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Sonntag, 8. April 2018

„Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln“ von Amanda Laurie



Klappentext:

Nach seinen Abenteuern im Süden Horizons kehrt Thronprinz Corin zurück nach Carbonn. Doch statt ein Fest anlässlich seiner Heimkehr zu planen, muss er mit König Bryant über die neuesten Entwicklungen beraten. Die Pläne des Großkönigs gefährden nicht nur das Leben der Bewohner Carbonns, auch der Frieden zwischen den Völkern Horizons droht zu brechen.
Bald wird deutlich, bloße Worte genügen nicht, um den Feind zu bezwingen. Schon befinden sich Prinz Corin, der König und ihre Verbündeten auf dem Weg nach Navretil zum letzten Kampf …

„Horizon – Zurück zu den Wurzeln“ ist der Abschlussband der Fantasy-Trilogie Horizon von Amanda Laurie.

Reihenfolge der Horizon-Romane:
Horizon 1: Aufbruch ins Ungewisse
Horizon 2: Fernab der Heimat
Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln

Wo ist das Buch erhältlich?
Das eBook ist erhältlich für 3,99 Euro, zunächst exklusiv auf amazon. Ab Herbst 2018 erscheint die komplette Trilogie auch bei Thalia, Weltbild & Co.
Das Taschenbuch gibt es überall im Buchhandel für 10,99 Euro (ISBN: 978-3-7460-9119-8).
  
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Leseprobe:

