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Sonntag, 15. Januar 2017

„Auf Wiedersehen im Luhg Holiday“ von Christine Erdiç



Klappentext
Auf einer Urlaubsreise in den Süden fahren Sabrina, Gudrun und Betty im Nebel gegen einen Baum und müssen im Luhg Holiday einkehren. Das Hotel hat sich verändert, denn es sind 7 Jahre vergangen, seitdem Sabrina mit ihrer Familie dort unfreiwillig ihre Ferien verbrachte.
Wer ist der nette junge Mann, der sich nach dem Unfall so rührend um sie kümmert und doch ein düsteres Geheimnis mit sich trägt? Und was ist aus den Ghulen geworden, die das Luhg Holiday verwalteten? Ein spannendes Abenteuer wartet auf die Freundinnen. Werden sie der Gefahr entkommen, die dort hinter den düsteren Mauern auf sie lauert?
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe Luhg Holiday
Vor Bettys Tür stießen wir auf Damien. Ich nahm ihn bei den Schultern.
„Damien, was war das eigentlich gestern Nacht“, fragte ich. Der Junge druckste herum.
„Och, es war nur ein Spiel, du weißt doch, das Friday- Night- Gruselspezial.“
„Na, der Wolf sah mir plötzlich ziemlich echt aus. Wenn das ein Schauspiel war, dann war das aber sehr gut gemacht.“ Ich zweifelte noch immer.
„Es war nicht wirklich gefährlich und der Wolf harmlos, nicht wie …“
„Nicht wie was?“ Der Kleine entwand sich meinem Griff und verschwand kichernd. An der Ecke drehte er mir noch eine lange Nase. Ungeduldig zuckte ich mit den Schultern. Bevor ich die Tür öffnen konnte, wurde die Klinke heruntergedrückt, und eine frisch frisierte Betty erschien im Türrahmen.
„Guten Morgen“, flötete sie und strahlte über das ganze Gesicht. Ich sah sie fassungslos an.
„Betty, kannst du dich an irgendetwas von gestern erinnern?“, fragte ich vorsichtig.
„Natürlich! Der Graf ist ein gutaussehender und charmanter Mann. Wir haben zusammen Wein getrunken. Was dann war, weiß ich eigentlich gar nicht mehr …“, nachdenklich sah sie mich an, die Stirn in Falten gelegt.
„Erinnerst du dich nicht mehr an den Wolf? An die Flucht durch den Keller? Das musst du doch noch wissen! Du hast wie am Spieß geschrien.“
Sie schüttelte den Kopf und grinste. „Du hast sicher nur schlecht geträumt, Sabrina“, sagte sie und schnupperte dann. „Ich hab Bärenhunger. Lasst uns runter gehen. Ich rieche schon den knusprig gebratenen Speck.“
 
Christine Erdiç ( Doro)

Die 1961 in Deutschland geborene Schriftstellerin Christine Erdiç, die seit dem Millennium in der Türkei wohnt, hat sich anscheinend den kleinen Zauber- und Naturwesen verschrieben.
Nachdem 2010 Nepomucks Abenteuer, die Geschichte eines kleinen Kobolds, der unfreiwillig unter dem Weihnachtsbaum einer Menschenfamilie als Weihnachtsgeschenk landet, im Handel erschien, folgten 2013 Zauberhafte Gerichte aus der Koboldküche, ein Kochbuch mit so klangvollen Rezeptnamen wie „Kobolds Goldtaler“ und „Punsch für kleine Kobolde“ und 2014 Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde, ein Kinderbuch mit lustigen Ausmalbildern.
Wenn man die Autorin fragt, warum sie gerade diese Art von Büchern schreibt, so lautet ihre Antwort:  „Weil es mir selber Spaß macht und ich die Leser in dieser viel zu hektischen und von Konsum und Umweltzerstörung gezeichneten Gesellschaft auf humorvolle Weise zum Nachdenken bringen möchte. Und wo kann man da besser ansetzen als schon bei den Kindern."

Weitere Bücher:

KLEINE MUTMACHGSCHICHTEN (in Zusammenarbeit mit 3 anderen Autorinnen)
WILLKOMMEN IM LUHG HOLIDAY
AUF WIEDERSEHEN IM LUHG HOLIDAY
GLÜCKSSCHMIEDE, TIPPS FÜR MEHR GLÜCK UND ERFOLG

Mehr Informationen über die Autorin, ihre Bücher und Projekte unter
Meine Bücher- und Koboldecke http://christineerdic.jimdo.com/
Reisetipps und Literatur https://literatur-reisetipps.blogspot.com.tr/

Sonntag, 29. Mai 2016

Mystica Venezia von Christine Erdiç




Eine verschwundene Braut, ein Sensenmann als Gondoliere, eine blinde Malerin, ein seltsames Zeichen an einer Mauer und ein geheimnisvoller Orden, Guido hat sich seine Hochzeitsreise nach Venedig dann doch etwas anders vorgestellt. Verzweifelt macht er sich gemeinsam mit seiner Schwägerin Ana Karina in den Wirren des Karnevals, der durch die engen Gassen der Lagunenstadt tobt, auf die fast aussichtslose Suche nach Christina Maria und stößt dabei auf eine uralte Legende. Ab 14 Jahren
Mystica Venzia gibt es im Buch- und Onlinehandel (z.B. Amazon) oder direkt beim Karina- Verlag.

