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Sonntag, 17. Januar 2016

Mary Island Das Geheimnis der dunklen Baracke von Jonathan Philippi



Mary Island Band 3

Klappentext: Der heiße Sommer auf Mary Island beginnt mit Ferien und Strandpartys. Endlich ist Jasmin aus Deutschland zu Besuch. Doch das Urlaubsparadies wird von Diebstählen heimgesucht, denen ein waschechter FBI Agent auf die Spur kommen möchte. In dem Durcheinander, in dem jeder jeden verdächtigt, entdeckt Julie ein Geheimnis in einer dunklen, abgebrannten Ruine am Strand. Dass sie damit ihr eigenes und das Leben ihrer Freundin Valentine in höchste Gefahr bringt, wird ihr zu spät bewusst.

Altersempfehlung: ab 12 Jahre
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Das Abenteuer geht weiter
Jasmin Müller aus Deutschland besucht ihre Freundin Julie. Die Ferien sind da und mit ihnen fallen die Touristen über die Insel her. John Eagle beginnt mit dem Bau seines Indian Documentation Centers. Auf der Farm mietet sich ein Pärchen ein, das auf der Hochzeitsreise ist. Mister Seymour ist ständig unterwegs, seine Frau genießt die Ruhe mit Laptop und Spielekonsolen. Die Insel scheint sich in ein Paradies zu verwandeln. Zumal sich Dana und Steven endlich ihre Zuneigung gestehen und auch Tim und Julie sich näher kommen. Da erschüttern Diebstähle in den Hotels und an den Stränden die Region. Um Herr über die Lage zu werden, muss der FBI-Agent Benjamin Graves den Sheriff unterstützen. Und er wohnt ausgerechnet auf der Farm. Einige Insulaner wollen die Gunst der Stunde nutzen und versuchen, alles John Eagle anzuhängen. Aber Julie, Steven und Dana können das in letzter Minute verhindern. Bei ihren Ausritten entdecken Valentine und Julie eine alte, abgebrannte Hütte am Nordstrand. In Julie reift ein Verdacht. Geht es wirklich nur um Plunder, Armbanduhren und Goldkettchen? Dem Täter auf der Spur, geraten sie in tödliche Gefahr. Können Ben und ihre Freunde sie rechtzeitig retten


