Sonntag, 8. April 2018

„Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln“ von Amanda Laurie



Klappentext:

Nach seinen Abenteuern im Süden Horizons kehrt Thronprinz Corin zurück nach Carbonn. Doch statt ein Fest anlässlich seiner Heimkehr zu planen, muss er mit König Bryant über die neuesten Entwicklungen beraten. Die Pläne des Großkönigs gefährden nicht nur das Leben der Bewohner Carbonns, auch der Frieden zwischen den Völkern Horizons droht zu brechen.
Bald wird deutlich, bloße Worte genügen nicht, um den Feind zu bezwingen. Schon befinden sich Prinz Corin, der König und ihre Verbündeten auf dem Weg nach Navretil zum letzten Kampf …

„Horizon – Zurück zu den Wurzeln“ ist der Abschlussband der Fantasy-Trilogie Horizon von Amanda Laurie.

Reihenfolge der Horizon-Romane:
Horizon 1: Aufbruch ins Ungewisse
Horizon 2: Fernab der Heimat
Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln

Wo ist das Buch erhältlich?
Das eBook ist erhältlich für 3,99 Euro, zunächst exklusiv auf amazon. Ab Herbst 2018 erscheint die komplette Trilogie auch bei Thalia, Weltbild & Co.
Das Taschenbuch gibt es überall im Buchhandel für 10,99 Euro (ISBN: 978-3-7460-9119-8).
  
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Leseprobe:

