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Sonntag, 8. Oktober 2017

DAS ERBE DER BARONE VON HOFSTETTEN, Dritter Teil: DAS PHARAONENGRAB* Aus der REIHE Max und Micha, die Junior-Detektive vom Wolfgangseevon Klaus Kurt Löffler

 
KLAPPENTEXT: 

Die Königsmumie im Mausoleum beunruhigt die Bewohner des Sarazenenschlössl. Max und Micha werden nach West-Theben geschickt, um den früheren Diener der Familie Abdulla nach der Herkunft der Altertümer zu befragen. Als von den Jungen jede Nachricht ausbleibt, befürchten Tessi und ihr Vater, dass den beiden etwas zugestoßen sei, und begeben sich auf die Suche. In el Kurna kann niemand etwas über den Verbleib der Jungen sagen. Sie wollten ein Ausgrabungslager im Tal der Könige aufsuchen, wo Abdulla arbeitet. Dort sind sie aber nicht angekommen, wie der beteuert. Er hilft bei der Suche, die aber erfolglos bleibt. Dann bietet ein Unbekannter seine Hilfe an. Können Vater und Tochter ihm trauen oder geraten sie selbst in Gefahr? Denn den Grabräubern, die ein noch unbekanntes Königsgrab entdeckt zu haben scheinen, ist jedes Mittel recht.
Veröffentlicht als eBook und Print bei Amazon.


Leseprobe

Während Tessi noch überlegte, was sie ihrem Vater von den Gesprächen berichten sollte, trat ein dunkelhäutiger Ägypter in europäischer Kleidung an ihren Tisch und nahm unaufgefordert Platz.
Bevor der Baron dagegen protestieren konnte, kam der uneingeladene Tischgast zur Sache. »Ich sehe davon ab, mich vorzustellen«, äußerte er kalt. »Denn für das, was ich mit Ihnen zu besprechen habe, ist es besser, wenn Sie nicht wissen, wer ich bin ... Ich habe gehört, dass Sie nach dem Verbleib zweier Jungen forschen, die in Ihrem Auftrag unterwegs waren. Ich könnte Ihnen bei der Suche behilflich sein, da ich den - übrigens unfreiwilligen - Aufenthalt kenne. Wir erwarten aber eine Gegenleistung. Im Nachlass Ihres Vaters befinden sich gewisse Gegenstände, die uns gehören und die wir zurückhaben wollen.« 
»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«, erwiderte von Hofstetten verwundert. »Ich habe erst vor kurzem das Erbe angetreten und bin noch dabei, die Hinterlassenschaft zu sichten.« 
»Es handelt sich um die Altertümer, die der Botschafter in seinem Hause in einer unterirdischen Kammer verwahrte.« 
»Um darüber Aufschluss zu erlangen, sind die Jungen hergereist! Stammen sie aus einer legalen Quelle?«
»Ihre Frage ist sicherlich nicht ernst gemeint! Eine solche erlesene Ansammlung finden Sie sonst nur im Museum.« 
»Dann gehören sie auch dorthin und an keinen anderen Platz. Ich werde mich nicht an der Verschiebung illegal ausgeführter Altertümer beteiligen, die unrechtmäßig aus einer Grabstätte entfernt wurden.« 
Der Fremde lachte. »Ihre Mitwirkung ist nicht nötig. Wir sind auch so in der Lage, uns wieder in den Besitz der Sachen zu setzen, die der Botschafter für uns verwahrt hat. Von Ihnen erwarten wir nur, dass Sie Stillschweigen über die Sache bewahren. Das liegt übrigens auch im eigenen Interesse. Sie werden kaum daran interessiert sein, dass die Rolle Ihres Vaters bei dieser heiklen Angelegenheit öffentlich bekannt wird.« 
»Das ist richtig! Woher sollen wir aber wissen, dass Sie Wort halten und die Jungen tatsächlich freigeben?« 
»Sie gehen kein Risiko ein. Ich werde vorleisten, damit Sie sehen, dass Sie uns vertrauen können. Ich bringe Sie zu dem Ort hin, an dem sich die Jungen - ich hoffe noch lebend! - befinden.« 
Von Hofstetten wollte wegen des zynischen Einschubs heftig erwidern, als ihn seine Tochter mahnend am Ärmel zog. Er nahm sich zusammen. »Wie lange brauchen wir, um dorthin zu gelangen?«, fragte er stattdessen.
»Ich werde Sie mit dem Jeep hinfahren. Das wird die Sache beschleunigen. Ich muss Ihnen aber die Augen verbinden, weil der Ort geheim ist.« 
»Wieso bringen Sie die Jungen nicht einfach zu uns?«, fragte Tessi.
»Weil ich für meine Sicherheit fürchten müsste.« 
»Sie vertrauen uns also auch nicht?«
»Ich bin Geschäftsmann und wahre nur meine Interessen. Die Übergabe wird in den Bergen im ›Niemandsland‹ stattfinden, sodass ich mich ungehindert entfernen kann.« 
»Und wie kommen wir wieder zurück?«
»Ein paar Stunden Fußmarsch werden Ihnen gut tun! Das gibt uns den Vorsprung, den wir brauchen ... Aber entscheiden Sie sich jetzt, ob Sie auf meinen Vorschlag eingehen wollen. Meine Zeit ist begrenzt.« Mit diesen Worten stand der Fremde auf und machte Anstalten, sich zu entfernen. Dann drehte er sich nochmals um: »Kein Wort zu niemandem«, befahl er. »Sonst betrachte ich unsere Abmachung als erledigt und Sie sehen die Jungen nie wieder.« 
Tessi und ihr Vater erhoben sich verschreckt. »Können wir nicht wenigstens …?«, versuchte von Hofstetten Zeit zu gewinnen.
»Nein!«, unterbrach der Ägypter. »Sie gehen so, wie Sie sind, oder gar nicht. Alles andere wäre für mich ein unnötiges Sicherheitsrisiko.« 
Von Hofstetten sah ein, dass er sich fügen musste und folgte dem Unbekannten ohne weitere Einwände. Tessi zögerte einen Moment, als sie an Ahmeds nächtliche Warnung dachte. War das der vorausgesagte Versuch, sich nun auch der Retter zu bemächtigen, nachdem man schon Max und Micha ausgeschaltet hatte? ... Wohl kaum! Ahmeds Befürchtungen, schienen sich als unbegründet zu erweisen: Dagegen sprach die Tatsache, dass sich der Grabräuber ihnen vor aller Augen im Frühstücksraum genähert hatte. Das wäre wohl kaum geschehen, wenn er ihnen ans Leben wollte. Nach seinen Erklärungen handelte es sich bei der Entführung der Jungen zudem um eine Art Kidnapping, mit dem man sich in den Besitz der Altertümer unter dem Hause des verstorbenen Botschafters setzen wollte. Das war eine plausible Begründung, die den Zugriff auf die Jungen genügend erklärte.
Ein gewisses Risiko blieb. Aber das mussten sie eingehen. Sie durften keinesfalls die Chance, die Jungen zu befreien, aus Überängstlichkeit vertun. Im Übrigen hatte sich ihr Vater bereits entschieden und der Handel galt wohl nur für beide zusammen oder gar nicht.


