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Sonntag, 28. Januar 2018

Das Vermächtnis der Lil`Lu (5): Kristin - Die Zeitkapsel von Marita Sydow Hamann




Klappentext/Inhalt

Kristin hat in ihrem jungen Leben schon einige Schicksalsschläge und Veränderungen ertragen müssen. Und nun droht ihrer Welt durch die machthungrige Oberschicht die völlige Versklavung. Sie schließt sich den Rebellen an, doch dann geschieht etwas, das Kristins Leben ein weiteres Mal für immer verändert.
Sie wird in ein anderes Universum gezogen und versteht bald, dass Großes am Werk ist – auf allen Welten in allen Universen. Und Kristin spielt in diesem großen Ganzen eine wesentlich wichtigere Rolle, als ihr lieb ist.
Fünfter und letzter Band der Reihe „Das Vermächtnis der Lil`Lu“.
Dieser 5. Band der „Das Vermächtnis der Lil`Lu“-Reihe kann auch unabhängig von den anderen Büchern gelesen werden, da die Geschichten der einzelnen vier Frauen dieser Reihe (Lovisa, Emilie, Danniella, Kristin) in sich abgeschlossen sind. Doch da dies der letzte Band ist, in dem die vier Frauen letztendlich ihr Schicksal erfüllen, wird empfohlen, erst die anderen Bücher der Reihe zu lesen, um ein ganzes Bild zu bekommen.
Erhältlich bei Amazon

