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Sonntag, 3. Dezember 2017

Bluthochzeit -Fletchers Kampf von Rudolf Otto Schäfer



Die Fantasy-Reihe um den Engländer Fletcher, ausgestattet mit übersinnlichen Kräften. Eine herrliche Mischung aus Krimi und Fantasy, aus Action, Magie und Mystik, getränkt mit bissigem Humor! Begleite Fletcher bei seiner Geisterjagd.

Fletcher, Geisterjäger wider Willen, Alison und der Geisterjunge Tom konnten in Clapham Woods, gerade noch das Leben eines kleinen Jungen retten, da wird Alison von einem Vampir entführt. Ein unheimlicher Fremder gibt Fletcher den Tipp, diesen in Warwick finden zu können. Krank vor Sorgen machen sich die beiden Freunde auf den Weg, dass schier unmögliche zu schaffen und Alison aus den Fängen dieses Wesens zu retten. In Warwick angekommen, trifft unser Duo auf neue Freunde aber auch auf neue Gegner. Fletcher sucht fieberhaft nach dem Versteck des Blutsaugers, denn allen ist bewusst ... Alisons Zeit läuft ab!
Erhältlich bei Amazon als E-Book und Taschenbuch


Leseprobe:
Kapitel 2
Unerwartete Hilfe
»Verfluchte Scheißkarre!« Mit einem kräftigen Schwung warf ich die Motorhaube nach unten. Mit einem blechernen Scheppern fiel sie wieder in das Schloss.
Ich stand zusammen mit Tom auf einem Parkplatz auf der M25 Richtung Windsor und wusste erst einmal nicht mehr weiter. Müde und wütend setzte ich mich auf einen Randstein und starrte stumpfsinnig vor mich hin.
»Na komm schon Fletscher. Der muss nur kurz ein wenig abkühlen und gleich geht es bestimmt wieder weiter«, sagte Tom und deutete mit seiner Hand zum Auto. Mein uralter Audi 80 hatte das hohe Tempo, welches ich einschlug, einfach nicht verkraftet und plötzlich den Geist aufgegeben. Mit dampfender Motorhaube war ich gerade noch auf den Rastplatz zum Stehen gekommen.
Ich schaute Tom an, aber momentan war ich nicht gerade sehr optimistisch. Kurz schloss ich die Augen und ließ die letzten Geschehnisse Revue passieren. Vor kurzem war mir die sonderbare Gabe zuteilgeworden Geister sehen zu können. Warum oder weshalb konnte ich mir beim besten Willen nicht erklären. Ich war noch nie ein sehr religiöser Mensch gewesen und hatte, bis auf ein paar Horrorfilme im Kino, auch nicht das geringste für parapsychologische Geschehnisse über. Tom, der jetzt neben mir stand, hatte als erster Geist zu mir Kontakt aufgenommen und nach einigen
Anfangsschwierigkeiten, waren wir gute Freunde geworden. Durch einen unliebsamen Geist kamen wir beide in große Schwierigkeiten und brauchten professionelle Hilfe. Aber wo zum Kuckuck bekommt man diese her? Im Telefonbuch findet man unter G wie Ghosthunter keinen Eintrag.
Durch puren Zufall traf ich dann auf Alison. Ach Alison ... was soll ich euch sagen? Eine absolute
Traumfrau. Nicht nur ihr Körper, die langen Haare und diese magischen grünen Augen. Nein. Ihre Art zog mich einfach in ihren Bann. Sie konnte Verhalten aus mir herauskitzeln, die ich mir selber nie zugetraut hätte.
Selbst das Rauchen hatte ich für sie aufgegeben. Einfach so, ohne lange zu überlegen. Bisher war ich mir nur nicht im Klaren, ob meine Gefühle einseitiger Natur waren. Ab und zu hatte sie mir schon das Gefühl gegeben, mehr für mich zu empfinden. Dann aber war da so etwas wie eine unsichtbare Mauer gewesen, an der wir beide nicht weiter kamen. Vielleicht Schatten der Vergangenheit.
Naja. Auf jeden Fall war sie mir eine große Hilfe gewesen. Sie besaß einen kleinen Esoterik Laden und hatte gerade auf dem Gebiet der Parapsychologie unheimlich viel Ahnung. Wir drei zusammen schafften also das fast Unmögliche und konnten diese dunkle Bedrohung aufhalten. Dabei kam ich in den Besitz eines Artefakts mit magischen Eigenschaften. Ein hölzerner Richterhammer, der es mir ermöglichte, Geister an Orte zu verbannen, von denen eine Flucht für diese schier unmöglich war.
Kaum aber war dieses Abenteuer überstanden, hatten wir versucht, ein Rätsel in Clapham Woods zu lösen.
Ein kleiner Junge war verschwunden und durch unsere Forschungen vor Ort, konnten wir ihn retten und eine Sekte daran hindern, eine griechische Gottheit für ihre Zwecke einzusetzen.
Als kleines Geschenk für Alison hatte sie nach diesem Vorfall nun auch diese vermeintliche Gabe, Geister sehen zu können. Kaum aber hatten wir uns davon erholt, wurde sie abends auf unerklärliche Weise aus dem Badezimmer entführt. Ein unheimlicher Schattenmann hatte mir daraufhin eröffnet, dass Alison in der Gewalt eines Vampirs war. Sein Name war Absolom. Dieser solle sie in sein Versteck in Warwickshire gebracht haben. Geister, Götter, Dämonen und jetzt ein Vampir. Was nur hatte ich verbrochen, um mich mit solchen Sachen auseinanderzusetzen? Ich setzte mich also mit Tom in mein Auto und gab Gas. Ich wollte so schnell wie möglich Alison finden und wenn irgendwie möglich, aus den Händen dieses Blutsaugers retten.
Wie ich das anstellen sollte, war mir bisher noch ein Rätsel. Mein gesammeltes Wissen über diese
Blutsauger begrenzte sich leider immer noch auf diverse Horrorschinken aus den 80er Jahren. Als
ehemaliger Video Junkie hatte ich natürlich auch Vampierfilme geschaut. Also sollte ich mich auf jeden Fall mit Weihwasser, Knoblauch und einem Holzpflock bewaffnen, wenn ich diesem Absolom gegenübertreten würde.
Das aber war jetzt erst einmal nebensächlich, denn wie ich, mit einem Blick auf mein Auto feststellte, war eine momentane Weiterfahrt unmöglich. Immer noch krochen kleine Dampfwölkchen unter der Motorhaube hervor.