Auszug aus Kapitel 1

Als Corin den Stadtrand erreichte, hielt er erstaunt inne. Sein Vater hatte den Bau einer ausgedehnten Stadtmauer in Auftrag gegeben, die die ganze Stadt umschloss. Es schien ausgeschlossen, hier des Nachts um Einlass zu ersuchen und wohlwollend erhört zu werden.
Zielstrebig trat Corin an das schwere, verschlossene Tor. Einer der beiden Wachmänner hatte den Mantelkragen gegen den Wind hochgeschlagen und seinen Helm tief ins Gesicht gezogen, sodass von ihm lediglich der grimmige Zug um den Mund zu erkennen war. Der zweite Mann wirkte nicht so abweisend, seine Augen vermittelten eine Spur Neugier. An ihn wandte sich Corin.
»Seid gegrüßt! Ich ...« Bevor ihm mehr als ein Gruß entschlüpft war, versperrten ihm die Wachen mit ihren Lanzen den Weg. Diese Zurschaustellung fand Corin lächerlich, da das Tor verriegelt war, wie damals ein anderes Tor in der Festungsmauer, als er täglich auf eine Gelegenheit zum Entkommen gewartet hatte.
»Bis zum Morgengrauen bleibt die Pforte geschlossen. Geht Eures Weges, Fremder.«
»Ihr erdreistet Euch, mich abzuweisen?« Ein ungläubiges Lächeln umspielte Corins Mundwinkel. Er hatte nicht erwartet, bei seiner Rückkehr vor verschlossenen Toren zu stehen. Doch weder erinnerte er sich an diese beiden Männer, noch schienen sie zu wissen, wer vor ihnen stand. Entweder waren sie während seines Aufenthaltes in Carbonn auf einem auswärtigen Posten gewesen oder sie waren erst nach Corins Verschwinden in die königliche Garde aufgenommen worden.
»Ich erwarte, vor den König geführt zu werden«, forderte Corin unnachgiebig. »Sofort!«
Die Wachen blickten einander an, kurzzeitig wirkten sie ratlos. Dann sagte der Freundlichere von ihnen: »Der König ist derzeit für niemanden zu sprechen.«
»Glaubt mir, mich möchte er sehen. Ich bin sein Sohn. Sollte er je erfahren, dass Ihr mich nicht eingelassen habt, dann würde er sehr erbost reagieren.«
Ein Flackern in den Augen des einen Wachmannes zeigte seine Unsicherheit. Der Grimmigere von beiden hingegen musterte ihn abschätzig. »Wisst Ihr, was unser Kommandant mit Landstreichern tut? Er sperrt sie in den Kerker, bis sich die Ratten an ihnen satt gefressen haben. Wenn Ihr nicht sofort verschwindet, werdet Ihr dieses Schicksal teilen.«
Ratten? Kerker? Corin war irritiert. Obwohl er nun weiß, wer ich bin, droht er mir? Ist er des Lebens müde? Mit einem Schlag war seine Freundlichkeit wie weggewischt.
»Ich verlange, Euren Vorgesetzten zu sprechen. Sofort!«
»Kommt morgen wieder«, sagte der Freundlichere, der Ärger vermeiden wollte. »Dann werden wir sehen, ob der Kommandant Euch empfangen wird.« Allerdings schien auch er ihm seine Geschichte nicht zu glauben.
Vermutlich würde selbst ich an mir zweifeln, gestand Corin sich ein. Seine Kleidung hatte während des fünftägigen Fluges von Rowenia hierher arg gelitten. Peronimus und er waren in einen Herbststurm geraten. Obwohl sich Corin zeitweise unter Peronimus’ großem Körper vor Wind und Wetter hatte schützen können, stank er nach Tier, war durchnässt und verschmutzt. Seine Haare waren verfilzt und sein Auftreten vermutlich alles andere als vertrauenerweckend. Dennoch war es ihre Pflicht, seine Angaben zu überprüfen. Ärger flammte in ihm auf.