Leseprobe


Segretaria

Ich sah die Kugel wie in Zeitlupe auf mich zukommen. Mein Magen sackte mir in die Kniekehlen, so als würde mich etwas nach oben schleudern. Die Welt um mich herum verschwamm und begann sich zu dehnen, alles wirkte verzerrt, sogar die Kugel, die nur noch wenige Meter entfernt war. Dann verschwand sie und mit ihr das Lager und der Boden unter meinen Füßen.
Bilder und Muster stürmten auf mich ein. Das Gesicht einer jungen Frau mit langen Haaren und moosgrünen Augen … Ich! »Die Kugel! Spring zur Seite!«, rief ich mir voller Panik selbst zu. Irgendetwas quetschte mir die Lungen zusammen, quetschte mich zusammen, raubte mir den Atem und weitere Worte. Ein paar braune Augen huschten vorbei. Und dann war ich frei. So plötzlich, dass ich vorwärtsstolperte und nach Luft rang. Irgendwer fing mich auf. Alles in mir ging auf Abwehr. Die Kugel, die Gardenwachen! Hatten sie mich verfehlt? Nahmen sie mich jetzt gefangen?
»Ella? Was ist mit dir? Oh mein Gott, was ist mit dir geschehen! Ella!«
Ich hörte die Worte und die Sorge darin, doch ich begriff ihren Sinn nicht. Ich kämpfte wie eine Löwin, biss, trat und hebelte, bis ich dem Griff des Angreifers endlich entkam. Ich stolperte rückwärts und sah mich hektisch um. In meinem Kopf rotierte es. Was war passiert? Das hier war nicht das Lager. Die Wachen waren fort. Hatte ich wieder einen Aussetzer gehabt? Hatten sie mich verschleppt? Ich begann zu zittern. Keine Schwärze, dieses Mal nicht. Etwas war anders gewesen, ich erinnerte mich an alles – der sich dehnende Raum, die Bilder und Muster, mein Gesicht, eingerahmt von langen, schwarzen Haaren … Drogen! Sie mussten mich verfolgt haben und dann …
Mein Blick huschte durch den Raum, suchte den Fluchtweg und blieb an einem jungen Mann hängen.
»Ella, sag doch was. Lass mich dir helfen. Was ist hier geschehen?« Seine Stimme war sanft und voller Sorge. Er sprach die Sprache des Nordens. Ein Dialekt, den ich nicht kannte, dennoch verstand ich ihn gut. Ich versuchte, etwas zu sagen, doch meine Stimme versagte. Wieder huschte mein Blick durch den Raum. Die Tür lag am anderen Ende, ich würde erst an ihm vorbei kommen müssen. Verdammt! Wie war ich nur hierher geraten?
»Ella, bitte …« Der Mann sah mir direkt in die Augen, eine Ewigkeit schien zu vergehen. Schon wieder schien die Zeit stillzustehen, dann weiteten sich seine Augen und verengten sich kurz darauf. Seine eben noch sorgenvolle Stimme enthielt nun Schärfe. »Du bist nicht Ella! Wer bist du und wo ist sie?«
Ich räusperte mich, mein Mund war staubtrocken. »Ich … Ich …« Wieder huschte mein Blick umher. Ein Fenster – geschlossen und mit Holzsprossen versehen. Ein Fluchtweg! »Wo bin ich?«, brachte ich schließlich hervor.
»Keine Spielchen!«, knurrte der Mann gefährlich leise. »Wo ist Ella?!«
Ich schluckte erneut. Niela, sie war auch dort gewesen. Meine Einheit, wussten sie, wo ich war? Musste ich nur auf Zeit spielen? »Wer ist Ella?«, fragte ich in seiner Sprache. Wieder einmal kamen mir meine vielen Sprachen zu Hilfe. Meine Stimme klang hohl und unsicher. Ich musste mich zusammenreißen.
Der Mann musterte mich eindringlich, fast, als wollte er in mein Innerstes sehen. Ich erschauderte.
»Du weißt es wirklich nicht«, sagte er fast überrascht.
»Ähm … Nein.« Ich ließ ihn nicht aus den Augen und hoffte, jeden Moment Arndt und Dankov hereinstürmen zu hören. »Wo bin ich? Wo habt Ihr mich hingebracht?«
»Hingebracht?« Der Mann hob die Augenbrauen. »Du bist hier einfach aufgetaucht. Als Ella verschwand.« Wieder musterte er mich.
»Ich bin hier reinmarschiert?« Innerlich seufzend glitt mein Blick zur Tür. Also doch wieder ein Aussetzer. Ich kam da langsam nicht mehr mit.
»Reinmarschiert?« Er runzelte die Stirn. »Du weißt nicht, wie du hergekommen bist?«
»Ähm … Nein.« Diesmal seufzte ich tatsächlich. »Es tut mir leid, wenn ich hier so einfach reingeplatzt bin und Euch gestört habe, mein Herr.« Dass dieser Mann zu den Adeligen gehörte, sah man schon an der teuren Einrichtung und seiner feinen Kleidung. Eine Art Anzug. War das die neueste Mode? Was sollte dieses Band um seinen Hals. Lächerlich. Aber es würde Dankov die Möglichkeit geben, ihn dort zu packen und zu strangulieren.
Der Mann hob wieder die Augenbrauen und musterte mich. »Mein Herr?«, fragte er fast belustigt. Dann wurde sein Gesicht starr. Ich sah förmlich, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Hatte ich etwas Falsches gesagt?
»Ich wollte Euch nicht stören«, fing ich an.
»Ein Wechsel«, hauchte er. Sein Blick fokussierte. »Wo kommst du her! Welches Land, welche Welt?«
Ich starrte ihn an. War der verrückt? Und da wollte ich ihm gerade von meinen Aussetzern erzählen.
»Welt? Land?« Er nickte und erwartete meine Antwort. Mitspielen, Kristin. Verrückte konnten gefährlich werden. »Ich lebe in Segretia«, antwortete ich vorsichtig.
»So heißt das Land oder deine Welt?«
»Ähm … So heißt die Hauptstadt von Segretaria?«, sagte ich mehr fragend als sicher.
Der Mann fuhr sich über das Gesicht. »Ella, sie ist fort …«
Ich verstand gar nichts mehr. Was war nur seit meinem erneuten Aussetzer geschehen? Wie war ich hergekommen, weshalb war ich nicht tot? Die Kugel hätte mich treffen müssen und es gab keine Schwärze, nur diese Bilder und Muster. Und das Gesicht. Mein Gesicht …
Dann fiel mein Blick auf ein Foto an der Wand. Der Mann war darauf, nur viel jünger. Er stieß ein junges Mädchen freundschaftlich an, das aus vollem Herzen lachte. Lange, schwarze Haare, moosgrüne Augen. Ich! Sie sah aus wie ich! Und ich hatte sie vor kurzem gesehen, bevor … Ich ging automatisch näher an das Foto heran, suchte nach dem Trick. Hexerei?
»Das ist Ella«, sagte der Mann. »Wo ist sie? Ist sie jetzt dort, wo du herkamst?«
Ich sah von dem Bild zu ihm und zurück. »Sie ist echt?«, flüsterte ich. Er nickte. »Sie war hier?« Wieder ein Nicken. Eiseskälte erfasste mich. Es gab keine Schwärze, ich konnte mich an jede Millisekunde erinnern. Ich war dort gewesen und etwas hatte mich … weggesaugt!
»Sie sagte Ich werde gerufen. Und dann verschwand sie. An ihrer Stelle bist du aufgetaucht«, sagte der Mann. Seine Worte platzierte er vorsichtig, fast tastend, als wäre er sich selbst nicht hundertprozentig sicher. Doch mir schnürte es die Kehle zu. Wenn ich hier war, war sie dann dort? An meiner Stelle?
»Die Kugel«, brachte ich erstickt hervor. »Bei den Göttern, nein!« Ich sah ihr Gesicht erneut vor mir, wie es an mir vorbeizog. Panik schien mich zu erdrücken. War sie an meiner Stelle … Ich konnte nicht einmal den Gedanken beenden. Mir wurde übel. Ich rief mir jedes Detail ins Gedächtnis, krallte mich an ihr fest.
»Hallo? Geht es dir gut?«, hörte ich den Mann fragen. Er klang wie in Watte gepackt. Meine Sinne flogen der Frau entgegen, meine Augen sahen in einem Moment das Bild an der Wand, dann sahen sie sie.


