Sonntag, 11. Juni 2017

„Das Vermächtnis der Lil`Lu (4): Danniella – Engelsflügel“ von Marita Sydow Hamann





Klappentext
Dieser 4. Band der „Das Vermächtnis der Lil`Lu“-Reihe kann auch unabhängig von den anderen Büchern gelesen werden, da die Geschichten der einzelnen vier Frauen dieser Reihe (Lovisa, Emilie, Danniella, Kristin) in sich abgeschlossen sind.

Danniella ist ein Nephilim – ein Wesen mit Flügeln und Krallen. Die Nephilim sind eine eigenständige Rasse, mit den Menschen verwand, aber mit Engelsblut in ihren Adern. Engel, die einst zu den Menschen herabstiegen und sich mit ihnen paarten.
Auf Danniellas Erde – einer Erde von vielen – in ihrem Universum, leben Nephilim und Hexen in Frieden zusammen. Doch seit Jahrtausenden wird ihre Erde von Wechslern angegriffen, von Menschen aus anderen Universen. Denn Nephilim werden gejagt, mit dem Ziel sie auszurotten.
Danniella ist eine Nephilimkönigin, ihre Aufgabe ist es Krieger zu gebären, die ihre Welt schützen sollen. Ihr Schicksal scheint vorausbestimmt, doch dann geschieht das Unfassbare. Danniella wird von einer Sekunde auf die andere in ein anderes Universum geschleudert, wo sie plötzlich Menschen gegenübersteht, allein, in einer fremden Welt. Menschen, die eigentlich ihre erklärten Todfeinde darstellen.

Folgende Bände der fünfteiligen Reihe sind bereits erhältlich:
Lovisa - Der Riss im Universum (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 1)
Lovisa - Im Zeichen des Feuers (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 2)
Emilie - Traumbegegnungen (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 3)
Danniella - Engelsflügel (Das Vermächtnis der Lil`Lu - 4)

Erhältlich bei Amazon  

Leseprobe

Prolog

Ein mächtiger Knall zerriss die übliche Stille, gefolgt von einem dumpfen Grollen, das sich durch die Burgmauern fortpflanzte. Die Erde bebte.
Dania sprang entsetzt auf – viel zu schnell, viel zu ruckartig für ihren Zustand. Ein nie erlebter Schmerz durchzuckte ihren prallen Unterleib und entfesselte den Nephilim in ihr. Ihre Hände wurden zu Krallen, lederartige Flügel wuchsen aus ihrem Rücken und zerrissen das Umstandskleid. Dania kreischte entsetzt auf, als es feucht an ihren Beinen herablief. Nein! Das durfte nicht sein! Es war viel zu früh! Ein weiterer Knall, und ein weiterer schier unerträglicher Schmerz stach zu. Dania sackte zusammen, schrie aus Leibeskräften und presste mit ihren Krallen auf ihren schwangeren Bauch, so als könne sie dadurch alles zusammenhalten.
Hilfe, ich brauche Hilfe! Dania nahm all ihre Kraft zusammen und stemmte sich auf die Beine. Sie musste das magische Glimmen im Türrahmen erreichen. Ein Knopfdruck nur, das würde reichen, um die Hebamme zu alarmieren. Der Schweiß trat Dania aus allen Poren, sie schmeckte Blut. Oder roch sie es? Eine weitere unnatürlich starke Wehe warf sie erneut zu Boden. Ihre Hände rutschten bei dem Versuch, sich abzustützen, weg. Es krachte erneut, der Turm bebte. Dania versuchte, sich zu konzentrieren und die panische Angst zu bändigen, die sie ergriffen hatte. Sie atmete tief durch, dann sah sie das Blut. Ihre Hände badeten darin – sie badete darin! Das zerfetzte Kleid war rot getränkt und klebte ihr zwischen den Beinen. Dania begann zu hyperventilieren. Die nächste Wehe presste das Kind heraus. In einem Schwall von Blut bahnte es sich seinen Weg, rutschte ihre Oberschenkel entlang und wurde von rotgetränktem Stoff aufgefangen, bevor es zu Boden glitt.
Der Schmerz ließ schlagartig nach, Dania sackte in sich zusammen, keuchte und starrte durch einen Tränenschleier an die hohe Decke des Turmzimmers. Sie zitterte am ganzen Leib, fühlte sich schwach und müde wie nie zuvor in ihrem Leben und glitt langsam davon.
Ein erneuter Angriff erschütterte die Burg – es krachte, Blitze zuckten, Menschen schrien. Es klang, als wären sie ganz nah. Das Baby! Das Baby schrie!

