kaum! Ahmeds Befürchtungen, schienen sich als unbegründet zu erweisen: Dagegen sprach die Tatsache, dass sich der Grabräuber ihnen vor aller Augen im Frühstücksraum genähert hatte. Das wäre wohl kaum geschehen, wenn er ihnen ans Leben wollte. Nach seinen Erklärungen handelte es sich bei der Entführung der Jungen zudem um eine Art Kidnapping, mit dem man sich in den Besitz der Altertümer unter dem Hause des verstorbenen Botschafters setzen wollte. Das war eine plausible Begründung, die den Zugriff auf die Jungen genügend erklärte.
Ein gewisses Risiko blieb. Aber das mussten sie eingehen. Sie durften keinesfalls die Chance, die Jungen zu befreien, aus Überängstlichkeit vertun. Im Übrigen hatte sich ihr Vater bereits entschieden und der Handel galt wohl nur für beide zusammen oder gar nicht.


Klaus Kurt Löffler:
Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.
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Sonntag, 1. Oktober 2017

Fragen Sie Erkül Bwaroo! von Ruth M. Fuchs

Klappentext:
Wie konnte ein Mann ermordet werden, der sich allein in einem verschlossenen Raum befand?
Warum endete ein harmloser Spaziergang tödlich?
Welches Geheimnis steckt hinter dem weißen Kaninchen mit der schwarzen Weste?
Weshalb wurde die Großmutter im Wald so brutal ermordet?
Wer hat die schöne Nymphe entführt?
Wohin verschwanden die Heinzelmännchen?
Und wieso fiel ein Passagier in einer stürmischen Nacht einfach so über Bord?

Sieben Rätsel – sieben Fälle für Erkül Bwaroo und seine kleinen, grauen Zellen!
Der Elfendetektiv mit dem stattlichen Schnurrbart und dem belgischen Akzent ist stets bereit, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Aber wird er auch jedes Mal erfolgreich sein und den Täter seiner Strafe zuführen?