Auszug aus Kapitel 1

Als Corin den Stadtrand erreichte, hielt er erstaunt inne. Sein Vater hatte den Bau einer ausgedehnten Stadtmauer in Auftrag gegeben, die die ganze Stadt umschloss. Es schien ausgeschlossen, hier des Nachts um Einlass zu ersuchen und wohlwollend erhört zu werden.
Zielstrebig trat Corin an das schwere, verschlossene Tor. Einer der beiden Wachmänner hatte den Mantelkragen gegen den Wind hochgeschlagen und seinen Helm tief ins Gesicht gezogen, sodass von ihm lediglich der grimmige Zug um den Mund zu erkennen war. Der zweite Mann wirkte nicht so abweisend, seine Augen vermittelten eine Spur Neugier. An ihn wandte sich Corin.
»Seid gegrüßt! Ich ...« Bevor ihm mehr als ein Gruß entschlüpft war, versperrten ihm die Wachen mit ihren Lanzen den Weg. Diese Zurschaustellung fand Corin lächerlich, da das Tor verriegelt war, wie damals ein anderes Tor in der Festungsmauer, als er täglich auf eine Gelegenheit zum Entkommen gewartet hatte.
»Bis zum Morgengrauen bleibt die Pforte geschlossen. Geht Eures Weges, Fremder.«
»Ihr erdreistet Euch, mich abzuweisen?« Ein ungläubiges Lächeln umspielte Corins Mundwinkel. Er hatte nicht erwartet, bei seiner Rückkehr vor verschlossenen Toren zu stehen. Doch weder erinnerte er sich an diese beiden Männer, noch schienen sie zu wissen, wer vor ihnen stand. Entweder waren sie während seines Aufenthaltes in Carbonn auf einem auswärtigen Posten gewesen oder sie waren erst nach Corins Verschwinden in die königliche Garde aufgenommen worden.
»Ich erwarte, vor den König geführt zu werden«, forderte Corin unnachgiebig. »Sofort!«
Die Wachen blickten einander an, kurzzeitig wirkten sie ratlos. Dann sagte der Freundlichere von ihnen: »Der König ist derzeit für niemanden zu sprechen.«
»Glaubt mir, mich möchte er sehen. Ich bin sein Sohn. Sollte er je erfahren, dass Ihr mich nicht eingelassen habt, dann würde er sehr erbost reagieren.«
Ein Flackern in den Augen des einen Wachmannes zeigte seine Unsicherheit. Der Grimmigere von beiden hingegen musterte ihn abschätzig. »Wisst Ihr, was unser Kommandant mit Landstreichern tut? Er sperrt sie in den Kerker, bis sich die Ratten an ihnen satt gefressen haben. Wenn Ihr nicht sofort verschwindet, werdet Ihr dieses Schicksal teilen.«
Ratten? Kerker? Corin war irritiert. Obwohl er nun weiß, wer ich bin, droht er mir? Ist er des Lebens müde? Mit einem Schlag war seine Freundlichkeit wie weggewischt.
»Ich verlange, Euren Vorgesetzten zu sprechen. Sofort!«
»Kommt morgen wieder«, sagte der Freundlichere, der Ärger vermeiden wollte. »Dann werden wir sehen, ob der Kommandant Euch empfangen wird.« Allerdings schien auch er ihm seine Geschichte nicht zu glauben.
Vermutlich würde selbst ich an mir zweifeln, gestand Corin sich ein. Seine Kleidung hatte während des fünftägigen Fluges von Rowenia hierher arg gelitten. Peronimus und er waren in einen Herbststurm geraten. Obwohl sich Corin zeitweise unter Peronimus’ großem Körper vor Wind und Wetter hatte schützen können, stank er nach Tier, war durchnässt und verschmutzt. Seine Haare waren verfilzt und sein Auftreten vermutlich alles andere als vertrauenerweckend. Dennoch war es ihre Pflicht, seine Angaben zu überprüfen. Ärger flammte in ihm auf.
»Ich sagte, sofort!«
Es schien, als wollten sich die Männer mit ihm streiten. Doch plötzlich rief der Grimmige von ihnen zu den Zinnen hinauf nach Unterstützung.
Kurz darauf erblickte Corin auf dem Wehrgang ein Gesicht, mit dem er so bald nicht gerechnet hatte. Der Neuankömmling beugte sich über die Mauer und sah zu ihnen herab. »Was gibt es?«
Corin bezweifelte, dass der Mann ihn trotz des Fackelscheins aus der Entfernung erkennen konnte. Deshalb schlug er seine Kapuze zurück, die ihm vor dem kalten Wind geschützt hatte.
»Hier ist ein Reisender, der um Einlass begehrt. Meint, er müsse dringend den König sprechen.«
Bevor diese höhnischen Worte andere gegen ihn einnehmen konnten, rief Corin nach oben: »Einst wollte man mich nicht aus Carbonn fortgehen lassen. Heutzutage lässt man mich nicht mehr hinein? Die Zeiten haben sich wahrlich geändert.«
»Oh Mann! Corin? Bist du es? Das glaube ich nicht! Wo kommst du her? Und überhaupt ...« Die letzten Worte gingen in dem heftigen Treppab unter, als der Offizier den Wehrgang herabstieg. Es blieb ruhig, bis sich die Tür in dem doppelflügeligen Tor öffnete.
Der um sechzehn Jahre ältere Mann schaute ihm froh entgegen, die schmalen Lippen zu einem Lächeln verzogen. Obwohl seine Kleidung tadellos saß, erkannte Corin, dass er bis eben geschlafen haben musste, denn sein dunkles Haar stand wirr nach allen Seiten ab.