Die Tür zum Turmzimmer wurde aufgerissen.
»Sie greifen an, meine Herrin. Wir müssen …« Die Hebamme verstummte, dann ein Aufschrei. »Nein!«
Schnelle Schritte, sie kniete nieder und fühlte den Puls. Ein seltsamer Laut entfuhr ihr. Obwohl die Hexe wusste, dass es nutzlos war, griff sie nach der Kraft des Elements Erde. Sie beugte sich über ihre Herrin, legte die Hände auf und murmelte seltsame Worte aus einer anderen Zeit.
Danias Augenlider flackerten. Sie nahm die Hebamme wahr. Ihre Lippen formten Worte. Nur ein Flüstern, doch in der kurzen Phase der Stille zwischen zwei neuen Angriffen war es wie von Geisterhand verstärkt.
»Sie lebt … Sie soll Danniella heißen … Meine Tochter …« Ein letzter rasselnder Atemzug, dann verließ das Leben Danias Körper für immer.

»Es werden immer mehr!«, brüllte Santo Laird Gregor zu. »Sie kommen von überall aus dem Nichts! Wechsler, immer mehr Wechsler!«
Laird Gregor biss die Zähne zusammen, dass die Kiefermuskeln hervorquollen. Verdammte Brut! Sie gehörten vernichtet, einer wie der andere! Die Terroranschläge hatten in den letzten Jahren erschreckend zugenommen. Und nun das – ein massiver Angriff auf seine Burg. Ein gezielter Angriff. Wie war das möglich? Weshalb gerade Burg Vidarfjord? Viele Fragen, die warten mussten.
»Hält die magische Barriere?«, fragte er stattdessen und ließ seinen Blick über die Burgmauern streifen. Blitze zuckten, es krachte erneut, dass die Erde bebte.
»Erste feine Risse im Gemäuer, doch noch besteht keine Gefahr. Es ist kein magischer Angriff!«, rief Santo.
»Massenvernichtungswaffen?« Laird Gregor blickte voller Zorn auf die pilzartige Wolke, die vor den Burgmauern emporstieg. Santo nickte.
»Verfluchte Mörder«, zischte Laird Gregor. »Lasst keinen am Leben, ich will sie tot sehen, jeden Einzelnen von ihnen!«
Santo schüttelte ergeben den Kopf. »Wie …« Dann hielt er inne. Er zögerte.
»Spuck es aus!«, schrie Laird Gregor.
Santo zuckte zusammen und schluckte. »Dort draußen ist vermutlich keiner von unseren Leuten mehr am Leben. Wir könnten Brenngas einsetzen, mein Laird. Doch falls es Überlebende gibt …«
»Tu es!«, brüllte Laird Gregor. »Sie überrennen uns!«
Es krachte erneut – einmal, zweimal, dreimal –, die magische Barriere flackerte.
»Sofort!«
Santo eilte davon und Laird Gregor betrachtete voller Zorn und Besorgnis, wie immer mehr Wechsler aus dem Nichts auftauchten und ihre tödlichen Waffen gegen die Mauern von Burg Vidarfjord richteten. Es krachte, blitzte und bebte in immer kürzeren Abständen. Es war nur noch eine Frage von Minuten, bis die Barriere brach und sie alle verloren waren. Gezielte Angriffe. Selbstmordattentäter – Tausende an der Zahl. Wenn das die neue Strategie der Wechsler war, würde seine Welt nicht lange standhalten. Gregor bohrte seine Krallen in die Brüstung und hielt die Luft an. Wo blieb nur sein befohlener Gegenangriff? Brenngas. Im Umkreis von dreißig Kilometern würde nichts überleben. Eine kahle Wüste für mindestens zehn Jahre. Auch Magie würde da nicht helfen, irgendetwas zum Wachsen zu bringen. Über einen Zeitraum von zwei Wochen würde eine Wand aus Plasma seine Burgmauern umgeben, den Berggrund zum Schmelzen bringen und nichts und niemanden hinein oder hinaus lassen. Die magische Barriere würde sie schützen, doch nur, wenn sie nicht vorher fiel. Brenngas konnte den Mauern nichts anhaben, dafür hatten seine Magier gesorgt, doch die Waffen dieser Wechsler waren anders. Fremd.
Eine Dienstbotin eilte heran und zuckte unter weiteren Angriffen und hellen Blitzen erschrocken zusammen. »Mein Laird«, rief sie gegen das Tosen an. Ihre Stimme brach vor Angst. »Tara schickt mich mit einer Nachricht. Es geht um Herrin Dania.«
Laird Gregor riss sich vom Anblick der einschlagenden Bomben ab und wirbelte herum. »Was gibt es?« Sein Blick war wild, er ballte seine Krallen zu Fäusten. Er wusste, es war ernst. Niemand würde es wagen, ihn im Augenblick einer Katastrophe zu belästigen, wenn es nicht wirklich wichtig war.
Hinter Laird Gregor detonierte die letzte Bombe. Ihr ohrenbetäubender Lärm wurde von einem Zischen und darauf folgendem Tosen verschluckt, dann flog eine Feuersbrunst über das Land vor den Mauern von Burg Vidarfjord. Während die Dienstbotin ihm händeringend ihre Nachricht überbrachte, leckten Flammen die magische Barriere empor, die sich wie eine Kuppel über die Burg zog. Sie erhitzten die Luft und verwandelten alles auf ihrem Weg in schmelzend heißes Plasma. Als glühende Hitze den Himmel verdrängte und für mehr als zwei Wochen jeden ankommenden Wechsler sofort verschlingen würde, schrie Laird Gregor seinen Schmerz hinaus. Dania – die Liebe seines Lebens.

