Sonntag, 8. Mai 2016

„Die Jägerin – Unter der Erde“ von Nadja Losbohm




Band 4

Kurzbeschreibung

Warum verschweigt man manche Dinge ausgerechnet vor demjenigen, dem man sein Herz geschenkt hat? Um ihn zu schützen oder sich selbst?

Pater Michael erhält eine zweite Chance, und diese nutzt er, um sich Ada zu öffnen und endlich die Geheimnisse um sein Leben zu lüften. Doch seine Vergangenheit holt ihn und auch die Jägerin auf schmerzliche Weise ein…

Dies ist die Geschichte eines unvorstellbaren Lebens voller Mysterien und Wunder.
Dies ist Pater Michaels Geschichte…
…und mehr.
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

Verängstigte Schreie. Panik. Verzweifeltes Weinen.
Ich schreckte aus meinem unruhigen Schlaf, in den ich gesunken war, auf und fand mich in der Dunkelheit wieder. Noch immer lag meine Hand auf dem Tupfer, der in meiner Armbeuge klebte. Doch es wurde zur Nebensache, als ich hörte, wie ganz in der Nähe ein Mensch um sein Leben bettelte.
Es ertönte ein dumpfes Geräusch, das klang, als hätte man etwas Schweres fallen gelassen. Ich hörte wieder das klägliche Jammern, gefolgt von einem Fauchen, und ich begann zu verstehen, was da draußen vor sich ging. Die Vampire, die mich gefangen hielten, hatten sich ein weiteres Opfer besorgt, und es klang fast so, als würden sie mit ihm noch ein wenig spielen, bevor sie über es herfielen. Das Lachen der Untoten drang an meine Ohren und jagte mir einen kalten Schauer nach dem nächsten über den Rücken. Die Vampire sprachen nicht, erwiderten nichts, während der Mensch darum flehte, dass sie ihn gehen ließen. Nach wenigen Minuten schienen sie es jedoch leid zu sein, ihm zuzuhören. Ich hörte ein Klatschen, dann wurde es für einen Moment still. Doch schon bald konnte ich ein Schmatzen und Stöhnen vernehmen und wusste, dass die Kreaturen der Nacht ihre widerliche, ekelerregende Mahlzeit zu sich nahmen. In meinem Beisein töteten sie ihr wehrloses Opfer, während ich, gefangen in diesem Sarg, daneben lag und meine Feinde nicht aufhalten konnte. Diese Tatsache machte mich ganz krank! Ich schrie und wand mich in der Kiste. Ich drückte meine Füße gegen das untere Ende, stieß meine Ellenbogen zu den Seiten, in der Hoffnung, es würde mir gelingen, mein Gefängnis auf diese Weise zu sprengen. Minutenlang wehrte ich mich gegen die Hilflosigkeit und musste schließlich frustriert und erschöpft aufgeben. Tränen traten mir in die Augen. Ich wusste nicht, mit wem ich mehr Mitleid haben sollte. Mit dem Mann, der dicht neben mir starb oder mit mir selbst, weil ich hier drin gefangen und gezwungen war mitzuerleben, wie jemand, der meinem Schutz unterstellt war, getötet wurde.
„Bitte, bitte! Aufhören! Bitte hört auf! Lasst ihn frei!”, winselte ich in der Kiste und zuckte zusammen, als ich ein Schmatzen und Schlürfen hörte, als würde sich jemand die Finger genüsslich ablecken.
Dann flüsterte eine Stimme, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde: „Sei unbesorgt, Jägerin. Er ist bereits frei.” Die Stimme lachte. Es war ein eiskaltes, erbarmungsloses Lachen, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Schließlich hörte ich Schritte, die sich entfernten. Etwas Schweres wurde über den Boden geschleift, und ich wusste, dass es der Mann war, dessen Flehen ich noch immer hören konnte. Ebenso wusste ich, dass sich sein Kopf zu der Sammlung gesellen würde, die ich gesehen hatte, und sollte man mich noch einmal hier herausheben, dann würde auch er mich vorwurfsvoll ansehen und fragen: „Wieso hast du mir nicht geholfen?”
Meine Verzweiflung, Wut und Machtlosigkeit brachen aus mir heraus. Hemmungslos begann ich zu weinen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Ich schluchzte und schrie, versuchte mich mit der letzten Kraft, die mir noch geblieben war, zu befreien. Aber es war sinnlos. Ich würde hier niemals herauskommen.
„Hör endlich auf zu heulen, du dummes Ding! Du wirst dich mit deinen Tränen noch selbst ertränken!”, sagte plötzlich eine Stimme. Ich erkannte sie sofort. Sie gehörte der Frau, die mir das Foto ihres Geliebten vor die Nase gehalten hatte, kurz bevor sie mich bewusstlos geschlagen und mir Blut abgenommen hatte.
„Dann lass mich doch hier raus, wenn du Angst hast, ich könnte hier drin abkratzen!”, schrie ich sarkastisch zurück und boxte mit meinem Ellenbogen gegen die Seitenwand der Kiste. Ich hörte ein Lachen, das so gehässig war, es erinnerte mich an die gemeinen Hexen aus den Märchen.
„Ha! Das könnte dir so passen! Nein, noch brauche ich dich ein Weilchen”, sagte die Vampirin. Ihre Schritte entfernten sich. Ich war wieder allein.