»Ich sagte, sofort!«
Es schien, als wollten sich die Männer mit ihm streiten. Doch plötzlich rief der Grimmige von ihnen zu den Zinnen hinauf nach Unterstützung.
Kurz darauf erblickte Corin auf dem Wehrgang ein Gesicht, mit dem er so bald nicht gerechnet hatte. Der Neuankömmling beugte sich über die Mauer und sah zu ihnen herab. »Was gibt es?«
Corin bezweifelte, dass der Mann ihn trotz des Fackelscheins aus der Entfernung erkennen konnte. Deshalb schlug er seine Kapuze zurück, die ihm vor dem kalten Wind geschützt hatte.
»Hier ist ein Reisender, der um Einlass begehrt. Meint, er müsse dringend den König sprechen.«
Bevor diese höhnischen Worte andere gegen ihn einnehmen konnten, rief Corin nach oben: »Einst wollte man mich nicht aus Carbonn fortgehen lassen. Heutzutage lässt man mich nicht mehr hinein? Die Zeiten haben sich wahrlich geändert.«
»Oh Mann! Corin? Bist du es? Das glaube ich nicht! Wo kommst du her? Und überhaupt ...« Die letzten Worte gingen in dem heftigen Treppab unter, als der Offizier den Wehrgang herabstieg. Es blieb ruhig, bis sich die Tür in dem doppelflügeligen Tor öffnete.
Der um sechzehn Jahre ältere Mann schaute ihm froh entgegen, die schmalen Lippen zu einem Lächeln verzogen. Obwohl seine Kleidung tadellos saß, erkannte Corin, dass er bis eben geschlafen haben musste, denn sein dunkles Haar stand wirr nach allen Seiten ab.
Corin fand als Erster seine Stimme wieder. »Patric Laurent, dass ich ausgerechnet deinen Schönheitsschlaf stören durfte, ist mir ein besonderes Vergnügen.«
»Noch genauso vorlaut wie früher. Das freut mich wirklich, Corin!« Sie fielen sich in die Arme. Für die nächsten Augenblicke beherrschte Lachen, Staunen und ungetrübte Freude den Platz vor dem Stadttor. Die Wachposten nahmen eine lockere Haltung an und beobachteten mit verdutzten Mienen die Willkommensbezeugungen.
Laurent hatte ihm vor knapp fünf Jahren das Leben gerettet, als Corin in einem Fluss zu ertrinken drohte. Später war er ihm mehrfach ein weiser Ratgeber gewesen und hatte sich zu einem Freund entwickelt, vor allem während der Zeit auf Burg Carbonn, als sich Corin – umgeben von einem ehrgeizigen Vater und einem missgünstigen Stiefbruder – einsam gefühlt hatte.
Patric Laurent musterte Corin ausgiebig, wobei sich seine Stirn in Falten legte. »Du siehst beschissen aus, Mann! Vollkommen durchweicht, ausgekühlt und halb verhungert.«
Corin nickte lächelnd. »Das trifft in etwa meinen Zustand. Verdreckt hast du vergessen. Daher war ich so erleichtert, mich im Dunkel der Nacht hereinschleichen zu können. Die beiden Männer hier hätten mir den Auftritt beinahe ruiniert.«
Patric Laurent wandte sich den beiden Wachen zu. Der kalte Wind schien ihm nichts anzuhaben. Die Uniform, die an seinem Körper saß, als wäre sie eine zweite Haut, und sein Auftreten ließen ihn erhaben wirken. »Habt ihr gewusst, wen ihr vor euch hattet?«, fragte er streng.