Corin fand als Erster seine Stimme wieder. »Patric Laurent, dass ich ausgerechnet deinen Schönheitsschlaf stören durfte, ist mir ein besonderes Vergnügen.«
»Noch genauso vorlaut wie früher. Das freut mich wirklich, Corin!« Sie fielen sich in die Arme. Für die nächsten Augenblicke beherrschte Lachen, Staunen und ungetrübte Freude den Platz vor dem Stadttor. Die Wachposten nahmen eine lockere Haltung an und beobachteten mit verdutzten Mienen die Willkommensbezeugungen.
Laurent hatte ihm vor knapp fünf Jahren das Leben gerettet, als Corin in einem Fluss zu ertrinken drohte. Später war er ihm mehrfach ein weiser Ratgeber gewesen und hatte sich zu einem Freund entwickelt, vor allem während der Zeit auf Burg Carbonn, als sich Corin – umgeben von einem ehrgeizigen Vater und einem missgünstigen Stiefbruder – einsam gefühlt hatte.
Patric Laurent musterte Corin ausgiebig, wobei sich seine Stirn in Falten legte. »Du siehst beschissen aus, Mann! Vollkommen durchweicht, ausgekühlt und halb verhungert.«
Corin nickte lächelnd. »Das trifft in etwa meinen Zustand. Verdreckt hast du vergessen. Daher war ich so erleichtert, mich im Dunkel der Nacht hereinschleichen zu können. Die beiden Männer hier hätten mir den Auftritt beinahe ruiniert.«
Patric Laurent wandte sich den beiden Wachen zu. Der kalte Wind schien ihm nichts anzuhaben. Die Uniform, die an seinem Körper saß, als wäre sie eine zweite Haut, und sein Auftreten ließen ihn erhaben wirken. »Habt ihr gewusst, wen ihr vor euch hattet?«, fragte er streng.
In dem folgenden Schweigen hätte man eine herabfallende Nadel hören können, so unangenehm war den Männern ihr Fehlverhalten. Der Grimmige schwieg, während sein Blick den Boden nach einem imaginären Grund absuchte, den diensthabenden Offizier nicht anzuschauen. Der Mund des anderen öffnete und schloss sich abwechselnd, als suche er nach Worten.
Corin wollte dieses Trauerspiel nicht länger mit ansehen. »Lass sein, Laurent. Ich trage eine gewisse Mitverantwortung. Vermutlich hätte ich auch keinem Fremden geglaubt, der dermaßen zerlumpt am Stadttor eintrifft.«
»Sie hätten es überprüfen müssen!«, beharrte Laurent und bestätigte damit Corins Auffassung. »Wenn ich etwas nicht weiß, dann suche ich jemanden, der es weiß.«
»Ich würde behaupten, das haben sie getan. Immerhin waren sie intelligent genug, dich um Rat zu fragen. Das sollte jedweden Fauxpas wieder zurechtrücken.«
Mit unzufriedenem Blick wandte sich Laurent Corin zu. »Vielleicht hast du recht. Dennoch ...«, er atmete tief durch, »… wohlmöglich könnte ihrem Gedächtnis das Entstauben der Gemälde in der Ahnengalerie auf die Sprünge helfen. Denn mag dein erster Eindruck lediglich dem eines Bettlers zur Ehre gereichen, so lassen zumindest deine Gesichtszüge keinen Zweifel an deiner Abstammung. Komm, Corin! Lass uns zur Feste hinaufgehen. Du solltest dich stärken, bevor du von der Obrigkeit verhört wirst.«
»Gegen ein heißes Getränk hätte ich keine Einwände.«
»Und ein Bad.«
Corin lachte laut. »Gewiss, Patric. Es tut mir leid, aber der Weg war weit, und zum Waschen fehlte mir mehr als nur die Zeit.«
»Das glaube ich dir gern. Sag, bist du wohlauf?«
Corin nickte.
»Ich bin froh, dich wiederzusehen. Damit hätte ich die nächsten Jahre nicht gerechnet.«
Schweigend passierten sie Häuserzeilen, deren Fensterläden dicht verschlossen waren. Dann führte sie der Weg durch Gassen, in denen sich ein Wirtshaus ans nächste reihte. Aus beinahe jedem Gebäude drang laute Musik oder Gejohle.
Letztlich stieg die Straße in Richtung des Hügels an, auf dem die Festung erbaut war. »In der Küche kannst du dich am Feuer wärmen und etwas Warmes zu dir nehmen. Es ist bereits nach Mitternacht, da wird kaum noch eine Magd auf den Beinen sein. Aber ich treibe schon etwas zu essen für dich auf. Und danach benachrichtige ich Durand.«
Corin stoppte, denn Laurents Worte hatten eine Frage aufgeworfen. »Was ist mit meinem Vater? Ich würde lieber mit ihm reden als mit Durand.«
Als Patric nicht sofort antwortete, erfasste Corin große Sorge. Er hätte es nie für möglich gehalten, zumal er nicht das beste Verhältnis zu seinem Vater pflegte. Sollte er zu spät gekommen sein? Was, wenn der König tot war? Wenn er den ganzen Weg nach Carbonn zurückgelegt hatte, nur um am Ende allein eine Entscheidung fällen zu müssen? Sein Herz pochte, und diesmal fragte er ungeduldiger: »Wo, bei allen Göttern, ist der König? Sprich doch endlich!«

Ende der Leseprobe

Autorenvita:
Amanda Laurie ist eine deutsche Autorin und lebt mit ihrem Mann und den Kindern in einem kleinen Dorf. Umgeben von viel Grün findet sie Zeit und Inspiration, ihre Geschichten niederzuschreiben.