Klaus Kurt Löffler:
Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.
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Sonntag, 10. September 2017

Mumienspuk: Das Erbe der Barone von Hofstetten - Zweiter Teil von Klaus Kurt Löffler






KLAPPENTEXT:
Baroness Tessi von Hofstetten bewohnt jetzt zusammen mit ihrem Vater den Stammsitz der Familie in St. Wolfgang. Als der Baron verreisen muss, übernehmen Max und Micha den Schutz des Mädchens. Der erweist sich als dringend notwendig. Denn eine Königsmumie erwacht aus einer geheimen Grabstätte im Kellergewölbe und beginnt die Bewohner zu terrorisieren. Offenbar hat sie Tessis Großvater, der früher Botschafter in Ägypten war, mitgebracht und schwere Schuld auf sich geladen, die sich jetzt an seinen Erben rächt. Können die Kids dem Spuk ein Ende setzen und dem Verhängnis entgehen?

Erhältlich bei Amazon.

LESEPROBE:
Zweites Kapitel: Hausspuk
In diesem Augenblick ging das Licht aus, was Tessi mit einem Angstschrei quittierte. Mit keuchendem Atem schob sich jemand in den Raum und näherte sich mit schweren Schritten. Tessi sprang auf und flüchtete zu Max, der ebenfalls aufgesprungen war. »Tu was!«, flüsterte sie dem Jungen ins Ohr, während sie ihn von hinten umschlang. Dieser hatte schon selbst erkannt, dass er etwas unternehmen musste. Er machte sich frei und schleuderte seinen Sessel dem Eindringling entgegen. Er musste getroffen haben, wie ein Scheppern bewies, als Holz auf Holz traf. Aber der Spuk war noch nicht zu Ende. Ein furchtbares Stöhnen ertönte und dann setzten die Schritte wieder ein.
Wenn ich nur etwas sehen könnte, dachte Max. Wie soll ich es im Dunklen mit einer Kreatur aufnehmen, dessen Natur mir nicht einmal bekannt ist. Da fiel ihm ein, dass er für alle Fälle seine Stabtaschenlampe eingesteckt hatte. Er griff in die Hosentasche und zog sie heraus, während die Schritte näherkamen. »Hoffentlich ist die Batterie noch nicht leer«, betete er. 
Dann betätigte er den Schalter und ein dünner Lichtstrahl traf ein grässliches Antlitz, aus dem weiße Augäpfeln furchterregend starrten.
»Es ist der schwarze Wächter aus der Halle«, flüsterte es entsetzt hinter ihm. »Er ist zum Leben erwacht und kommt uns jetzt holen!« 
»Bleib ruhig!«, raunte Max zurück. »Ich hab ihn gestoppt: Er ist nur im Dunkeln aktiv.« 
Als wollte er die Worte Lügen strafen, setzte sich der Wächter wieder in Bewegung. Kämpfen hat wohl keinen Sinn, überlegte Max. Der Wurf mit dem Sessel hat ihm nichts anhaben können. Jemand, der nicht lebt, kann auch nicht getötet werden. Ich muss versuchen, ihn irgendwie zu überlisten. Warum ist er gerade jetzt aktiv geworden, obwohl Tessi schon seit mehreren Tagen im Haus lebt? Hat es was mit meinem Besuch zu tun?
Max trat dem Angreifer einen Schritt entgegen und hob abwehrend beide Hände. »Halt!«, gebot  er mutig.  »Sag, warum du uns heimsuchst.«
»Die Stunde der Abrechnung ist gekommen!«,  schallte es hohl durch den Raum. »Die Erben der Grabschänder und ihrer Helfer müssen jetzt verantworten, was ihre Vorfahren getan haben.«
»Was soll das gewesen sein? Es ist uns nichts davon bekannt.«