Leseprobe:
„Aber Bwaroo! So eine Seereise ist sehr gesund und daher dachte ich, es wäre genau das Richtige, um mich endlich mal bei Ihnen zu bedanken. Ohne Sie würde ich jetzt im Gefängnis sitzen, weil alle glaubten, ich hätte meine Frau vergiftet. Ich möchte mich revanchieren. Und das wird sicher herrlich!“
„Bestimmt“, gab Bwaroo zu, sah aber trotzdem sehr unglücklich aus. „Mais, mon Ami, Schiffe sind kein Aufenthaltsort für Erkül Bwaroo. C'est impossible!“
„Aber Bwaroo, Sie haben doch nicht etwa Angst davor, seekrank zu werden.“
Non“, der kleine, wohlbeleibte Elf richtete sich zu seiner vollen, wenn auch wenig eindrucksvollen Größe auf. Sein schwarzer Schnurrbart zitterte vor Empörung. „Ich habe keine Angst. Ich weiß, dass ich seekrank werde.“
„Keine Bange, Bwaroo“, Paul Lester schlug ihm so freundschaftlich auf die Schulter, dass Bwaroo einen Moment die Luft weg blieb. „Die 'Anderwelt' ist ein großartiges und modernes Passagierschiff. Auf dem wird garantiert niemand seekrank. Und Sie sehen wirklich etwas blass aus.“
„Tatsächlich?“ Alarmiert reckte der Elfendetektiv den Kopf, um in den Spiegel zu sehen, der ihm gegenüber an der Wand hing.
„Die Seeluft wird Ihnen gut tun“, fuhr Lester eifrig fort. „Ihr Schnurrbart hängt auch schon ganz traurig herunter.“
Erkül Bwaroo strich sich nun besorgt über den erwähnten Bart. Er seufzte. Er freute sich natürlich, dass Paul Lester sich so rührend bemühte, seine Dankbarkeit zu zeigen. Er hatte ihn vor einigen Monaten kennengelernt, als man ihn unter verhaftet hatte, weil er angeblich seine Frau vergiftet hatte. Doch der Detektiv konnte bald beweisen, dass Lester unschuldig war. Mehr noch, Bwaroo konnte den wahren Täter überführen und Paul Lesters Namen damit wieder reinwaschen. Inzwischen waren sie Freunde geworden und Bwaroo wusste durchaus, dass Lester es nur gut meinte.
„Die Seeluft wird Ihnen beiden gut tun – Ihnen und Ihrem Schnurrbart“, lachte Paul. „Es ist doch bekannt, dass sie sehr gesund ist.“
Dass der kleine Elf tatsächlich lieber auf die Reise verzichtet hätte, kam ihm gar nicht in den Sinn.
„Soll ich den Schiffsarzt rufen?“, erkundigte sich der Steward fürsorglich, als er Bwaroo, fest in einen Mantel gewickelt und mit drei Seidenschals um den Hals, zu seiner Kabine gebracht hatte. „Sie scheinen krank zu sein.“
Non, merci. Das würde nichts nützen.“, antwortete Bwaroo mit Leidensmiene. „Die Krankheit steht mir noch bevor.“
Der Steward war professionell genug, sich sein Erstaunen über diese Antwort nicht anmerken zu lassen. Stattdessen ließ er den Elf taktvoll allein. Er war kaum gegangen, als Paul Lester schon herein gestürmt kam.
„Kommen Sie an Deck, Bwaroo“, rief er enthusiastisch, „das Schiff legt gleich ab!“
Et alors. Dagegen werden wir wohl kaum etwas tun können“, murrte Erkül Bwaroo, ließ sich aber ohne großen Widerstand mitziehen.
Zum Abendessen wurden Bwaroo und Lester an einen Tisch geführt, an dem bereits zwei weitere Gäste saßen, augenscheinlich Vater und Tochter.
„Guten Abend“, begrüßte sie der Mann freundlich, ein vornehmer Elf. „Ich bin Baron Pelgar. Und dies ist meine Tochter Eloise.“
Liebenswürdig erwiderten die beiden Freunde den Gruß und stellten sich ebenfalls vor. Das Mädchen murmelte lediglich ein lustloses „’N Abend“ mit einer Miene, als sei allein schon die Tatsache, dass sie sich hierher hatte begeben müssen, eine Zumutung.
„Eloise“, ermahnte ihr Vater sie. „Sei wenigstens höflich.“
Als Antwort knüllte Eloise wütend die Serviette zusammen, die sie sich bereits auf den Schoß gelegt hatte und warf sie mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch. „Lass mich doch in Ruh!“, herrschte sie ihren Vater an und stürmte aus dem Saal.
Pelgar zuckte unter ihren Worten zusammen, als hätte sie ihn geschlagen.
„Sie müssen meiner Tochter verzeihen“, wandte er sich mit hochrotem Kopf an Bwaroo und Lester.
„Ein schwieriges Alter“, äußerte letzerer mitfühlend.
„Besonders, wenn man frisch verliebt ist“, fügte Bwaroo hinzu. L’amour, c’est une chose difficile.