Leseprobe:
Das Abenteuer ist noch lange nicht zu Ende

Wie ein Dieb sah Steven sich zwischen den Regalen um. Er fühlte sich nicht wohl. Was machte er hier? Suchend ließ er seine Blicke über die Ware streifen und duckte sich blitzschnell, als er eine ältere Frau entdeckte, die einen Lippenstift in ihr Einkaufskörbchen legte. Was zum Teufel war denn dabei, cool zuzugreifen und an die Kasse zu gehen, auch wenn seine Knie schlotterten und er beinahe eingeknickt wäre.
Okay, dachte er. Dann halt ein andermal. Gerade wollte er die Schachtel zurückstellen, als er überrascht wurde: „Hey, guten Morgen Steven.“
„Oh, hi Vally. Wie geht‘s?“ Schnell hatte er sich an den amerikanischen Gruß gewöhnt: Man fragte, erwartete aber keine Antwort.
„Super, ich hab‘ diese Nacht mal richtig gut geschlafen. Heute früh habe ich Gymnastik gemacht. Deshalb hab‘ ich beim Frühstück ausnahmsweise zugeschlagen wie eine hungrige Bärin, mir geht‘s blendend. Und dir?“
Verwirrt blickte er das Mädchen aus seiner Klasse an. Mit diesen ausführlichen Erläuterungen hatte er nicht gerechnet. „Okay! Danke. Ganz gut“, gab er knapp zurück.
„Hm, ‚Old Shepard‘, Aftershave, schwerer Duft, ist Moschus drin, nicht wirklich das Beste. Du rasierst dich?“
„Also, äh ...“ Hoffentlich bemerkte Valentine nicht, dass er rot anlief. Das war haargenau der Mega-GAU: Valentine ertappte ihn, wie er sich Rasierwasser aussuchte. Von einem Bartwuchs war allerdings weder etwas zu sehen noch zu ertasten, was niemand zu
wissen brauchte. Und jetzt, wo Vally ihn darauf ansprach, würde es bald die ganze Schule erfahren. Boah! Schon mitgekriegt? Steven Seidel entfernt erste Bartstoppeln von seinem 14-jährigen Kinn.
In Wahrheit mochte er den Duft, auch wenn er noch keine Rasur benötigte. Genau darum war er in den einzigen Drugstore von Mary Island gekommen, der Valentines Eltern gehörte,
da genügte es bereits, wenn Herman Wellmill ihn kannte. Eine Begegnung mit seiner Klassenkameradin hatte er zwar befürchtet, jedoch gehofft, es vermeiden zu können. In ihrem weißen Kittel stand sie vor ihm und zerrte lächelnd an der Schachtel in seinen
Fingern. Er klammerte, sodass sie heftig ziehen musste, bis er schließlich nachgab.
„Okay, lass mal fühlen.“
Ehe Steven sich versah, strich sie sanft mit den Fingerkuppen um sein Kinn.
„Ich verstehe, nicht für den Bart. Hier, nimm das, das brennt nicht so und ist sehr hygienisch.“
Mit ernster Miene drückte sie ihm eine Plastikflasche in die Hand.
„Intimrasur?“ Entsetzt starrte er auf die Beschreibung und glaubte, sich verlesen zu haben.
„Ja klar!“, gab sie zurück, als wäre es die natürlichste Sache der Welt.
„Vally, ich rasiere mich nicht ... da unten.“
„Wo denn sonst? Also für deinen Bart ist es jedenfalls nicht. Ah, kapiert! Ein Geschenk für deinen Dad.“
„Nein, das ist für mich. Muss ich mich rasieren, wenn ich mal ordentlich riechen will?“
Valentine glotzte ihn an, weshalb er rasch besänftigend nachschob: „Der Gestank nach Seetang und Salzwasser und dann noch die Tiere auf unserer Farm … ich möchte nicht stinken, wenn ich ausgehe.“ Steven verschwieg lieber, dass er in letzter Zeit
stark schwitzte und seine Bettdecke jeden Morgen auswringen könnte.
Valentine lächelte: „Mensch Steven. Sag das doch gleich. Herrenparfüm. Komm mal mit.“ Valentine führte ihn durch den halben Drugstore. Vor einem Regal mit Kosmetikartikeln
für Männer hielt sie inne und überlegte. „Mal sehen, wie wäre es damit? Nein, das ist zu würzig, oder besser das? Ich mag zwar diesen Duft, aber ich befürchte, Dana nicht so. Hm, eher das da? Oder das. Ja, das wäre was.“
„Dana?“ Vor Staunen bekam er seinen Mund nicht mehr zu. Wozu brachte sie Dana ins Spiel? Was sollte denn das? Er wollte es für sich, nicht für Dana, die sowieso vorgab, Parfüms nicht zu mögen, und überhaupt: Steven und Mädchen!