Bisherige Veröffentlichungen:

Horizon 1: Aufbruch ins Ungewisse
Horizon 2: Fernab der Heimat
Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln
Ein Hauch von Magie
Flucht durch die Wälder

Mehr Infos über die Autorin und ihre Bücher auf: www.amandalaurie.de


Sonntag, 28. Januar 2018

Das Vermächtnis der Lil`Lu (5): Kristin - Die Zeitkapsel von Marita Sydow Hamann




Klappentext/Inhalt

Kristin hat in ihrem jungen Leben schon einige Schicksalsschläge und Veränderungen ertragen müssen. Und nun droht ihrer Welt durch die machthungrige Oberschicht die völlige Versklavung. Sie schließt sich den Rebellen an, doch dann geschieht etwas, das Kristins Leben ein weiteres Mal für immer verändert.
Sie wird in ein anderes Universum gezogen und versteht bald, dass Großes am Werk ist – auf allen Welten in allen Universen. Und Kristin spielt in diesem großen Ganzen eine wesentlich wichtigere Rolle, als ihr lieb ist.
Fünfter und letzter Band der Reihe „Das Vermächtnis der Lil`Lu“.
Dieser 5. Band der „Das Vermächtnis der Lil`Lu“-Reihe kann auch unabhängig von den anderen Büchern gelesen werden, da die Geschichten der einzelnen vier Frauen dieser Reihe (Lovisa, Emilie, Danniella, Kristin) in sich abgeschlossen sind. Doch da dies der letzte Band ist, in dem die vier Frauen letztendlich ihr Schicksal erfüllen, wird empfohlen, erst die anderen Bücher der Reihe zu lesen, um ein ganzes Bild zu bekommen.
Erhältlich bei Amazon

Leseprobe


Segretaria

Ich sah die Kugel wie in Zeitlupe auf mich zukommen. Mein Magen sackte mir in die Kniekehlen, so als würde mich etwas nach oben schleudern. Die Welt um mich herum verschwamm und begann sich zu dehnen, alles wirkte verzerrt, sogar die Kugel, die nur noch wenige Meter entfernt war. Dann verschwand sie und mit ihr das Lager und der Boden unter meinen Füßen.
Bilder und Muster stürmten auf mich ein. Das Gesicht einer jungen Frau mit langen Haaren und moosgrünen Augen … Ich! »Die Kugel! Spring zur Seite!«, rief ich mir voller Panik selbst zu. Irgendetwas quetschte mir die Lungen zusammen, quetschte mich zusammen, raubte mir den Atem und weitere Worte. Ein paar braune Augen huschten vorbei. Und dann war ich frei. So plötzlich, dass ich vorwärtsstolperte und nach Luft rang. Irgendwer fing mich auf. Alles in mir ging auf Abwehr. Die Kugel, die Gardenwachen! Hatten sie mich verfehlt? Nahmen sie mich jetzt gefangen?
»Ella? Was ist mit dir? Oh mein Gott, was ist mit dir geschehen! Ella!«
Ich hörte die Worte und die Sorge darin, doch ich begriff ihren Sinn nicht. Ich kämpfte wie eine Löwin, biss, trat und hebelte, bis ich dem Griff des Angreifers endlich entkam. Ich stolperte rückwärts und sah mich hektisch um. In meinem Kopf rotierte es. Was war passiert? Das hier war nicht das Lager. Die Wachen waren fort. Hatte ich wieder einen Aussetzer gehabt? Hatten sie mich verschleppt? Ich begann zu zittern. Keine Schwärze, dieses Mal nicht. Etwas war anders gewesen, ich erinnerte mich an alles – der sich dehnende Raum, die Bilder und Muster, mein Gesicht, eingerahmt von langen, schwarzen Haaren … Drogen! Sie mussten mich verfolgt haben und dann …
Mein Blick huschte durch den Raum, suchte den Fluchtweg und blieb an einem jungen Mann hängen.
»Ella, sag doch was. Lass mich dir helfen. Was ist hier geschehen?« Seine Stimme war sanft und voller Sorge. Er sprach die Sprache des Nordens. Ein Dialekt, den ich nicht kannte, dennoch verstand ich ihn gut. Ich versuchte, etwas zu sagen, doch meine Stimme versagte. Wieder huschte mein Blick durch den Raum. Die Tür lag am anderen Ende, ich würde erst an ihm vorbei kommen müssen. Verdammt! Wie war ich nur hierher geraten?
»Ella, bitte …« Der Mann sah mir direkt in die Augen, eine Ewigkeit schien zu vergehen. Schon wieder schien die Zeit stillzustehen, dann weiteten sich seine Augen und verengten sich kurz darauf. Seine eben noch sorgenvolle Stimme enthielt nun Schärfe. »Du bist nicht Ella! Wer bist du und wo ist sie?«
Ich räusperte mich, mein Mund war staubtrocken. »Ich … Ich …« Wieder huschte mein Blick umher. Ein Fenster – geschlossen und mit Holzsprossen versehen. Ein Fluchtweg! »Wo bin ich?«, brachte ich schließlich hervor.
»Keine Spielchen!«, knurrte der Mann gefährlich leise. »Wo ist Ella?!«
Ich schluckte erneut. Niela, sie war auch dort gewesen. Meine Einheit, wussten sie, wo ich war? Musste ich nur auf Zeit spielen? »Wer ist Ella?«, fragte ich in seiner Sprache. Wieder einmal kamen mir meine vielen Sprachen zu Hilfe. Meine Stimme klang hohl und unsicher. Ich musste mich zusammenreißen.
Der Mann musterte mich eindringlich, fast, als wollte er in mein Innerstes sehen. Ich erschauderte.
»Du weißt es wirklich nicht«, sagte er fast überrascht.
»Ähm … Nein.« Ich ließ ihn nicht aus den Augen und hoffte, jeden Moment Arndt und Dankov hereinstürmen zu hören. »Wo bin ich? Wo habt Ihr mich hingebracht?«
»Hingebracht?« Der Mann hob die Augenbrauen. »Du bist hier einfach aufgetaucht. Als Ella verschwand.« Wieder musterte er mich.
»Ich bin hier reinmarschiert?« Innerlich seufzend glitt mein Blick zur Tür. Also doch wieder ein Aussetzer. Ich kam da langsam nicht mehr mit.
»Reinmarschiert?« Er runzelte die Stirn. »Du weißt nicht, wie du hergekommen bist?«
»Ähm … Nein.« Diesmal seufzte ich tatsächlich. »Es tut mir leid, wenn ich hier so einfach reingeplatzt bin und Euch gestört habe, mein Herr.« Dass dieser Mann zu den Adeligen gehörte, sah man schon an der teuren Einrichtung und seiner feinen Kleidung. Eine Art Anzug. War das die neueste Mode? Was sollte dieses Band um seinen Hals. Lächerlich. Aber es würde Dankov die Möglichkeit geben, ihn dort zu packen und zu strangulieren.
Der Mann hob wieder die Augenbrauen und musterte mich. »Mein Herr?«, fragte er fast belustigt. Dann wurde sein Gesicht starr. Ich sah förmlich, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Hatte ich etwas Falsches gesagt?
»Ich wollte Euch nicht stören«, fing ich an.
»Ein Wechsel«, hauchte er. Sein Blick fokussierte. »Wo kommst du her! Welches Land, welche Welt?«
Ich starrte ihn an. War der verrückt? Und da wollte ich ihm gerade von meinen Aussetzern erzählen.
»Welt? Land?« Er nickte und erwartete meine Antwort. Mitspielen, Kristin. Verrückte konnten gefährlich werden. »Ich lebe in Segretia«, antwortete ich vorsichtig.
»So heißt das Land oder deine Welt?«
»Ähm … So heißt die Hauptstadt von Segretaria?«, sagte ich mehr fragend als sicher.
Der Mann fuhr sich über das Gesicht. »Ella, sie ist fort …«
Ich verstand gar nichts mehr. Was war nur seit meinem erneuten Aussetzer geschehen? Wie war ich hergekommen, weshalb war ich nicht tot? Die Kugel hätte mich treffen müssen und es gab keine Schwärze, nur diese Bilder und Muster. Und das Gesicht. Mein Gesicht …
Dann fiel mein Blick auf ein Foto an der Wand. Der Mann war darauf, nur viel jünger. Er stieß ein junges Mädchen freundschaftlich an, das aus vollem Herzen lachte. Lange, schwarze Haare, moosgrüne Augen. Ich! Sie sah aus wie ich! Und ich hatte sie vor kurzem gesehen, bevor … Ich ging automatisch näher an das Foto heran, suchte nach dem Trick. Hexerei?
»Das ist Ella«, sagte der Mann. »Wo ist sie? Ist sie jetzt dort, wo du herkamst?«
Ich sah von dem Bild zu ihm und zurück. »Sie ist echt?«, flüsterte ich. Er nickte. »Sie war hier?« Wieder ein Nicken. Eiseskälte erfasste mich. Es gab keine Schwärze, ich konnte mich an jede Millisekunde erinnern. Ich war dort gewesen und etwas hatte mich … weggesaugt!
»Sie sagte Ich werde gerufen. Und dann verschwand sie. An ihrer Stelle bist du aufgetaucht«, sagte der Mann. Seine Worte platzierte er vorsichtig, fast tastend, als wäre er sich selbst nicht hundertprozentig sicher. Doch mir schnürte es die Kehle zu. Wenn ich hier war, war sie dann dort? An meiner Stelle?
»Die Kugel«, brachte ich erstickt hervor. »Bei den Göttern, nein!« Ich sah ihr Gesicht erneut vor mir, wie es an mir vorbeizog. Panik schien mich zu erdrücken. War sie an meiner Stelle … Ich konnte nicht einmal den Gedanken beenden. Mir wurde übel. Ich rief mir jedes Detail ins Gedächtnis, krallte mich an ihr fest.
»Hallo? Geht es dir gut?«, hörte ich den Mann fragen. Er klang wie in Watte gepackt. Meine Sinne flogen der Frau entgegen, meine Augen sahen in einem Moment das Bild an der Wand, dann sahen sie sie.