Leseprobe

 „Ich dachte immer, Hexen wohnen im Wald“, meckerte Guido unzufrieden.
„Sei mal froh, dass sie hier in der Stadt wohnt und wir nicht noch durch einen Wald kraxeln müssen, jetzt im Dunkeln“, zischte Ana Karina verärgert zurück. Ergeben seufzend trottete Guido hinter seiner Schwägerin her, die jetzt die alte Holztür öffnete und langsam die knarrenden Stufen emporstieg. Im Flur roch es undefinierbar nach Essensresten, Schimmel und angefaultem Holz. Das Haus hatte sicherlich auch schon bessere Zeiten gesehen. Guido rümpfte angewidert seine Nase.
Natürlich wohnte die Hexe ganz oben unter dem Dach. Wie konnte es auch anders sein?!
Guido schnaufte und rang nach Luft. Doch dann fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf.
‚Wie eine Kröte sieht er aus‘, dachte Ana Karina und grinste vergnügt vor sich hin. Die Tür war aufgegangen, noch bevor sie klopfen konnten, und vor ihnen stand eine wunderschöne Frau mit den faszinierendsten Augen, die Guido je gesehen hatte. Das Blau schimmerte beinahe violett und stand im Kontrast zu den kohlrabenschwarzen Locken, die ein faltenloses und fast markantes Gesicht wie eine Mähne umrahmten.
,Die Hexe trägt Jeans und eine weiße Bluse’, fuhr es Guido durch den Kopf.
„Kommt doch rein, meine Lieben … Ana Karina, mein Herzblatt“, gurrte die Hexe freundlich. Auf ihrer Schulter saß eine weiße Ratte und musterte die Gäste kritisch mit ihren klugen Augen. Ana Karina umarmte Estrella stürmisch und streichelte dann die Ratte.
„Na was ist, junger Mann“, lachte die Hexe. „Willst du da Wurzeln schlagen?“
Drinnen sagte sie belustigt:
„Die Menschen denken immer, ich müsse weiße Haare, ein Kopftuch und eine schwarze Katze auf dem Buckel haben. Aber ich habe schwarzes Haar und eine weiße Ratte. Das haut die meisten erstmal aus den Pantinen. Darf ich vorstellen: Cinderella. Mach einen Knix, altes Mädel.“ Genüsslich blies sie den Rauch ihrer Zigarette durch die Nasenlöcher. Überall im Raum glimmten Räucherstäbchen. Guido hustete, und die Ratte machte doch tatsächlich eine Bewegung auf Estrellas Schulter, die fast wie ein Knix anmutete. Ana Karina grinste.
 „Was führt dich zu mir, Kleines?“, fragte die Hexe.
„Oh wartet, ich bin eine schlechte Gastgeberin.“ Gemeinsam mit Cinderella verschwand sie in der Küche und kehrte nach heftigem Geklapper mit einem Tablett, auf dem drei dampfende Kaffeetassen, eine Zuckerdose, ein Milchkännchen und ein Teller mit allerlei Gebäck standen, zurück.
„Und noch eine irrige Ansicht“, sagte sie mit einem Seitenblick auf Guido.
„Wir stehen nicht unbedingt alle auf Kräutertee.“
„Mein Schwager ist übrigens der Ansicht, dass alle Hexen in einer Hütte im Wald wohnen“, gluckste Ana Karina.
„Ja, wär schön als Altersruhesitz, so eine schicke Hütte im Schwarzwald. Aber ich denke, ich ziehe doch die Zentralheizung einem Ofen vor, und auch die Einkaufsmöglichkeiten sind hier in der Stadt wesentlich besser.“ Sie zog die Stirn kraus und ließ Cinderella über ihren Arm abwärts turnen.
„Aber nur einen Keks, du bekommst sonst ein Bäuchlein“, sagte sie dabei streng. Zu Guidos Entsetzen hüpfte die zierliche Ratte mit einem eleganten Satz direkt auf den Tisch.

©byChristine Erdic

Autorenvita:

Christine Erdiç wurde 1961 in Deutschland geboren.
Sie interessierte sich von frühester Kindheit an für Literatur und Malerei und verfasste schon damals oft kleine Geschichten und Gedichte, die sie jedoch nie veröffentlichte.
Nach dem Abitur war sie in unterschiedlichen Bereichen tätig und reiste viel.
Seit 1986 ist sie verheiratet, hat zwei Töchter und lebt seit dem Millenium in der Türkei.
Unter anderem gab sie Sprachtraining an der Universität von Izmir, machte Übersetzungen und verfasste Berichte für die Türkische Allgemeine, eine ehemalige Zeitschrift in deutscher Sprache und gibt heute noch private Deutschstunden

homepage: http://christineerdic.jimdo.com/