 „Ja! Oder das? Das ist total krass und das würde zu dir passen. Moment! Ich hole einen Probezerstäuber.“ Ohne ihn zu fragen, sprühte sie ihm eine Duftwolke an den Ansatz seines
verschwitzten T-Shirts. Sie schnupperte nahe an seinem Hals und verkündete mit Kennermiene: „Ja. Das passt. Ist auch nicht so teuer und gefällt Dana bestimmt total!“
„Okay.“ Das war schiefgegangen. Jetzt musste er hier nur noch lebend rauskommen. „Wenn du meinst.“
„Das riecht klasse, glaub mir. Außerdem ist kein Moschus drin. Es ist total sanft zur Haut. Wenn du dich rasierst, solltest du ein Aftershave verwenden, das hat mehr Alkoholanteil zur
Desinfektion der gereizten Haut. Nass oder trocken? Ach, egal. Ich kann dir ein paar empfehlen, wenn es so weit ist. Einige sind sehr gut getestet worden und recht preiswert.“
„Ach Vally, na gut. Was kostet es?“
„15 Dollar, ähm, ich kann dir einen Sonderpreis machen. Bei dem hier ist der Karton kaputt und die Flasche hat einen Kratzer, ist aber originalverpackt und total einwandfrei. Fünf Dollar
Rabatt sind okay, denke ich.“
„Das ist … total … freundlich, danke schön“, äffte er Valentines Lieblingswort nach, aber sie bemerkte es nicht.
„Sonst noch was?“
„Nein, ansonsten bin ich total wunschlos glücklich.“
„Okay. Cash oder Kreditkarte?“
„Bar.“
Ehe Steven sich versah, hatte sie ihm den halben Zerstäuber übergesprüht und geleitete ihn an die Kasse. Er trottete hinter ihr her und wedelte mit den Armen, um den Duft zu vertreiben, doch es war vergebens.
„Hi Dad. Steven will ‚Peninsula Sunrise‘ kaufen, das mit der zerknautschten Schachtel, ich habe gesagt, zehn Dollar, geht das in Ordnung?“
„Hallo Steven, wie geht es, alles klar?“
„Bestens, Sir. Und bei Ihnen?“
„Zehn Dollar, bitte.“
Mr. Wellmill war auf die Frage, wie es ihm ginge, nicht eingegangen, somit rückte er Stevens Weltbild der ewig fragenden Amis wieder zurecht. Steven legte das Geld auf den Tresen und erhielt eine Plastiktüte.
„Das ist ein erstklassiger Duft, er wird dir stehen“, versprach Valentines Vater. Bimmelnd schloss sich die Kassenlade.
„Was machst du heute noch so, Vally?“, fragte Steven.
„Ich habe noch Salben auszupacken.“
„Verstehe. Julie hat gefragt, ob du mal mit ihr ausreiten möchtest.“
„Echt?“
„Ja.“
„Gerne. Ich ... ich melde mich, okay?“
Das war ein glatter Rauswurf. Täuschte sich Steven oder lief sie knallrot an? Schimmerte da gar eine Träne in ihrem Auge? Das musste an der Klimaanlage liegen. Zufrieden pfeifend verließ er den Drugstore und schlenderte zur Marina, wo er sein Fahrrad an einem Pfosten festgekettet hatte.
„Intimrasur!“, murmelte er auf dem Weg zum Hafen und schüttelte angewidert den Kopf. „Was denkt die von mir?“
Neben dem Laden der Wellmills erstreckte sich ein schmaler Parkplatz. Eine hohe, undurchdringliche Hecke grenzte die Fläche zum Nachbargebäude ab, in dem übermorgen ein neuer Modemarkt eröffnet werden sollte. Noch waren Bauarbeiter damit beschäftigt, letzte Hand anzulegen. Zwischen der Dornenhecke und der Mauer zum Geschäft lag ein enger Durchgang mit einem offenstehenden Tor.
Neugierig lugte Steven hinein. Normalerweise war das übergroße Holztor verschlossen und verbarg jeden Blick. Ein seltsames Pfeifen klang aus dem Halbdunkel, gefolgt von einem Rasseln, das schließlich in ein Stöhnen überging. Vorsichtig näherte er sich. Als er im Gang stand, rief er: „Hallo? Ist da jemand? Alles in Ordnung?“
Erschrocken wirbelte er herum, als sich quietschend das Tor schloss. Hämisch grinsend baute sich Rouwe Kruger vor ihm auf. „Oh, der Nazi.“
„Was? Spinnst du? Lass mich raus.“ Vor lauter Schreck war ihm die Beschimpfung gar nicht aufgefallen, er fühlte sich nicht mehr als Deutscher, seit er seinen Namen ‚Steffen‘ abgelegt hatte.
„Natürlich, das Tor wird sich wieder öffnen, wenn du so aussiehst, dass meine Vally dich nicht mehr anguckt.“
Stevens Körpertemperatur stieg schlagartig. Blut schoss in seinen Kopf. Sein Magen  verkrampfte sich. Sein ärgster Feind hatte ihn gestellt.