Autorenvita

1982 in Hennigsdorf, Brandenburg, geboren, zog es die Autorin im Alter von sechs Jahren in die deutsche Hauptstadt, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Dank der guten Gene ihrer Eltern interessiert sie sich schon seit Kindertagen für das Malen, Zeichnen und Fotografieren. Tat sie sich anfangs noch schwer mit dem Lesen, wurde sie dank einer berühmten Maus rasch zu einer Leseratte. Die Idee, eine eigene Geschichte zu verfassen, ereilte sie im Alter von 19.
Zehn Jahre dauerte es, bis das Erstlingswerk „Alaspis - Die Suche nach der Ewigkeit" fertig gestellt wurde und die Autorin den Mut fand, ihren Traum von einer Buchveröffentlichung mit anderen zu teilen. Am 15.10.2012 erschien die märchenhafte Saga als Ebook und Taschenbuch.
In den Jahren 2013 bis 2015 folgte die mehrteilige Jugendbuchreihe „Die Jägerin“, eine Mischung aus Sci-Fi und Fantasy-Romance mit einem Spritzer Humor.
„Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ ist das achte Buch aus Nadja Losbohms Feder und das erste Kinderbuch, das sie veröffentlicht hat.

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Sonntag, 1. Mai 2016

Rubor Seleno: Im Reich der zwei Monde von Angela Planert





Buchinhalt:

Gerrit wächst als Findelkind im Kloster der Selenoriten heran. Bereits dort zeichnet er sich durch besondere Begabungen aus. Seine Ausbildung auf der Burg des geheimnisvollen und grausamen Vamun ruft fatale Veränderungen in ihm hervor. Er selbst fühlt sich zum Meer sowie zu einer rätselhaften Burgruine hingezogen und forscht insgeheim nach seinen Wurzeln. Eines Tages wird Gerrit von schwarzgekleideten Gestalten gefangen genommen und auf ein Schiff verschleppt. Erhältlich bei Amazon, Thalia, Kobo, GooglePlay, Weltbild


Leseprobe:





»Für euch beginnt jetzt die Zeit des Lernens.« Vamun schaute seine Zöglinge nacheinander an. Die standen aufgereiht vor ihm. »Ihr seid in den Wald gekommen, um einige Tage hier zu leben. Ihr werdet hier schlafen und in der Natur eure Nahrung suchen.«
»Ähm ... bleibt Ihr denn nicht bei uns?« Talons Augen weiteten sich.
»Ihr sollt lernen!« Vamun betonte das erste Wort besonders deutlich. »Dort drüben am Baum«, er wies mit der Hand in die Richtung, »hängt ein Klangholz. Wenn ihr in Not seid, könnt ihr dagegenschlagen, dann komme ich euch zur Hilfe. Das gibt allerdings weiße Striche.«
»Was«, Ramou schluckte, »bedeuten weiße Striche?«
»Ich werde euer Handeln bewerten. Rote Striche sind zu sammeln, weiße besser nicht. Bei einer größeren Anzahl von negativen Strichen erhaltet ihr einen anderen Raum, nämlich im Burgverlies. Das wird auch bei Verstößen gegen meine Gesetze der Fall sein. Diese sind zu besprechen, wenn ihr das hier überstanden habt.« Vamun schwenkte wiederholt seine Blicke von Talon zu Hanar, Ramou über Erylan zu Gerrit und wieder zurück. »Die Regeln für diese Aufgabe stellt ihr selbst auf. Ob ihr zusammen oder einzeln arbeitet, ist euch überlassen. Jeder bekommt ein kleines Messer und eine Decke. Das ist alles.«
»Aber wie sollen wir denn …« Talon kam nicht zum Ende.
»Das ist alles, habe ich gesagt!« Vamun erhob seine Stimme, seine Augen funkelten. »Euer Auftrag ist beendet, wenn ich sieben Mal das Klangholz ertönen lasse. Dann werdet ihr euch hier versammeln.« Er nickte wie zur Bestätigung, drehte sich um, legte die versprochenen Gegenstände auf den Boden und ließ die Kinder stehen.