»Hast du vielleicht zufällig noch eine Wasserflasche im Auto?«
Tom riss mich aus meinen Gedanken. Ich schaute auf und schüttelte missmutig meinen Kopf.
»Ne sorry. Daran hab ich leider nicht gedacht. Wusste ja nicht, dass mein Motor den Geist aufgeben würde, nur weil ich einmal ausnahmsweise schneller als 50 Meilen fahren würde.«
»Also ich hab dich mehr als einmal daran erinnert, dass dein Auto die wilde Fahrt wohl nicht lange
mitmachen würde«, sagte Tom.
»Du hast darauf nicht reagiert, sondern weiter mit angespanntem Kiefer und runtergetretenem Gaspedal die Autos vor dir hergescheucht.«
Ich wischte mit dem Arm durch die Luft.
»Weißt du Tom, was ich noch weniger gebrauchen kann als eine Motorpanne?«
»Ne sag an«, gab Tom zurück.
»Deine Klugscheißerei!« Ich wusste natürlich das er Recht hatte, aber die Sorge um Alison hatte mich alle Vorsicht vergessen lassen. Ich wusste gerade nicht weiter und meine Angst um sie wurde
verständlicherweise immer größer.
Ich drückte meinen müden Körper wieder in die Senkrechte und starrte die immer noch qualmende
Blechkarre an. Meine Blicke streiften über den Parkplatz, aber außer uns hatte wohl sonst niemand Lust auf eine kleine Pause. Ein kalter Wind pfiff über den kargen Platz und ich zog den Reißverschluss meiner Jacke ein wenig höher. Ich öffnete die Beifahrertür und setzte mich schräg auf den Sitz. Irgendwo musste doch meine alte Straßenkarte sein. Ich durchwühlte mein Handschuhfach. Alte Schokoriegelverpackungen, ein paar Ersatzsicherungen und ein bisschen Kleingeld. Na hervorragend. Genau das, was ich jetzt gebrauchen könnte, war natürlich nicht zu finden.
»Suchst du was Bestimmtes?«, fragte Tom.
»Meine alte Straßenkarte«, brummelte ich zurück.
»Manche Leute sind ja schon im 21ten Jahrhundert angekommen und besitzen ein Navi«, höhnte Tom.
Mit säuerlicher Miene schaute ich ihn an. Sein Grinsen verflog.
»Schon gut, schon gut. Tut mir leid. Ich habe auch Angst um Alison, aber wenn wir hier Trübsalblasen, können wir ihr auch nicht helfen.
Außerdem weiß ich, wo dein Kartenmaterial zu finden ist.«
»Und das wäre Tom?«, gab ich leicht gereizt zurück.
»Schau mal unter deinem Fahrersitz nach.«
Ich verbog mich, um unter den Fahrersitz mit meiner Hand zu nesteln, und bekam ein Stück Papier zu
fassen. Als ich daran zog, kam die Karte zerknittert und verstaubt zum Vorschein.
»Wie ist sie denn darunter geraten?« Verwundert kratzte ich mich am Kopf. Zuletzt hatte sie Alison noch gebraucht, um unseren Weg nach Clapham herauszufinden.
»Ich habe gesehen, wie du sie, als wir in Clapham ankamen, unter deinen Sitz gestopft hast.«
Tom schien zufrieden mit sich. Ich breitet die Karte auf meinen Knien aus und strich sie ein wenig glatt.
Mein Finger fuhr unsere bisher zurückgelegte Strecke nach und kam an der Markierung für den Rastplatz zum Stehen.
»Wir haben gerade mal die Hälfte des Weges hinter uns gebracht. Mit dem Wagen wären es vielleicht noch eine Stunde Fahrt gewesen.« Ich grübelte, ob es eine Möglichkeit geben würde, unser Ziel anderweitig zu erreichen. Zu Fuß war es viel zu weit und ich hätte das meiste Gepäck hier lassen müssen. Außerdem bräuchte ich das Auto vor Ort. Es war wirklich zum Verrücktwerden. Man konnte das Gefühl bekommen, dass uns irgendeine fremde Macht davon abhalten wollte, an unserem Ziel anzukommen.
Ich haderte noch mit mir selbst, als ich das Quietschen von Bremsen hörte. Überrascht blickte ich auf und sah in Toms Gesicht.
Er wies mit der Hand nach links hinter unser Auto.
»Wir haben Besuch bekommen«, sagte er.
Ich faltete die Karte wieder zusammen und legte sie auf das Armaturenbrett.
Man konnte hören, wie die Autotür des Wagens, der gerade angekommen war, geöffnet wurde und dann wieder ins Schloss fiel.
Es war ja nichts Ungewöhnliches daran, dass jemand auf einem Rastplatz hielt, aber ich war neugierig, ob es jemand wäre, der mir vielleicht mit meinem Autoproblem helfen könnte.
Also stemmte ich mich wieder aus meiner Sitzposition hoch und schaute mir den Neuankömmling an.
Eine junge Frau war mit ihrem Wagen angekommen. Das wars dann wohl mit der Hilfe für meinen Motor.
So wie die Frau aussah, war sie mehr künstlerischen oder filigranen Hobbys zugetan. Sie schien schon eine längere Fahrt hinter sich gehabt zu haben, denn sie dehnte und streckte sich ausgiebig. Ihr kurzes blondes Haar war wirklich auffallend. Es glänzte silbrig im Sonnenlicht. Sie war eher klein und hatte eine entzückende Figur. Als Kleidung hatte sie sich eine Jeans Latzhose ausgewählt. Ein Träger baumelte lässig nach unten. Die Hosenbeine waren hochgekrempelt und die Füße steckten in Ledernden Flip Flops.
Obwohl es nicht gerade sommerlich warm war, bestand ihre Oberbekleidung nur aus einem eng anliegenden weißen Top. Sie ließ noch ein paar Mal den Rumpf kreisen und erblickte mich dann. Sie stockte kurz, hob dann aber die Hand zum Gruß und schlappte zu mir herüber.
Kurz registrierte ich Tom an meiner Seite, der unüblicherweise mal den Mund hielt.
»Hey. Auch kleines Päuschen machen?«, begrüßte mich Blondi.
Vom Nahen sah sie noch attraktiver aus. Ein kleines Stupsnäschen mit ein paar verstreuten Sommersprossen.
Schön geschwungene Lippen und große braune Augen schauten mich keck an.
Sie stemmte die Hände in die Hüften und blickte mich fragend an. Ein wenig erinnerte mich ihre
Ausdrucksweise an Alison und ein Stich bohrte sich durch mein Herz.