Über den Autor:
Jonathan Philippi, Jahrgang 1963, schrieb diese Serie für seine Familie. Mary Island ist der erste Band einer siebteiligen Reihe, die das Leben der Auswandererkinder Steffen, Julia und Justus in den USA ein Jahr lang begleiten wird.
Er lebt mit seinen drei Kindern, seiner Frau, mittlerweile 3 Meerschweinchen und einem Aquarium voller Fische, aber keine Urzeitkrebse mehr, im Saarland. Beruflich bereist er die ganze Welt, um doch jede Woche nach Hause heimkehren zu dürfen. Die Abenteuer und alltäglichen Umstände in fernen Ländern haben ihn von jeher dazu inspiriert, Geschichten zu erfinden. Was wäre wenn …?
Nachdem er die Schule des Schreibens absolviert hatte, begann er damit, seine Skizzen und Ideen umzusetzen.

Sonntag, 22. November 2015

Mary Island Das Geheimnis des goldenen Medaillons von Jonathan Philippi




Mary Island Band 2
Klappentext: Im Nachlass der Bibliothekarin Nelly Mata findet sich der seltsame Schmuckstein einer Kette. Der Archäologieprofessor Ingmar Canlehin erkennt es als das fehlende Glied seiner Theorie über den Untergang der Inkas. Rücksichtslos will er sich das Amulett aneignen. Er vermutet dahinter den sagenhaften Schatz der Inkas. Doch dann ist das goldene Medaillon verschwunden.
Immer tiefer verstricken sich Julie, Steven und ihre Freunde in einen Verbrechen, das 1572 begann und noch lange nicht zu Ende ist ...

Altersempfehlung: ab 12 Jahre
Außerdem bei AMAZON, über jede Buchhandlung und bei


Das Abenteuer geht weiter
Nach der Aufregung um die Visionen des Schamanen John Eagle müssen sich Julie und Steven in diesem Abenteuer einem Kriminalfall stellen, der vor Jahrhunderten stattfand und in den ein weltberühmter Seefahrer verwickelt scheint. Gemeinsam mit dem Indianermädchen Dana und mit dem an den Rollstuhl gefesselten Burt geraten sie in den Sog um das Geheimnis eines goldenen Medaillons. Es stammt aus dem Nachlass der Schulbibliothekarin Nelly Mata, aber gehörte es einst dem letzten König der Inkas, Manco Cápac III? Und wie kommt es nach Mary Island? Liegt hier etwa sein Grab? Das vermutet auch Professor Ingmar Canlehin, der in dem Amulett das fehlende Teil seiner Theorie über den Untergang der Inkas sieht. Zusammen mit den Freunden macht er sich auf die Suche, denn die Kette ist verschwunden. Aber spielt der Professor ehrlich? Den Mädchen kommen Zweifel. Als dann noch der Verdacht besteht, dass es Nachfahren des Inkakönigs gibt, entbrannt die Gier nach dem sagenhaften Gold der Inkas. Steven, Julie, Dana und Burt machen sich auf, die letzte Ruhestätte einer Familie vor Grabräubern zu schützen.
  