»Die heilige Ruhe des Grabes ist verletzt und die Totenwelt gestört worden. Der Frevel wird bis ins letzte Glied gesühnt!« 
»Dann hast du Pech gehabt!«, äußerte Max nachdrücklich. »Dem Mädchen kann kein Leid zugefügt werden. Denn sie steht unter dem Schutz eines Mächtigeren.« 
Das schien Eindruck zu machen. Die Kreatur tat verblüfft. Dann äußerte sie: »Du meinst doch nicht etwa deine eigene Person, die ich zu Brei zerstampfen werde, wenn sie mich aufhalten will.«
»Nein«, erwiderte Max tapfer. »Es ist ein großer Dschinn, den ein Vorfahre des Mädchens aus dem Heiligen Land mitgebracht hat, als er dort gegen die Ungläubigen kämpfte.«
»Dann soll er sich zeigen, damit ich sehe, ob er tatsächlich mächtiger ist als ich.«
Max überlegte fieberhaft, wo er den erfundenen Geist hernehmen sollte. Dann kam ihm die Erleuchtung, als sein Blick auf den Heidelbeermost fiel, den sie gerade getrunken hatten. »Er steckt in der Flasche«, sagte er geistesgegenwärtig und nahm sie in die Hand. »Wenn du darauf bestehst, werde ich den Geist rauslassen. Ich muss dich aber warnen: Ich habe dann keine Gewalt mehr über ihn … und er ist voller Grimm und Zerstörungswut.  Als er das letzte Mal die Freiheit erhalten hat - es war vor dreitausend Jahren - wollte er alles vernichten. Er konnte nur durch eine List nochmals in die Flasche gesperrt werden, in die er sicherlich nicht freiwillig zurückkehren wird.«
Der Schwarze wurde unsicher. »Sprichst du auch die Wahrheit? Woran soll ich erkennen, dass du mich nicht anlügst, um dein Leben zu retten.«
»Siehst du nicht, dass ich keine Furcht vor dir habe? Ich weiß mich im Schutz eines Stärkeren.«
»Dann verschone ich euch für den Augenblick«, sagte die Stimme. »Aber nur, wenn du mir die Flasche aushändigst.«
»Die Flasche aushändigst?«, wiederholte Max verblüfft. »Was willst du damit?«
»Ich habe Durst und möchte auch etwas Heidelbeermost trinken.« Dabei ging das Licht wieder an und Micha kam lachend vom Lichtschalter neben der Tür, den er gerade wieder betätigt hatte.

Klaus Kurt Löffler:
Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.
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Sonntag, 27. August 2017

DER SARAZENENSCHATZ von Klaus Kurt Löffler


Klappentext

Die 15-jährige Tessi von Hofstetten muss mit der Schande leben, dass ihr Vater Felix, der Titelerbe des Baronats, enterbt und verstoßen worden ist. Er ist verbittert ins Ausland gegangen und verschollen. 
Nach dem Tod ihres Großvaters beansprucht dessen jüngster Sohn Stephan Erbe und Titel.
Tessi zweifelt an der Rechtmäßigkeit. Denn ihr ist ein Medaillon mit dem Bild des Verstorbenen zugegangen. Sie sieht darin einen Sinneswandel und will die Sache an Ort und Stelle aufklären. 
In Abwesenheit ihres Onkels Stephan verschafft sie sich Zutritt zum 'Sarazenenschlössl' und beginnt ihre Nachforschungen. Zugleich sucht sie nach einem Schatz, den ein Ahnherr von einem Kreuzzug aus dem Morgenland mitgebracht haben soll. Damit bringt sie sich in Lebensgefahr. Denn auch andere sind hinter dem Schatz her. Zum Glück findet sie in Max und MIcha die Unterstützung, die sie bei ihrem gefährlichen Kampf um Schatz und Erbe braucht.
Erhältlich bei Amazon