Kurzvita:
Rudolf Otto Schäfer wurde 1968 in Lennestadt geboren und ist seit 2013 freier Autor.
Für die Fantasybuchreihe um den Geisterjäger Fletcher hat er bis heute 3 Romane verfasst. Vor kurzem erschien der dritte Band, der Fantasy Serie "Bluthochzeit -Fletchers Kampf-".
Seine Mystery Jugendbuchreihe "Shadow Town" beschreibt die Abenteuer einer Gruppe Jugendlicher in einer amerikanischen Küstenstadt. Bisher erschienen ist Band I "Die Ankunft".
Weiterhin entstand das Kinderbuch »Kiara und das Schimpfmonster«. Vom Alogino Hörbuchverlag München, wurde der erste Band der Fletcher Serie und  "Kiara und das Schimpfmonster" produziert. Momentan wird der zweite Teil der Fletcher Serie "Das dunkle Ritual" vertont. Die aufwendig produzierten Hörbücher können über audible erworben werden.
Er lebt seit 2002 in Unna bei Dortmund.

Sonntag, 25. September 2016

Klausmüller - Ein Esel als Gespenst von Pebby Art

Klappentext:

Stoffesel Klausmüller hat es geschafft: Joey und Klara machen mit ihm einen Gespenstergruselgang durch den Wald. Noch ahnt er nicht, welche Folgen dieser Waldspaziergang haben wird. Nicht nur, dass sie einen verstoßenen Hund finden, auch der vierzehnjährige Joey scheint so manches Geheimnis zu hüten. Und die alte Frau Greismann zeigt mal wieder, was in ihr steckt und nimmt eine syrische Familie bei sich auf, nachdem deren Unterkunft beschmiert wurde.
Doch Klaras größte Sorge gilt Joeys Vergangenheit: Was hat Joey mit den fiesen Jungs zu schaffen, die des Nachts durch die Straßen streifen und Unheil anrichten?
Erhältlich bei Amazon.

Klausmüller setzt sich durch

„Du darfst auch Vampir sein!“ Große, hoffnungsvolle Klausmüller-Augen blickten hoch zu Joey.
„Ich will kein Vampir sein.“ Joey wandte sich ab und schloss das Gatter zur Weide, in die Klara und er gerade die Pferde gebracht hatten.
„Gespenst!“, rief er und sprang vor Joey auf den Zaun. Für einen Stoffesel, der vor einem Jahr erst zum Leben erwacht war, hatte er eine gute Sprungkraft und Ausdauer im Hartnäckigsein.
„Klausmüller!“ Joey schwenkte das Halfter in seiner Hand gegen den kleinen Esel. „Du nervst.“
Klausmüller duckte sich. „Hexe!“, rief er. „Du wirst Hexe!“ 
Joey kehrte ihm den Rücken zu und ging zusammen mit Klara zurück zur kleinen Scheune, in der die Putzsachen für die Pferde lagerten. Sein entschlossener Gang geriet ins Wanken, als Klara sich äußerte: „Wäre doch vielleicht mal ganz lustig, einen Gruselgang durch den Wald zu machen“, sagte sie.
Joey stöhnte und drehte sich zu ihr um.
Er hatte es gleich gewusst. Klara hätte ihrem Esel nicht ihr Smartphone überlassen sollen, während sie mit den Pferden trainierten. Doch ein bittender Blick aus dunklen Klausmüller-Augen hatte genügt, und schon lag das Smartphone von Klara vor Klausmüller. Und während sie mit den Pferden arbeiteten, bekam Klausmüller viereckige YouTube-Kanal-Augen und einen Halloween-Spleen. Und das mitten im Sommer.
Joey schnappte sich das Handy, das immer noch auf der Bank vor dem Schuppen lag, und reichte es Klara. Als er den Bildschirm berührte, grinste ihn ein leuchtender Kürbis an.
Joey verzog die Mundwinkel. Doch dann hob er seinen Blick und sah direkt in Klaras leuchtende Augen.
„Und wann soll das Ganze stattfinden?“, fragte er.
„Jetzt!“, rief Klausmüller.
„Morgen“, sagte Klara zur selben Zeit und sah zu Klausmüller rüber. „Wie soll denn jetzt so schnell aus Joey eine Hexe werden?“
„Die Nase hat er schon“, fand Klausmüller, „und für den Buckel stopfen wir ihm Emil unters T-Shirt.“ Klausmüller klemmte sich sein Stoffeselbaby zwischen Vorderbein und Brust und begann an Joey hochzuhüpfen. Gleichzeitig versuchte er, Joeys T-Shirt zwischen die Zähne zu bekommen.
„Untersteh dich!“ Abwehrend hielt Joey seine Hände gegen den springenden Esel. „Und ich hab keine Hexennase!“, fügte er hinzu.
Als auch Klara sich gegen einen Emil-Buckel aussprach, beendete Klausmüller seine Hüpferei.
„Okay“, sagte er. „Emil möchte auch gar nicht unter dein T-Shirt. Dein Rücken ist so ekelig felllos.“ Klausmüller nickte.
„Emil ist ein Stofftier“, sagte Joey.
„Ja, eben“, erwiderte Klausmüller. „Er empfindet so wie ich.“ Klausmüller kuschelte Emil in seine Arme und wiegte ihn hin und her.
„Ja, ist klar“, meinte Joey, „das ist ja auch stets Emil, der mit piepsiger Klausmüller-Stimme nach Keksen verlangt.“
Klausmüller nickte erneut, und Klara fand zum eigentlichen Thema zurück.
„Ich nähe etwas Schönes“, sagte sie, „und damit darfst du dich morgen Abend verkleiden.“ Klara schenkte Joey ein Lächeln, das auch Klausmüller auf seine Schnute zauberte. Joey sah es gar nicht. Das Lächeln. Das schöne. Vom Esel.
Der Vierzehnjährige trat einen Schritt näher an das Klaralächeln heran. Ihre Haarspitzen, über die der Wind leicht hinwegstrich, kitzelten ihn am Oberarm. Joey senkte seinen Blick.
„Wenn du mir ein Hexenkostüm schneiderst“, sagte er mit leichtem Grinsen, „dann wickle ich dich darin ein und werfe dich Precious zum Fraß vor.“
Klaras Mundwinkel zogen sich ebenfalls nach oben auseinander.
Klausmüllers Maul ploppte herunter. Er riss die Augen auf:
„Spinnst du?“, rief er und tippte mit dem Vorderhuf an seine Stirn. „Klara passt in so einen kleinen, affigen Hund gar nicht rein.“
Joey verdrehte zum wiederholten Male die Augen. Dann hielt er Klausmüller die Hand aufrecht entgegen. „War ’n Scherz, Kumpel“, meinte er und Klausmüller schlug nach kurzem Zögern mit seinem Huf ein.
„Wir sehen uns morgen“, sagte Joey zu Klara und zupfte seine Baseballkappe zurecht.
„Aber du darfst erst in mein Zimmer kommen, wenn ich mit dem Nähen fertig bin“, sagte Klara.
„Ja, und dann schauen wir mal, wer hier wen erschreckt.“ Joey zwinkerte ihr zu und ging.
Klara und Klausmüller blickten ihm hinterher.
„Aber ich hab doch recht“, meinte Klausmüller. „Wenn er jetzt ‚Tessa‘ gesagt hätte. In so ’nen Bobdings …“
„…tail“, sagte Klara.
„Hä?“
„Es heißt Bobtail.“
„Ja, sag ich doch. In den passt was rein. Aber Tessa frisst dich, glaube ich, nicht. Das würde ich eher Precious zutrauen. Wie gut, dass der nur so ’n kleiner, affiger West Highland White Terrier ist.“