Es vergingen einige Momente, bis den Jungen bewusst wurde, dass Vamun seine Worte ernst gemeint hatte und sie tatsächlich hier draußen, einen halben Tagesmarsch von der Burg entfernt, auf sich allein gestellt waren.
Talon sah zu Hanar. »Was für eine närrische Aufgabe!«
Ramou schaute in die Runde. »Wir gehen zurück zum Kloster.«
»Ich vermute mal, dafür gibt es weiße Striche.« Hanar drehte sich um, als stünde jemand hinter ihm.
»Aber im Kloster könnten wir uns etwas zu essen besorgen, das merkt Vamun doch gar nicht.« Über Talons Gesicht zog ein triumphierendes Grinsen.
Gerrit hob die Hand und zeigte in den dichten Wald, durch den sie hergekommen waren.
Talon trat an Gerrit heran. »Hat unser großer Meister was zu sagen?«
»Macht, was ihr denkt! Ich in eurer Situation wäre nur vorsichtig mit dem, was ich sage. Wir werden nämlich beobachtet.« Entschlossen nahm Gerrit eine Decke sowie ein Messer, um sich seiner Aufgabe zu stellen. Genau drei Schritte weit kam er, dann fiel er unsanft zu Boden. Talon lag auf ihm.
»Ich mache dich fertig!« Talon setzte sich auf seinen Rücken und griff, wie Gerrit im Augenwinkel erfasste, nach einem handgroßen Stein. Er musste nicht warten, bis dieser auf seinem Kopf landete. Gerrit stemmte seinen Oberkörper auf, holte Schwung und rammte Talon seinen Ellenbogen ins Gesicht. Der stöhnte auf. Gerrit nutzte den Schreckensmoment. Er entledigte sich durch eine geschickte Drehung seines schweren Widersachers. Beinah gleichzeitig sprangen die Jungen auf und standen sich gegenüber. Talon hatte noch immer den Stein in der Hand, den er nun Gerrit an den Kopf zu werfen versuchte. Mit einer Seitwärtsbewegung wich Gerrit aus und der Stein hätte zu Boden fallen müssen.
Talon wich erschrocken zurück, während Gerrit sich umdrehte, als habe er Vamun, der den Stein aufgefangen hatte, bereits bemerkt.
»Wenn ihr etwas töten wollt, dann sucht euch ein Kaninchen.« Seine Worte klangen drohend. »Ich erwarte von euch, dass ihr euch mit Achtung begegnet. Jeder von euch besitzt besondere Fähigkeiten, die es unter meiner Obhut zu entfalten gilt. Dieser Vorfall wird sich nicht wiederholen. Fang!« Vamun warf Talon den Stein entgegen, der jedoch schwerfällig auf dessen Brust landete und ihm ein hörbares Stöhnen entlockte. Talon stand da wie versteinert. »An deinen Reaktionen solltest du dringend arbeiten.« Vamun drehte sich um. Er verschwand hinter den Baumstämmen im Gebüsch.
Gerrit dachte augenblicklich an die Erzählung von den zwei gegensätzlichen Brüdern aus den Mondsagen. Talon erinnerte ihn sehr an Han. Er musste achtgeben, dass sie nicht eines Tages das gleiche Schicksal erleiden würden. Jedenfalls mochte er diese Aufgabe nicht mit ihm lösen müssen. Er nahm seine Sachen und wollte gehen.
»Komm schon Gerrit«, warf ihm Erylan nach, »bleib hier!«
»Wenn wir zusammenhalten«, Ramou sah zu Talon, »ist es doch für uns alle einfacher.« Er schwenkte seinen Blick zu Hanar, Erylan und Gerrit. »Womöglich bereitet es uns am Ende noch Vergnügen!«
Gerrit setzte sich auf einen umgefallenen Baumstamm. »Womit wollt ihr anfangen?«
»Zuerst müssen wir uns überlegen, wovon wir uns ernähren können.« Hanar schaute erwartend in die Runde.
»Kaninchen!« Talon nahm sich ein Messer.
»Die sind verdammt flink!« Erylan ergriff den Deckenstapel sowie die Messer und verteilte sie. »Ich zweifle, dass wir die kleinen Rammler überhaupt zu fassen bekommen.«
»Als Erstes brauchen wir eine Quelle oder einen Bach.« Hier im Wald verspürte Gerrit zwar Hunger, jedoch war Wasser wichtiger als Nahrung. »Angenehm wäre ein Lagerfeuer, sonst wird uns heute Nacht sehr kalt. Zudem wäre ein Schutz vor Regen auch nicht verkehrt.«
»Gerrit!« Verächtlich sprach Talon seinen Namen aus. »Du weißt ja immer alles besser.«
»Hör auf, Talon! Gerrit hat recht.« Ramou steckte sich sein Messer an den Gürtel. »Vielleicht sollten wir uns zuerst aufteilen, um nach Wasser zu suchen. Die Sonne zeigt die Mittagsstunden an. Wenn sie die Baumkronen erreicht hat, treffen wir uns hier wieder.«
Talon verdrehte seine Augen, als sei ihm jedes gesagte Wort zu viel. Ohne darauf einzugehen, ging er los.
»Ich meine, dein Vorschlag ist gut.« Erylan strich sich durch sein langes Haar. »Machen wir uns auf den Weg!«