»Sie ist eine Königin, mein Laird«, sagte Tara sanft.
»Bist du sicher?« Laird Gregors Stimme klang hohl, fast wie ein Flüstern.
»Ihr Duft war unverkennbar. Ihr wisst, dass der Lockstoff nur kurz nach der Geburt auftritt und dann erst wieder zur Geschlechtsreife.«
Laird Gregor starrte das kleine Mädchen an, das schlafend in einer Wiege lag. Danias letztes Geschenk an ihn – eine Tochter. Eine Königin? Er wagte es kaum zu glauben.
Tara legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter. »Ich schwöre es bei Herrin Danias Leben. Dieses Kind ist eine Königin!«
Laird Gregor ballte die Fäuste und holte tief Luft. »Einundzwanzig Jahre warten«, wisperte er. »Wir müssen nur standhalten …« Er beugte sich vor und betrachtete das Kind mit hartem Blick. Jede Minute, jede Sekunde für den Rest seines Lebens, würde ihn dieses Mädchen an seinen Verlust erinnern. Dania. Doch sie war die Zukunft dieser Welt.
»Danniella«, flüsterte er mit gepresster Stimme. »Wir werden sehen, wer sich deiner würdig erweist und dann …« Er ballte die Fäuste und wandte sich ab. »Kümmere dich gut um sie!« Dann verließ er die Babykammer. Er konnte ihren Anblick nicht ertragen.