LESEPROBE

EINFÜHRUNG: Max und Micha haben der 15-jährigen Tessi von Hofstetten Zugang in das Anwesen ihres verstorbenen Großvaters Baron Gottfried von Hofstetten verschafft. Jetzt berichtet sie über den Anlass ihres Besuches.
VIERTES KAPITEL: Ein rätselhaftes Geschenk
Das Mädchen überlegte einen Augenblick, wo sie anfangen sollte. Dann öffnete sie ihren Rucksack und holte ein kleines Päckchen hervor, das an sie adressiert war. »Das ist mir nach dem Tode meines Großvaters zugegangen«, erklärte sie. »Seht´s euch an und sagt, was es nach euer Meinung bedeutet.«
Micha wickelte das Papier ab und entnahm einer kleinen Schachtel ein kunstvoll gearbeitetes silbernes Medaillon. »Das ist antik und sicherlich sehr wertvoll«, bemerkte er bewundernd. »Weißt du, wer es dir geschickt hat?« 
»Das Päckchen enthielt keinen Absender ... Ich nehme aber an, es kommt von meinem Großvater, wenn ich auch nicht weiß, wie das möglich ist.«
»Er kann verfügt haben, dass es nach seinem Tode abgesandt wird«, warf Micha ein. »Hat die Sendung einen Poststempel?« 
»Ja, es wurde in St. Wolfgang aufgegeben. Und es kam mit der Post. Wir fanden es im Briefkasten.«
»Woher weißt du, dass es von deinem Großvater stammt? Gibt es irgendeinen Hinweis?« 
»In St. Wolfgang hat sich außer ihm nur noch mein Onkel Stephan aufgehalten, der ihn im letzten Jahr gepflegt hat. Er hat sich aber nie um uns gekümmert. Ich weiß keinen Grund, warum er sich plötzlich anders besonnen haben sollte ... Es ist aber noch etwas anderes«, setzte sie hinzu. »In dem Medaillon befindet sich ein Porträt!« Sie öffnete den Deckel und wies auf das Bild eines würdevollen Herrn mit einem unternehmungslustigen Schnurrbart. »Es ähnelt dem Foto meines Vaters. Mutter verwahrt es in ihrem Nachttisch und betrachtet es immer wieder, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Der Mann in dem Medaillon ist älter, hat aber dieselben Gesichtszüge.«
»Da muss er noch wesentlich jünger gewesen sein«, bemerkte Micha. »So freundlich hat der Baron in seinen letzten Jahren nicht mehr ausgeschaut. Er war ein richtiger Miesepeter.«
»Sprich nicht so von meinem Großvater«, rügte Tessi. »Über die Toten soll man nichts Böses sagen.«
»Sorry!«, entschuldigte sich Micha. »Das war gedankenlos ... War noch etwas in dem Päckchen? Ein Brief mit ein paar erklärenden Worten oder Ähnliches?« 
»Ich habe nichts dergleichen gefunden, obschon ich das Packpapier von allen Seiten betrachtet habe.«
»Vielleicht hat der Absender eine Geheimtinte benutzt«, mutmaßte Max, »die man erst zum Vorschein bringen müsste.«
»Eher nicht«, widersprach Micha. »Das macht nur Sinn, wenn der Empfänger weiß, was es damit auf sich hat, was bei Tessi offenbar nicht zutrifft.«
»Das kann man sagen«, pflichtete das Mädchen bei. »Ich habe von so was null Ahnung.«
»Und was willst du aus der Übersendung des Medaillons schließen?« Max liebte solche geheimnisvollen Geschichten, die mit einem Rätsel endeten.
»Er wollte mir etwas hinterlassen, das mich an ihn erinnert«, antwortete das Mädchen zögernd. »Aber warum hat er das getan? Er hatte meinen Vater enterbt und sich die ganzen Jahre nicht um uns gekümmert. Da konnte er nicht erwarten, dass wir seiner freundlich gedenken.«
»Vielleicht ist das der letzte Akt eines Rachefeldzuges«, sagte Max melodramatisch. »Er wollte euch vor Augen führen, was ihr verloren habt.«
»Das glaube ich nicht«, mischte sich Micha ein. »Er hat ein Bild hineingetan, das ihn in seinen guten Tagen zeigt, wo er den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren hatte. Die Botschaft ist sicherlich, dass er den Groll gegen euch aufgegeben hat.«
»So habe ich es auch verstanden«, pflichtete ihm Tessi bei. »Aber warum hat er uns dann nicht an sein Sterbebett geholt? Hatte er keine Zeit mehr dazu?« 