Die Sonne stand tief über den Baumwipfeln, als vier der Jungen sich aus verschiedenen Richtungen am Ausgangspunkt zusammenfanden. Die ersten dunklen Wolken zogen über den Himmel.
»In dieser Richtung liegt ein kleines Dorf.« Erylan wies den Weg zurück, den er gekommen war.
»Das Einzige, was ich gefunden habe, ist ein stinkender Pfuhl. Brackwasser, nicht zu gebrauchen.« Ramou setzte sich auf den umgefallenen Baumstamm.
»Bäume, Büsche und Wald.« Gelangweilt ließ sich Talon neben Ramou nieder.
»Ich habe keine Vermutung, was dieser Vamun von uns erwartet. Ein wenig Unterstützung, ein paar Hinweise wären uns hilfreich gewesen.« Hanar blickte zum Himmel. »Es wird bald regnen.«
»Gerrit scheint sich verlaufen zu haben.« Talon sah sich kurz um. »Lasst uns ins Dorf gehen!«
»Bestimmt gibt es dafür weiße Striche«, Erylan fuhr sich erneut durch sein Haar, »und vor Einbruch der Dunkelheit werden wir es nicht erreichen. Ich habe es lediglich aus der Ferne gesehen.«
»Nicht mit mir! Dieser Vamun will aus uns Narren machen.« Talon stand auf. »Von mir aus kann er sich mit anderen vergnügen. Ich gehe zum Kloster zurück!«
»Ja«, auch Ramou erhob sich, »ich sehe keinen Sinn in dieser Aufgabe.«
»Gerrit! Da bist du ja!« Erylan ging auf ihn zu. »Wir überlegen, was wir tun sollen.«
»Reisig und Holz sammeln wäre ein Anfang für einen trockenen und warmen Abend.« Gerrit machte eine Kopfbewegung in die Richtung, aus der er gekommen war. »Wir müssen wieder ein gutes Stück zur Burg zurückgehen.«
Außer Gerrit hatte keiner der fünf Jungen einen Plan, wie sie die Nacht über im Wald verbringen sollten. Seine Entschlossenheit überzeugte sogar Talon, der ein wenig widerwillig seinen Kameraden hinterherlief. Zwischendurch bückten sie sich hier nach Zweigen, dort nach dürren Ästen, bis jeder von ihnen einen Haufen brennbares Material auf dem Arm trug.
Ein kräftiger Wind zog auf, rüttelte damit weitere lose Äste und Kienzapfen hinunter. Die Luft kühlte sich merklich ab, als die Sonne von den dunklen Wolken verdrängt wurde. Anfangs folgten die Jungen Gerrit, ohne zu fragen. Doch ihre Ungeduld wuchs mit der Zunahme der dichten Wolken, die finsterer und drohender am Himmel erschienen. Ihr Schritttempo verdoppelte sich. Bald klatschten die ersten Regentropfen auf den Boden.
»Wir haben es noch geschafft, bevor die Sintflut niedergeht!« Gerrit blieb vor einer Felswand stehen.
»Verstehe ich nicht.« Erylan sah an der Wand entlang.
»Beim roten Mond!« Talon klang begeistert. »Das ist wirklich ein großartiges Versteck.«
Gerrit schob die Äste und Zweige der dichten Büsche zur Seite und zwängte sich in die Höhle; Talon und die anderen folgten ihm.
»Herrje, ist das finster hier drin!« Talons Stimme hallte unheimlich. Nahe des Höhleneingangs, wo noch etwas Licht hineinfiel, zerkleinerte Gerrit mit seinem Messer einige Holzstückchen. Seine Kameraden kamen dazu. Gerrit nahm ein Stöckchen zwischen die Hände. Er setzte es auf ein Stück Holz und drehte es schnell hin und her. Es dauerte ein wenig, aber letztlich fingen dessen Späne Feuer und brachten die gesammelten Zweige zum Brennen. Ein wärmendes Feuer beleuchtete ihr Versteck. An den Felswänden liefen zahlreiche Rinnsale an den Wänden entlang. Es gab genügend Vertiefungen, unter die Gerrit seine Hände hielt, um daraus zu trinken. Die anderen taten es ihm gleich.
Vom Eingang her drang ein immer lauter werdendes Rauschen in die Höhle. Es verursachte einen unheimlichen Klang. Neugierig drängten sich Erylan und Ramou neben den Höhleneingang.
»Als würden die Monde sämtliche Wasser über uns ergießen!«, schrie Erylan gegen den Krach an. Ramou nickte und kehrte zum Feuer zurück.
»Mein Magen knurrt!« Ramou legte seine Hand auf den Bauch, »Ich habe Hunger.«
»Glaubst du vielleicht, wir nicht?« Talon warf einen Ast auf die Flammen.
Erylan sah seine Kameraden an. »Mit dem Messer ein Kaninchen zu fangen, ist mehr als eine Herausforderung.«
»Und ...«, Hanar rieb sich über die Stirn, »wenn wir uns einen Speer aus Holz schnitzen?«
Gerrit stellte sich neben den Eingang. »Sobald es zu regnen aufhört«, er drehte sich um, sprach laut, um gegen das Rauschen anzukommen, »sorge ich mich um ein Abendmahl.« Er beobachtete den Regen eine Weile, der anfangs wie durchsichtige Strippen aussah und gemächlich in erkennbare Tropfen überging. Die Luft von draußen fühlte sich kalt und ungemütlich an. Viel lieber hätte sich Gerrit ans Feuer gesetzt. Aber dann würden sie vermutlich nichts zu essen bekommen. Außerdem hatte er es seinen Kameraden versprochen, sich darum zu kümmern.