Leseprobe:
Willkommen auf Mary Island
Valentine zog die Kappe tiefer in ihre Stirn. Die Sonne brannte auf ihre Schulter. Obwohl sie gut eingecremt war, rieb sie sich mit der Hand über den Rücken, soweit sie die Hände unter die Träger ihres Tops verrenken konnte. Ihr Ausschlag juckte trotz der Medizin auf ihrer Haut. Entschlossen sah sie den steilen Hügel nach oben und entschied, mit dem niedrigsten Gang loszulegen. Das Mountainbike hatte sie zu ihrem 14. Geburtstag geschenkt bekommen. Sie wusste, dass der Drugstore nicht so gut lief und dass ihre Eltern lange darauf gespart hatten. Darum musste sie helfen und so fuhr sie heute Medikamente für ihren Dad aus. Wenn sie die Bestellungen brachte, kauften die Leute wenigsten nicht im Internet und jeder Dollar zählte. Die Sonne meinte es nicht gut mit dem blonden Mädchen. Schweiß glänzte auf ihren Armen, aber sie strampelte tapfer weiter. Gleich nach der siebten Straße ging es etwas geradeaus, dann ein Stück bergab. Dort konnte sie verschnaufen, ehe sie mit Schwung den Anstieg zur elften Straße in Angriff nehmen würde. Sie trat feste in die Pedale und gewann an Tempo.
„Hey, wen haben wir denn da?“
Valentine bremste scharf, um nicht in die Fahrräder von drei Jungs zu rasseln. „Rouwe!“, kreischte sie.
„Ja Baby, ich bin es. Na? Konntest es wohl nicht abwarten, mich wiederzusehen.“
„Ich habe keine Zeit, lass mich durch.“
„Ho!“, machte Rouwe und zwinkerte Christopher Banner und Stanley Bucket zu.
„Mach schon, ich muss Arznei wegbringen und die darf nicht zu heiß werden.“
„Und warum erledigt das nicht dein Daddy?“ Christopher gluckste. „Benzin ist wohl zu teuer, was, Süße?“ Die Kerle lachten. Valentine blickte sich um. Die Häuser waren hinter großen Hortensien und Rhododendronhecken versteckt, zwischen denen mächtige Bougainvilleas blühten. Im Flimmern der Mittagssonne hörte sie vereinzelte Rasensprenger. Die Hitze hielt die Menschen in ihren Gebäuden gefangen: niemand, der ihr helfen könnte. Sie war umzingelt.
„Lasst mich durch!“, rief sie verzweifelt und den Tränen nahe.
„Später“, grinste Rouwe.
„Vielleicht“, ergänzte Christopher Banner.
Obwohl sie wusste, dass betteln nichts half, versuchte sie es dennoch: „Bitte, Nelly Mata wartet auf ihre Tabletten.“
„Das wird doch noch ein Viertelstündchen Zeit haben, oder?“ Rouwe näherte sich ihrem Gesicht. Valentine wich zurück.
„Sieh mal, da hat ein verliebtes Stadtoberhaupt eine Parkbank hinstellen lassen, um mit seiner werten Gattin rumzuknutschen. Ist das nicht romantisch? Man sieht die ganze Straße hinunter zum Hafen und zum Strand und es sind so wunderschöne Blumen hier.“ Die Jungs drängten sie vom Weg ab zur Seite hin.
„Stell dein Fahrrad hierhin, brauchst es nicht abzuschließen, kannst uns vertrauen!“, raunte Christopher Banner. Stanley Bucket grinste wie üblich blöd in der Gegend herum und wackelte mit dem Kopf.
„Nein!“, sagte sie entschieden. „Lass mich los. Oder ich gebe dem Sheriff Bescheid!“
„Oh, Mr. Anderson wäre entzückt, wenn er erführe, wie nett wir hier plaudern“, säuselte Rouwe und änderte seine Stimme augenblicklich: „Setz dich. Mach schon!“ Valentine wand sich, aber ihr blieb nichts anderes übrig, als zu folgen. Während sie sich auf die Bank setzte, fuhr ihre Hand unbemerkt in die Tasche. Sie fingerte nach ihrem Handy, suchte auf dem Display die richtige Stelle und drückte, ohne dabei hinzusehen, einen virtuellen Knopf. Sie hatte es geahnt, früher oder später musste sie auf Rouwe und seine Gang treffen. Jetzt zahlte sich ihre Übung aus, blind auf dem I-Phone den Bildschirm zu bedienen. Gut, dass sie eine Nottaste programmiert hatte. Sie schob das Telefon etwas aus ihrer Jeanstasche und hoffte, ihr Vater konnte hören, was sie sprachen.
„Okay!“, sagte sie laut. „Ihr seid nur zu dritt: Stanley, Christopher und natürlich du, Rouwe. Wo ist euer Boss? Ich meine drei gegen ein Mädchen ist feige. Ohne Harry Miller seid ihr mir gegenüber eindeutig im Nachteil. Was wollt ihr? Mich überfallen? Wollt ihr die Pillen, die ich austrage?“ Nun kreischte sie doch. Sie wollte das nicht, sie durfte keine Schwäche zeigen, doch ihre Angst konnte sie nicht länger verbergen.
„Sch, sch!“, machte Rouwe und legte ihr einen Finger auf die Lippen. Valentine schnappte danach, aber Rouwe konnte ihn rechtzeitig zurückziehen. „Nicht so laut, Süße, du verdirbst die ganze Stimmung.“