Ella

Kugel? Ella hörte die Warnung – ihre eigene Warnung – in der Sprache ihrer Mutter. Ein Echo. Italienisch. Automatisch fuhr sie ihren Schild hoch und schleuderte alles, was auf sie zukam, von sich fort. Sie sah nicht einmal wohin, als sie aus diesem Schlauch entlassen wurde, in den sie hineingesaugt, hindurchgepresst und wieder ausgespuckt worden war. Ein Mann schrie auf. Oh ja, es war eine Kugel gewesen. Ella sah sein erschrockenes Gesicht, die Waffe hielt er fest umklammert. Als er in sich zusammensackte, kam Leben in die anderen Männer. Ella überlegte nicht lange. Dafür, um sich über ihre Situation klar zu werden, würde sie sich später Zeit nehmen, wenn die unmittelbare Gefahr vorbei war. Jetzt war die Zeit zum Handeln, endlich handeln!
»Niela!«, rief jemand entsetzt, ein Fauchen ertönte hinter Ella – gefährlich, wie von einem Raubtier. Sie hatte keine Zeit, sich danach umzusehen. Die Männer feuerten ihre Waffen ab. Wieder reagierte Ella instinktiv. Ihr Schild fuhr hoch und sie schleuderte zwei weitere Kugeln zu ihrem Ursprungsort zurück. Etwas flog kreischend über sie hinweg und stürzte sich auf drei Männer gleichzeitig. Ein Wesen mit feuerroten Flügeln, mehr konnte Ella auf die Schnelle nicht erkennen. Das Wesen wirbelte herum, es war ungeheuer schnell. Ella sah nicht, wie es die Männer erledigte, da sie selbst alle Hände voll zu tun hatte, doch ein einziger Blick zeigte ihr blutig zerrissene Körper in grotesken Stellungen. Immer mehr Männer eilten herbei und umzingelten Ella und das Feuerwesen. Sie kämpften gemeinsam um ihr Leben, schützten sich gegenseitig und hielten einander den Rücken frei. Die Männer fielen, einer nach dem anderen. Auf einmal waren andere Menschen ohne Uniform da, die ihnen zu Hilfe eilten. Die Schlacht war kurz und blutig. Letztendlich war nur eine kleine Gruppe der Gegner übrig, die sich etwas abseits auf den Boden gekniet hatte und dem Feuerwesen ihre Hände entgegenstreckte. »Verschone uns, Göttin! Wir sind Gläubige!«
Was zum Teufel? Religionsgewäsch?, dachte Ella und rang nach Atem. Der kurze, heftige Kampf hatte sie ganz gut gefordert. Pure Energie floss durch ihre Adern. Es hatte so gut getan, ihre Kraft endlich einmal freizulassen – zügellos.
Das Feuerwesen hockte neben ihr in Kampfstellung. Ein Knurren kam aus seiner Kehle, das Ella eine Gänsehaut verpasste. Sie sah es zum ersten Mal genauer an. Eine Frau! Eine junge Frau mit flammend roten Locken und ebenso roten Flügeln.
»Du bist ein Nephilim!«, stieß sie hervor.
»Bei den Göttern!«, hauchte eine Männerstimme hinter ihr. »Eine Göttin ist zu uns zurückgekehrt!« Er kniete sich nieder – ehrerbietend. Wieder italienisch. Ein seltsamer Dialekt. Göttin? Ella runzelte die Stirn.
»Nephilim sind keine Götter«, hörte sie sich in der Sprache ihrer Mutter sagen. Sie biss sich auf die Lippe. Immer vorlaut, das war jetzt gerade vielleicht nicht angebracht. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie war, was das für ein Volk war und weshalb sie hier gelandet war.
Die Nephilimfrau behielt ihre Kampfstellung bei. »Wo bin ich und was mache ich hier!«, fauchte sie.
»Hm, genau meine Gedanken«, sagte Ella leise. »Weshalb habt ihr mich hergeholt und wer ist verdammt nochmal dafür verantwortlich!«
Ein Mann trat hervor. »Wir haben euch nicht hergeholt«, sagte er vorsichtig. Seine Stimme war dunkel und kräftig. »Kristin, bist du das?« Er sah Ella misstrauisch an.
»Wer ist Kristin? Ich bin Ella!«
»Bei den Göttern!«, sagte der kniende Mann hinter ihr. »Sie sieht aus wie Kristin.«
»Aber sie ist eine Hexe. Sie ist definitiv nicht Kristin«, sagte eine Frau, die Ella zuerst für einen Kerl gehalten hatte. Sie hatte mit den Männern gekämpft, die ihnen geholfen hatten. Ella ließ ihre Kraft los und fühlte in ihre Richtung.
»Du bist auch eine Hexe«, stellte sie fest. »Gut, jetzt wo wir wissen, woran wir sind, will ich endlich Antworten! Wo bin ich und warum!«
»Gute Fragen«, knurrte die Nephilimfrau. »Weitet das auf mich aus.«
»Wir sind in Segretia, der Hauptstadt von Segretaria«, sagte der Mann mit der tiefen Stimme. »Mein Name ist Arndt.«
»Eine andere Welt«, fauchte der Nephilim. »Wie ist das möglich? Nephilim können nicht wechseln!«
»Ein Wechsel …« Ella ging ein Licht auf. »Eine parallele Welt!«
»Das ist auch meine Vermutung«, meinte der Nephilim. »Nur wie? Und warum?«
»Ich habe nicht die geringste Ahnung«, gab Ella offen zu. »Es sieht so aus, als säßen wir im selben Boot. Ich bin Ella.« Einem Impuls folgend streckte sie der Frau freundschaftlich die Hand entgegen.
Die Frau richtete sich auf und musterte Ella. »Kyria«, sagte sie schließlich und nahm Ellas Hand in ihre Krallen. »Gut gekämpft.«
Ella lächelte. »Danke, du auch.« Sie ließ ihren Blick über das Blutbad gleiten. »Es scheint, als wären wir hier zwischen irgendwelche Fronten geraten«, mutmaßte sie. Dann sah sie Arndt an. Der Mann war groß, mit etwas zu weit auseinanderstehenden Augen. »Und wer ist diese Kristin?« Ella hatte eine Ahnung. Das Gesicht einer Frau, ihr eigenes Gesicht, doch mit kurzen Haaren. Und die Warnung auf Italienisch …
»Sie ist ein Mensch und sie gehört zu uns. Sie sieht dir wirklich zum Verwechseln ähnlich.« Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Ich werde dir gerne alles berichten, was ich weiß. Ihr auch«, sagte er zu Kyria, die angespannt wie eine Feder dastand und niemanden aus den Augen ließ. »Aber wir können hier nicht bleiben. Falls jemand entkommen ist oder Hilfe gerufen hat, wird es hier sehr bald eng.«
»Noch mehr Männer?«, fragte Ella.
»Oder einfach nur eine gut platzierte Rakete. Unser einziger Vorteil ist unser Überraschungsmoment. Rein und wieder raus. Alles andere ist zu gefährlich.«
»Das ist ein Medikamentenlager«, sagte die Frau. Sie hatte sich hastig umgesehen und einige Kisten geöffnet. Der kniende Mann kam auf die Beine. »Deshalb ist Kristin hierher gegangen! Wir brauchen dringend Lotionen gegen Läusebefall und Nachschub an Antibiotika wäre auch nicht schlecht.« Dann fiel ihm seine Göttin wieder ein. Er sah Kyria seltsam an. »Oder könnt Ihr alle heilen?«
Ella entfuhr ein Schnauben, was ihr einen giftigen Blick des Mannes bescherte. »Bist du sicher, dass du nicht Kristin bist?«, fragte er bissig.
»Ganz sicher. Und Kyria ist keine Göttin.« Ella legte den Kopf schief. »Doch etwas Besonderes ist sie durchaus. Nephilim sind die nächste Evolutionsebene der Menschen.«
Alle verstummten und starrten von ihr zu Kyria.
Kyria streckte sich. »Das ist korrekt. Zumindest gibt es hier eine, die sich auszukennen scheint!«
»Also gut«, sagte Arndt etwas überfordert. »Wir klären das später. Ausschwärmen!«, befahl er. »Nehmt so viel mit, wie ihr tragen könnt, und dann nichts wie weg hier!«
»Wo ist Niela?«, fragte jemand.
Arndt atmete tief durch. »Kristin verschwand und Ella tauchte auf. Niela verschwand und Kyria erschien an ihrer Stelle. Sie ist weg. Genau wie Kristin.«