„Ah, ich hätte wissen müssen, dass dem berühmten Detektiv nichts verborgen bleibt.“ Baron Pelgar neigte zustimmend den Kopf. „Es stimmt. Meine Tochter ist verliebt. Leider in einen Tunichtgut. Einen Glücksritter, der nur hinter ihrem Geld her ist. Ich habe sie mit auf diese Reise genommen, um die beiden zu trennen und Eloise auf andere Gedanken zu bringen. Leider ist es schwieriger, als ich erwartet habe. Das Mädchen hat den Dickschädel ihrer Mutter – wobei ich den starken Willen meiner verstorbenen Frau immer sehr bewundert habe. Nur ...“ Der Elf machte eine hilflose Geste.
„Ja, es kommt immer darauf an, worauf dieser Wille gelenkt ist, n'est ce pas?“, stimmte Bwaroo weise zu.
Pelgar verzog den Mund zu einem wehmütigen Lächeln.
In der Nacht frischte der Wind auf und am nächsten Tag hingen dunkle Wolken tief und bedrohlich über dem Meer. Alles war in ein ungewisses Zwielicht getaucht. Das Schiff schaukelte heftig auf der rauen See. Bwaroo hangelte sich mit etwas Mühe an den überall gespannten Halteseilen zu der Kabine seines Freundes. Der war nicht zum Tee erschienen und nun machte sich der kleine Elf allmählich Sorgen.
Er fand Paul Lester kreidebleich im Bett liegend.
„Mein lieber Lester“, rief er erschrocken, „Ich hole besser den Schiffsarzt!“
„Nein, das wird nicht nötig sein“, ächzte Paul.
Doch da war Bwaroo schon losgestürmt und kehrte nur kurze Zeit später mit dem Arzt im Schlepptau zurück.
„Ah ja“, sagte dieser mit einem Blick auf das inzwischen grünlich verfärbte Gesicht von Paul Lester. „Bei diesem Seegang werden viele krank. Ich denke, Ingwertee wird helfen. Ich lasse gleich eine Kanne voll vorbeischicken.“
C’est très gentil, Monsieur le Docteur. Das ist sehr freundlich von Ihnen“, versicherte der kleine Elf.
Kurz nachdem der Arzt wieder gegangen war, kam auch wirklich einer der Stewards und brachte eine große Kanne dampfenden Tees. Und während Bwaroo noch darüber sinnierte, wie dieser junge Mann die Kanne unbeschadet über das schwankende Deck hatte tragen können, schenkte er seinem Freund schon einen Becher des Getränks ein. Doch Lester versicherte, im Moment nichts trinken zu können, und bat stattdessen darum, allein gelassen zu werden.
Kaum hatte Bwaroo einen Schritt auf das Deck hinaus getan, als ihm eine Böe auch schon den Hut vom Kopf riss.
Zut alors“, schimpfte der kleine Elf und setzte noch ein inniges „merde“ dazu. Aber da war nichts zu machen, der Hut flog bereits aufs Meer hinaus und Bwaroo konnte ihm nur noch nachschauen.
Inzwischen hatte es auch noch zu regnen angefangen und der Wind peitschte die Tropfen wie eisige Nadeln gegen das Schiff. Dazu kam die Gischt der immer höher schlagenden Wellen. Schaudernd zog der Elfendetektiv den Kopf ein, schlug den Mantelkragen hoch und schickte sich an, in das Innere des Schiffes zurück zu flüchten. Da bemerkte er einen Mann, der seinen Hut noch fest auf dem Kopf hatte. Verwundert fragte sich Bwaroo, wie er das wohl geschafft hatte. Er stand einige Meter entfernt an der Reling und beugte sich zusammengekrümmt nach vorn, mit beiden Händen auf Mundhöhe. Leider war das Licht zu schlecht, um genaueres zu erkennen, aber zweifellos wollte er rauchen und versuchte nun, die Flamme zu schützen, bis der Tabak Feuer gefangen hatte. Es schien ein schwieriges Unterfangen, aber schließlich richtete der Mann sich wieder auf. Und dann stürzte er über die Reling hinab ins Meer.
„Zu Hilfe! Mann über Bord!“, schrie Bwaroo geistesgegenwärtig und schleuderte auch schon einen der Rettungsringe, die an den Seiten des Schiffes hingen in die Richtung, in der er den Mann vermutete – sehen konnte er ihn nicht.
Seine Rufe waren offenbar gehört worden, denn gleich danach wurde auch schon die Sturmglocke geläutet. Fast sofort stoppte der Schiffsmotor und ein Boot wurde zu Wasser gelassen, um nach dem Passagier zu suchen.
Aufmerksam sah Bwaroo den Männern im Boot zu. Dass er völlig durchnässt wurde, störte ihn jetzt überhaupt nicht mehr. Bei dem schlechten Licht schien es ziemlich aussichtslos, den Körper eines einzelnen Mannes zu finden. Und doch konnte Bwaroo schließlich erkennen, wie etwas Schweres von zwei Männern in das Beiboot gehievt wurde, das sich daraufhin auf den Weg zurück zum Schiff machte.
„Bei dem Wind musste es ja mal passieren, dass jemand über Bord fällt.“ Ein Matrose trat neben Bwaroo und sah zu, wie der Mann, der aus dem Meer geborgen worden war, hinunter in die Krankenstation getragen wurde.