Vita:
„Klausmüller – Ein Esel als Gespenst“ ist der dritte Band mit dem Esel Klausmüller aus der Feder von Pebby Art. Die Autorin hat ein literaturwissenschaftliches Studium absolviert. Sie lebt in Niedersachsen, ist verheiratet, hat drei Kinder und eine Katze (zum Bedauern des jüngsten Sprosses und zur Freude der Katze hat sie keinen Hund). 
Unter ihrem Pseudonym Jamie Craft hat sie den Roman „Die Prophezeiung. Das Inferno von Little Germany, New York“ herausgebracht.
www.plus.google.com/PebbyArt

Sonntag, 22. Mai 2016

„Die Jägerin – Die Wiege des Bösen“ von Nadja Losbohm




Band 5

Kurzbeschreibung

Nach ihrer Gefangenschaft und Folter ist Ada zurück in der St. Mary's Kirche und kämpft sich mühsam zurück auf das Schlachtfeld. Während sie hierbei gute Fortschritte macht, gerät das Rätsel um die Existenz der Monster fast in Vergessenheit. Hilfe kommt jedoch von unerwarteter Seite, und plötzlich sehen sich Ada und Michael einer unfassbaren Verschwörung gegenüber, die sich durch die Jahrhunderte zieht und darauf aus ist, eine uralte Schuld begleichen zu lassen...bis in alle Ewigkeit.
Die Lösung, all dem ein Ende zu setzen, ist nahe, doch mit ihr auch eine schwere Entscheidung, an deren Ende es um Leben oder Tod geht...für Pater Michael.
Wie wird Ada sich entscheiden?
Erhältlich bei Amazon.