»Er ist nicht von einem Tag auf den anderen tot umgefallen«, bemerkte Micha. »Er war fast ein Jahr krank und wurde von deinem Onkel gepflegt.«
»Du meinst, dass der eine Versöhnung mit meiner Familie verhindert hat?« 
»Das läge doch nahe, Tessi. Weshalb ist dein Vater enterbt worden?« 
»Genaueres weiß ich auch nicht«, erwiderte das Mädchen. »Mutter spricht nicht darüber. Es ging, glaube ich, um gigantische Schulden, für die Großvater aufkommen musste. Vater hat aber heftig bestritten, dass er dafür verantwortlich war.«
»Weshalb ist er dann verschwunden?«, fragte Max, ohne zu merken, dass das nicht sehr feinfühlig war. 
»Das war kein Schuldbekenntnis«, erwiderte Tessi heftiger als gewollt. »Er hat meiner Ma etwas von ›verlorener Ehre‹ geschrieben, die er erst ›reinwaschen müsste, bevor er ihr wieder unter die Augen treten könnte‹. Er wusste ja noch nichts davon, dass sie mit mir schwanger war.« Sie wischte sich eine verstohlene Träne aus dem Auge. »Und nun ist mein Vater tot und kann es nicht mehr tun.«
»Langsam verstehe ich, weshalb du deinen Onkel erst mal aus der Ferne betrachten willst, wenn sich jetzt Gelegenheit dazu bietet.« Micha fuhr sich mit der Hand nachdenklich über die Stirn. Gründe dafür hast du ja reichlich. Vielleicht findest du etwas über die Geldgeschichte heraus.«
Tessi wurde rot und bestätigte damit, dass Micha mit seiner Vermutung ins Schwarze getroffen hatte. »Ich hatte echt so ´ne Ahnung, dass irgendwie etwas nicht stimmt. Deshalb bin ich hier unangemeldet aufgekreuzt, um ein wenig herumzuschnüffeln. Das kann sicherlich besser geschehen, wenn niemand weiß, dass ich da bin.«
»Dann bleibt die Frage, ob du dir zutraust, die Nacht hier allein zu verbringen?«, fragte Micha und stand auf. »Ich kann dir leider keine Gesellschaft leisten, da ich daheim erwartet werde. Wie sieht es mit dir aus, Max?« 
Der zögerte einen Augenblick. Die Aussicht, eine Nacht lang den Beschützer für das schöne Mädchen spielen zu können, war verlockend. Er konnte aber ebenfalls - ohne jede Vorankündigung - nicht einfach wegbleiben. Seine Mutter würde sonst Himmel und Hölle in Bewegung setzen und erst Ruhe geben, wenn sie ihn gefunden hätte. Er war ohnehin schon viel zu spät dran.
»Ich könnte anrufen und sagen, dass du heute bei uns schläfst«, äußerte Micha lächelnd. 
»Ich will nicht, dass ihr für mich lügt«, unterbrach Tessi bestimmt. »Seid ihr sicher, dass ›Blackman‹ nicht kommt und niemand aus seinem Gefolge?«
»Freilich«, erwiderte Micha lachend. »Ich verspreche es. Und Max hat selber Angst vor so was und wird sich bestimmt da raushalten.«
»Aber hallo!«, widersprach Max. »Ich und Angst? Wir passen nicht zusammen! … Aber von mir hat Tessi nichts dergleichen zu befürchten … Das weiß sie doch!«
»Gut, Jungs! Wenn das ein Versprechen ist, dann könnt ihr beide zu Mutters Rockzipfel zurückeilen. Ich werde hinter euch die Tür schließen und bin zufrieden, wenn ihr Softis morgen erscheint und etwas zum Essen mitbringt.«
Max war froh, dass ihm die Entscheidung abgenommen wurde. Er bereitete seinen Eltern ohnehin schon genug Kummer. Den wollte er nicht vermehren, wenn es nicht unbedingt nötig war. »Hast du wirklich keine Angst, allein hierzubleiben?«, fragte er nochmals halbherzig. Als das Mädchen dies verneinte, war er sichtlich erleichtert und schloss sich bereitwillig Micha an.
»Dann also bis morgen«, äußerte er, wie sie sich an der Hintertür verabschiedeten.
»Und verschließ auch die Kellertür gut von innen«, empfahl Micha.
»Glaubst du denn ...?«, fragte Tessi leise und sah auf einmal wieder sehr ängstlich aus. »Nein«, erwiderte Micha. »Aber sicher ist sicher!«