Der Elfendetektiv sagte nichts dazu. Es war dunkel gewesen, doch er war sich sicher, eine Gestalt gesehen zu haben, die sich gebückt an den Mann herangeschlichen und ihn über Bord geworfen hatte.
Monsieur le Capitaine, habe ich gesagt! Ich sage Ihnen, es war kein Unglück. Es war ein Mordversuch. Und was macht dieser Mensch? Er lacht mich aus!“ Erkül Bwaroo saß am Bett seines Freundes. Sein enormer Schnurrbart bebte vor Empörung über die Behandlung, die ihm der Kapitän des Schiffes hatte zuteil werden lassen. „Ich sage ihm: Ich bin Erkül Bwaroo. Und er sagt: Wer? Und dann wendet er sich an seinen Angestellten, äh, ich meine an so einen Offizier und flüstert ‚Schaffen Sie mir diesen alten Kauz von der Brücke.’ Alter Kauz, moi! Und er hält mich anscheinend nicht nur für dumm, sondern auch noch für taub.“
Paul Lester, noch immer leichenblass, versuchte sich aufzusetzen, sank aber stöhnend in die Kissen zurück.
„Oh mein Freund!“ rief Bwaroo bestürzt. „Wie herzlos von mir. C'est impardonnable. Sie sind krank und ich behellige Sie mit meinen Sorgen!“ Sehr verlegen stand er auf und deckte Lester fürsorglich wieder zu. „Nur weil ich aufs Äußerste beleidigt wurde ... wie unverantwortlich von mir. Non, mon Ami“, er hob die Hand, als der Kranke etwas erwidern wollte. „Kein Wort mehr. Es tut mir leid, Sie belästigt zu haben. Werden Sie gesund. Das ist das Allerwichtigste. Alles andere kann warten.“
Erkül Bwaroo lächelte seinem Freund aufmunternd zu, schenkte ihm einen Becher Ingwertee ein und achtete mit Argusaugen darauf, dass der auch ausgetrunken wurde. Erst dann verabschiedete er sich.
Monsieur le Docteur, wie geht es dem Mann, der über Bord, äh, gefallen ist?“ Der kleine Elf blickte zu Dr. Webber, dem Schiffsarzt empor, den er bereits bei Lester kennengelernt hatte.
Freundlich antwortete dieser: „Herr Roberts, so heißt der Verunglückte, wird es überleben. Obwohl er wirklich verflucht viel Wasser geschluckt hat. Und der Aufprall mit dem Kopf auf dem Wasser war auch ziemlich hart. Hat ihm eine Gehirnerschütterung eingetragen, die sich gewaschen hat. Ein paar Minuten mehr, und es wäre zu spät gewesen.“
Bwaroo nickte ernst und fragte sich, wie er wohl am besten weiter verfahren sollte. Doch da zwinkerte ihm der Arzt zu: „Wittern Sie wieder einen Fall, Herr Bwaroo? Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen. Bei so einem Wetter kann es schon mal passieren, dass jemand über Bord geht.“
„Sie kennen mich?“ Nach seiner Erfahrung mit dem Kapitän tat es Erkül Bwaroo mehr als gut, dass jemand wusste, wer er war.
„Natürlich“, bejahte der Arzt. „Ich habe oft über Sie in der Zeitung gelesen und dabei auch Ihr Bild gesehen. Hat mich immer fasziniert, wie Sie ihre Fälle gelöst haben.“
„Ja, die kleinen, grauen Zellen!“ Bwaroo tippte sich an die Stirn. „Nur auf die kleinen, grauen Zellen kommt es an.“
„Jaja, das Cerebrum mit seinen Fähigkeiten ist schon faszinierend“, der Arzt lächelte verschmitzt. „Und Ihr geniales Gehirn hat eine Theorie zu einem Verbrechen an dem armen Roberts entwickelt?“
Ah non“, wehrte Bwaroo geschmeichelt ab. „aber nun ja, man macht sich Gedanken ... möchte sicher gehen ...“
„Tja, Roberts ist nicht bei Bewusstsein. Und ich bezweifle, dass er sich an den Unfall erinnern wird, wenn er erwacht.“ Dr. Webbers spreitzte zweifelnd die Finger. „Amnesie ist in so einem Fall sehr häufig, wissen Sie? Kann vorübergehend sein, kann aber auch immer so bleiben.“
Je comprends“, murmelte der kleine Elf und wippte nachdenklich auf den Fußballen. „Aber, Monsieur le Docteur, reist Monsieur Roberts denn allein? Oder hat er Begleitung?“
„Seine Frau. Sie ist gerade bei ihm“, Webber zeigte auf die geschlossene Tür zum Krankenzimmer. „Möchten Sie mit ihr reden? Ich habe nichts dagegen, solange Sie sie nicht aufregen.“
Erkül Bwaroo versicherte, darauf zu achten und der Arzt holte die Frau des Verunglückten. Sie war eine Frau, der man ansehen konnte, dass sie normalerweise Vitalität und Frohsinn ausstrahlte. Doch jetzt sah sie verhärmt und abgekämpft aus. Dr. Webber führte sie fürsorglich zu einer in einer Ecke stehenden Sitzgruppe und nötigte Bwaroo, im Sessel gegenüber Platz zu nehmen. Die beiden saßen noch nicht lange, als eine adrette Schwester ihnen Tee und ein paar Kekse brachte.