Leseprobe

„Warum gibt es die Monster?”, fragte Alex, wobei er Pater Michael aufmerksam ansah und auf dessen Antwort wartete.
„Sie symbolisieren die Schlechtigkeit der Menschen. Wegen ihnen gibt es die Kreaturen der Nacht”, antwortete der Padre, kniff die Augen zusammen und musterte Alex neugierig. Er schien ebenso wenig zu wissen wie ich, worauf mein Bruder hinauswollte.
„Was wissen Sie noch?”, wollte Alex wissen.
„Damit es besser werden kann, müssen sich die Menschen, ihre Gedanken, ihr Handeln ändern”, antwortete Pater Michael.
Ich sah, wie sich Alex’ Mund zu einem geheimnisvollen Lächeln verzog und er mit dem Finger auf den Pater zeigte. „Was ist, wenn ich Ihnen sagen würde, dass das falsch ist und es eine andere Lösung gibt?”, fragte er.
Was? Wie bitte? Ich verstand nur Bahnhof! Verwirrt starrte ich meinen Bruder an. Auch Pater Michael konnte seinen Blick nicht von ihm lösen und beobachtete Alex ganz genau. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, was diese andere Lösung sein sollte, stimmte Alex aber in der Hinsicht zu, dass die Menschen unverbesserlich waren. Pater Michael hatte mir vom ersten Tag an gesagt, dass er fest daran glaubte, dass sie sich ändern würden. Ich hatte darüber stets nur müde lächeln können.
Wieder herrschte in der Kirche Stille. Alex hatte unsere volle Aufmerksamkeit und schien es zu genießen, dass er Pater Michael, der ihn ohne zu blinzeln unentwegt anstarrte, in seinen Bann gezogen hatte. „Ich sage es Ihnen ja nur ungern, aber Sie liegen falsch, Pater! Die Existenz der Monster ist mit der Schlechtigkeit der Menschen verbunden, ja, allerdings auf eine andere Weise, als Sie denken. Das würde ja sonst bedeuten, dass bei jedem Verbrechen, jeder Sünde, die begangen wird, ein Monster aus dem Nichts auftaucht! Aber, und jetzt kommen wir zum alles entscheidenden Teil, wir müssen nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten, an dem die Menschen sich zum Guten ändern, denn es gibt einen Ursprung…eine Quelle…eine Wiege, aus der die Monster geboren werden. Eine Wiege des Bösen”, erklärte Alex.
Pater Michael sah zu mir nach hinten. Schweigend sahen wir uns an. Ich wusste, dass er dasselbe dachte wie ich. Wir hatten ebenfalls über den Ursprung der Monster nachgedacht. Ich hatte danach gesucht. Doch wie auch immer Alex es angestellt hatte, er war schneller gewesen. Mein Bruder räusperte sich, und ich brach die stille Konversation mit dem Padre ab. „Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, eine Geschichte über unsere Stadt”, teilte Alex uns mit, stand von seinem Platz auf und postierte sich neben dem Taufbecken, als wäre es sein Rednerpult. Er holte übertrieben tief Luft und begann zu erzählen. „Es liegt schon lange, lange Zeit zurück. Damals gab es hier noch keine Stadt, sondern nur ein Dorf, das umgeben war von weiten Feldern und düsteren Wäldern. Inmitten eines dieser Wälder lag das Anwesen einer wunderschönen Frau. Sie war die Witwe eines reichen Mannes und lebte in dem riesigen Haus, abgesehen von ein paar Bediensteten, allein. Die Frau war schön, ja, aber sie wirkte auch kalt und jagte den Anwohnern, überwiegend einfache Menschen, Angst ein, die durch ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten noch geschürt wurde. Verdächtigungen und Gerüchte machten sich darüber breit, was hinter den dicken Mauern des pompösen Anwesens vor sich ging. Die Erwachsenen mochten sie nicht, und die Frau selbst schien die anderen Menschen ebenfalls nicht zu mögen. Bis auf die im Dorf lebenden Kinder. Viele wagten sich, obwohl es ihre Eltern verboten hatten, zu dem Haus. Aber sie hätten lieber auf die Älteren gehört, denn plötzlich verschwanden Kinder und wurden nie wieder gesehen. Als sich diese Vorfälle häuften, geriet sofort die mysteriöse Frau unter Verdacht. Die Menschen schlossen sich zusammen und stürmten das Haus. Einmal im Innern angekommen fanden sie Utensilien und Werkzeuge zur Anwendung von dunkler Magie. Sogar eine Folterkammer entdeckten sie. Aber das war noch nicht das Schlimmste! Denn es gab eine zweite Tür in der Kammer, eingelassen in den Boden. Der Mob war so aufgebracht und verzweifelt vor Sorge um die vielen vermissten Kinder, dass er sich kurzerhand durch die Tür begab und in die unterirdische Anlage eintauchte, die unterhalb des Hauses angelegt worden war. Immer tiefer gelangten die Menschen, krochen durch die Gänge und fanden schließlich die Witwe, wie sie inmitten der Kinder hockte. Tote Kinder”, Alex hatte die letzten Worte nur gehaucht, und es verfehlte seine gespenstische Wirkung nicht. Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, und ich zog scharf den Atem ein.
„Sie hat sie alle umgebracht?”, fragte ich schockiert.
Mein Bruder nickte. „Sie hat sie alle getötet. Nichts ist schlimmer, als junges unschuldiges Leben zu zerstören! Doch damit endet die Geschichte noch nicht. Sie hatte sie nicht nur umgebracht, sie hatte ihr Blut in einem steinernen Becken”, er klopfte mit der Hand auf den Rand des Taufbeckens neben sich, ließ es aber abrupt los, als er Pater Michaels verärgerte Blicke sah, weil er es für Blasphemie hielt, dass sein Taufbecken mit einem Sammeltrog für Kinderblut verglichen wurde. Auch wenn Alex das steinerne Becken in der St. Mary’s Kirche nur benutzt hatte, um seine Worte zu untermalen, was seine Kirche und alles, was sich darin befand, anging, gab es für Pater Michael gewisse Grenzen. Alex räusperte sich und warf dem Padre ein verunsichertes Lächeln zu. Es war ersichtlich, dass sich mein Bruder unter den bohrenden Blicken aus den schwarzen Augen des Paters unwohl fühlte. „Erm..also…er”, stotterte Alex und entschied sich dazu, dass es wohl sicherer war, zu mir nach hinten zu sehen, und erneut versuchte er, an seine Geschichte anzuknüpfen. „Sie hatte das Blut in diesem Becken gesammelt, darin gebadet und davon getrunken. Ich sagte bereits, sie war unglaublich schön und hatte große Angst vor dem Älterwerden. Sie war der festen Überzeugung, dass das Blut der Kinder sie davor bewahren würde.”
„So ein Blödsinn!”, dachte ich. Aber dann fielen mir die Männer mordenden Dämonen ein, die die Seelen ihrer Opfer aussaugten. Der Vergleich mit der Frau, die das Blut der Kinder getrunken hatte, um jung und schön zu bleiben, drängte sich mir förmlich auf.
„Die Überreste der toten Kinder lagerte sie in den Räumen unter der Erde, und als Trophäen behielt sie ihre Zähne. Verständlich, dass die Bewohner des Dorfes in ihr das personifizierte Böse sahen, den leibhaftigen Teufel”, bemerkte Alex.


Autorenvita

1982 in Hennigsdorf, Brandenburg, geboren, zog es die Autorin im Alter von sechs Jahren in die deutsche Hauptstadt, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Dank der guten Gene ihrer Eltern interessiert sie sich schon seit Kindertagen für das Malen, Zeichnen und Fotografieren. Tat sie sich anfangs noch schwer mit dem Lesen, wurde sie dank einer berühmten Maus rasch zu einer Leseratte. Die Idee, eine eigene Geschichte zu verfassen, ereilte sie im Alter von 19.
Zehn Jahre dauerte es, bis das Erstlingswerk „Alaspis - Die Suche nach der Ewigkeit" fertig gestellt wurde und die Autorin den Mut fand, ihren Traum von einer Buchveröffentlichung mit anderen zu teilen. Am 15.10.2012 erschien die märchenhafte Saga als Ebook und Taschenbuch.
In den Jahren 2013 bis 2015 folgte die mehrteilige Jugendbuchreihe „Die Jägerin“, eine Mischung aus Sci-Fi und Fantasy-Romance mit einem Spritzer Humor.
„Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ ist das achte Buch aus Nadja Losbohms Feder und das erste Kinderbuch, das sie veröffentlicht hat.