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Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.
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Sonntag, 28. Mai 2017

DAS GESTOHLENE GNADENBILD von Klaus Kurt Löffler

Klappentext: 
Max hätte nie daran gedacht, jemals an einer Wallfahrt teilzunehmen. Doch nun ist er dabei und hilft, den gelähmten Lazarus zur Wallfahrtskirche auf den Falkenstein hinaufzutragen. Das Gnadenbild des heiligen Wolfgang war nämlich in der Nacht aus der Pfarrkirche gestohlen worden. Max vermutet, dass sich die Täter unter die Pilger gemischt haben. Da einer der Träger ausgefallen ist, ergreift er die Chance, um undercover zu ermitteln. Er weiß nicht, worauf er sich einlässt. Denn die Kirchenräuber sind skrupellos und zögern nicht, den Jungen zu beseitigen, als er ihnen auf die Spur kommt. Hat Max die Schutzengel, die er zum Überleben braucht?
Erhältlich bei Amazon 

Leseprobe:

Zehntes Kapitel: Auf Leben und Tod
Max hing mit dem Kopf nach unten in den Zweigen einer kleinen Fichte, die aus einer Felsspalte wuchs und seinen Sturz aufgefangen hatte. Das abgebrochene Gitter war weiter hinuntergestürzt. Der Junge hatte es nach endlosen Sekunden unten auf den Uferfelsen aufschlagen und dann ins Wasser hinabgleiten sehen.
Die Situation, in der er sich befand, war alles andere als erfreulich. Das war stark untertrieben. Wenn er ehrlich war, konnte er sie nur als verzweifelt bezeichnen. Unter ihm tat sich der Abgrund auf. Der Felsen stürzte mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe, sodass an ein Hinabklettern nicht zu denken war. Nach oben lag die Kante des Abbruchs etwa zehn Meter höher. Ohne fremde Hilfe kam er dort nicht hinauf. Selbst ein geübter Bergsteiger hätte ohne Ausrüstung die Wand nicht bezwingen können. Und Max war in dieser Kunst nicht sonderlich bewandert.
Zum Glück wusste er seine Gefährten oben, die ihn nicht im Stich lassen würden. Dunkler beugte sich bereits über die Bruchkante und suchte nach dem Jungen. Als er ihn unverletzt an der Felswand hängen sah, war er sichtlich erleichtert. In Gedanken hatte er ihn wohl schon mit zerschmetterten Gliedern am Ufer des Sees liegen sehen. Er musste sich aber rasch davon überzeugen, dass man ohne Seil nichts zur Rettung unternehmen konnte. Er rief deshalb: »Halte aus, Junge, wir holen Hilfe! Es wird aber etwas dauern!« Dann verschwand er eilig.
Das hörte sich nicht gut an, dachte Max. Immerhin unternahm man etwas. Bis Rettung kam, musste er versuchen, seine Lage erträglicher zu gestalten. Zunächst galt es, sich aufzurichten. Seine Beine hatten sich im Astwerk verfangen und er hing rücklings mit dem Kopf nach unten. Er spannte die Bauchmuskeln an und schwang den Oberkörper empor, wobei er einen Zweig zu erwischen trachtete. Nach einigen Versuchen gelang das. Er konnte sich hochziehen und stand nun aufrecht mit dem Gesicht zur Feldwand.
Allerdings war das Manöver seinem Halt nicht gut bekommen. In der steilen Wand hatte die kleine Fichte keine tiefen Wurzeln schlagen können. Bereits beim Aufprall war sie etwas nach unten gerutscht. Das Aufrichten hatte zu einer weiteren Abwärtsbewegung geführt. Es knackte und krachte so, als werde sich der Baum im nächsten Moment ganz lösen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis …!
