Sonntag, 24. Mai 2015

"Herzenswut" von Eva Markert

Klappentext:

Sina hat sich unsterblich verliebt – ausgerechnet in Jörg, den Freund ihrer Mutter, und sie glaubt felsenfest, dass er ebenfalls Gefühle für sie hegt. Als Jörg und ihre Mutter dann aber heiraten, bricht Sinas Welt zusammen. Sie beschließt, alles auf eine Karte zu setzen – mit fatalen Folgen. Nicht nur ihr Leben gerät völlig aus den Fugen. Bis dramatische Ereignisse Sina dazu zwingen, sich mit ihrer Familie und sich selbst auseinanderzusetzen.
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Leseprobe:

Inzwischen gab es für Sina keine Zweifel mehr: Sie war keineswegs in Jörg verknallt – weit gefehlt! -, sondern sie liebte ihn. Er war der Mann ihres Lebens, den ihr das Schicksal bestimmt hatte. Sie zermarterte sich den Kopf darüber, wie sie herausfinden könnte, ob er das ebenfalls spürte.
Sie nahm sich fest vor, diese Liebe in ihrem Innersten einzuschließen und zu niemandem davon zu sprechen. Keiner durfte etwas ahnen, am allerwenigsten ihre Mutter! Bis der Tag kam, an dem sich Jörg offen zu ihr bekannte. Und dieser Tag würde kommen, das wusste sie genau, denn es war ganz und gar unmöglich, eine solche tiefe Liebe bis in alle Ewigkeit geheim zu halten.
Ha! Da würde ihre Freundin sich aber wundern, wenn sie und Jörg ein Paar wurden! Aus allen Wolken würde sie fallen! Dann musste sie Sinas Gefühle für Jörg endlich ernst nehmen.
So ganz gelang es ihr trotzdem nicht, Jenny gegenüber den Mund zu halten. Zu voll waren Kopf und Herz, zu drängend ihre Fragen. „Wie kann ich bloß herausfinden, was er für mich empfindet?“, fragte sie einmal.
„Was soll er für dich empfinden? Du bist die Tochter seiner Freundin, und ich denke, er wird dich mögen.“
„Ich möchte wissen, ob mehr dahintersteckt als nur mögen.“
„Mensch, Sina! Was soll das?“ Zum ersten Mal schien Jenny alarmiert. „Er ist der Lover deiner Mutter! Vergiss das nicht!“
Sina winkte ab. Wie man sah, war es zwecklos. Jenny hatte keine Ahnung. Sie sprach von „mögen“, während es Sina um die große Liebe ging. Nein, sie musste allein einen Weg finden.
Als Jenny und sie nach der Schule einen Stadtbummel machten, blieben sie vor einer Boutique stehen. Im Schaufenster lagen die schönsten Tops, die man sich vorstellen konnte. Sina entdeckte ein tolles für nur zehn Euro. Das T-Shirt war giftgrün, und vorne drauf war in knallroter Schrift zu lesen: „I love ...“ Auf der Rückseite stand: „... XXX“
Jenny war von diesem Oberteil ebenfalls begeistert. „Das kaufe ich mir“, sagte sie. „Und außer Daniel und mir weiß niemand, was XXX bedeutet. Das finde ich cool.“
Sina lachte laut auf. „Das glaubst aber auch nur du! Die halbe Welt weiß, in wen du verknallt bist.“
In diesem Augenblick durchfuhr es sie wie ein Blitz. Ja, das war eine glänzende Idee! „Ich kaufe mir das Shirt ebenfalls!“, rief sie.
„Und für wen willst du es tragen, wenn ich fragen darf?“, erkundigte sich Jenny ein wenig spitz.
„Anders als bei dir ist das XXX bei mir ein echtes Geheimnis.“
„Pf“, machte Jenny, „ich hoffe, du meinst nicht Jörg!“
Sina gab keine Antwort.
Die Stimmung schlug um, beide waren sie gereizt. Doch als sie kurz darauf den Laden verließen, jede mit einer Tüte in der Hand, kicherte Jenny plötzlich. „Eigentlich praktisch, die drei X. Wenn es aus ist und du einen neuen Freund hast, brauchst du das Oberteil nicht gleich wegzuschmeißen.“
Sina kicherte ebenfalls, und gleichzeitig dachte sie: „Das wird nie passieren. Ich bleibe Jörg treu bis an mein Lebensende.“
Hauptsächlich hatte sie sich das Teil gekauft, um ihn auf die Probe zu stellen, und nun wartete sie auf eine günstige Gelegenheit. Sie wollte es zum ersten Mal anziehen, wenn sie mit ihm allein war. Vermutlich würde er sie fragen, wer sich hinter XXX verbarg. Dann konnte sie ihm einen klitzekleinen Hinweis geben. Zum Beispiel sagen, dass er es eigentlich wissen müsste. Oder ihn raten lassen. Mal sehen, wie er darauf reagierte.
Die günstige Gelegenheit ergab sich bald. Ihre Mutter war einkaufen gegangen und Jörg kam früher nach Hause als sonst. Als sie ihn die Haustür aufschließen hörte, schlüpfte sie schnell in das T-Shirt und lief in den Flur. „Wie schön, dass du schon da bist!“
„Ein Kunde hat eben abgesagt. Das kam mir offen gestanden ganz gelegen!“ Er lachte sie an, ohne das neue Oberteil zu bemerken.
Sie folgte ihm ins Wohnzimmer. „Wie findest du mein neues T-Shirt?“
Er blickte kurz hin. „Hübsch. Steht dir gut.“
„Guck mal, was draufsteht.“ Sie drehte sich vor ihm, damit er die Aufschriften vorn und auf dem Rücken sehen konnte.
„Heißt das, du bist verliebt?“, erkundigte er sich augenzwinkernd.
„Das könnte man sagen.“ Vielsagend schaute sie ihn an.
Ob er das richtig verstanden hatte? Zumindest fragte er nicht weiter. Oder wollte er dem Gespräch aus Angst vor Entdeckung aus dem Weg gehen? Verdammt noch mal, wenn er sie wirklich liebte, dann wurde es langsam Zeit, dass er das zugab!
„Hallo! Wo seid ihr?“, klang da die Stimme ihrer Mutter aus dem Flur.
Sina zuckte zusammen, als ob sie auf frischer Tat ertappt worden wäre. Gleichzeitig flammte Ärger in ihr auf. Musste die ausgerechnet jetzt zurückkommen?
Jörg eilte sofort hinaus, um ihr mit den Einkaufstaschen zu helfen. Mist! Mist! Mist! Wäre sie etwas später gekommen, hätte er bestimmt noch was zu den drei X gesagt. Nun blieb ihr nichts anderes übrig, als auf einen anderen günstigen Moment zu warten.


Autorenvita:

Eva Markert ist von Beruf Studienrätin mit den Fächern Englisch und Französisch, und sie besitzt ein Zertifikat für Deutsch als Fremdsprache. Außerdem ist sie staatlich geprüfte Übersetzerin.
Hobbymäßig arbeitete sie viele Jahre als Lektorin und Korrektorin in einem kleinen Verlag mit.
Eva Markert schreibt Kinder- und Jugendbücher, Romane und Kurzgeschichten.

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