Vita:
Angela Planert, Jahrgang 1966, begeisterte sich bereits in der Schulzeit für das Schreiben. Zunächst erlernte sie einen medizinischen Beruf, später füllte die wachsende Familie ihren Alltag aus. Anfänglich zufällige Erfahrungen über den Zusammenhang zwischen dem Mond und seinen Auswirkungen wurde bald mehr, als nur eine Freizeitbeschäftigung.
Seit 2004 widmet sich Angela Planert intensiv dem Leben als Schriftsteller, wobei sie ihre selenorische Erfahrungen gekonnt mit den Elementen des Fantastischen verbindet. So erstanden in den letzten Jahren zahlreiche Manuskripte.

Von der selenorischen Literatur zum Vampirroman über Thriller bis hin zu Science-Fiction und Kinderbücher bieten die Werke vielfältigen Lesestoff.

Neben gewohnten Lesungen sowie Lesungen mit verteilten Rollen im Schulunterricht gehören auch Workshops an Schulen sowie die Organisation von Schreibwettbewerben zur kreativen Gestaltung.

"Fragwürdige Identität" ist 2015 im Verlag Edition Baerenklau erschienen
Ein Gemeinschaftsprojekt »Gedankenwellen der Freude« mit der bekannten Autorin Janine Musewald wurde vom EalaFrya Literatur Verlag verlegt.
»Weihnachtliches Wunder« ist im THG-Verlag erschienen.
Der Vampirroman »Flügel der Dunkelheit« wurde vom Spielberg-Verlag publiziert.
Vier der selenorischen Romane sowie »Drachenseele« wurden beim Amicus - Verlag veröffentlicht.

Sonntag, 24. April 2016

Die Jägerin – Vergangenheit und Gegenwart von Nadja Losbohm



Band 3

Kurzbeschreibung

Vor der eigenen Vergangenheit kann man nicht fliehen. Das muss auch die Jägerin erkennen, und als sie am wenigsten damit rechnet, begegnet sie einem einst geliebten Menschen, der ihr viel Schmerz zugefügt hat.

Doch auch mit der Gegenwart muss Ada sich befassen, denn eine neue Gefahr bedroht ihre Heimatstadt…
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

„Und wo ist sie?”, fragte ich Pater Michael und drehte mich um die eigene Achse, immer noch auf der Suche nach der neuen Waffe.
„Sie steht direkt vor dir”, erwiderte er und sah zum Labortisch, der immer noch aussah wie eine Rumpelkammer.
Ich folgte seinem Blick und suchte in dem Chaos nach etwas, das aussah, als könne es mir helfen. Für mich war es aber nur ein einziges Durcheinander, bestehend aus Bunsenbrenner, Spateln, Pipetten, Handschuhen, Schutzbrille und weißem Pulver. „Ich weiß nicht, was du meinst”, sagte ich und sah fragend zu Pater Michael.