Vita
Ruth M. Fuchs kam nach München, um Verwaltungswissenschaften zu studieren. Nach dem Diplom blieb sie und lebt inzwischen mit ihrem Ehemann in der Nähe von München. Ihren künstlerischen Ausdruck suchte sie zuerst in der bildenden Kunst. Sie modellierte Softskulpturen, die sie auf mehreren Ausstellungen in Deutschland und Österreich präsentierte. Als sie, eigentlich durch Zufall, die Herausgeberin des Magazins "Neues aus Anderwelt" wurde, begann sie auch zu schreiben. Inzwischen hat sie das Modellieren hintangestellt und widmet sich ausschließlich der Tätigkeit als Schriftsteller.
Ihr erstes Buch, das Sachbuch Die wunderbare Welt der Elfen und Feen, erschien auf 2003 auf Anregung des Eulen Verlags. Inzwischen ist sie jedoch ins Romanfach gewechselt. Besonderen Erfolg hat sie dabei mit der humorvollen Reihe "Erkül Bwaroo ermittelt". Aber sie hat auch noch andere Romane und Kurzgeschichten zu bieten: spannend, skurril und ironisch. Mehr darüber unter www.ruthmfuchs.de

Sonntag, 24. September 2017

„Das Nebelkind – Lügen enden mit der Wahrheit“ von Annika Capricorni




Klappentext:
Wenn dein Vater spurlos im Wald verschwindet, würdest du ihn suchen?
Wenn Dinge passieren, die du dir nicht erklären kannst, würdest du dann Fragen stellen?
Wenn du einem unglaublich gutaussehenden Typen begegnest, würdest du ihn küssen oder in die Hölle schicken?
Gefangen zwischen zwei Welten sucht Violett nach Antworten, nach sich selbst und nach ihrer wahren Bestimmung.
Ist sie die Gejagte ihrer eigenen Vergangenheit?
Erhältlich bei Amazon, Noel Verlag, Thalia, Weltbild   
… und überall, wo es Bücher zu kaufen gibt :)