Vita 

Marita Sydow Hamann

*13.03.1973
Ich wurde in Norwegen in Ålesund geboren und wuchs unter anderem in Deutschland, Österreich und Spanien auf.
1999 heiratete ich und wanderte mit meinem Mann nach Schweden aus. Dort machte ich eine Ausbildung zur persönlichen Assistentin für Personen mit geistigen und körperlichen Behinderungen.
Ich lebe mit meinem Mann und einigen Tieren auf einem kleinen Selbstversorgerhof in Småland und widme mich außer dem Schreiben und Bloggen (über die Themen "Gesund leben!", Bücher, Malerei und mehr) auch anderer kreativer Kunst, wie z.B. die Malerei.
Ich schreibe Fantasy für Jung und Alt sowie Kinderbücher.
Meine Interessen diesbezüglich sind die nordische, griechische und andere Mythologien mit all ihren Wesen.
Speziell Trolle finde ich faszinierend. Aber auch Geister, Elfen, Drachen, Magier, mystische Begebenheiten, Romantik und Science Fiction Elemente könnt ihr bei mir finden.
Ich bin nicht auf ein Element festgelegt und immer offen für neue Ideen.

Ich veröffentliche als Indie-Autorin. Was ist Indie? Mehr dazu hier. 

Sonntag, 11. Juni 2017

„Das Vermächtnis der Lil`Lu (4): Danniella – Engelsflügel“ von Marita Sydow Hamann





Klappentext
Dieser 4. Band der „Das Vermächtnis der Lil`Lu“-Reihe kann auch unabhängig von den anderen Büchern gelesen werden, da die Geschichten der einzelnen vier Frauen dieser Reihe (Lovisa, Emilie, Danniella, Kristin) in sich abgeschlossen sind.