„Kommt ein Stück näher, und ich zeige es euch”, winkte er uns zu sich. Alex und ich wechselten verwirrte Blicke. Nach kurzem Zögern wagten wir uns weiter vor. Sofort fiel mir der schwere Geruch von Schwefel und anderen Chemikalien auf. Was zur Hölle hatte der Pater hier getrieben? Während wir uns an den Labortisch stellten, ließ ich ihn nicht aus den Augen, als könnte ich von seinem Gesicht ablesen, was das große Geheimnis war. Pater Michael starrte nur zurück und zwinkerte nicht einmal. Er hatte das perfekte Pokerface. Der Padre gab jedem eine Schutzbrille, die wir misstrauisch beäugten. „Die werdet ihr brauchen, und es wäre sicherer, wenn ihr noch einen Schritt zurücktretet”, meinte er und wartete darauf, dass wir seinen Befehl befolgten.
Ich war mir nicht sicher, was ich von alledem halten sollte, vertraute aber Pater Michaels Urteilsvermögen und trat nach hinten. Alex hingegen rührte sich nicht, und ich musste ihn am Arm packen und zurückziehen. Er war schon völlig weggetreten von den Dämpfen, die in der Luft hingen. Ich sah zu, wie Pater Michael sich ebenfalls eine Schutzbrille auf die Nase setzte. Trotz der fettigen Haare und dem ungepflegten Stoppelgesicht stand sie ihm wesentlich besser als mir. Tja, einen schönen Mann konnte eben nichts entstellen. Ich dagegen sah wohl eher wie Puck die Stubenfliege aus. Zu allem Überfluss zog er sich auch noch Schutzhandschuhe an. Sie waren aus einem dicken, festen Stoff und hatten eine hübsche goldgelbe Farbe. Es waren feuerfeste Handschuhe. Mir wurde langsam mulmig zumute, und das lag nicht an den Gerüchen in dem Labor.
„Das hier”, er hielt die Schale mit dem weißen Pulver vor unsere Nasen, „ist Kaliumchlorat.” Jetzt erst sah ich, dass es kein richtiges Pulver war. Es war grobkörniger und ähnelte eher Salz. „Es wird auch bei der Herstellung von Streichhölzern verwendet und ist in Verbindung mit Schwefel oder auch rotem Phosphor hochexplosiv. Ein wenig Reibung, ein kleiner Schlag genügen und es gibt ein gewaltiges Feuerwerk”, erklärte er. Mit großen Augen starrte ich das weiße Salz an. Dann suchte ich in dem Chaos auf dem Tisch nach dem allseits bekannten gelben Schwefel und rotem Phosphor. Wie auch immer roter Phosphor aussah. In Chemie war ich noch nie wirklich gut gewesen. Zum Glück konnte ich weder das eine noch das andere entdecken. Erleichtert atmete ich aus. Ich wollte zwar eine effektive Waffe haben, aber bitte nicht schon bei der Demonstration zu Asche zerfallen. „Statt Schwefel oder Phosphor, welches ich hier nicht habe, nahm ich Holzmehl. Ich habe einige Versuche durchführen müssen, bis ich die richtige Mischung gefunden habe. Aber jetzt dürfte es richtig sein”, verkündete er und lächelte zufrieden.