Max wagte nicht, daran zu denken. Doch seine Angst wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Er war nicht weit davon entfernt, in Panik zu verfallen. Schon schossen seine Gedanken in wilder Folge durcheinander und fuhren Achterbahn. In seiner Not fing er zu beten an. Er rief erst alle Nothelfer, dann die Jungfrau Maria und zum Schluss den heiligen Wolfgang an, von dem er hoffte, dass er hier am ehesten zu erreichen war. Er gelobte für den Fall der Errettung, nicht früher zu ruhen, bis er das Gnadenbild und das Reliquiar den Dieben entrissen hatte.
Dann blickte er hoch. Aber was war das! Hatte sein Bitten geholfen? Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Ein Seil glitt die Abbruchkante herunter, wurde lang und immer länger und erreichte ihn schließlich. Er ergriff es mit beiden Händen und wartete darauf, dass er hochgezogen wurde. Aber es zeigte sich niemand. Also musste er den Aufstieg aus eigener Kraft bewältigen. Er überzeugte sich, dass das Tau hielt. Dann ging es los. Wie er sich abdrückte, rissen die letzten Wurzeln und die Fichte stürzte krachend in die Tiefe. Nun war er ganz auf das Seil angewiesen; sein Leben hing davon ab, dass er den Aufstieg aus eigener Kraft bewältigen konnte.
Arm um Arm zog er sich in die Höhe, wobei er sich darum bemühte, mit den Füßen von der Felswand Abstand zu halten. Von den wenigen Malen abgesehen, in denen ihn Micha zum Klettern gezwungen hatte, hatte er darin keine Erfahrung. Und die Strapazen des Krankentransports hatten ihn geschwächt. Die Handflächen waren mit Blasen bedeckt und brannten nun bald wie Feuer. Und die überanstrengten Arme wurden immer kraftloser.
Er hatte etwa die Hälfte des Aufstiegs geschafft, als er nicht mehr weiterkonnte. Er war gerade noch in der Lage, sich am Seil festzuhalten. Und das auch nicht mehr lange. Er schickte nochmals ein Stoßgebet zum Himmel empor. Dann schloss er die Augen, als könnte er damit der Wirklichkeit entfliehen. Aber das tröstende Schwarz, zu dem er Zuflucht suchte, blieb nicht lange. Leuchtende Spiralen tauchten auf, die sich um ihre Längsachse drehten, aber immer langsamer wurden. Eine Weile sah er verständnislos zu, bis ihm die Erleuchtung kam. Das war seine Lebenskraft. Noch wirbelte sie, aber nicht mehr lange. Sie durfte nicht zum Stillstand kommen. Wenn sie erlischt, würden seine Finger das Seil loslassen und ...!«
Ihr müsst euch drehen!, befahl er verzweifelt. Drehen, drehen und weiterdrehen! ... Ihr seid nicht müde! … Der Himmel gibt euch Kraft! … So ist es richtig!, lobte er dann, als die Spiralen sich wieder in Bewegung setzten. Ihr werdet schneller und schneller, bis das Blut heftig durch die Adern schießt! … Meine Kräfte wachsen! ... Ich werde stärker und stärker! ... Ich muss es schaffen! … Ich werde es schaffen! … Ich schaffe es!
Zu seiner Freude merkte er, dass der Appell Wirkung zeigte. Wärme begann seinen Körper zu durchströmen. Seine Muskeln entkrampften sich. Das Gewicht, das an seinen Händen hing, schien leichter zu werden. Er fühlte, wie Mut und Zuversicht zurückkehrten. Es war, als würde ihm ein Engel unter die Arme greifen und helfen, die letzten Kraftreserven zu mobilisieren.
Trotzdem wusste er, dass er seine Kräfte besser einteilen musste. Er entlastete die Arme dadurch, dass er seine Beine stärker auf der Felswand abstützte und den Körper aus den gebeugten Oberschenkeln hochdrückte. Das half. Hand vor Hand hangelte er sich weiter nach oben. Es ging langsam voran, aber es ging. Mit Freuden sah er, wie die Felskante mit jeder Handbreite näher und näher rückte. Schließlich - es schien eine Ewigkeit gewesen zu sein - war es endlich so weit. Mit einer letzten großen Anstrengung zog er sich auf das Felsplateau hinauf. Völlig ausgepumpt und erschöpft blieb er am Boden liegen und zitterte am ganzen Körper.