In dem folgenden Schweigen hätte man eine herabfallende Nadel hören können, so unangenehm war den Männern ihr Fehlverhalten. Der Grimmige schwieg, während sein Blick den Boden nach einem imaginären Grund absuchte, den diensthabenden Offizier nicht anzuschauen. Der Mund des anderen öffnete und schloss sich abwechselnd, als suche er nach Worten.
Corin wollte dieses Trauerspiel nicht länger mit ansehen. »Lass sein, Laurent. Ich trage eine gewisse Mitverantwortung. Vermutlich hätte ich auch keinem Fremden geglaubt, der dermaßen zerlumpt am Stadttor eintrifft.«
»Sie hätten es überprüfen müssen!«, beharrte Laurent und bestätigte damit Corins Auffassung. »Wenn ich etwas nicht weiß, dann suche ich jemanden, der es weiß.«
»Ich würde behaupten, das haben sie getan. Immerhin waren sie intelligent genug, dich um Rat zu fragen. Das sollte jedweden Fauxpas wieder zurechtrücken.«
Mit unzufriedenem Blick wandte sich Laurent Corin zu. »Vielleicht hast du recht. Dennoch ...«, er atmete tief durch, »… wohlmöglich könnte ihrem Gedächtnis das Entstauben der Gemälde in der Ahnengalerie auf die Sprünge helfen. Denn mag dein erster Eindruck lediglich dem eines Bettlers zur Ehre gereichen, so lassen zumindest deine Gesichtszüge keinen Zweifel an deiner Abstammung. Komm, Corin! Lass uns zur Feste hinaufgehen. Du solltest dich stärken, bevor du von der Obrigkeit verhört wirst.«
»Gegen ein heißes Getränk hätte ich keine Einwände.«
»Und ein Bad.«
Corin lachte laut. »Gewiss, Patric. Es tut mir leid, aber der Weg war weit, und zum Waschen fehlte mir mehr als nur die Zeit.«
»Das glaube ich dir gern. Sag, bist du wohlauf?«
Corin nickte.
»Ich bin froh, dich wiederzusehen. Damit hätte ich die nächsten Jahre nicht gerechnet.«
Schweigend passierten sie Häuserzeilen, deren Fensterläden dicht verschlossen waren. Dann führte sie der Weg durch Gassen, in denen sich ein Wirtshaus ans nächste reihte. Aus beinahe jedem Gebäude drang laute Musik oder Gejohle.
Letztlich stieg die Straße in Richtung des Hügels an, auf dem die Festung erbaut war. »In der Küche kannst du dich am Feuer wärmen und etwas Warmes zu dir nehmen. Es ist bereits nach Mitternacht, da wird kaum noch eine Magd auf den Beinen sein. Aber ich treibe schon etwas zu essen für dich auf. Und danach benachrichtige ich Durand.«
Corin stoppte, denn Laurents Worte hatten eine Frage aufgeworfen. »Was ist mit meinem Vater? Ich würde lieber mit ihm reden als mit Durand.«
Als Patric nicht sofort antwortete, erfasste Corin große Sorge. Er hätte es nie für möglich gehalten, zumal er nicht das beste Verhältnis zu seinem Vater pflegte. Sollte er zu spät gekommen sein? Was, wenn der König tot war? Wenn er den ganzen Weg nach Carbonn zurückgelegt hatte, nur um am Ende allein eine Entscheidung fällen zu müssen? Sein Herz pochte, und diesmal fragte er ungeduldiger: »Wo, bei allen Göttern, ist der König? Sprich doch endlich!«