Links






Sonntag, 8. Mai 2016

„Die Jägerin – Unter der Erde“ von Nadja Losbohm




Band 4

Kurzbeschreibung

Warum verschweigt man manche Dinge ausgerechnet vor demjenigen, dem man sein Herz geschenkt hat? Um ihn zu schützen oder sich selbst?

Pater Michael erhält eine zweite Chance, und diese nutzt er, um sich Ada zu öffnen und endlich die Geheimnisse um sein Leben zu lüften. Doch seine Vergangenheit holt ihn und auch die Jägerin auf schmerzliche Weise ein…

Dies ist die Geschichte eines unvorstellbaren Lebens voller Mysterien und Wunder.
Dies ist Pater Michaels Geschichte…
…und mehr.
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

Verängstigte Schreie. Panik. Verzweifeltes Weinen.
Ich schreckte aus meinem unruhigen Schlaf, in den ich gesunken war, auf und fand mich in der Dunkelheit wieder. Noch immer lag meine Hand auf dem Tupfer, der in meiner Armbeuge klebte. Doch es wurde zur Nebensache, als ich hörte, wie ganz in der Nähe ein Mensch um sein Leben bettelte.
Es ertönte ein dumpfes Geräusch, das klang, als hätte man etwas Schweres fallen gelassen. Ich hörte wieder das klägliche Jammern, gefolgt von einem Fauchen, und ich begann zu verstehen, was da draußen vor sich ging. Die Vampire, die mich gefangen hielten, hatten sich ein weiteres Opfer besorgt, und es klang fast so, als würden sie mit ihm noch ein wenig spielen, bevor sie über es herfielen. Das Lachen der Untoten drang an meine Ohren und jagte mir einen kalten Schauer nach dem nächsten über den Rücken. Die Vampire sprachen nicht, erwiderten nichts, während der Mensch darum flehte, dass sie ihn gehen ließen. Nach wenigen Minuten schienen sie es jedoch leid zu sein, ihm zuzuhören. Ich hörte ein Klatschen, dann wurde es für einen Moment still. Doch schon bald konnte ich ein Schmatzen und Stöhnen vernehmen und wusste, dass die Kreaturen der Nacht ihre widerliche, ekelerregende Mahlzeit zu sich nahmen. In meinem Beisein töteten sie ihr wehrloses Opfer, während ich, gefangen in diesem Sarg, daneben lag und meine Feinde nicht aufhalten konnte. Diese Tatsache machte mich ganz krank! Ich schrie und wand mich in der Kiste. Ich drückte meine Füße gegen das untere Ende, stieß meine Ellenbogen zu den Seiten, in der Hoffnung, es würde mir gelingen, mein Gefängnis auf diese Weise zu sprengen. Minutenlang wehrte ich mich gegen die Hilflosigkeit und musste schließlich frustriert und erschöpft aufgeben. Tränen traten mir in die Augen. Ich wusste nicht, mit wem ich mehr Mitleid haben sollte. Mit dem Mann, der dicht neben mir starb oder mit mir selbst, weil ich hier drin gefangen und gezwungen war mitzuerleben, wie jemand, der meinem Schutz unterstellt war, getötet wurde.
„Bitte, bitte! Aufhören! Bitte hört auf! Lasst ihn frei!”, winselte ich in der Kiste und zuckte zusammen, als ich ein Schmatzen und Schlürfen hörte, als würde sich jemand die Finger genüsslich ablecken.
Dann flüsterte eine Stimme, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde: „Sei unbesorgt, Jägerin. Er ist bereits frei.” Die Stimme lachte. Es war ein eiskaltes, erbarmungsloses Lachen, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Schließlich hörte ich Schritte, die sich entfernten. Etwas Schweres wurde über den Boden geschleift, und ich wusste, dass es der Mann war, dessen Flehen ich noch immer hören konnte. Ebenso wusste ich, dass sich sein Kopf zu der Sammlung gesellen würde, die ich gesehen hatte, und sollte man mich noch einmal hier herausheben, dann würde auch er mich vorwurfsvoll ansehen und fragen: „Wieso hast du mir nicht geholfen?”
Meine Verzweiflung, Wut und Machtlosigkeit brachen aus mir heraus. Hemmungslos begann ich zu weinen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Ich schluchzte und schrie, versuchte mich mit der letzten Kraft, die mir noch geblieben war, zu befreien. Aber es war sinnlos. Ich würde hier niemals herauskommen.
„Hör endlich auf zu heulen, du dummes Ding! Du wirst dich mit deinen Tränen noch selbst ertränken!”, sagte plötzlich eine Stimme. Ich erkannte sie sofort. Sie gehörte der Frau, die mir das Foto ihres Geliebten vor die Nase gehalten hatte, kurz bevor sie mich bewusstlos geschlagen und mir Blut abgenommen hatte.
„Dann lass mich doch hier raus, wenn du Angst hast, ich könnte hier drin abkratzen!”, schrie ich sarkastisch zurück und boxte mit meinem Ellenbogen gegen die Seitenwand der Kiste. Ich hörte ein Lachen, das so gehässig war, es erinnerte mich an die gemeinen Hexen aus den Märchen.
„Ha! Das könnte dir so passen! Nein, noch brauche ich dich ein Weilchen”, sagte die Vampirin. Ihre Schritte entfernten sich. Ich war wieder allein.

Autorenvita

1982 in Hennigsdorf, Brandenburg, geboren, zog es die Autorin im Alter von sechs Jahren in die deutsche Hauptstadt, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Dank der guten Gene ihrer Eltern interessiert sie sich schon seit Kindertagen für das Malen, Zeichnen und Fotografieren. Tat sie sich anfangs noch schwer mit dem Lesen, wurde sie dank einer berühmten Maus rasch zu einer Leseratte. Die Idee, eine eigene Geschichte zu verfassen, ereilte sie im Alter von 19.
Zehn Jahre dauerte es, bis das Erstlingswerk „Alaspis - Die Suche nach der Ewigkeit" fertig gestellt wurde und die Autorin den Mut fand, ihren Traum von einer Buchveröffentlichung mit anderen zu teilen. Am 15.10.2012 erschien die märchenhafte Saga als Ebook und Taschenbuch.
In den Jahren 2013 bis 2015 folgte die mehrteilige Jugendbuchreihe „Die Jägerin“, eine Mischung aus Sci-Fi und Fantasy-Romance mit einem Spritzer Humor.
„Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ ist das achte Buch aus Nadja Losbohms Feder und das erste Kinderbuch, das sie veröffentlicht hat.