Klaus Kurt Löffler:



Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.

  



Sonntag, 26. März 2017

Kongress der Magier von Klaus Kurt Löffler



Klappentext: MERLIN, der Großmeister der Magierloge, fürchtet um sein Leben. Raspoltin, ein schwarzer Magier aus Rumänien, hat ihn zu einem *magischen Duell* herausgefordert, das auf der Tagung in St. Wolfgang ausgetragen wird. Er bittet die Junior-Detektive um Hilfe. Denn der Herausforderer hat angedroht, dass er den Großmeister verschwinden lassen wird. Die Aufgabe ist schwerer, als von den Jungen erwartet. Und Merlins Verdacht bestätigt sich auf schreckliche Weise.

Erhältlich bei Amazon und beim Autor

Leseprobe:

Erstes Kapitel: Ein neuer Klient
Sie wurden schon erwartet. Der Portier wies ihnen den Weg hinauf in den ersten Stock. Ihr Auftraggeber war ein langer Mann mit strengen Gesichtszügen und spitzer Nase, bei dem Haare und Bart schon angegraut waren. Man sah ihm an, dass er keinen bürgerlichen Beruf hatte. Eine geheimnisvolle Aura umgab ihn und ließ ihn, wie es den Jungen erschien, von innen heraus leuchten.
»Als Magier arbeite ich unter dem Künstlernamen MERLIN«, begann er nach kurzer Begrüßung. »Meine Illusionen gehören zu den besten der Welt. Ich habe in fast allen Ländern der westlichen Hemisphäre Triumphe gefeiert. Deshalb hat man mir den Beinamen ›der Unvergleichliche‹ verliehen.«
 Der Sprecher verstummte und musterte die Jungen eine ganze Weile, als frage er sich, ob sie das leisten könnten, was er von ihnen erwartete. Was er sah, stellte ihn wohl zufrieden. Denn er fuhr fort: »Trotzdem benötige ich jetzt Beistand! ... Wie ich bereits am Telefon erwähnt habe, ist mein Leben bedroht.«
»Wäre es dann nicht besser, die Kriminalpolizei einzuschalten?«, fragte Micha. »Ich könnte dies für Sie in die Wege leiten.«
»Keine Polizei!«, äußerte Merlin bestimmt, »jedenfalls jetzt noch nicht. Ich habe mich an euch gewandt, damit nicht bekannt wird, dass ich mich nicht selbst schützen kann. Mein Ansehen steht auf dem Spiel.«
»Es ist keine Schande, Schutz zu suchen, wenn man bedroht wird«, bemerkte Max. »Jeder Promi hat heute einen Bodygard, selbst wenn keine konkrete Gefahr besteht.«  
»Das wird die Öffentlichkeit bei einem Magier-Großmeister vielleicht anders sehen«, erwiderte Merlin mit milder Ironie. »Immerhin nehmen wir für uns in Anspruch, übersinnliche Kräfte zu haben und Dinge zu können, die normalen Menschen nicht möglich sind.«
»Entspricht dies denn nicht der Wahrheit?«
»Bei den meisten von uns sicherlich nicht. Wir arbeiten mit Illusionen, bei denen den Menschen nur vorgegaukelt wird, dass es sich um unerklärliche Vorgänge handelt. Ich darf allerdings nicht verschweigen, dass einige von uns über Fähigkeiten verfügen, die sich der Erklärung verschließen.«
»Was ist der Unterschied zwischen Zauberer und Magier?«
Merlin lächelte fein. »Wenn man überhaupt einen solchen finden will, ist es ein gradueller. Zauberer nennt sich jeder, der einige Kunststücke beherrscht, mit denen er auf Kindergeburtstagen, Familien- und Betriebsfesten auftritt. Ein Magier dagegen wendet sich an ein großes Publikum, das er mit spektakulären Illusionen blendet und in Erstaunen versetzt. Wie ich schon andeutete, sind die Tricks schwer zu durchschauen und es ist nicht immer auszuschließen, dass echte Magie im Spiele ist.«
Merlin strich nachdenklich mit der Hand über den Bart. »Um zum Thema zurückzukommen: In meinem Fall geht es vordergründig nicht um Bedrohung mit physischer Gewalt, sondern mit magischer Kraft. Als Großmeister müsste ich eigentlich in der Lage sein, mich davor zu schützen. Das macht es für mich schwer, fremde Hilfe zu erbitten.«
»Wie sind Sie auf uns gekommen?«, fragte Micha.
»Jemand am Ort, dem ich meine Sorgen anvertraut habe, hat euch empfohlen. Er sagte, dass ihr heikle Fälle geräuschlos lösen könnt. Eure Jugend kann in meinem Fall nur vom Vorteil sein. Ihr werdet kein Misstrauen erregen, wenn ich euch in die Veranstaltung einschleuse.«
Merlin machte eine bedeutungsvolle Pause und fuhr dann fort: »Ich muss etwas weiter ausholen. Ihr wisst, dass auf dem Kongress, der alle vier Jahre stattfindet, der neue Großmeister ermittelt wird, der die Geschicke der Loge bis zur nächsten Versammlung lenkt. Gewählt wird der, der in dem Wettbewerb die beste magische Leistung erbringt. Ich habe dieses Amt seit vielen Jahren inne, weil ich immer Sieger des Wettstreits geblieben bin. Das ist diesmal aber nicht sicher.« Merlin seufzte und strich sich besorgt über die Stirn. 
»Es gibt einen Herausforderer aus Rumänien, der sich ›Raspoltin‹ nennt«, fuhr er fort. »Er ist erst seit kurzem in unserer Vereinigung, hat aber bereits erhebliches Aufsehen erregt. Man hört die unglaublichsten Sachen von ihm. Er soll mit bloßer Geisteskraft Dinge bewegen können. Es ist klar, dass er der einzige ist, der mir meine Position streitig machen kann. Letztlich wird also die Entscheidung zwischen uns beiden getroffen. Nun hat er mich im Streit um die Meisterschaft zu einem ›magischen Duell‹ herausgefordert. Er hat öffentlich angekündigt, ›mich verschwinden zu lassen‹, wie immer er das bewerkstelligen will.«
Die Jungen blickten sich verblüfft an. »Nehmen Sie die Bedrohung ernst?«, erkundigte sich Micha
»Auf jeden Fall!«, antwortete der Magier. »Deshalb schalte ich euch ja ein. Raspoltin würde eine solche Ankündigung nicht aussprechen, wenn er sich nicht Mittel und Wege ausgedacht hätte, sie wahrzumachen. Andernfalls würde er als Aufschneider dastehen und wäre blamiert.«
»Glaubt ihr, dass er das schaffen kann?«, fragte Micha.
»Könnt ihr einen solchen Angriff abwehren?«,  fügte Max hinzu.
»Mit seinen telekinetischen Fähigkeiten wird er bei mir nichts erreichen“, erwiderte der Großmeister selbstbewusst. »Dazu ist meine Abwehr zu stark. Ich fürchte aber, dass er zur List oder physischen Gewalt greifen wird, die er hinter einer Illusion verbirgt. Es steht viel auf dem Spiel. Wenn es ihm gelingt, seine Ankündigung wahrzumachen, wäre er der größte Magier aller Zeiten und könnte Titel und Amt eines Großmeisters auf Lebenszeit beanspruchen!«


Klaus Kurt Löffler:
Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.