1. Die Brüter

Es war eng und stickig, und es roch definitiv nach Tod. Meine feine Nase rümpfte sich. Kein Ort, um länger zu verweilen, doch ich musste mehr erfahren. Ich kroch näher, versuchte, den Gestank zu ignorieren und presste mein Ohr an die Wand.
»Ist Danniella bereit? Die zwölf Kandidaten werden morgen früh eintreffen.« Baltars Stimme, der Großmeister der Brüter.
»Sie wird keine Wahl haben, egal, wie bockig sie sich anstellt«, knurrte jemand.
»Schweig!« Die Stimme meines Vaters, Laird Gregor von Vidarfjord. »Selbstverständlich ist sie bereit. Ihr ganzes Leben wurde sie auf diesen Moment vorbereitet. Sie kennt ihre Pflicht!« Gemurmel folgte, das ich nicht verstand. Es klang zweifelnd. Ich ballte grimmig die Fäuste. Pflicht, wie ich dieses Wort zu hassen gelernt hatte.
»Danniella wird, wie es die Tradition verlangt, morgen ihren ersten Erzeuger wählen«, sagte mein Vater, und seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er mich zwingen würde, falls ich nicht gehorchte. Zwölf Kandidaten, aus denen ich sechs auswählen sollte, für die erste Brut der neuen Generation. Männer, mit denen ich Nephilim zeugen sollte, ausgewählte Kämpfer, deren Erbgut weitere Kämpfer hervorbringen sollte. Ich wurde nicht gefragt, ich hatte meine Pflicht zu erfüllen. Ich hatte meine Einwände geäußert, meinem Vater erklärt, dass ich aus Liebe heiraten wollte, so wie er. Ich hatte versucht, vernünftig mit ihm zu reden. Als das nichts half, hatte ich getobt und gefaucht und zuletzt gebettelt. Er war hart geblieben. Er hatte mich mit seinen blitzenden Augen angesehen und gezischt: »Letztendlich wirst du keine Wahl haben und es sogar gerne tun. Also spar dir deinen Atem, du wirst ihn für die Erzeugernächte brauchen.«
Niemals würde ich es gerne tun! Nicht mit sechs verschiedenen fremden Männern, die ich nicht kannte und die mich nur aus einem Grund haben wollten – um mich zu begatten, um ihre ach so wertvolle Frucht weiterzugeben. Niemals!
»Sie ist die Antwort auf all unsere Hoffnungen«, hörte ich Douglas sagen, Vaters rechte Hand und ein hochrangiges Mitglied der Brüter, die meine Brut pflegen sollten und meine Nachkommen schulen und in den Kampf schicken würden. »Wir können von Glück sagen, dass der Angriff auf Burg Vidarfjord erfolgreich abgewehrt wurde. Dank Laird Gregors furchtlosem Einsatz von Brenngas. Ja, es hat uns viel gekostet, doch es rettete die Königin, das Kind. Andere in dieser Nacht geborene Säuglinge hatten nicht so viel Glück. Wir verloren viele gute Krieger und noch mehr Zivilisten.«
»Douglas hat recht«, sagte jemand, dessen Stimme ich nicht kannte. »Auch wenn es das letzte Aufbäumen eines sterbenden Universums war, so waren und blieben sie die ersten Wechsler, die gezielt vorgingen. Ihre Welt stand kurz vor der Explosion, sie hatten nichts mehr zu verlieren, sie kämpften allein für andere Welten mit dem gleichen Ziel – uns zu vernichten. Sie geben uns die Schuld an ihrem Ende. Und sie hatten einen Vorteil. Sie müssen von der bevorstehenden Geburt einer Königin gewusst haben, daher die gezielten Angriffe auf hochrangige Nephilim, die kurz vor der Niederkunft standen.«
»Vermutlich ein Seher mit dem Zweiten Gesicht«, sagte der Großmeister der Brüter. »Und wir können von Glück sagen, dass andere Universen bisher nicht solch gefährliche Informationen zu besitzen scheinen. Angriffe aus anderen Welten geschehen immer häufiger, aber wir konnten sie bisher aufhalten. Doch unsere Reihen sind ausgedünnt. Lange halten wir nicht mehr stand.«
»Und Danniella weiß das!«, sagte mein Vater und schlug mit der Faust auf den Tisch. Zumindest vermutete ich, dass das Poltern daher kam, denn er tat das öfter, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
»Also verbitte ich mir weitere Diskussionen über den Gehorsam der Königin! Oder will jemand behaupten, ich hätte meine eigene Tochter nicht im Griff?«, fragte er bedrohlich herausfordernd. Ich verdrehte die Augen. Er hatte nicht. Doch das würde ihm hoffentlich erst so richtig bewusst werden, wenn ich meilenweit entfernt war. Ich hatte genug gehört. Morgen früh also. Die warteten wirklich nicht eine Sekunde länger, als sie mussten. Morgen war mein einundzwanzigster Geburtstag, der Tag der Geschlechtsreife einer Königin. Für mich hieß das, es wurde allerhöchste Zeit zu verschwinden, denn ich hatte einen Entschluss gefasst – niemand außer mir selbst würde jemals über meinen Körper entscheiden!