„Dürfte richtig sein?”, wiederholte ich seine Worte ungläubig. „Das heißt, du bist dir nicht sicher. Jedenfalls nicht zu einhundert Prozent.” Wenn jemand mit seinem Chemiebaukasten spielte, sollte er sich wirklich, wirklich, WIRKLICH sicher sein, was dabei herauskommt. Zumindest ist das meine Meinung.
Pater Michael rieb sich mit einer Hand den Nacken und sah zu Boden. „Nun ja, ich bin natürlich kein Chemieprofessor. Aber die letzten Experimente sind sehr vielversprechend verlaufen”, gab er zurück.
„Okay, das reicht!”, rief ich empört aus und nahm die dämliche Schutzbrille ab. „Deine Worte überzeugen mich nicht, Michael! Ich habe keine Lust, hier in die Luft zu gehen. Ich würde gern noch etwas weiterleben.” Damit warf ich die Brille vor ihn auf den Labortisch und steuerte die Tür an.
Plötzlich knallte es hinter mir. Ich fuhr erschrocken zusammen und wirbelte herum. Mir war fast das Herz stehen geblieben, und ich musste mich selbst kneifen, um zu wissen, ob ich noch lebte. Nur war ich die Einzige in dem Raum, die kreidebleich bei der unerwarteten Explosion geworden war. Pater Michael und Alex grinsten wie blöde und freuten sich wie kleine Jungen darüber, dass ein Gemisch aus Salz und Mehl laut gerumst hatte. „Ihr beide seid doch total bekloppt!”, schrie ich sie hysterisch an.
„Ada, es hat funktioniert!”, rief mir Alex zu und sprang vor Euphorie fast in die Luft. Dann klopfte er dem Padre anerkennend auf die Schulter. „Da haben sich die Ohrenschmerzen der letzten Tage ja ausgezahlt”, meinte mein Bruder lachend.
„Wie bitte? Soll das heißen, du wusstest, was er hier treibt?”, fragte ich Alex aufgebracht.
„Na ja, das ständige Puffen und Knallen war kaum zu überhören”, antwortete er mir mit einem Schulterzucken.
Merkwürdig! Ich hatte derartige Geräusche nie gehört, während ich hier gewesen war. Was nur bedeuten konnte, dass Pater Michael seine Experimente stets dann durchgeführt hatte, wenn ich auf der Jagd gewesen war. Die beiden hatten mich erfolgreich vergackeiert! Schnaubend vor Wut rannte ich zu Alex zurück und boxte ihn in die Schulter.
„Hey! Was soll denn das?”, wollte er wissen und versuchte einem weiteren Schlag zu entkommen. Es gelang ihm nicht, und ich traf seinen Schulterknochen so fest, sodass sogar mir die Finger wehtaten. Aber das war es wert. „Du hättest es mir sagen müssen!”, blaffte ich ihn an.
„Wir wollten dich überraschen”, erklärte mir Alex und sprang meiner Faust gerade noch rechtzeitig aus dem Weg.
„Tolle Überraschung! Echt! Ihr seid beide wahnsinnig! Bescheuert! Einfach nur bescheuert!”, schrie ich meinen Bruder an und warf Pater Michael einen wütenden Blick zu.
„Aber”, sagte dieser mit erhobenem Zeigefinger, „es hat funktioniert.” Schon wieder grinste er selbstzufrieden, was mich beinahe zum Kotzen brachte.
„Wenn dir nun was passiert wäre? Wenn du die ganze Kirche in die Luft gejagt hättest? Schon mal da dran gedacht?”, fragte ich ihn und sah ihn vorwurfsvoll an. „Das da”, ich deutete auf die Chemikalien auf dem Tisch, „ist kein Spielzeug!”
Pater Michael sah mich erstaunt an. Er hatte etwas getan, etwas Gefährliches, was mir nicht gefiel. Mir fiel die Ironie des Ganzen schnell auf. Ich hatte mich vor nicht allzu langer Zeit ähnlich verhalten, als ich ungeschützt zum Fluss gegangen war.