Ella

Kugel? Ella hörte die Warnung – ihre eigene Warnung – in der Sprache ihrer Mutter. Ein Echo. Italienisch. Automatisch fuhr sie ihren Schild hoch und schleuderte alles, was auf sie zukam, von sich fort. Sie sah nicht einmal wohin, als sie aus diesem Schlauch entlassen wurde, in den sie hineingesaugt, hindurchgepresst und wieder ausgespuckt worden war. Ein Mann schrie auf. Oh ja, es war eine Kugel gewesen. Ella sah sein erschrockenes Gesicht, die Waffe hielt er fest umklammert. Als er in sich zusammensackte, kam Leben in die anderen Männer. Ella überlegte nicht lange. Dafür, um sich über ihre Situation klar zu werden, würde sie sich später Zeit nehmen, wenn die unmittelbare Gefahr vorbei war. Jetzt war die Zeit zum Handeln, endlich handeln!
»Niela!«, rief jemand entsetzt, ein Fauchen ertönte hinter Ella – gefährlich, wie von einem Raubtier. Sie hatte keine Zeit, sich danach umzusehen. Die Männer feuerten ihre Waffen ab. Wieder reagierte Ella instinktiv. Ihr Schild fuhr hoch und sie schleuderte zwei weitere Kugeln zu ihrem Ursprungsort zurück. Etwas flog kreischend über sie hinweg und stürzte sich auf drei Männer gleichzeitig. Ein Wesen mit feuerroten Flügeln, mehr konnte Ella auf die Schnelle nicht erkennen. Das Wesen wirbelte herum, es war ungeheuer schnell. Ella sah nicht, wie es die Männer erledigte, da sie selbst alle Hände voll zu tun hatte, doch ein einziger Blick zeigte ihr blutig zerrissene Körper in grotesken Stellungen. Immer mehr Männer eilten herbei und umzingelten Ella und das Feuerwesen. Sie kämpften gemeinsam um ihr Leben, schützten sich gegenseitig und hielten einander den Rücken frei. Die Männer fielen, einer nach dem anderen. Auf einmal waren andere Menschen ohne Uniform da, die ihnen zu Hilfe eilten. Die Schlacht war kurz und blutig. Letztendlich war nur eine kleine Gruppe der Gegner übrig, die sich etwas abseits auf den Boden gekniet hatte und dem Feuerwesen ihre Hände entgegenstreckte. »Verschone uns, Göttin! Wir sind Gläubige!«
Was zum Teufel? Religionsgewäsch?, dachte Ella und rang nach Atem. Der kurze, heftige Kampf hatte sie ganz gut gefordert. Pure Energie floss durch ihre Adern. Es hatte so gut getan, ihre Kraft endlich einmal freizulassen – zügellos.
Das Feuerwesen hockte neben ihr in Kampfstellung. Ein Knurren kam aus seiner Kehle, das Ella eine Gänsehaut verpasste. Sie sah es zum ersten Mal genauer an. Eine Frau! Eine junge Frau mit flammend roten Locken und ebenso roten Flügeln.
»Du bist ein Nephilim!«, stieß sie hervor.
»Bei den Göttern!«, hauchte eine Männerstimme hinter ihr. »Eine Göttin ist zu uns zurückgekehrt!« Er kniete sich nieder – ehrerbietend. Wieder italienisch. Ein seltsamer Dialekt. Göttin? Ella runzelte die Stirn.
»Nephilim sind keine Götter«, hörte sie sich in der Sprache ihrer Mutter sagen. Sie biss sich auf die Lippe. Immer vorlaut, das war jetzt gerade vielleicht nicht angebracht. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie war, was das für ein Volk war und weshalb sie hier gelandet war.
Die Nephilimfrau behielt ihre Kampfstellung bei. »Wo bin ich und was mache ich hier!«, fauchte sie.
»Hm, genau meine Gedanken«, sagte Ella leise. »Weshalb habt ihr mich hergeholt und wer ist verdammt nochmal dafür verantwortlich!«
Ein Mann trat hervor. »Wir haben euch nicht hergeholt«, sagte er vorsichtig. Seine Stimme war dunkel und kräftig. »Kristin, bist du das?« Er sah Ella misstrauisch an.
»Wer ist Kristin? Ich bin Ella!«
»Bei den Göttern!«, sagte der kniende Mann hinter ihr. »Sie sieht aus wie Kristin.«
»Aber sie ist eine Hexe. Sie ist definitiv nicht Kristin«, sagte eine Frau, die Ella zuerst für einen Kerl gehalten hatte. Sie hatte mit den Männern gekämpft, die ihnen geholfen hatten. Ella ließ ihre Kraft los und fühlte in ihre Richtung.
»Du bist auch eine Hexe«, stellte sie fest. »Gut, jetzt wo wir wissen, woran wir sind, will ich endlich Antworten! Wo bin ich und warum!«
»Gute Fragen«, knurrte die Nephilimfrau. »Weitet das auf mich aus.«
»Wir sind in Segretia, der Hauptstadt von Segretaria«, sagte der Mann mit der tiefen Stimme. »Mein Name ist Arndt.«
»Eine andere Welt«, fauchte der Nephilim. »Wie ist das möglich? Nephilim können nicht wechseln!«
»Ein Wechsel …« Ella ging ein Licht auf. »Eine parallele Welt!«
»Das ist auch meine Vermutung«, meinte der Nephilim. »Nur wie? Und warum?«
»Ich habe nicht die geringste Ahnung«, gab Ella offen zu. »Es sieht so aus, als säßen wir im selben Boot. Ich bin Ella.« Einem Impuls folgend streckte sie der Frau freundschaftlich die Hand entgegen.
Die Frau richtete sich auf und musterte Ella. »Kyria«, sagte sie schließlich und nahm Ellas Hand in ihre Krallen. »Gut gekämpft.«
Ella lächelte. »Danke, du auch.« Sie ließ ihren Blick über das Blutbad gleiten. »Es scheint, als wären wir hier zwischen irgendwelche Fronten geraten«, mutmaßte sie. Dann sah sie Arndt an. Der Mann war groß, mit etwas zu weit auseinanderstehenden Augen. »Und wer ist diese Kristin?« Ella hatte eine Ahnung. Das Gesicht einer Frau, ihr eigenes Gesicht, doch mit kurzen Haaren. Und die Warnung auf Italienisch …
»Sie ist ein Mensch und sie gehört zu uns. Sie sieht dir wirklich zum Verwechseln ähnlich.« Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Ich werde dir gerne alles berichten, was ich weiß. Ihr auch«, sagte er zu Kyria, die angespannt wie eine Feder dastand und niemanden aus den Augen ließ. »Aber wir können hier nicht bleiben. Falls jemand entkommen ist oder Hilfe gerufen hat, wird es hier sehr bald eng.«
»Noch mehr Männer?«, fragte Ella.
»Oder einfach nur eine gut platzierte Rakete. Unser einziger Vorteil ist unser Überraschungsmoment. Rein und wieder raus. Alles andere ist zu gefährlich.«
»Das ist ein Medikamentenlager«, sagte die Frau. Sie hatte sich hastig umgesehen und einige Kisten geöffnet. Der kniende Mann kam auf die Beine. »Deshalb ist Kristin hierher gegangen! Wir brauchen dringend Lotionen gegen Läusebefall und Nachschub an Antibiotika wäre auch nicht schlecht.« Dann fiel ihm seine Göttin wieder ein. Er sah Kyria seltsam an. »Oder könnt Ihr alle heilen?«
Ella entfuhr ein Schnauben, was ihr einen giftigen Blick des Mannes bescherte. »Bist du sicher, dass du nicht Kristin bist?«, fragte er bissig.
»Ganz sicher. Und Kyria ist keine Göttin.« Ella legte den Kopf schief. »Doch etwas Besonderes ist sie durchaus. Nephilim sind die nächste Evolutionsebene der Menschen.«
Alle verstummten und starrten von ihr zu Kyria.
Kyria streckte sich. »Das ist korrekt. Zumindest gibt es hier eine, die sich auszukennen scheint!«
»Also gut«, sagte Arndt etwas überfordert. »Wir klären das später. Ausschwärmen!«, befahl er. »Nehmt so viel mit, wie ihr tragen könnt, und dann nichts wie weg hier!«
»Wo ist Niela?«, fragte jemand.
Arndt atmete tief durch. »Kristin verschwand und Ella tauchte auf. Niela verschwand und Kyria erschien an ihrer Stelle. Sie ist weg. Genau wie Kristin.«

Vita 

Marita Sydow Hamann

*13.03.1973
Ich wurde in Norwegen in Ålesund geboren und wuchs unter anderem in Deutschland, Österreich und Spanien auf.
1999 heiratete ich und wanderte mit meinem Mann nach Schweden aus. Dort machte ich eine Ausbildung zur persönlichen Assistentin für Personen mit geistigen und körperlichen Behinderungen.
Ich lebe mit meinem Mann und einigen Tieren auf einem kleinen Selbstversorgerhof in Småland und widme mich außer dem Schreiben und Bloggen (über die Themen "Gesund leben!", Bücher, Malerei und mehr) auch anderer kreativer Kunst, wie z.B. die Malerei.
Ich schreibe Fantasy für Jung und Alt sowie Kinderbücher.
Meine Interessen diesbezüglich sind die nordische, griechische und andere Mythologien mit all ihren Wesen.
Speziell Trolle finde ich faszinierend. Aber auch Geister, Elfen, Drachen, Magier, mystische Begebenheiten, Romantik und Science Fiction Elemente könnt ihr bei mir finden.
Ich bin nicht auf ein Element festgelegt und immer offen für neue Ideen.

Ich veröffentliche als Indie-Autorin. Was ist Indie? Mehr dazu hier. 

Sonntag, 10. Dezember 2017

„Auch Engel glauben an den Weihnachtsmann“ von Marianne Rauch





Klappentext

Karola kann weder mit der Adventszeit noch mit dem Fest der Liebe viel anfangen. Der ganze Weihnachtsrummel ist ihr ein Gräuel. Weder Kerzenschein noch Tannenduft vermögen die junge Frau in weihnachtliche Stimmung zu versetzen. Und doch spürt sie jedes Jahr, sobald der Heilige Abend naht, eine tiefe Traurigkeit in sich. Um allem zu entgehen, flieht sie in den sonnigen Süden. Nur in diesem Jahr lässt sie sich von Freunden und der Familie überreden, das Weihnachtsfest daheim im Kreise ihrer Lieben zu verbringen. Alle Geschenke sind längst besorgt, nur für Karolas kleine Nichte fehlte noch eine Weihnachtsüberraschung. In der Spielzeugabteilung im größten Kaufhaus der Stadt begegnete die junge Frau einem grauhaarigen Alten, der ihr eigenartig vertraut erschien. Gibt es den Weihnachtsmann etwa doch? Eine Weihnachtsgeschichte für Kinder und Jugendliche, in der die Autorin Gegenwart und Fantasy humorvoll miteinander verknüpft und zum Schmunzeln einlädt.