Wie ich entkommen wollte? Ich grinste in mich hinein. Niemand außer mir kannte das Gemäuer von Burg Vidarfjord besser als ich. In den letzten einundzwanzig Jahren hatte ich jede freie Minute damit verbracht, mein Gefängnis auszukundschaften. Oh ja, die Burg war für mich eine Art Gefängnis. Ich durfte hinaus, doch nur unter Aufsicht. Nur innerhalb dieser Mauern konnte ich mich frei bewegen und das hatte ich bis in den letzten Winkel hinein ausgenutzt. Bereits mit zehn Jahren entdeckte ich diesen Geheimgang, der bis hinter die Burgmauern reichte. Streifzüge – meist nachts – in der näheren Umgebung folgten, immer darauf bedacht, mich nicht erwischen zu lassen. Heute würde ich nicht zurückkehren.
Vorsichtig kroch ich aus dem Winkel der Kammer zurück in den Gang. Dort schulterte ich mein Gepäck und tastete mich in gebückter Haltung vorwärts. Ich hatte Proviant für sieben Tage dabei. Sieben Tage, in denen ich meinen Duft nicht einsetzen musste.
Wir Nephilim haben Düfte, die wir gezielt einsetzen können, beispielsweise zur Jagd oder als Sexuallockstoff. Ich als Königin soll für Letzteres mit der Geschlechtsreife noch einen ganz anderen Duft entwickeln. Einen Duft, der nur Königinnen vorbehalten ist. Ich würde nicht darauf warten, ihn in Gegenwart einer meiner Begatter zu erlangen.
Obwohl ich als Nephilim nachts hervorragend sehen konnte, nutzte mir das hier unten in vollkommener Dunkelheit wenig. Weit genug von der Kammer entfernt holte ich einen Lichtstein hervor und folgte dem sich windenden Gang bis in eine weitere, etwas größere Kammer. Mein Quartier für die nächsten drei Tage. Weshalb ich nicht sofort floh? Ganz einfach. Gleich morgen früh würde sich eine Horde Brüter und Wachen auf meinen Himbeergeruch stürzen. Ja, ich roch nach Himbeeren. Es gab definitiv Schlimmeres. Zum Glück mochte ich Himbeeren. Die Jäger würden mit Sicherheit meine Fährte aufnehmen und mich in wenigen Stunden aufgespürt haben. Unser Duft in Ruhestellung ist sehr schwach, doch für trainierte Fährtenleser mit Sicherheit zu finden. Hier in der Burg roch alles nach mir, niemand würde den Eingang zum Tunnel finden, sie würden ihn überhaupt nicht suchen, denn niemand ahnte auch nur, dass es ihn gab. Wüsste mein Vater davon, er ließe ihn bewachen. Wenn ich hier drei Tage ausharrte, hatten meine Verfolger sich bereits auf ihrer Suche nach mir weit von der Burg entfernt. Das war meine Chance, unentdeckt zu entkommen. Sie würden ringförmig von der Burg aus alles absuchen, doch sie würden keine Zeit darauf verwenden, ringförmig alles noch einmal rückwärts zu überprüfen. Wer als Bote zurückgeschickt wurde, um Bericht zu erstatten, der nahm einen direkten Weg. Ich konnte nur darauf hoffen, dass dieser Weg nicht zufällig meinen Fluchtweg kreuzte. Mein Plan war es also, mich hinter meinen eigentlichen Verfolgern aufzuhalten. Ich hoffte, das war gerissen genug, um zu funktionieren.
Ich packte eine isolierende Unterlage aus und deckte mich mit meinem Mantel zu. Dann bereitete ich mich auf eine drei Tage lange Nacht vor.

Vita:

Marita Sydow Hamann 
*13.03.1973 
Ich wurde in Norwegen in Ålesund geboren und wuchs unter anderem in Deutschland, Österreich und Spanien auf.
1999 heiratete ich und wanderte mit meinem Mann nach Schweden aus. Dort machte ich eine Ausbildung zur persönlichen Assistentin für Personen mit geistigen und körperlichen Behinderungen.
Ich lebe mit meinem Mann und einigen Tieren einem kleinen Selbstversorgerhof in Småland (Schweden) und widme mich außer dem Schreiben und Bloggen (über das Thema "Gesund leben!") auch anderer kreativer Kunst.
Ich schreibe Fantasy für Jung und Alt sowie Kinderbücher.
Meine Interessen diesbezüglich sind die nordische, die griechische und auch andere Mythologien mit all ihren Wesen.
Speziell Trolle finde ich faszinierend. Aber auch Geister, Elfen, Drachen, Magier, mystische Begebenheiten, Romantik und Science Fiction Elemente könnt ihr bei mir finden.
Ich bin nicht auf ein Element festgelegt und immer offen für neue Ideen.

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