Er legte einen Arm um sie. Valentine schüttelte ihn ab. „Fass mich nicht an!“, fauchte sie.
„Oh, das Kätzchen zeigt Krallen.“ Rouwe verschränkte nun die Arme vor seiner Brust.
„Ach ja? Dann pass auf, dass ich dich nicht zerkratze.“
„Hey, Süße, komm schon, es ist doch so romantisch, findest du nicht?“
„Auf der Bank an der siebten Straße Kreuzung Zehnte? Mit dem traumhaften Blick auf den Atlantik? Und was jetzt? Willst du mir sagen, dass du in mich verknallt bist?“
„Schrei doch nicht so! Hey, Girl, du gehst aber ran.“ Die Jungs gluckerten vor Vergnügen.
Zwei Minuten, dachte sie. Wenn jemand zu Hause das Gespräch mitbekommt, ist Daddy in zwei Minuten hier.
„Ich möchte eigentlich eher schweigen. Hier sitzen, eine Cola trinken.“
Stanley reichte Valentine eine Büchse. Er selbst hielt eine Dose Bier in der Hand, nahm einen Zug und rülpste laut.
„Ist das nicht schön, wir beide hier auf dieser herrlichen Bank?“ Rouwe rückte zu ihr auf. Christopher auf der anderen Seite machte deutlich, dass Valentine nicht davonkommen würde.
Eine Minute und vierzig, dachte sie. „Ich mag dich nicht, Rouwe, ich mag weder deine Art noch deine Freunde.“
„Und ich mag nicht, dass du dich diesem deutschen Arsch an den Hals wirfst.“
„Was?“ Valentine sah ihn irritiert an.
„Komm schon, Sweetheart, du weißt genau, wen ich meine.“
„Doch wohl nicht Steven Seidel?“
„Ah!“ Stanley hüpfte herum. Er zeigte auf das Mädchen und rief: „Sie hat den Namen genannt, sie hat den Namen genannt.“
„Spinnt der?“, fragte sie Rouwe.
„Manchmal, wenn die Sonne zu sehr auf seinen Schädel brennt.“
„Also den ganzen Sommer?“
Christopher lachte laut los, verstummte aber augenblicklich, als er den Blick seines Kumpels einfing.
„Reden wir von was anderem. Du magst mich nicht?“
„Nein!“
„Oh das macht nichts, weißt du, wenn du jetzt sagen würdest, wie toll du meine Muskeln findest, müsste ich glatt denken, du wärst eine Schlampe, aber nein du hast Stil, meine Süße. Man muss sich nicht sonderlich mögen, wenn man zusammen ist. Weißt du, man genießt einfach die Zeit.“
„Ja, genau!“, stammelte Stanley. „Mom und Dad streiten sich auch immer, huhu.“
„Verstehe!“, sagte Valentine. Eine Minute dreißig.
„Ist das nicht schön, magst du keine Cola? Nein?“ Rouwe nahm ihr die Dose ab und öffnete sie. Schäumend ergoss sich die dunkle Brause über seine Hände. Er setzte an und trank die Dose in einem Zug leer. Dabei ließ er seine Muskelmasse unter seinem ärmellosen Unterhemd spielen, damit Valentine auch jede Faser seiner Kraft bewundern konnte. Sie versuchte zu lächeln. Rouwe rülpste, seine Freunde johlten.
„Boa!“, machte Stanley Bucket. „Das, das, das war bestimmt ein neuer Rekord. Boa aye, Mann aye! Fünf Sekunden oder so!“
„Los, so einen Elch schaffen wir auch!“, gluckste Christopher Banner und knackte den Verschluss einer neuen Dose. Auch er trank in einem Zug, aber das Getränk lief rechts und links an seinem Mund vorbei, rann klebrig über seine Wange auf seinen Hals und kleckerte sein gelbes T-Shirt voll.
Eine Minute, dachte Valentine. Wie lange kann eine Minute sein?
Christopher zerknüllte mit einem dämlichen Grinsen die Dose in seiner Hand. Mit offenem Mund wartete er auf den Rülpser, der schließlich von tief kam. Die Kerle lachten schallend, Stanley schlug sich auf die Oberschenkel. „Wow! Wow! Wow! So was von abgefahren! Megahammer! Los, ich auch.“ Er angelte sich eine weitere Dose aus dem Rucksack, hielt sie vor sich, fixierte sie wie ein Magier einen Zaubergegenstand, dann erstarrte er plötzlich. Nach wenigen Sekunden hatte er sich gefasst und brüllte: „Scheiße!“ Er warf die Dose dem verdutzen Christopher zu, der sie reflexartig auffing, schwang sich auf sein Fahrrad und strampelte die 7th Street bergab. Christopher sah ihm nach, blickte in Richtung Hafen, warf die Dose zu Rowe und schnappte sich sein Rad. „Wir sehen uns!“ Und weg war er.
Rouwe wollte aufspringen, aber da stoppte schon der Wagen des Sheriffs direkt vor der Parkbank.
Valentine grinste. Das ging ja diesmal wirklich fix, dachte sie.
„Wenn ich dich allein erwische, bist du fällig!“, raunte er.
„Meinst du, du kannst mir Angst machen, du Arschgesicht?“
„Oh ja, du wirst Angst haben. Du wirst verdammte Angst haben, das schwöre ich!“