Danniella ist ein Nephilim – ein Wesen mit Flügeln und Krallen. Die Nephilim sind eine eigenständige Rasse, mit den Menschen verwand, aber mit Engelsblut in ihren Adern. Engel, die einst zu den Menschen herabstiegen und sich mit ihnen paarten.
Auf Danniellas Erde – einer Erde von vielen – in ihrem Universum, leben Nephilim und Hexen in Frieden zusammen. Doch seit Jahrtausenden wird ihre Erde von Wechslern angegriffen, von Menschen aus anderen Universen. Denn Nephilim werden gejagt, mit dem Ziel sie auszurotten.
Danniella ist eine Nephilimkönigin, ihre Aufgabe ist es Krieger zu gebären, die ihre Welt schützen sollen. Ihr Schicksal scheint vorausbestimmt, doch dann geschieht das Unfassbare. Danniella wird von einer Sekunde auf die andere in ein anderes Universum geschleudert, wo sie plötzlich Menschen gegenübersteht, allein, in einer fremden Welt. Menschen, die eigentlich ihre erklärten Todfeinde darstellen.

Folgende Bände der fünfteiligen Reihe sind bereits erhältlich:
Lovisa - Der Riss im Universum (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 1)
Lovisa - Im Zeichen des Feuers (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 2)
Emilie - Traumbegegnungen (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 3)
Danniella - Engelsflügel (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 4)

Erhältlich bei Amazon  

Leseprobe

Prolog

Ein mächtiger Knall zerriss die übliche Stille, gefolgt von einem dumpfen Grollen, das sich durch die Burgmauern fortpflanzte. Die Erde bebte.
Dania sprang entsetzt auf – viel zu schnell, viel zu ruckartig für ihren Zustand. Ein nie erlebter Schmerz durchzuckte ihren prallen Unterleib und entfesselte den Nephilim in ihr. Ihre Hände wurden zu Krallen, lederartige Flügel wuchsen aus ihrem Rücken und zerrissen das Umstandskleid. Dania kreischte entsetzt auf, als es feucht an ihren Beinen herablief. Nein! Das durfte nicht sein! Es war viel zu früh! Ein weiterer Knall, und ein weiterer schier unerträglicher Schmerz stach zu. Dania sackte zusammen, schrie aus Leibeskräften und presste mit ihren Krallen auf ihren schwangeren Bauch, so als könne sie dadurch alles zusammenhalten.
Hilfe, ich brauche Hilfe! Dania nahm all ihre Kraft zusammen und stemmte sich auf die Beine. Sie musste das magische Glimmen im Türrahmen erreichen. Ein Knopfdruck nur, das würde reichen, um die Hebamme zu alarmieren. Der Schweiß trat Dania aus allen Poren, sie schmeckte Blut. Oder roch sie es? Eine weitere unnatürlich starke Wehe warf sie erneut zu Boden. Ihre Hände rutschten bei dem Versuch, sich abzustützen, weg. Es krachte erneut, der Turm bebte. Dania versuchte, sich zu konzentrieren und die panische Angst zu bändigen, die sie ergriffen hatte. Sie atmete tief durch, dann sah sie das Blut. Ihre Hände badeten darin – sie badete darin! Das zerfetzte Kleid war rot getränkt und klebte ihr zwischen den Beinen. Dania begann zu hyperventilieren. Die nächste Wehe presste das Kind heraus. In einem Schwall von Blut bahnte es sich seinen Weg, rutschte ihre Oberschenkel entlang und wurde von rotgetränktem Stoff aufgefangen, bevor es zu Boden glitt.
Der Schmerz ließ schlagartig nach, Dania sackte in sich zusammen, keuchte und starrte durch einen Tränenschleier an die hohe Decke des Turmzimmers. Sie zitterte am ganzen Leib, fühlte sich schwach und müde wie nie zuvor in ihrem Leben und glitt langsam davon.
Ein erneuter Angriff erschütterte die Burg – es krachte, Blitze zuckten, Menschen schrien. Es klang, als wären sie ganz nah. Das Baby! Das Baby schrie!

Die Tür zum Turmzimmer wurde aufgerissen.
»Sie greifen an, meine Herrin. Wir müssen …« Die Hebamme verstummte, dann ein Aufschrei. »Nein!«
Schnelle Schritte, sie kniete nieder und fühlte den Puls. Ein seltsamer Laut entfuhr ihr. Obwohl die Hexe wusste, dass es nutzlos war, griff sie nach der Kraft des Elements Erde. Sie beugte sich über ihre Herrin, legte die Hände auf und murmelte seltsame Worte aus einer anderen Zeit.
Danias Augenlider flackerten. Sie nahm die Hebamme wahr. Ihre Lippen formten Worte. Nur ein Flüstern, doch in der kurzen Phase der Stille zwischen zwei neuen Angriffen war es wie von Geisterhand verstärkt.
»Sie lebt … Sie soll Danniella heißen … Meine Tochter …« Ein letzter rasselnder Atemzug, dann verließ das Leben Danias Körper für immer.

