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Sonntag, 6. November 2016

Politen, der Weltenwanderer von Anna Musewald




Politen, ein junger Hermiten wurde mit einem heiligen Zeichen in seiner Handfläche geboren. Er ist nicht wie alle anderen. Seine Bestimmung ist es, die Hermin zu bewachen. Als er von der Welt der Menschen hört, zieht sie ihn in ihren Bann. In ihm wächst der Wunsch, die Menschen zu sehen. Dieser Wunsch wird geheimnisvolle Abenteuer und unerwartete Gefahren mit sich bringen. Wird Politen seine Bestimmung erfüllen können?
Erhältlich bei Amazon als E-Book und als Taschenbuch.


Leseprobe:

«Die Welt ist groß, mein Junge, und bietet für alle Wesen ein Zuhause», sagte der Professor Mardoken und sah den jungen Politen an, der ihm gegenübersaß.
«Haben Sie jemals einen Menschen gesehen, Professor?», fragte der Junge.
Sie befanden sich in der Arena. Der Unterricht war für diesen Tag zu Ende und es war Zeit für das gewöhnliche Gespräch. Politen blieb immer etwas länger, um ein Weilchen mit seinem Professor zu reden. Sein ruheloser Geist war nicht leicht zu befriedigen. Der Professor war immer bereit, mit ihm zu reden. Ohne sich zu beschweren widmete er ihm eine oder sogar zwei Stunden seiner Nachmittage.
«Ich möchte die Welt der Menschen besuchen. Ich möchte sie persönlich kennenlernen. »
Diese Aussage des Jungen überraschte Mardoken.
«Warum? », fragte der Lehrer und atmete gleichzeitig tief ein.
„Der Professor scheint heute nicht besonders gesprächig zu sein, dachte Politen, als er bemerkte, dass er den Professor mit seiner Aussage überrascht hatte.
In letzter Zeit war es seinen Schülern aufgefallen, dass man ihm sein Alter langsam ansah. Die Flügel an seinem Kopf und seinen Füßen bewegten sich nicht mehr so schnell wie einst und sein Vestris war während des Unterrichts manchmal inaktiv. Er sah sehr müde aus, sein vollkommen rundes Gesicht war voller Falten und schwarzer Mitesser.
Einstmals war er der Größte von allen gewesen. Doch in den letzten Jahren wurde er immer kleiner, sodass der lange Bart fast seinen gesamten Körper bedeckte. Er war der liebe und zuvorkommende alte Mann geworden; allwissend, eine „lebende Bibliothek“, wie ihn seine Schüler hinter seinem Rücken nannten. Erst neulich hatte ihn Politen, als er am Markt vorbeilief, in einem Gespräch mit dem Stammesführer – wahrscheinlich scherzend – sagen hören: „Wenn ich weiterhin im gleichen Tempo zusammenschrumpfe, dann sehe ich bald aus wie ein Menken.“
Er mochte vielleicht an Größe verloren haben, doch seinen Humor behielt er. Im Gegenteil, er wurde im Laufe der Jahre immer pfiffiger, was auch sein Anführer bemerkte.
Politen flog weiterhin langsam um seinen Lehrer herum. Die Diskussion gelangte an ihren schwierigsten Punkt. Er wusste, dass er darauf bestehen musste. Er musste ihn überreden, über das Thema zu sprechen, das ihn am meisten interessierte: die Menschen.


Anna Musewald wurde in Griechenland geboren. Dort wuchs sie auf und absolvierte ein Wirtschaftsstudium in der Panteio-Universität in Athen. Mittlerweile lebt sie seit 1998 zusammen mit ihrer Familie in Deutschland. Ihr Beruf ist Buchhalterin, doch ihre Berufung ist, das Eintauchen in die geschaffene Fantasiewelt der Bücher.
Autorenpage: fb.me/a.musewald
Amazon: https://www.amazon.de/Anna-Musewald/e/B01L5U0B66

Sonntag, 23. Oktober 2016

Das Spiel des Lebens von Anna Musewald




Um Stefan zu retten, müssen Andreas, Kim, Harry und Thomas am Spiel des Lebens teilnehmen. Dieses Spiel ist jedoch Realität. Die Freunde wissen noch nicht, dass sie am Ende um ihr Leben spielen.
Erhältlich bei Amazon als E-Book und als Taschenbuch.

Leseprobe:

Der Junge öffnete langsam seine Augen, seine Lider waren schwer. Sein leerer trüber Blick schweifte zaghaft und gleichgültig durch den Raum. Er war alleine in einem Raum, der spärlich möbliert war: zwei eiserne Einzelbetten, zwei kleine Nachtschränkchen in denselben Farbmustern wie einige hölzerne Stühle, die nebeneinander auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes aufgestellt waren.
Er versuchte sich zu bewegen, doch das fiel ihm schwer. Sein Körper fühle sich erschöpft und kraftlos an, wie nach einem unruhigen Schlaf voller Alpträume. Langsam richtete er sich auf und stützte seinen Rücken mit dem Kopfkissen. Er seufzte so tief, als würde er versuchen, die ihm fehlende Kraft einzuatmen. Wo zum Kuckuck hatte er geschlafen, fragte er sich. Das war sicher nicht sein Bett, denn sein Bett war... es war ...
Dann bemerkte er die medizinischen Geräte, die wie schwere weiße Wolken über ihm schwebten. Seine Augen wurden groß vor Verwirrung. Ein Schauer lief ihm den Rücken hinunter, als er erkannte, dass er sich im Bett eines Krankenhauses befand. Sein Blick wurde wieder ängstlich und düster, seine Schläfen schmerzten vor Angst.
In seinem Kopf kreisten viele Fragen, die jedoch unbeantwortet blieben. Die wenigen Möbel, die ihn umgaben, standen leblos und apathisch da. Nur der übliche Duft von Medikamenten und Desinfektionsmittel, der sich unter dem Türspalt der geschlossenen Tür in das Zimmer schlich und schleichend in seine Nase drang, schien ein Indiz zu sein, dass es sich hierbei um ein Krankenzimmer handelte.
„Was ist passiert? Warum bin ich hier?“, fragte er sich, ohne einen Ton von sich geben zu können.
 Er versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, was ihm helfen würde, zu verstehen, doch seine schweigende Erinnerung schien noch tief und fest zu schlafen. Frustriert von ihrer Untätigkeit richtete er seine letzte Hoffnung auf sein Hörvermögen. Er hoffte darauf, verschiedene Geräusche aufzuspüren, die zur Beantwortung seiner ungeklärten Fragen führen würden. Doch auch sein Gehör scheiterte an der absoluten Stille, die im Zimmer herrschte.
Eine lange Zeit bewegte sich der Junge nicht, als würde er mit sich kämpfen, eine Entscheidung zu treffen. Plötzlich funkelten seine Augen und er befeuchtete seine trockenen Lippen mit seiner spitzen Zunge.
Stefan“, murmelte er. Es war so, als hätte die Feuchtigkeit seinen Lippen die nötige Kraft verliehen. „Stefan! Ist das vielleicht mein Name?“, überlegte er, und zum ersten Mal erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht.
Voller Motivation wartete er darauf, dass seine Lippen weitere Informationen oder Hinweise aussprachen. Er befeuchtete sie erneut, um ihnen wieder die nötige Kraft zu verleihen. Es passierte jedoch nichts. Dann biss er sich auf seine Lippen, aber das war wieder kein Erfolg. Sie blieben hermetisch verschlossen.
Sein schläfriges Gehirn störte ihn genauso wie die Tatsache, dass er nichts unternehmen konnte. Als ihm bewusst wurde, dass er sich im Krankenhaus befand, spürte er einen Stich in seinem Herzen. Es war nicht der Gedächtnisverlust, der ihn beängstigte, sondern die Angst davor, was ihm bevorstand, wenn sein Gedächtnis wiederkommen würde. Deshalb beschloss er, selber herauszufinden, was geschehen war.
Er stand auf, um so schnell wie möglich dieses angsteinflößende, stille Zimmer zu verlassen. Sein hoher, schlanker Körper stand blitzschnell fast von alleine, was ihn überraschte. Obwohl er sich noch hilflos und schwach fühlte, war sein Körper so leicht und schwerelos wie eine Feder, die frei in der Luft schwebte. Sein Kopf fühlte sich wie ein Ameisenhaufen an. So, als würden tausende verwirrte Ameisen ihren eigenen Weg in den Kanälen suchen.
Er schaute sich verwirrt die Sachen an, die er trug. Gehörten etwa dieses hippe T-Shirt und diese eng anliegende blaue Jeans ihm? Warum hatte man ihm erlaubt, die Kleidung im Krankenbett anzubehalten? Er fand dies äußerst merkwürdig, aber das würde ihn nicht davon abhalten, das Zimmer zu verlassen. Er machte ein paar hüpfende, fast tanzende Schritte und genoss die Leichtigkeit seines eigenen Körpers, bis sein Blick auf das Krankenbett fiel, wo er eben gelegen hatte.
Er erstarrte. Seine Augen waren weit geöffnet und richteten sich auf sein Krankenbett und den abscheulichen Anblick des blassen dort liegenden Körpers. Der Körper trug genau dieselbe Kleidung, die er selbst gerade trug. Wer war dieser schmale, blasse junge Mann, der dort lag und sich nicht bewegte? Die Verwunderung über dieses merkwürde Bild, das er jetzt vor Augen hatte, war groß; Die Angst, die sein Herz füllte, war noch größer und die Verwirrung in seinem Kopf war unbeschreiblich.
Auf der anderen Seite des Zimmers hing an der weißen Wand ein kleiner Spiegel. Dorthin lief er schnell und betrachtete sich in der glatten Oberfläche.
Schauer liefen über seinen Rücken, die Übelkeit und Schwindel verursachten. Er stand einige Zeit vor dem Spiegel und betrachtete sich wortlos. Sein Spiegelbild, das ihn jetzt ängstlich anschaute, war identisch mit dem des Jungen, der steif auf dem Krankenbett lag. Dieselben schwarzen glatten Haare, dieselben dichten Augenbrauen, dieselbe Blässe auf dem ovalen, schmalen Gesicht.
„Bin ich das? Wie kann es sein, dass ich hier stehe und gleichzeitig auf dem Bett dort liege?“, murmelte er erschrocken.
Er versuchte die traurigen, Angst einflößenden Gefühle, welche ihn zu überwältigen drohten,, wegzudrängen. Er schaute immer noch abwechselnd sein Spiegelbild und den starren Körper des Jungen an.
Was man nicht sehen kann, existiert nicht. Es existiert nicht! Nicht hinschauen. Schließ einfach deine Augen“, redete er sich selbst ein. Doch obwohl er seine Augen geschlossen hatte, verschwand seine Angst nicht.



Anna Musewald

Anna Musewald wurde in Griechenland geboren. Dort wuchs sie auf und absolvierte ein Wirtschaftsstudium in der Panteio-Universität in Athen. Mittlerweile lebt sie seit 1998 zusammen mit ihrer Familie in Deutschland. Ihr Beruf ist Buchhalterin, doch ihre Berufung ist, das Eintauchen in die geschaffene Fantasiewelt der Bücher.
Autorenpage: fb.me/a.musewald