Ende der Leseprobe

Autorenvita:
Amanda Laurie ist eine deutsche Autorin und lebt mit ihrem Mann und den Kindern in einem kleinen Dorf. Umgeben von viel Grün findet sie Zeit und Inspiration, ihre Geschichten niederzuschreiben.

Bisherige Veröffentlichungen:

Horizon 1: Aufbruch ins Ungewisse
Horizon 2: Fernab der Heimat
Horizon 3: Zurück zu den Wurzeln
Ein Hauch von Magie
Flucht durch die Wälder

Mehr Infos über die Autorin und ihre Bücher auf: www.amandalaurie.de


Sonntag, 8. Januar 2017

„Horizon – Fernab der Heimat“ von Amanda Laurie





Klappentext:

Die Flucht aus Carbonn endet für Thronprinz Corin ausgerechnet in einem Land, das schon vor Jahren der Krone abgeschworen hat. Inkognito schlägt er sich durch und landet schließlich beim Erzfeind seines Vaters.
Unerwartet erfährt er von einer geheimen Mission und ahnt, dass seiner Heimat und den Bewohnern Carbonns großes Unheil bevorsteht.
Soll Corin heimkehren, obwohl er sich geschworen hatte, endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen? Oder soll er stattdessen den lang ersehnten Neuanfang wagen?
Für welchen Weg er sich auch entscheidet, sicher ist nur, zuvor muss er ein waghalsiges Abenteuer bestehen …

„Horizon – Fernab der Heimat“ ist die Fortsetzung der Fantasy-Reihe für Leser ab 14 Jahren. Auch Teil 2 enthält wieder eine gelungene Mischung aus Abenteuer und Magie!

Bereits in dieser Reihe erschienen:
Band 1: Horizon – Aufbruch ins Ungewisse
Band 2: Horizon – Fernab der Heimat

Das eBook ist erhältlich für 3,99 Euro, z.B. bei amazon und bei Thalia.
Das Taschenbuch ist überall im Buchhandel erhältlich zum Preis von 10,99 Euro, z.B. Thalia
ISBN: 978-3-7412-9606-2


Leseprobe:

Ein riesiger Schatten huschte über den Baumwipfeln vorüber. Obwohl die Kreatur weit über ihm flog, erkannte er jedes Detail, begonnen bei dem großen Kopf mit scharf gebogenem Schnabel, über die ausladenden braun gefederten Flügel bis hin zum weiß getupften Schwanz. Dieses Ding sah aus wie ein Adler, besaß allerdings eine Größe, die man unmöglich einem Adler zuschreiben konnte. Und was Matthew am meisten irritierte, waren die rotbraunen Krallen, die etwas gepackt hielten. Er wollte ungern in Panik verfallen, aber dieses Etwas sah aus wie … ein Mensch.
Matthews Herz hämmerte, als wäre er mehrere Meilen gerannt. Er spürte es bis in seinen Hals schlagen.
Sogleich ermahnte er sich und schüttelte vehement den Kopf, als könnte allein dies das Gesehene auslöschen. Das kann unmöglich wahr sein! Hatte die Sonne zu sehr auf sein Haupt geschienen? Oder spielten die Augen ihm einen Streich?
Doch dann hörte er erneut den riesigen Adler rufen, vernahm die leiser werdenden Schläge seiner Schwingen. Ohne nachzudenken, rannte Matthew in die Richtung, in die der Vogel unterwegs war. Das musste er sich ansehen, ansonsten würde er ewig an seinem Verstand zweifeln. Erst nach ein paar Schritten fiel ihm ein, dass er etwas vergessen hatte. Fluchend kehrte er um, schnappte sich den Pilzkorb und stürmte erneut dem Vogel hinterher.
Während er über Äste und Baumstümpfe sprang und immer wieder an hervorstehenden Zweigen hängen blieb, hoffte er, sich nicht die Knochen zu brechen. Er durfte nicht innehalten, sonst würde der Vogel außer Sicht sein. Noch hörte er ihn und sah den sich langsam entfernenden Schatten über den Bäumen. Allerdings spürte er schon jetzt, wie ihm die Puste knapp wurde.
                                                      