»Es werden immer mehr!«, brüllte Santo Laird Gregor zu. »Sie kommen von überall aus dem Nichts! Wechsler, immer mehr Wechsler!«
Laird Gregor biss die Zähne zusammen, dass die Kiefermuskeln hervorquollen. Verdammte Brut! Sie gehörten vernichtet, einer wie der andere! Die Terroranschläge hatten in den letzten Jahren erschreckend zugenommen. Und nun das – ein massiver Angriff auf seine Burg. Ein gezielter Angriff. Wie war das möglich? Weshalb gerade Burg Vidarfjord? Viele Fragen, die warten mussten.
»Hält die magische Barriere?«, fragte er stattdessen und ließ seinen Blick über die Burgmauern streifen. Blitze zuckten, es krachte erneut, dass die Erde bebte.
»Erste feine Risse im Gemäuer, doch noch besteht keine Gefahr. Es ist kein magischer Angriff!«, rief Santo.
»Massenvernichtungswaffen?« Laird Gregor blickte voller Zorn auf die pilzartige Wolke, die vor den Burgmauern emporstieg. Santo nickte.
»Verfluchte Mörder«, zischte Laird Gregor. »Lasst keinen am Leben, ich will sie tot sehen, jeden Einzelnen von ihnen!«
Santo schüttelte ergeben den Kopf. »Wie …« Dann hielt er inne. Er zögerte.
»Spuck es aus!«, schrie Laird Gregor.
Santo zuckte zusammen und schluckte. »Dort draußen ist vermutlich keiner von unseren Leuten mehr am Leben. Wir könnten Brenngas einsetzen, mein Laird. Doch falls es Überlebende gibt …«
»Tu es!«, brüllte Laird Gregor. »Sie überrennen uns!«
Es krachte erneut – einmal, zweimal, dreimal –, die magische Barriere flackerte.
»Sofort!«
Santo eilte davon und Laird Gregor betrachtete voller Zorn und Besorgnis, wie immer mehr Wechsler aus dem Nichts auftauchten und ihre tödlichen Waffen gegen die Mauern von Burg Vidarfjord richteten. Es krachte, blitzte und bebte in immer kürzeren Abständen. Es war nur noch eine Frage von Minuten, bis die Barriere brach und sie alle verloren waren. Gezielte Angriffe. Selbstmordattentäter – Tausende an der Zahl. Wenn das die neue Strategie der Wechsler war, würde seine Welt nicht lange standhalten. Gregor bohrte seine Krallen in die Brüstung und hielt die Luft an. Wo blieb nur sein befohlener Gegenangriff? Brenngas. Im Umkreis von dreißig Kilometern würde nichts überleben. Eine kahle Wüste für mindestens zehn Jahre. Auch Magie würde da nicht helfen, irgendetwas zum Wachsen zu bringen. Über einen Zeitraum von zwei Wochen würde eine Wand aus Plasma seine Burgmauern umgeben, den Berggrund zum Schmelzen bringen und nichts und niemanden hinein oder hinaus lassen. Die magische Barriere würde sie schützen, doch nur, wenn sie nicht vorher fiel. Brenngas konnte den Mauern nichts anhaben, dafür hatten seine Magier gesorgt, doch die Waffen dieser Wechsler waren anders. Fremd.
Eine Dienstbotin eilte heran und zuckte unter weiteren Angriffen und hellen Blitzen erschrocken zusammen. »Mein Laird«, rief sie gegen das Tosen an. Ihre Stimme brach vor Angst. »Tara schickt mich mit einer Nachricht. Es geht um Herrin Dania.«
Laird Gregor riss sich vom Anblick der einschlagenden Bomben ab und wirbelte herum. »Was gibt es?« Sein Blick war wild, er ballte seine Krallen zu Fäusten. Er wusste, es war ernst. Niemand würde es wagen, ihn im Augenblick einer Katastrophe zu belästigen, wenn es nicht wirklich wichtig war.
Hinter Laird Gregor detonierte die letzte Bombe. Ihr ohrenbetäubender Lärm wurde von einem Zischen und darauf folgendem Tosen verschluckt, dann flog eine Feuersbrunst über das Land vor den Mauern von Burg Vidarfjord. Während die Dienstbotin ihm händeringend ihre Nachricht überbrachte, leckten Flammen die magische Barriere empor, die sich wie eine Kuppel über die Burg zog. Sie erhitzten die Luft und verwandelten alles auf ihrem Weg in schmelzend heißes Plasma. Als glühende Hitze den Himmel verdrängte und für mehr als zwei Wochen jeden ankommenden Wechsler sofort verschlingen würde, schrie Laird Gregor seinen Schmerz hinaus. Dania – die Liebe seines Lebens.

»Sie ist eine Königin, mein Laird«, sagte Tara sanft.
»Bist du sicher?« Laird Gregors Stimme klang hohl, fast wie ein Flüstern.
»Ihr Duft war unverkennbar. Ihr wisst, dass der Lockstoff nur kurz nach der Geburt auftritt und dann erst wieder zur Geschlechtsreife.«
Laird Gregor starrte das kleine Mädchen an, das schlafend in einer Wiege lag. Danias letztes Geschenk an ihn – eine Tochter. Eine Königin? Er wagte es kaum zu glauben.
Tara legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter. »Ich schwöre es bei Herrin Danias Leben. Dieses Kind ist eine Königin!«
Laird Gregor ballte die Fäuste und holte tief Luft. »Einundzwanzig Jahre warten«, wisperte er. »Wir müssen nur standhalten …« Er beugte sich vor und betrachtete das Kind mit hartem Blick. Jede Minute, jede Sekunde für den Rest seines Lebens, würde ihn dieses Mädchen an seinen Verlust erinnern. Dania. Doch sie war die Zukunft dieser Welt.
»Danniella«, flüsterte er mit gepresster Stimme. »Wir werden sehen, wer sich deiner würdig erweist und dann …« Er ballte die Fäuste und wandte sich ab. »Kümmere dich gut um sie!« Dann verließ er die Babykammer. Er konnte ihren Anblick nicht ertragen.