„Ada, glaubst du wirklich, ich würde solche Dinge anfassen, ohne mich vorher zu informieren, wie man mit ihnen umgeht?”, fragte er mich.
Für eine Weile musterte ich ihn nachdenklich. Dann gab ich seufzend auf. „Wahrscheinlich nicht”, gestand ich und erntete ein Lächeln vom Padre. „Also, wie funktioniert das nun?”, hakte ich hastig nach. Ich hatte keine Lust auf einen Vortrag darüber, wie gründlich er stets in seinen Vorbereitungen ist.
Pater Michael reichte mir wortlos die Schutzbrille, die ich zuvor auf den Tisch geworfen hatte. Ich setzte sie auf und fühlte mich gleich wieder wie Puck. Wenige Sekunden später leuchtete eine Flamme vor uns auf, und gleichzeitig knallte es. Danach sahen wir uns alle schweigend an. Alex grinste immer noch, und ich wartete darauf, dass er in die Luft sprang und vor Freude die Hacken aneinander schlug. Er riss sich aber zusammen und blieb auf dem Boden.
„Mit Schwefel oder Phosphor wäre die Wirkung noch verheerender und schneller, aber… .”
„Ich mag schneller. Schneller ist gut!”, unterbrach ich Pater Michael.
Er grinste sein schiefes Grinsen. „Aber es ist auch gefährlicher. Zu gefährlich, als dass du es allein durch die Nacht trägst”, beendete er seinen Satz und klang ziemlich oberlehrerhaft. Ich zog einen Flunsch und ließ enttäuscht die Schultern hängen. Schade! Ich hatte mich schon gefreut, dem Ekelpaket von einem Mega-Oktopus ein hochexplosives Ende zu setzen. „Das hier wird auch reichen”, sagte Pater Michael, als er meine Enttäuschung sah, und deutete auf das Kaliumchlorat.
Nun war nur noch eine Frage zu klären. „Und wie kriege ich das Zeug zum Fluss?”
Pater Michael bückte sich und kramte unter dem Tisch herum. Natürlich hatte er auch für dieses Problem eine Lösung parat. Er stellte eine hölzerne Kiste vor uns ab und öffnete den Deckel. Sie war innen mit schwarzem Samt ausgekleidet, und zahlreiche Vertiefungen waren darin eingelassen, in denen genauso viele Glaskugeln lagen. „Ich werde sie befüllen. Deine Aufgabe ist es, sie vorsichtig an ihr Ziel zu tragen und im richtigen Moment auf ihren Weg zu schicken.”

Autorenvita

1982 in Hennigsdorf, Brandenburg, geboren, zog es die Autorin im Alter von sechs Jahren in die deutsche Hauptstadt, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Dank der guten Gene ihrer Eltern interessiert sie sich schon seit Kindertagen für das Malen, Zeichnen und Fotografieren. Tat sie sich anfangs noch schwer mit dem Lesen, wurde sie dank einer berühmten Maus rasch zu einer Leseratte. Die Idee, eine eigene Geschichte zu verfassen, ereilte sie im Alter von 19.
Zehn Jahre dauerte es, bis das Erstlingswerk „Alaspis - Die Suche nach der Ewigkeit" fertig gestellt wurde und die Autorin den Mut fand, ihren Traum von einer Buchveröffentlichung mit anderen zu teilen. Am 15.10.2012 erschien die märchenhafte Saga als Ebook und Taschenbuch.
In den Jahren 2013 bis 2015 folgte die mehrteilige Jugendbuchreihe „Die Jägerin“, eine Mischung aus Sci-Fi und Fantasy-Romance mit einem Spritzer Humor.
„Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ ist das achte Buch aus Nadja Losbohms Feder und das erste Kinderbuch, das sie veröffentlicht hat.

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