Leseprobe
1. Kapitel
Ich stand auf einem kleinen Hügel, nahe des Waldrandes, verborgen und doch zu finden. Dabei spürte ich das weiche Moos unter meinen Füßen, wie es sich flauschig und warm um meine Zehen wand. Mein Körper wurde von den weißen Nebelschwaden eingehüllt. Ich fühlte mich auf irgendeine Weise geborgen und sicher. So könnte ich hier die ganze Zeit stehen, tief versunken in der Welt meiner Träume. In einer Welt ohne Zeit und Raum.
Aber es dämmerte bereits und ich wusste, dass meine Mom auf mich zu Hause warten würde. So wie früher, als sie mich noch von der Schule abgeholt hatte. Mit meinem großen Schulranzen hatte ich von hinten wie eine Schildkröte ausgesehen. Oft fühlte ich mich auch so. Ich wollte am liebsten die Augen verschließen und mich in meinem Panzer verkriechen. Ich wollte träumen, denn da existierte mein Vater für mich weiter. Meine Eltern standen beide dort und warteten nur auf mich. Ich würde ihre Hände nehmen und wir würden gemeinsam zu uns nach Hause gehen – doch dem war nicht so. Ich kam immer mit offenen Augen aus dem Schulgebäude gelaufen und sah meiner Mom entgegen. Sie war allein und manchmal war ich es auch. Doch dann war sie wieder da, wir hielten uns an den Händen. Ja, wir hatten immer noch uns.
Ich stieß einen kleinen Seufzer aus. Denn ich wusste zu genau, dass der Wald bei Anbruch der Dunkelheit sehr gefährlich war. Vor zehn Jahren war mein Vater im Wald spurlos verschwunden, doch seine Leiche wurde nie gefunden. Man hatte weder Spuren entdeckt noch gab es irgendeinen Anhaltspunkt, der uns zeigte, dass er noch lebte. Doch dass es sich hier um einen Spuk oder Fluch handelte, hielt ich für lächerlich. Das hier war ein Wald, in dem Füchse, Dachse sowie Hirsche lebten, und sich manchmal auch ein Rudel Wölfe verirrte, obwohl auf irischem Boden seit der eiszeitlichen Trennung von den britischen Inseln keine mehr gesichtet wurden. Doch ich vernahm ab und zu aus der Ferne ihr gemeinschaftliches Geheul, was mich immer wieder aufs Neue faszinierte. Aber Geister, Kobolde, Gnome und Hexen sollte es hierher wohl kaum verschlagen haben.
Mein Dad war in der Nacht meines sechsten Geburtstages verschwunden. Damals hatte er zu mir gesagt: »Meine kleine Violett, eines Tages wirst du die Tore zweier Welten betreten. Der Schlüssel dorthin ist nah und doch so fern, an einem Ort zur richtigen Zeit, wenn Rosen welken, Wunden heilen und Augen trügen. Aber gib acht, denn auch Monde können untergehen!« Mit diesen letzten Worten war er aus unserem Leben verschwunden.

Kurzvita
Annika Capricorni wurde 1997 in Norddeutschland geboren, wo sie immer noch mit ihrer Schwester zusammenlebt. Wenn sie ausnahmsweise mal nichts zu tun hat, denkt sie sich Geschichten aus. Damit die vielen Ideen nicht verloren gehen, hat Annika immer einen Stift und einen Notizblock in der Nähe. Notfalls wird einfach das Handy vollgeschrieben, bis der Speicher überquillt.
Neben dem Schreiben trifft Annika sich gerne mit ihren Freunden, verschlingt Bücher innerhalb von Tagen und isst super gerne Schokolade, die sie nur ungern teilt.
Homepage der Autorin: http://capricorni.de/

Sonntag, 17. September 2017

„Hals über Kopf ist es Liebe“, Band 2 der Portland Storm-Reihe von Catherine Gayle


Übersetzerinnen:
Eva Markert und Christina Löw

Titel der Originalausgabe:
„On the Fly“, Portland Storm Book 2

Klappentext:

Nachdem er durch seine Verletzungen viel zu lange ausgebremst wurde, ist Portland Storm-Spieler Brenden „Soupy“ Campbell bereit, die nächste Stufe seiner Karriereleiter zu erklimmen und seine neue Position im Team zu verteidigen. Als er die hübsche Assistentin des Geschäftsführers kennenlernt, weiß Brenden, dass er genau da ist, wo er sein sollte.