1. Die Brüter

Es war eng und stickig, und es roch definitiv nach Tod. Meine feine Nase rümpfte sich. Kein Ort, um länger zu verweilen, doch ich musste mehr erfahren. Ich kroch näher, versuchte, den Gestank zu ignorieren und presste mein Ohr an die Wand.
»Ist Danniella bereit? Die zwölf Kandidaten werden morgen früh eintreffen.« Baltars Stimme, der Großmeister der Brüter.
»Sie wird keine Wahl haben, egal, wie bockig sie sich anstellt«, knurrte jemand.
»Schweig!« Die Stimme meines Vaters, Laird Gregor von Vidarfjord. »Selbstverständlich ist sie bereit. Ihr ganzes Leben wurde sie auf diesen Moment vorbereitet. Sie kennt ihre Pflicht!« Gemurmel folgte, das ich nicht verstand. Es klang zweifelnd. Ich ballte grimmig die Fäuste. Pflicht, wie ich dieses Wort zu hassen gelernt hatte.
»Danniella wird, wie es die Tradition verlangt, morgen ihren ersten Erzeuger wählen«, sagte mein Vater, und seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er mich zwingen würde, falls ich nicht gehorchte. Zwölf Kandidaten, aus denen ich sechs auswählen sollte, für die erste Brut der neuen Generation. Männer, mit denen ich Nephilim zeugen sollte, ausgewählte Kämpfer, deren Erbgut weitere Kämpfer hervorbringen sollte. Ich wurde nicht gefragt, ich hatte meine Pflicht zu erfüllen. Ich hatte meine Einwände geäußert, meinem Vater erklärt, dass ich aus Liebe heiraten wollte, so wie er. Ich hatte versucht, vernünftig mit ihm zu reden. Als das nichts half, hatte ich getobt und gefaucht und zuletzt gebettelt. Er war hart geblieben. Er hatte mich mit seinen blitzenden Augen angesehen und gezischt: »Letztendlich wirst du keine Wahl haben und es sogar gerne tun. Also spar dir deinen Atem, du wirst ihn für die Erzeugernächte brauchen.«
Niemals würde ich es gerne tun! Nicht mit sechs verschiedenen fremden Männern, die ich nicht kannte und die mich nur aus einem Grund haben wollten – um mich zu begatten, um ihre ach so wertvolle Frucht weiterzugeben. Niemals!
»Sie ist die Antwort auf all unsere Hoffnungen«, hörte ich Douglas sagen, Vaters rechte Hand und ein hochrangiges Mitglied der Brüter, die meine Brut pflegen sollten und meine Nachkommen schulen und in den Kampf schicken würden. »Wir können von Glück sagen, dass der Angriff auf Burg Vidarfjord erfolgreich abgewehrt wurde. Dank Laird Gregors furchtlosem Einsatz von Brenngas. Ja, es hat uns viel gekostet, doch es rettete die Königin, das Kind. Andere in dieser Nacht geborene Säuglinge hatten nicht so viel Glück. Wir verloren viele gute Krieger und noch mehr Zivilisten.«
»Douglas hat recht«, sagte jemand, dessen Stimme ich nicht kannte. »Auch wenn es das letzte Aufbäumen eines sterbenden Universums war, so waren und blieben sie die ersten Wechsler, die gezielt vorgingen. Ihre Welt stand kurz vor der Explosion, sie hatten nichts mehr zu verlieren, sie kämpften allein für andere Welten mit dem gleichen Ziel – uns zu vernichten. Sie geben uns die Schuld an ihrem Ende. Und sie hatten einen Vorteil. Sie müssen von der bevorstehenden Geburt einer Königin gewusst haben, daher die gezielten Angriffe auf hochrangige Nephilim, die kurz vor der Niederkunft standen.«
»Vermutlich ein Seher mit dem Zweiten Gesicht«, sagte der Großmeister der Brüter. »Und wir können von Glück sagen, dass andere Universen bisher nicht solch gefährliche Informationen zu besitzen scheinen. Angriffe aus anderen Welten geschehen immer häufiger, aber wir konnten sie bisher aufhalten. Doch unsere Reihen sind ausgedünnt. Lange halten wir nicht mehr stand.«
»Und Danniella weiß das!«, sagte mein Vater und schlug mit der Faust auf den Tisch. Zumindest vermutete ich, dass das Poltern daher kam, denn er tat das öfter, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
»Also verbitte ich mir weitere Diskussionen über den Gehorsam der Königin! Oder will jemand behaupten, ich hätte meine eigene Tochter nicht im Griff?«, fragte er bedrohlich herausfordernd. Ich verdrehte die Augen. Er hatte nicht. Doch das würde ihm hoffentlich erst so richtig bewusst werden, wenn ich meilenweit entfernt war. Ich hatte genug gehört. Morgen früh also. Die warteten wirklich nicht eine Sekunde länger, als sie mussten. Morgen war mein einundzwanzigster Geburtstag, der Tag der Geschlechtsreife einer Königin. Für mich hieß das, es wurde allerhöchste Zeit zu verschwinden, denn ich hatte einen Entschluss gefasst – niemand außer mir selbst würde jemals über meinen Körper entscheiden!