Er hatte ihn verpasst! Von einem Moment auf den anderen war der Vogel verschwunden gewesen. Einfach weg! Als hätte er sich in Luft aufgelöst.
Matthew atmete mehrfach tief durch. Er hatte den Adler doch nur einmal aus der Nähe betrachten wollen. Sich vor allem vergewissern wollen, dass er nur normale Größe hatte und ihm seine Augen doch einen Streich gespielt hatten. Und er hatte eine natürliche Erklärung für das Bündel in den Krallen des Adlers finden wollen, denn, was er sich da eingebildet hatte, konnte nicht der Wahrheit entsprechen.
Gemächlich lief er das letzte Stück durch den Wald. Bald würde er zur Wiese gelangen, von wo es nur noch wenige Hundert Yards bis zu ihrem Haus waren. Matthew dachte an seinen Vater, der ihn sicher schelten würde, sobald er den Pilzkorb entgegennahm. Er würde zu Recht eine Erklärung erwarten für Matthews stundenlange Abwesenheit und den nur halbvollen Korb. Das, was er gesehen hatte, würde Matthew allerdings nicht erzählen können. Es sei denn, er wollte noch in ein paar Wochen damit aufgezogen werden.
Ein Vogelschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Matthew horchte auf und suchte mit den Augen die Umgebung ab. Vor ihm, nur durch wenige Stämme vom Waldrand getrennt, entdeckte er das Tier erneut. Es kreiste über der Wiese, stieß dabei laute Rufe aus, als wollte es Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Immer wieder zog der Adler seine Bahnen dicht über dem Boden, bevor er sich erneut in die Höhe schraubte und die Laute wiederholte.
Matthew erkannte seine Chance und beeilte sich, an den Waldrand zu gelangen. Er versteckte sich hinter einem Baumstamm und beobachtete den Vogel. Mehrmals kniff er die Augen zusammen, bevor er sich sicher war: Dieses Tier war riesig! Er hatte es sich also nicht nur zusammengesponnen. Doch wer hatte je von einem Riesenadler gehört?
Als der Vogel ein weiteres Mal über ihn hinwegflog, nahm Matthew seinen Mut zusammen und trat zwischen den Bäumen hervor. Das Gefieder glänzte in der Sonne dunkelbraun, es hatte hellere, mitunter aber auch dunklere Schattierungen. Ein paar wenige, fast weiße Federn schmückten den Schwanz und den Bauch und ließen den Vogel besonders erhaben erscheinen.
Noch während er den Flug verfolgte, bemerkte Matthew, dass etwas nicht stimmte. »Wo ist seine Last?«, murmelte er.
Mit einem Mal war die außergewöhnliche Größe des Adlers vergessen, auch die Gefahr, die womöglich von ihm ausging. Matthew blickte sich irritiert um. Aufgrund der Senken konnte er unmöglich die gesamte Wiese überblicken. Hatte der Vogel den Körper fallen lassen? Matthews Herz hämmerte in seiner Brust, als wollte es herausspringen. Einerseits wollte er eine Antwort auf seine Frage, andererseits fürchtete er sich vor der Entdeckung, die unweigerlich folgen musste.
Erneut stieß der Vogel hinab, nur um sich gleich darauf wieder in die Lüfte emporzuschrauben. Er kreiste über einer bestimmten Stelle, als wollte er sie markieren. Der Ort befand sich etwa hundert Yards von Matthew entfernt. Er überlegte nicht lange und rannte los.
Bevor er die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, entdeckte er weiter vorne etwas im Gras. Obwohl die Halme, die hier nicht allzu hoch wuchsen, einen Teil des Körpers verdeckten, erkannte Matthew sofort, dass es sich um einen Menschen handelte. In diesem Moment knickte er mit dem Fuß um und stürzte der Länge nach hin. Der Korb flog in hohem Bogen aus seiner Hand, dessen Inhalt verteilte sich über dem Boden.
Matthew blieb einen Augenblick benommen liegen. Dann hob er den Kopf, schüttelte ihn und spuckte Dreck, der sich beim Sturz zwischen seinen Lippen gesammelt hatte. Nachdem er sich auf die Beine gerappelt hatte, stieß er einen Fluch aus: Die Krustenpilze lagen weit verstreut. Egal, wie wertvoll sie waren, vorerst musste er sie zurücklassen. Matthew ignorierte den Schmerz in seinem Knöchel und stolperte weiter.
Als er den Fremden erreicht hatte, der sich nicht regte, kniete sich Matthew vorsichtig neben ihn. War er bewusstlos oder gar tot? Gebeugt über den reglosen Körper, horchte er nach einem Atemgeräusch und beobachtete dabei die Brust. Sie hob sich minimal. Zum Glück, immerhin lebte er!
Matthew betrachtete den Fremden besorgt. Dessen Gesicht war zerschunden, mehrere Kratzer zierten Wangen und Stirn, einer war nur knapp am Auge vorbei geschrammt. Über den rechten Wangenknochen zog sich eine dunkel verfärbte Schwellung. Der gesamte Körper war, soweit Matthew das erkennen konnte, übersät von Hautabschürfungen, Prellungen und Blutergüssen. Getrocknetes Blut hatte Spuren auf der Haut hinterlassen, aus einer Schnittwunde am Bauch sickerte noch immer Blut. Die Hose, das einzige Kleidungsstück, das der Fremde trug, war ebenfalls blutbefleckt und ließ vermuten, dass seine Beine in kaum einem besseren Zustand waren als der Rest seines Körpers.
»Offenbar hast du eine schwierige Reise hinter dir«, murmelte Matthew und fragte sich, wer der junge Mann sein mochte und welche Geschichte hinter seinem Auftauchen steckte.
Der Fremde trug keine Schuhe und hatte sich die Fußsohlen vermutlich an scharfkantigen Steinen und Pflanzen verletzt. Matthew betrachtete ihn, wie er vor ihm im Gras lag. Die wunden Füße waren wohl sein geringstes Problem. Der junge Mann trug kaum noch Leben in sich und konnte sich glücklich schätzen, dass Matthew ihn gefunden hatte. Er brauchte dringend Hilfe, und Matthew wusste sofort, wohin er ihn zu bringen hatte.


Autorenvita:
Amanda Laurie veröffentlichte bereits 2013 ihre beiden Kurzgeschichtensammlungen "Ein Hauch von Magie" und "Flucht durch die Wälder".
Mit dem Jugendroman "Horizon – Aufbruch ins Ungewisse" startete 2015 ihre neue Fantasy-Reihe.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Sachsen.
Am Rande eines kleinen Dorfes umgeben von viel Grün findet sie die Zeit und Inspiration, ihre Geschichten niederzuschreiben.
Im Dezember 2016 erschien der zweite Teil ihrer Fantasy-Reihe: "Horizon – Fernab der Heimat".
Ein dritter Teil ist bereits in Arbeit.

Mehr Infos über die Autorin und ihre Bücher auf: www.amandalaurie.de