Leseprobe

….Es begab sich zu einer ganz besonderen Zeit.
Schneeflocken fielen wie kleine Wattebällchen geräuschlos vom Himmel und funkelten wie Diamanten im Licht der Sterne. Sie fielen solange, bis die Erde in unschuldigem Weiß erstrahlte und man hätte denken können, eintöniges Grau wäre mit Puderzucker überzogen worden.
Väterchen Frost verwandelte tausende Regentropfen, die nicht schnell genug von den Dachrinnen der Häuser platschten, in lange Eiszapfen.
Wer im Freien nicht erbarmungslos zitternd frieren wollte, hüllte sich in dicke Jacken, Mützen, Schals und warme Handschuhe.
Frostige Kälte überzog die Gewässer mit dickem Eis und die Menschen klagten über den schneidend kalten Winter, der in diesem Jahr viel zu früh über die Erde herfiel.
Tannen ächzten unter dem Gewicht der weißen Last und auch die Autos erduldeten still ihre eingefrorenen Scheiben sowie vereisten Türschlösser. Glücklicherweise funktionierte der Nahverkehr reibungslos, was angesichts der Schneemassen erstaunlich war.

Nur noch drei Tage bis Heiligabend.
Wollte Karola nicht mit leeren Händen in die leuchtenden Augen ihrer Nichte blicken, wurde es allmählich höchste Zeit!
Die junge Frau zog den Kragen ihrer dick gefütterten Thermojacke noch etwas höher und schlang den Wollschal dreimal um ihren Hals, während sie von einem Bein auf das andere hüpfte.
„Verdammte Kälte“, murmelte sie, rieb sich dabei die Hände warm und sehnte sich die Straßenbahn  herbei.
Warum soll man sich auf besinnliche Tage und das Fest der Liebe freuen, wenn einem der Weihnachtsrummel ein Gräuel ist? Wenn man diese Zeit gar nicht mag und darüber hinaus die Minuten verrinnen wie Sand in der Eieruhr?
Sicher, der 24. Dezember kommt jedes Jahr, man könnte sozusagen diesen Termin frühzeitig einplanen.
Doch wer denkt im September bereits an Schnee, Eis und Weihnachtsgeschenke? Oder gar an den Weihnachtsmann?
Karola jedenfalls nicht.
Überhaupt empfand sie den alljährlichen Kult um das Weihnachtsfest übertrieben und eher belästigend als stimmungsvoll.
Die Advents- und Weihnachtszeit verband sie nicht mit Kerzenschein, bunten Lichtern, Glühwein oder „O du Fröhliche“, sondern mit Schneeregen, nasser Kälte, eisigem Wind, Husten und Schnupfen sowie depressiver Dunkelheit. Karola verfluchte sich.
Warum nur ließ sie sich dieses Jahr auf ein „Familien-Weihnachtsfest“ ein, anstatt wie üblich in den Süden zu flüchten?

***

Menschen strömten die Einkaufsmeile entlang, durch die sich die überfüllte Straßenbahn langsam schlängelte. Dabei schien kaum jemand gemütlich zu schlendern, sondern in Gedanken versunken von Punkt A nach Punkt B zu eilen; bepackt mit prall gefüllten Einkaufstüten.

„Weihnachtsstress“, murmelte Karola, die noch zwei Stationen lang die Gelegenheit nutzte, sich in der Straßenbahn aufzuwärmen, bevor sie sich ebenfalls in das Weihnachtsgetümmel stürzte. Lächelnd dachte sie an ihre Nichte, die nichts sehnlicher erwartete, als den alten Mann mit dem langen weißen Bart, von dem alle sagen, er wäre Santa Claus.
Leuchtende Sterne mit in allen Farben blinkenden Lichtern erhellten die Einkaufsstraße und verzauberten die junge Frau wider Erwarten ebenso wie die glänzenden Kugeln an den Tannenzweigen mit den roten und goldenen Schleifen.
Plötzlich verspürte Karola die tief in ihr verborgene Sehnsucht, die sie in eine ganz besondere Stimmung versetzte. Sie wurde traurig.
Daran änderte auch der verführerische Duft von Glühwein und Rostbratwürsten nichts, der von den Buden des kleinen Weihnachtsmarktes vor dem Kaufhaus zu ihr herüber wehte und in ihrer Nase kitzelte.
Seufzend betrat sie das Kaufhaus, nachdem sie eine Münze in das Körbchen eines als Engel verkleideten Mädchens warf, welches mit glockenheller Stimme „Leise rieselt der Schnee“ sang.

Gleich beim Betreten des Kaufhauses schlug Karola die warme und stickige Luft entgegen. Sie zerrte ihren Schal vom Hals, stopfte Mütze und Handschuhe in ihren Shopper, fuhr mit der elektrischen Rolltreppe in den fünften Stock und steuerte zielstrebig die Spielzeugabteilung an.


Vita
 An vielen Themen verschiedenster Bereiche stark interessiert, legt sich die Berliner Autorin Marianne Rauch auf kein spezielles Genre fest. So zählen Weihnachtsgeschichten ebenso zu ihren Veröffentlichungen wie spannungsgeladene Romane. Neben belletristischen Ausflügen widmet sie sich überwiegend ihrem Gesundheitsmagazin www.gesu-optimal.de. Interessierte Leser finden dort mit ausgewählten Beiträgen Anregungen und Informationen für die Gesundheit und mehr Vitalität. Sobald der Autorin jedoch gesellschaftliche Themen auf dem Herzen liegen, äußert sie sich auf ihrem Blog www.socialposition.de. Marianne Rauch ist überzeugt: Jeder Einzelne vermag, Veränderungen in unserer Welt positiv zu beeinflussen. Eine Erde - unsere Welt.
In der Freizeit liest Marianne Rauch gern ein gutes Buch oder trifft sich mit lieben Freunden. Im Süden Berlins wohnhaft, ist es nur ein Katzensprung zum benachbarten Brandenburg. Dort unternimmt die Autorin gern Spaziergänge oder erkundet mit dem Fahrrad Umwelt und Natur.


Sonntag, 3. Dezember 2017

Bluthochzeit -Fletchers Kampf von Rudolf Otto Schäfer



Die Fantasy-Reihe um den Engländer Fletcher, ausgestattet mit übersinnlichen Kräften. Eine herrliche Mischung aus Krimi und Fantasy, aus Action, Magie und Mystik, getränkt mit bissigem Humor! Begleite Fletcher bei seiner Geisterjagd.