Wie ich entkommen wollte? Ich grinste in mich hinein. Niemand außer mir kannte das Gemäuer von Burg Vidarfjord besser als ich. In den letzten einundzwanzig Jahren hatte ich jede freie Minute damit verbracht, mein Gefängnis auszukundschaften. Oh ja, die Burg war für mich eine Art Gefängnis. Ich durfte hinaus, doch nur unter Aufsicht. Nur innerhalb dieser Mauern konnte ich mich frei bewegen und das hatte ich bis in den letzten Winkel hinein ausgenutzt. Bereits mit zehn Jahren entdeckte ich diesen Geheimgang, der bis hinter die Burgmauern reichte. Streifzüge – meist nachts – in der näheren Umgebung folgten, immer darauf bedacht, mich nicht erwischen zu lassen. Heute würde ich nicht zurückkehren.
Vorsichtig kroch ich aus dem Winkel der Kammer zurück in den Gang. Dort schulterte ich mein Gepäck und tastete mich in gebückter Haltung vorwärts. Ich hatte Proviant für sieben Tage dabei. Sieben Tage, in denen ich meinen Duft nicht einsetzen musste.
Wir Nephilim haben Düfte, die wir gezielt einsetzen können, beispielsweise zur Jagd oder als Sexuallockstoff. Ich als Königin soll für Letzteres mit der Geschlechtsreife noch einen ganz anderen Duft entwickeln. Einen Duft, der nur Königinnen vorbehalten ist. Ich würde nicht darauf warten, ihn in Gegenwart einer meiner Begatter zu erlangen.
Obwohl ich als Nephilim nachts hervorragend sehen konnte, nutzte mir das hier unten in vollkommener Dunkelheit wenig. Weit genug von der Kammer entfernt holte ich einen Lichtstein hervor und folgte dem sich windenden Gang bis in eine weitere, etwas größere Kammer. Mein Quartier für die nächsten drei Tage. Weshalb ich nicht sofort floh? Ganz einfach. Gleich morgen früh würde sich eine Horde Brüter und Wachen auf meinen Himbeergeruch stürzen. Ja, ich roch nach Himbeeren. Es gab definitiv Schlimmeres. Zum Glück mochte ich Himbeeren. Die Jäger würden mit Sicherheit meine Fährte aufnehmen und mich in wenigen Stunden aufgespürt haben. Unser Duft in Ruhestellung ist sehr schwach, doch für trainierte Fährtenleser mit Sicherheit zu finden. Hier in der Burg roch alles nach mir, niemand würde den Eingang zum Tunnel finden, sie würden ihn überhaupt nicht suchen, denn niemand ahnte auch nur, dass es ihn gab. Wüsste mein Vater davon, er ließe ihn bewachen. Wenn ich hier drei Tage ausharrte, hatten meine Verfolger sich bereits auf ihrer Suche nach mir weit von der Burg entfernt. Das war meine Chance, unentdeckt zu entkommen. Sie würden ringförmig von der Burg aus alles absuchen, doch sie würden keine Zeit darauf verwenden, ringförmig alles noch einmal rückwärts zu überprüfen. Wer als Bote zurückgeschickt wurde, um Bericht zu erstatten, der nahm einen direkten Weg. Ich konnte nur darauf hoffen, dass dieser Weg nicht zufällig meinen Fluchtweg kreuzte. Mein Plan war es also, mich hinter meinen eigentlichen Verfolgern aufzuhalten. Ich hoffte, das war gerissen genug, um zu funktionieren.
Ich packte eine isolierende Unterlage aus und deckte mich mit meinem Mantel zu. Dann bereitete ich mich auf eine drei Tage lange Nacht vor.

Vita:

Marita Sydow Hamann 
*13.03.1973 
Ich wurde in Norwegen in Ålesund geboren und wuchs unter anderem in Deutschland, Österreich und Spanien auf.
1999 heiratete ich und wanderte mit meinem Mann nach Schweden aus. Dort machte ich eine Ausbildung zur persönlichen Assistentin für Personen mit geistigen und körperlichen Behinderungen.
Ich lebe mit meinem Mann und einigen Tieren einem kleinen Selbstversorgerhof in Småland (Schweden) und widme mich außer dem Schreiben und Bloggen (über das Thema "Gesund leben!") auch anderer kreativer Kunst.
Ich schreibe Fantasy für Jung und Alt sowie Kinderbücher.
Meine Interessen diesbezüglich sind die nordische, die griechische und auch andere Mythologien mit all ihren Wesen.
Speziell Trolle finde ich faszinierend. Aber auch Geister, Elfen, Drachen, Magier, mystische Begebenheiten, Romantik und Science Fiction Elemente könnt ihr bei mir finden.
Ich bin nicht auf ein Element festgelegt und immer offen für neue Ideen.