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Sonntag, 24. April 2016

Die Jägerin – Vergangenheit und Gegenwart von Nadja Losbohm



Band 3

Kurzbeschreibung

Vor der eigenen Vergangenheit kann man nicht fliehen. Das muss auch die Jägerin erkennen, und als sie am wenigsten damit rechnet, begegnet sie einem einst geliebten Menschen, der ihr viel Schmerz zugefügt hat.

Doch auch mit der Gegenwart muss Ada sich befassen, denn eine neue Gefahr bedroht ihre Heimatstadt…
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

„Und wo ist sie?”, fragte ich Pater Michael und drehte mich um die eigene Achse, immer noch auf der Suche nach der neuen Waffe.
„Sie steht direkt vor dir”, erwiderte er und sah zum Labortisch, der immer noch aussah wie eine Rumpelkammer.
Ich folgte seinem Blick und suchte in dem Chaos nach etwas, das aussah, als könne es mir helfen. Für mich war es aber nur ein einziges Durcheinander, bestehend aus Bunsenbrenner, Spateln, Pipetten, Handschuhen, Schutzbrille und weißem Pulver. „Ich weiß nicht, was du meinst”, sagte ich und sah fragend zu Pater Michael.
„Kommt ein Stück näher, und ich zeige es euch”, winkte er uns zu sich. Alex und ich wechselten verwirrte Blicke. Nach kurzem Zögern wagten wir uns weiter vor. Sofort fiel mir der schwere Geruch von Schwefel und anderen Chemikalien auf. Was zur Hölle hatte der Pater hier getrieben? Während wir uns an den Labortisch stellten, ließ ich ihn nicht aus den Augen, als könnte ich von seinem Gesicht ablesen, was das große Geheimnis war. Pater Michael starrte nur zurück und zwinkerte nicht einmal. Er hatte das perfekte Pokerface. Der Padre gab jedem eine Schutzbrille, die wir misstrauisch beäugten. „Die werdet ihr brauchen, und es wäre sicherer, wenn ihr noch einen Schritt zurücktretet”, meinte er und wartete darauf, dass wir seinen Befehl befolgten.
Ich war mir nicht sicher, was ich von alledem halten sollte, vertraute aber Pater Michaels Urteilsvermögen und trat nach hinten. Alex hingegen rührte sich nicht, und ich musste ihn am Arm packen und zurückziehen. Er war schon völlig weggetreten von den Dämpfen, die in der Luft hingen. Ich sah zu, wie Pater Michael sich ebenfalls eine Schutzbrille auf die Nase setzte. Trotz der fettigen Haare und dem ungepflegten Stoppelgesicht stand sie ihm wesentlich besser als mir. Tja, einen schönen Mann konnte eben nichts entstellen. Ich dagegen sah wohl eher wie Puck die Stubenfliege aus. Zu allem Überfluss zog er sich auch noch Schutzhandschuhe an. Sie waren aus einem dicken, festen Stoff und hatten eine hübsche goldgelbe Farbe. Es waren feuerfeste Handschuhe. Mir wurde langsam mulmig zumute, und das lag nicht an den Gerüchen in dem Labor.
„Das hier”, er hielt die Schale mit dem weißen Pulver vor unsere Nasen, „ist Kaliumchlorat.” Jetzt erst sah ich, dass es kein richtiges Pulver war. Es war grobkörniger und ähnelte eher Salz. „Es wird auch bei der Herstellung von Streichhölzern verwendet und ist in Verbindung mit Schwefel oder auch rotem Phosphor hochexplosiv. Ein wenig Reibung, ein kleiner Schlag genügen und es gibt ein gewaltiges Feuerwerk”, erklärte er. Mit großen Augen starrte ich das weiße Salz an. Dann suchte ich in dem Chaos auf dem Tisch nach dem allseits bekannten gelben Schwefel und rotem Phosphor. Wie auch immer roter Phosphor aussah. In Chemie war ich noch nie wirklich gut gewesen. Zum Glück konnte ich weder das eine noch das andere entdecken. Erleichtert atmete ich aus. Ich wollte zwar eine effektive Waffe haben, aber bitte nicht schon bei der Demonstration zu Asche zerfallen. „Statt Schwefel oder Phosphor, welches ich hier nicht habe, nahm ich Holzmehl. Ich habe einige Versuche durchführen müssen, bis ich die richtige Mischung gefunden habe. Aber jetzt dürfte es richtig sein”, verkündete er und lächelte zufrieden.