Fletcher, Geisterjäger wider Willen, Alison und der Geisterjunge Tom konnten in Clapham Woods, gerade noch das Leben eines kleinen Jungen retten, da wird Alison von einem Vampir entführt. Ein unheimlicher Fremder gibt Fletcher den Tipp, diesen in Warwick finden zu können. Krank vor Sorgen machen sich die beiden Freunde auf den Weg, dass schier unmögliche zu schaffen und Alison aus den Fängen dieses Wesens zu retten. In Warwick angekommen, trifft unser Duo auf neue Freunde aber auch auf neue Gegner. Fletcher sucht fieberhaft nach dem Versteck des Blutsaugers, denn allen ist bewusst ... Alisons Zeit läuft ab!
Erhältlich bei Amazon als E-Book und Taschenbuch


Leseprobe:
Kapitel 2
Unerwartete Hilfe
»Verfluchte Scheißkarre!« Mit einem kräftigen Schwung warf ich die Motorhaube nach unten. Mit einem blechernen Scheppern fiel sie wieder in das Schloss.
Ich stand zusammen mit Tom auf einem Parkplatz auf der M25 Richtung Windsor und wusste erst einmal nicht mehr weiter. Müde und wütend setzte ich mich auf einen Randstein und starrte stumpfsinnig vor mich hin.
»Na komm schon Fletscher. Der muss nur kurz ein wenig abkühlen und gleich geht es bestimmt wieder weiter«, sagte Tom und deutete mit seiner Hand zum Auto. Mein uralter Audi 80 hatte das hohe Tempo, welches ich einschlug, einfach nicht verkraftet und plötzlich den Geist aufgegeben. Mit dampfender Motorhaube war ich gerade noch auf den Rastplatz zum Stehen gekommen.
Ich schaute Tom an, aber momentan war ich nicht gerade sehr optimistisch. Kurz schloss ich die Augen und ließ die letzten Geschehnisse Revue passieren. Vor kurzem war mir die sonderbare Gabe zuteilgeworden Geister sehen zu können. Warum oder weshalb konnte ich mir beim besten Willen nicht erklären. Ich war noch nie ein sehr religiöser Mensch gewesen und hatte, bis auf ein paar Horrorfilme im Kino, auch nicht das geringste für parapsychologische Geschehnisse über. Tom, der jetzt neben mir stand, hatte als erster Geist zu mir Kontakt aufgenommen und nach einigen
Anfangsschwierigkeiten, waren wir gute Freunde geworden. Durch einen unliebsamen Geist kamen wir beide in große Schwierigkeiten und brauchten professionelle Hilfe. Aber wo zum Kuckuck bekommt man diese her? Im Telefonbuch findet man unter G wie Ghosthunter keinen Eintrag.
Durch puren Zufall traf ich dann auf Alison. Ach Alison ... was soll ich euch sagen? Eine absolute
Traumfrau. Nicht nur ihr Körper, die langen Haare und diese magischen grünen Augen. Nein. Ihre Art zog mich einfach in ihren Bann. Sie konnte Verhalten aus mir herauskitzeln, die ich mir selber nie zugetraut hätte.
Selbst das Rauchen hatte ich für sie aufgegeben. Einfach so, ohne lange zu überlegen. Bisher war ich mir nur nicht im Klaren, ob meine Gefühle einseitiger Natur waren. Ab und zu hatte sie mir schon das Gefühl gegeben, mehr für mich zu empfinden. Dann aber war da so etwas wie eine unsichtbare Mauer gewesen, an der wir beide nicht weiter kamen. Vielleicht Schatten der Vergangenheit.
Naja. Auf jeden Fall war sie mir eine große Hilfe gewesen. Sie besaß einen kleinen Esoterik Laden und hatte gerade auf dem Gebiet der Parapsychologie unheimlich viel Ahnung. Wir drei zusammen schafften also das fast Unmögliche und konnten diese dunkle Bedrohung aufhalten. Dabei kam ich in den Besitz eines Artefakts mit magischen Eigenschaften. Ein hölzerner Richterhammer, der es mir ermöglichte, Geister an Orte zu verbannen, von denen eine Flucht für diese schier unmöglich war.
Kaum aber war dieses Abenteuer überstanden, hatten wir versucht, ein Rätsel in Clapham Woods zu lösen.
Ein kleiner Junge war verschwunden und durch unsere Forschungen vor Ort, konnten wir ihn retten und eine Sekte daran hindern, eine griechische Gottheit für ihre Zwecke einzusetzen.
Als kleines Geschenk für Alison hatte sie nach diesem Vorfall nun auch diese vermeintliche Gabe, Geister sehen zu können. Kaum aber hatten wir uns davon erholt, wurde sie abends auf unerklärliche Weise aus dem Badezimmer entführt. Ein unheimlicher Schattenmann hatte mir daraufhin eröffnet, dass Alison in der Gewalt eines Vampirs war. Sein Name war Absolom. Dieser solle sie in sein Versteck in Warwickshire gebracht haben. Geister, Götter, Dämonen und jetzt ein Vampir. Was nur hatte ich verbrochen, um mich mit solchen Sachen auseinanderzusetzen? Ich setzte mich also mit Tom in mein Auto und gab Gas. Ich wollte so schnell wie möglich Alison finden und wenn irgendwie möglich, aus den Händen dieses Blutsaugers retten.
Wie ich das anstellen sollte, war mir bisher noch ein Rätsel. Mein gesammeltes Wissen über diese
Blutsauger begrenzte sich leider immer noch auf diverse Horrorschinken aus den 80er Jahren. Als
ehemaliger Video Junkie hatte ich natürlich auch Vampierfilme geschaut. Also sollte ich mich auf jeden Fall mit Weihwasser, Knoblauch und einem Holzpflock bewaffnen, wenn ich diesem Absolom gegenübertreten würde.
Das aber war jetzt erst einmal nebensächlich, denn wie ich, mit einem Blick auf mein Auto feststellte, war eine momentane Weiterfahrt unmöglich. Immer noch krochen kleine Dampfwölkchen unter der Motorhaube hervor.
»Hast du vielleicht zufällig noch eine Wasserflasche im Auto?«
Tom riss mich aus meinen Gedanken. Ich schaute auf und schüttelte missmutig meinen Kopf.
»Ne sorry. Daran hab ich leider nicht gedacht. Wusste ja nicht, dass mein Motor den Geist aufgeben würde, nur weil ich einmal ausnahmsweise schneller als 50 Meilen fahren würde.«
»Also ich hab dich mehr als einmal daran erinnert, dass dein Auto die wilde Fahrt wohl nicht lange
mitmachen würde«, sagte Tom.
»Du hast darauf nicht reagiert, sondern weiter mit angespanntem Kiefer und runtergetretenem Gaspedal die Autos vor dir hergescheucht.«