Da Rachel Shaw entschlossen ist, ihr Leben zu verändern und eine Zukunft für sich und ihre Kinder aufzubauen, ergreift sie die Chance, für Portland Storm zu arbeiten. Sie wird sich durch nichts – und niemanden – daran hindern lassen, erst recht nicht durch einen attraktiven und anmaßenden Hockeystar.

Selbst als Brenden alle Charme-Offensiven ausspielt, weigert sich Rachel, denselben Fehler ein zweites Mal zu machen. Jetzt ist es an Brenden, seinen Platz zu behaupten – sowohl im Team als auch in Rachels Herz.

Erhältlich bei Amazon:

Leseprobe:

1
Brenden

(…) Ich war so aufgebracht, dass ich fast die betörendste kleine Rothaarige, die ich je gesehen hatte, umgerannt hätte. Sie trat drei schnelle Schritte zurück und ich streckte meine Hand aus, um ihr zu helfen, das Gleichgewicht zu bewahren. Ihre grünen Augen weiteten sich und ihre Lippen formten ein O. Es sah aus, als hätte Peter Pans Tinkerbell Feenstaub über ihre Nase und ihre Wangen gestreut und dieser wäre zu Sommersprossen geworden.
Sie war absolut nicht mein Typ, zumindest nicht mein gewöhnlicher Typ. Ich stand normalerweise auf langbeinige Brünette, auf Mädchen, die in jeder erdenklichen Hinsicht ein perfektes Gesamtpaket waren. Diese Frau hätte nicht deplatzierter wirken können. Die Kleidung stammte wahrscheinlich aus einem Secondhandladen und passte nicht richtig. Ihre Haare standen in alle Richtungen aus dem Pferdeschwanz ab. Der Mantel war nicht annähernd warm genug für das hiesige Wetter und das Material ihrer Handtasche war schäbig und mit etwas bedeckt, was wie Katzenhaare aussah.
Trotz alldem konnte ich nicht aufhören, sie anzustarren.
Heiliger Bimbam.
Tut mir leid“, sagte ich, als ich mich wieder gesammelt hatte. „Ich hätte besser aufpassen sollen, wo ich hintrete.“
Nichts passiert. Ich bin okay.“
Allerdings sah sie nicht so aus. Sie wirkte, als hätte sie Angst. Ich hoffte wirklich, ich war nicht der Grund dafür, aber wahrscheinlich war ich das. Sie schüttelte kurz den Kopf und löste sich von mir. In einer einzigen Bewegung steckte sie eine Locke hinter ihr Ohr und richtete den Riemen ihrer Handtasche auf ihrer Schulter. Dann ging sie in einem weiten Bogen um mich herum und trat mit Martha in Jims Büro. Sie spähte über ihre Schulter zu mir zurück, während sie drinnen verschwand.
Das war also Rachel Shaw. Wer auch immer Rachel Shaw war.
Na gut“, sagte ich zu ihrem Rücken. Ich schaute ihr viel zu lange hinterher, bevor ich wieder nach unten zur Umkleide ging. Ich dachte mir, ich könnte schon einmal zusammensuchen, was ich an Ausrüstung mitnehmen musste. Doch ich bekam sie nicht mehr aus meinem Kopf. Sie hatte eindeutig einen hübschen Hintern, diese Rachel Shaw. Einen sehr hübschen. Rund über ihren kurzen Beinen.
Im Moment sollte ich keinesfalls an so etwas denken wie den runden Hintern von irgendeiner kleinen Rothaarigen mit Sommersprossen wie Feenstaub.
Nicht wenn ich mir selbst und allen anderen beweisen musste, dass ich in die NHL gehörte.


Über die Autorin:


Catherine Gayle ist eine USA Today-Bestsellerautorin von historischen Regency-Liebesgeschichten und zeitgenössischen Hockey-Liebesromanen. Die gebürtige Texanerin lebt mit zwei extrem verwöhnten Katzen in North Carolina. In ihrer Freizeit schaut sie viel zu viel Hockey und Reality-TV, plant kurzweilige Unternehmungen für den nächsten Besuch ihres Monster-Neffen und führt Experimente in ihrer Küche durch, die nur selten zu Vergiftungserscheinungen führen.