Über den Autor:
Jonathan Philippi, Jahrgang 1963, schrieb diese Serie für seine Familie. Mary Island ist der erste Band einer siebteiligen Reihe, die das Leben der Auswandererkinder Steffen, Julia und Justus in den USA ein Jahr lang begleiten wird.
Er lebt mit seinen drei Kindern, seiner Frau, einem Hasen, zwei Meerschweinchen und einem Aquarium voller Fische und Urzeitkrebse im Saarland. Beruflich bereist er die ganze Welt, um doch jede Woche nach Hause heimkehren zu dürfen. Die Abenteuer und alltäglichen Umstände in fernen Ländern haben ihn von jeher dazu inspiriert, Geschichten zu erfinden. Was wäre wenn …?
Nachdem er die Schule des Schreibens absolviert hatte, begann er damit, seine Skizzen und Ideen umzusetzen. Das Resultat ist der vorliegende erste Band der Serie, die in langen Hotelnächten entstanden ist.

Sonntag, 1. November 2015

Mary Island Das Geheimnis des dritten Hügels von Jonathan Philippi




Mary Island Band 1

Klappentext: Voller Begeisterung ziehen Julia, Steffen und Justus zu ihrem Vater in die USA, um dort zu leben. Sie denken, sie sind im Paradies angekommen. Aber das Paradies hat seinen Preis. Der Schamane John Eagle sieht in seinen Visionen den Untergang der Insel Mary Island vor der Küste von South Carolina in den USA und verkündet seine Warnung lautstark. Niemand glaubt ihm und die Bewohner wollen ihn und seine Tochter vertreiben. Da entdeckt der 14-jährige Steffen unter einem Hügel eine tödliche Gefahr. Können er und seine Freunde eine Katastrophe verhindern?

In dem Jugendbuch entdecken die Geschwister Steffen, Julia und Justus ein Geheimnis, das lange Zeit unter den Dünen der Insel Mary Island vor South Carolina vergraben lag und eine schreckliche Gefahr für die Bewohner birgt.
Die drei Geschwister wachsen bei ihrer Mutter in Deutschland auf. Nachdem eines der Kinder von ihrer Mutter misshandelt wird, suchen die Geschwister Hilfe bei einem Richter. Im Prozess bekommt der Vater, der in den USA auf Mary Island lebt, das alleinige Sorgerecht zugesprochen.
Der erste Band der Jugendbuchserie „Mary Island“ erzählt davon, wie die Kinder sich mit der amerikanischen Kultur vertraut machen, neue Freundschaften schließen und erwachsen werden. Die Geschwister entdecken ein Geheimnis, das lange Zeit unter den Dünen vergraben lag und eine schreckliche Gefahr für die Bewohner von Mary Island birgt.


Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Außerdem bei AMAZON, über jede Buchhandlung und bei:


Leseprobe:
Willkommen auf Mary Island
Auf jedem Schreibtisch stand ein Computer und sie hatten Anschluss an das Internet. Julia setzte sich sofort an ihren Rechner und richtete sich ein E-Mail-Konto ein, um Jasmin zu berichten.
Unten waren ein großes Arbeitszimmer mit unendlich vielen Büchern und die Küche sowie der gigantische living room, der über drei Ecken verglast war. Die Farm bot einen atemberaubenden Blick über den Hügel und in weiter Ferne auch über den Atlantik. Nach Westen sah man Hügelketten und viel Land. An das Haus angebaut war eine dreifache Garage, die mit Dach halb so hoch wie das Farmhaus war. Neben dem Haus stand eine große Scheune. Weite Teile des Geländes waren von weißen Holzbohlen eingezäunt, aber Tiere sahen sie nicht. Julia ließ sich auf die Fensterbank ihres kreisrunden Fensters nieder und sah hinaus.
„Da drüben liegt eine neue Welt“, sagte Steffen.
Sie nickte. Es klopfte und nach zwei Sekunden kam ihr Vater herein.
„Die PCs haben Internetanschluss“, sagte er.
„Danke, haben wir schon rausbekommen“, erwiderte Julia. „Wer ist das“?
„Wer?“ Ihr Vater beugte sich neben sie.
Ein dickes Mädchen kam schnaufend auf einem Fahrrad den Pfad hoch.
„Die da!“, sagte Julia.
„Das ist Cindy!“
„Ah, ja“, bekam er als Antwort.
„Cindy kümmert sich um Aisha.“
„Aisha?“
„Das Pferd.“
„Du hast ein Pferd?“ Julia war aufgesprungen.
„Also ich bin zwar der rechtliche Eigentümer, aber eigentlich gehört Aisha zu Cindy. Sie kann ihn sich nicht leisten, er steht bei mir im Stall. Das heißt, meistens rennt er herum. Ein wildes Pferd. Einzig Cindy kann ihn bändigen.“
Julia drängte nach draußen, der Fremden hinterher in den Stall.
Steffen schloss sich ihr an.
Als Julia in die Scheune kam, war sie überwältigt. Zahlreiche leere Pferdeboxen, viel Heu und Stroh und große Arbeitsgeräte standen herum. Vom anderen Ende hörte sie außer einem Schnauben eine Mädchenstimme, die beruhigend auf das Pferd einsprach: „Was ist los, Großer?“, fragte Cindy und drehte sich um.
„Hallo Cindy“, sagte Julia und reichte ihr die Hand. Cindy war mindestens zwei Jahre älter als sie. „Ich bin Julia.“ Sie sprach ihren Namen zum ersten Mal in Englisch aus: Dschulia.
„Das ist mein Bruder Steven.“ Mein Gott!, dachte Steffen, genau wie in der allerersten Stunde Englisch auf dem Gymnasium. Aber es klappte.
„Hi, ich bin Cindy“, sagte das Mädchen und drückte erst Julias, dann Steffens Hand. „Hi Steven“, sagte sie und so wie sie es aussprach, klang es in seinen Ohren wie ein Märchen, ein Zaubername.
„Steven!“, flüsterte er. Er würde sich ab jetzt Steven nennen und nicht mehr Steffen. Ja, das gefiel ihm, plötzlich kam es über ihn wie ein Hammerschlag: Er war in Amerika.
Unglaublich, aber wahr. Sie waren in den USA, den Vereinigten Staaten.
Nun ja, er musste zugeben, dass sie am Rand gelandet waren, ganz am Rand, weiter östlich lag nichts mehr, aber sie waren angekommen. Steven würde die neue Welt erobern und Justus und Julia sicher auch! Ab jetzt würde Steven nicht mehr Seidel heißen, sondern Sydl, ja, das wäre was: Steven Sydl. Doktor Steven Sydl oder besser Professor Doktor Steven Sydl oder Senator Sydl.
„Was macht ihr hier?“, fragte Cindy und riss ihn aus seinen Träumen.
„Oh, wir wohnen jetzt hier“, sagte Julia.
„Wie?“ Cindy schien überrascht.
„Samuel Seidel ist unser Vater“, antwortete Steven.
Cindy drehte sich nach Aisha um und streichelte zärtlich seine Nase. Der Hengst war neugierig nähergekommen und schnupperte aufmerksam an Cindy vorbei. Seine Ohren zeigten nach vorne und er stupste Cindy beiseite. Julia legte vorsichtig ihre Hand auf den Kopf des Pferdes.
„Ja, braves Pferd“, sagte sie mit beruhigter Stimme.
„Du kennst dich aus?“, fragte Cindy.
„In Deutschland bin ich ...“ Sie suchte ein Wort. „... Wettbewerbe, Kämpfe, Turniere geritten.“ Cindy nickte.
„Und ihr seid jetzt da, für wie lange?“
„Wir leben jetzt hier“, sagte Steven und fügte leise an: „Forever!“
„Für immer, ich verstehe“, sagte Cindy. „Es hat demnach geklappt. Herzlichen Glückwunsch. Er mag Hafer und er rennt gerne viel draußen. Außerdem mag er nicht, wenn er gegen das Fell gebürstet wird.“
Julia sah sie an: „Was meinst du damit?“
„Ich muss jetzt los, Hausaufgaben. Mach es gut, Aisha. Ich war sowieso nur gekommen, um mich zu verabschieden.“ Cindy rannte aus der Scheune.
„Spinnt die?“, fragte Steven und sah ihr nach, wie sie sich auf ihr Fahrrad schwang und im Höllentempo den Pfad nach unten preschte. Er kehrte zu seiner Schwester zurück, die Aisha streichelte. „Hallo Großer! Na, wir werden bestimmt gute Freunde, nicht wahr? Aisha, mein Guter, mein eigenes Pferd.“


Über den Autor:
Jonathan Philippi, Jahrgang 1963, schrieb diese Serie für seine Familie. Mary Island ist der erste Band einer siebteiligen Reihe, die das Leben der Auswandererkinder Steffen, Julia und Justus in den USA ein Jahr lang begleiten wird.
Er lebt mit seinen drei Kindern, seiner Frau, einem Hasen, zwei Meerschweinchen und einem Aquarium voller Fische und Urzeitkrebse im Saarland. Beruflich bereist er die ganze Welt, um doch jede Woche nach Hause heimkehren zu dürfen. Die Abenteuer und alltäglichen Umstände in fernen Ländern haben ihn von jeher dazu inspiriert, Geschichten zu erfinden. Was wäre wenn …?
Nachdem er die Schule des Schreibens absolviert hatte, begann er damit, seine Skizzen und Ideen umzusetzen. Das Resultat ist der vorliegende erste Band der Serie, die in langen Hotelnächten entstanden ist.