Ich wischte mit dem Arm durch die Luft.
»Weißt du Tom, was ich noch weniger gebrauchen kann als eine Motorpanne?«
»Ne sag an«, gab Tom zurück.
»Deine Klugscheißerei!« Ich wusste natürlich das er Recht hatte, aber die Sorge um Alison hatte mich alle Vorsicht vergessen lassen. Ich wusste gerade nicht weiter und meine Angst um sie wurde
verständlicherweise immer größer.
Ich drückte meinen müden Körper wieder in die Senkrechte und starrte die immer noch qualmende
Blechkarre an. Meine Blicke streiften über den Parkplatz, aber außer uns hatte wohl sonst niemand Lust auf eine kleine Pause. Ein kalter Wind pfiff über den kargen Platz und ich zog den Reißverschluss meiner Jacke ein wenig höher. Ich öffnete die Beifahrertür und setzte mich schräg auf den Sitz. Irgendwo musste doch meine alte Straßenkarte sein. Ich durchwühlte mein Handschuhfach. Alte Schokoriegelverpackungen, ein paar Ersatzsicherungen und ein bisschen Kleingeld. Na hervorragend. Genau das, was ich jetzt gebrauchen könnte, war natürlich nicht zu finden.
»Suchst du was Bestimmtes?«, fragte Tom.
»Meine alte Straßenkarte«, brummelte ich zurück.
»Manche Leute sind ja schon im 21ten Jahrhundert angekommen und besitzen ein Navi«, höhnte Tom.
Mit säuerlicher Miene schaute ich ihn an. Sein Grinsen verflog.
»Schon gut, schon gut. Tut mir leid. Ich habe auch Angst um Alison, aber wenn wir hier Trübsalblasen, können wir ihr auch nicht helfen.
Außerdem weiß ich, wo dein Kartenmaterial zu finden ist.«
»Und das wäre Tom?«, gab ich leicht gereizt zurück.
»Schau mal unter deinem Fahrersitz nach.«
Ich verbog mich, um unter den Fahrersitz mit meiner Hand zu nesteln, und bekam ein Stück Papier zu
fassen. Als ich daran zog, kam die Karte zerknittert und verstaubt zum Vorschein.
»Wie ist sie denn darunter geraten?« Verwundert kratzte ich mich am Kopf. Zuletzt hatte sie Alison noch gebraucht, um unseren Weg nach Clapham herauszufinden.
»Ich habe gesehen, wie du sie, als wir in Clapham ankamen, unter deinen Sitz gestopft hast.«
Tom schien zufrieden mit sich. Ich breitet die Karte auf meinen Knien aus und strich sie ein wenig glatt.
Mein Finger fuhr unsere bisher zurückgelegte Strecke nach und kam an der Markierung für den Rastplatz zum Stehen.
»Wir haben gerade mal die Hälfte des Weges hinter uns gebracht. Mit dem Wagen wären es vielleicht noch eine Stunde Fahrt gewesen.« Ich grübelte, ob es eine Möglichkeit geben würde, unser Ziel anderweitig zu erreichen. Zu Fuß war es viel zu weit und ich hätte das meiste Gepäck hier lassen müssen. Außerdem bräuchte ich das Auto vor Ort. Es war wirklich zum Verrücktwerden. Man konnte das Gefühl bekommen, dass uns irgendeine fremde Macht davon abhalten wollte, an unserem Ziel anzukommen.
Ich haderte noch mit mir selbst, als ich das Quietschen von Bremsen hörte. Überrascht blickte ich auf und sah in Toms Gesicht.
Er wies mit der Hand nach links hinter unser Auto.
»Wir haben Besuch bekommen«, sagte er.
Ich faltete die Karte wieder zusammen und legte sie auf das Armaturenbrett.
Man konnte hören, wie die Autotür des Wagens, der gerade angekommen war, geöffnet wurde und dann wieder ins Schloss fiel.
Es war ja nichts Ungewöhnliches daran, dass jemand auf einem Rastplatz hielt, aber ich war neugierig, ob es jemand wäre, der mir vielleicht mit meinem Autoproblem helfen könnte.
Also stemmte ich mich wieder aus meiner Sitzposition hoch und schaute mir den Neuankömmling an.
Eine junge Frau war mit ihrem Wagen angekommen. Das wars dann wohl mit der Hilfe für meinen Motor.
So wie die Frau aussah, war sie mehr künstlerischen oder filigranen Hobbys zugetan. Sie schien schon eine längere Fahrt hinter sich gehabt zu haben, denn sie dehnte und streckte sich ausgiebig. Ihr kurzes blondes Haar war wirklich auffallend. Es glänzte silbrig im Sonnenlicht. Sie war eher klein und hatte eine entzückende Figur. Als Kleidung hatte sie sich eine Jeans Latzhose ausgewählt. Ein Träger baumelte lässig nach unten. Die Hosenbeine waren hochgekrempelt und die Füße steckten in Ledernden Flip Flops.
Obwohl es nicht gerade sommerlich warm war, bestand ihre Oberbekleidung nur aus einem eng anliegenden weißen Top. Sie ließ noch ein paar Mal den Rumpf kreisen und erblickte mich dann. Sie stockte kurz, hob dann aber die Hand zum Gruß und schlappte zu mir herüber.
Kurz registrierte ich Tom an meiner Seite, der unüblicherweise mal den Mund hielt.
»Hey. Auch kleines Päuschen machen?«, begrüßte mich Blondi.
Vom Nahen sah sie noch attraktiver aus. Ein kleines Stupsnäschen mit ein paar verstreuten Sommersprossen.
Schön geschwungene Lippen und große braune Augen schauten mich keck an.
Sie stemmte die Hände in die Hüften und blickte mich fragend an. Ein wenig erinnerte mich ihre
Ausdrucksweise an Alison und ein Stich bohrte sich durch mein Herz.

Kurzvita:
Rudolf Otto Schäfer wurde 1968 in Lennestadt geboren und ist seit 2013 freier Autor.
Für die Fantasybuchreihe um den Geisterjäger Fletcher hat er bis heute 3 Romane verfasst. Vor kurzem erschien der dritte Band, der Fantasy Serie "Bluthochzeit -Fletchers Kampf-".
Seine Mystery Jugendbuchreihe "Shadow Town" beschreibt die Abenteuer einer Gruppe Jugendlicher in einer amerikanischen Küstenstadt. Bisher erschienen ist Band I "Die Ankunft".
Weiterhin entstand das Kinderbuch »Kiara und das Schimpfmonster«. Vom Alogino Hörbuchverlag München, wurde der erste Band der Fletcher Serie und  "Kiara und das Schimpfmonster" produziert. Momentan wird der zweite Teil der Fletcher Serie "Das dunkle Ritual" vertont. Die aufwendig produzierten Hörbücher können über audible erworben werden.
Er lebt seit 2002 in Unna bei Dortmund.