„Dürfte richtig sein?”, wiederholte ich seine Worte ungläubig. „Das heißt, du bist dir nicht sicher. Jedenfalls nicht zu einhundert Prozent.” Wenn jemand mit seinem Chemiebaukasten spielte, sollte er sich wirklich, wirklich, WIRKLICH sicher sein, was dabei herauskommt. Zumindest ist das meine Meinung.
Pater Michael rieb sich mit einer Hand den Nacken und sah zu Boden. „Nun ja, ich bin natürlich kein Chemieprofessor. Aber die letzten Experimente sind sehr vielversprechend verlaufen”, gab er zurück.
„Okay, das reicht!”, rief ich empört aus und nahm die dämliche Schutzbrille ab. „Deine Worte überzeugen mich nicht, Michael! Ich habe keine Lust, hier in die Luft zu gehen. Ich würde gern noch etwas weiterleben.” Damit warf ich die Brille vor ihn auf den Labortisch und steuerte die Tür an.
Plötzlich knallte es hinter mir. Ich fuhr erschrocken zusammen und wirbelte herum. Mir war fast das Herz stehen geblieben, und ich musste mich selbst kneifen, um zu wissen, ob ich noch lebte. Nur war ich die Einzige in dem Raum, die kreidebleich bei der unerwarteten Explosion geworden war. Pater Michael und Alex grinsten wie blöde und freuten sich wie kleine Jungen darüber, dass ein Gemisch aus Salz und Mehl laut gerumst hatte. „Ihr beide seid doch total bekloppt!”, schrie ich sie hysterisch an.
„Ada, es hat funktioniert!”, rief mir Alex zu und sprang vor Euphorie fast in die Luft. Dann klopfte er dem Padre anerkennend auf die Schulter. „Da haben sich die Ohrenschmerzen der letzten Tage ja ausgezahlt”, meinte mein Bruder lachend.
„Wie bitte? Soll das heißen, du wusstest, was er hier treibt?”, fragte ich Alex aufgebracht.
„Na ja, das ständige Puffen und Knallen war kaum zu überhören”, antwortete er mir mit einem Schulterzucken.
Merkwürdig! Ich hatte derartige Geräusche nie gehört, während ich hier gewesen war. Was nur bedeuten konnte, dass Pater Michael seine Experimente stets dann durchgeführt hatte, wenn ich auf der Jagd gewesen war. Die beiden hatten mich erfolgreich vergackeiert! Schnaubend vor Wut rannte ich zu Alex zurück und boxte ihn in die Schulter.
„Hey! Was soll denn das?”, wollte er wissen und versuchte einem weiteren Schlag zu entkommen. Es gelang ihm nicht, und ich traf seinen Schulterknochen so fest, sodass sogar mir die Finger wehtaten. Aber das war es wert. „Du hättest es mir sagen müssen!”, blaffte ich ihn an.
„Wir wollten dich überraschen”, erklärte mir Alex und sprang meiner Faust gerade noch rechtzeitig aus dem Weg.
„Tolle Überraschung! Echt! Ihr seid beide wahnsinnig! Bescheuert! Einfach nur bescheuert!”, schrie ich meinen Bruder an und warf Pater Michael einen wütenden Blick zu.
„Aber”, sagte dieser mit erhobenem Zeigefinger, „es hat funktioniert.” Schon wieder grinste er selbstzufrieden, was mich beinahe zum Kotzen brachte.
„Wenn dir nun was passiert wäre? Wenn du die ganze Kirche in die Luft gejagt hättest? Schon mal da dran gedacht?”, fragte ich ihn und sah ihn vorwurfsvoll an. „Das da”, ich deutete auf die Chemikalien auf dem Tisch, „ist kein Spielzeug!”
Pater Michael sah mich erstaunt an. Er hatte etwas getan, etwas Gefährliches, was mir nicht gefiel. Mir fiel die Ironie des Ganzen schnell auf. Ich hatte mich vor nicht allzu langer Zeit ähnlich verhalten, als ich ungeschützt zum Fluss gegangen war.
„Ada, glaubst du wirklich, ich würde solche Dinge anfassen, ohne mich vorher zu informieren, wie man mit ihnen umgeht?”, fragte er mich.
Für eine Weile musterte ich ihn nachdenklich. Dann gab ich seufzend auf. „Wahrscheinlich nicht”, gestand ich und erntete ein Lächeln vom Padre. „Also, wie funktioniert das nun?”, hakte ich hastig nach. Ich hatte keine Lust auf einen Vortrag darüber, wie gründlich er stets in seinen Vorbereitungen ist.
Pater Michael reichte mir wortlos die Schutzbrille, die ich zuvor auf den Tisch geworfen hatte. Ich setzte sie auf und fühlte mich gleich wieder wie Puck. Wenige Sekunden später leuchtete eine Flamme vor uns auf, und gleichzeitig knallte es. Danach sahen wir uns alle schweigend an. Alex grinste immer noch, und ich wartete darauf, dass er in die Luft sprang und vor Freude die Hacken aneinander schlug. Er riss sich aber zusammen und blieb auf dem Boden.
„Mit Schwefel oder Phosphor wäre die Wirkung noch verheerender und schneller, aber… .”
„Ich mag schneller. Schneller ist gut!”, unterbrach ich Pater Michael.
Er grinste sein schiefes Grinsen. „Aber es ist auch gefährlicher. Zu gefährlich, als dass du es allein durch die Nacht trägst”, beendete er seinen Satz und klang ziemlich oberlehrerhaft. Ich zog einen Flunsch und ließ enttäuscht die Schultern hängen. Schade! Ich hatte mich schon gefreut, dem Ekelpaket von einem Mega-Oktopus ein hochexplosives Ende zu setzen. „Das hier wird auch reichen”, sagte Pater Michael, als er meine Enttäuschung sah, und deutete auf das Kaliumchlorat.
Nun war nur noch eine Frage zu klären. „Und wie kriege ich das Zeug zum Fluss?”
Pater Michael bückte sich und kramte unter dem Tisch herum. Natürlich hatte er auch für dieses Problem eine Lösung parat. Er stellte eine hölzerne Kiste vor uns ab und öffnete den Deckel. Sie war innen mit schwarzem Samt ausgekleidet, und zahlreiche Vertiefungen waren darin eingelassen, in denen genauso viele Glaskugeln lagen. „Ich werde sie befüllen. Deine Aufgabe ist es, sie vorsichtig an ihr Ziel zu tragen und im richtigen Moment auf ihren Weg zu schicken.”

Autorenvita

1982 in Hennigsdorf, Brandenburg, geboren, zog es die Autorin im Alter von sechs Jahren in die deutsche Hauptstadt, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Dank der guten Gene ihrer Eltern interessiert sie sich schon seit Kindertagen für das Malen, Zeichnen und Fotografieren. Tat sie sich anfangs noch schwer mit dem Lesen, wurde sie dank einer berühmten Maus rasch zu einer Leseratte. Die Idee, eine eigene Geschichte zu verfassen, ereilte sie im Alter von 19.
Zehn Jahre dauerte es, bis das Erstlingswerk „Alaspis - Die Suche nach der Ewigkeit" fertig gestellt wurde und die Autorin den Mut fand, ihren Traum von einer Buchveröffentlichung mit anderen zu teilen. Am 15.10.2012 erschien die märchenhafte Saga als Ebook und Taschenbuch.
In den Jahren 2013 bis 2015 folgte die mehrteilige Jugendbuchreihe „Die Jägerin“, eine Mischung aus Sci-Fi und Fantasy-Romance mit einem Spritzer Humor.
„Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ ist das achte Buch aus Nadja Losbohms Feder und das erste Kinderbuch, das sie veröffentlicht hat.

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