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Sonntag, 15. November 2015

Vermisst - Abenteuerroman von Annie Enn






Exposé

„VERMISST“
Abenteuerroman ab 12 J.

„Nie aufgeben“ ist die Devise dieses Romans und soll jungen Lesern vermitteln, dass es sich lohnt, auch in einer nahezu aussichtslosen Situation zusammenzuhalten um gemeinsam mit Geduld und Ausdauer widrige Umstände zu meistern.

Der Roman besteht aus fünf Kapiteln und einem kurzen Nachsatz (Auf ins Abenteuer!/ Der Kampf ums Überleben/ Der Winter ist da!/ Am Fluss/ Oni schíwe!/ Nachsatz).

Inhaltsangabe:

Europa wird von einer Umweltkatastrophe heimgesucht. Auf Einladung einer russischen Jugendorganisation brechen 30 Kinder und sechs Betreuer in ein Sommerlager nach Sibirien auf. Sie kommen dort nie an.
Nach einer dramatischen Notlandung ihres Flugzeuges in der Tundra kämpfen sie – weit entfernt von ihrem Ziel und der Zivilisation - ums Überleben. Das Flugzeug und seine Passagiere gelten für viele Monate als vermisst.

Einige alte, verlassene Holzhäuser bieten den Gestrandeten Unterschlupf. Was anfangs einer Robinsonade gleicht, wird bald zu einer harten Prüfung. Mit viel Umsicht und Geschick bemühen sich die Erwachsenen um ein wenig Normalität im Alltag. Doch bald stoßen sowohl sie als auch die Kinder an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Nebenhandlungen erzählen vom schwierigen Leben in Europa, dem Hoffen und Bangen der Zurückgebliebenen, der Ratlosigkeit der öffentlichen Stellen und vom Aufbruch eines jungen Pädagogen durch die Wildnis, um Hilfe zu holen.

Aus der Gruppe sticht der 12-jährige türkischstämmige Mehmet hervor; ein praktisch veranlagter Junge, der heiklen Situationen meist mit Ruhe und Besonnenheit begegnet, dessen stürmisches Temperament aber doch fallweise durchbricht. Er wird zur unverzichtbaren Stütze der Erwachsenen.

Trotz Hunger, Verzweiflung, Krankheit und Kälte erleben die Kinder und ihre Begleiter immer wieder glückliche Momente: Man feiert Weihnachten, es wird musiziert und Mehmet erzählt von seinen Ferien in Anatolien.

Den Verantwortlichen der Gruppe und Mehmet verbindet bald eine enge Freundschaft. Als der Frühling naht und Fritz beim Fischen tödlich verunglückt, stürzt Mehmet in eine schwere Krise.

Nach neun Monaten stehen endlich die Retter vor der Türe. Russische Soldaten evakuieren die Vermissten, und nach einem Aufenthalt in einem Militärhospital darf die Gruppe zurück in die Heimat.

Erhältlich bei Amazon.



VERMISST
(Leseprobe)

Auf ins Abenteuer!

Das Dröhnen der Motoren war unangenehm und schmerzte in den Ohren. Die alte russische Militärmaschine kämpfte sich durch Wolkenberge und stemmte sich heftig gegen den Wind. Hell stand die Sonne am Himmel und ließ die vorbeiziehenden Wolken in glänzendem Weiß erstrahlen. Hie und da sackte die Maschine ab, wurde unruhig, und es schien, als zappelte sie ein wenig. Doch bald fing sie sich und der graugrüne Vogel erlangte seine alte Position wieder.
„Ich hab Scheißangst vor Russland“, sagte Mehmet zu seinem Sitznachbarn. „Meine Eltern haben mir erzählt, dass die Russen im Krieg Menschen gegessen haben.“
„Glaubst du, dass das stimmt?“ Entsetzt schaute Martin, der mit seinen neun Jahren das erste Mal ohne seine Eltern verreiste, den großen Zwölfjährigen an und seufzte: „Warum müssen gerade wir nach Russland? Andere sind nach Amerika und in die Türkei.“
„Nein, in die Türkei mag ich nicht, da war ich bei den Verwandten, total öde, sag ich dir. Dort durfte ich nicht einmal mit Mädchen sprechen, nur mit meinen blöden Cousinen. Nur mein Opa war super, der hat immer heimlich Bier getrunken. Das durfte ich auch manchmal, aber nur, wenn wir allein zu Hause waren. Und wenn Opa dann betrunken war, dann hat er seinen blöden, reichen Nachbarn durch den Zaun in den Garten gepinkelt.“
„Waaas? Der hat sich das wirklich getraut?“
„Klar, mein Opa hat vor nichts Angst, nur meine Oma fürchtet er, sagt mein Papa immer.“ Darüber mussten die beiden Buben hellauf lachen und vergaßen ihre Angst vor dem Unbekannten.
***
Zeitig am Morgen waren sie aufgebrochen. Auf dem kleinen Flughafen, in dessen angrenzender Kaserne sie die Nacht zugebracht hatten, stand eine kleinere Maschine zum Weiterflug in den Südosten Sibiriens bereit. Einige Kinder weinten und waren ängstlich. Viele waren zum ersten Mal in ihrem Leben von den Eltern, den Freunden und Geschwistern getrennt. Ein kleines Mädchen jammerte still und unglücklich vor sich hin, es hatte seine Katze zu Hause zurücklassen müssen, einem Zuhause, das sich in den letzten Wochen schrecklich verändert hatte. Die restliche Schar blickte traurig und verzagt und klammerte sich tapfer an ihre Rucksäcke.
Rucksäcke, Schachteln, Lebensmittelpakete und hölzerne Käfige mit ängstlich meckernden Ziegen und aufgeregt gackernden Hühnern waren soeben im Bauch des Flugzeuges verschwunden, als Fritz mit zwei Männern und einer Frau aus der Baracke, einer Art Abflughalle, heraustrat. Die vier waren sichtlich gut gelaunt und wandten sich Anna zu, die das Verladen der vielen Gepäckstücke aufmerksam beobachtete. Sie begrüßten sich überaus freundlich, wobei das Drücken und Küssen fast kein Ende nehmen wollte.
„Russische Freundschaften sind halt sehr innig“, sagte Alexandra, die mit Wolfgang die Szene beobachtete, und beide schmunzelten über die überschäumende Herzlichkeit, mit der die drei Russen Anna begrüßten. Es waren Fritz’ russische Freunde, Arbeitskollegen aus früheren Jahren, die der Gruppe den Aufenthalt so schnell ermöglicht, alle Behördenwege geebnet hatten, und die es sich nunmehr nicht nehmen ließen, ihre österreichischen und deutschen Freunde in Empfang zu nehmen und gleichzeitig zu verabschieden, bevor diese in das große Abenteuer aufbrachen.
***
Europa hatte sich verändert. Von einem Tag zum anderen war alles anders geworden.
Es war ein trügerisch schöner Sommertag, als über die österreichischen Rundfunk- und Fernsehstationen die Hiobsbotschaft verkündet wurde.
„Liebe Bürgerinnen und Bürger, wir unterbrechen unser Programm auf Grund einer Information des Bundesministeriums für Inneres. Vor einigen Minuten hat uns die Nachricht erreicht, dass sich in der Sahara, im Süden Algeriens, ein Unglück großen Ausmaßes ereignet hat. Um welche Art von Ereignis es sich tatsächlich handelt, darüber gibt es derzeit noch keine konkreten Angaben, die Informationen der verschiedenen Stellen sind zu widersprüchlich. Achtung, ich werde gerade unterbrochen, es kommt soeben eine neue Nachricht herein. Bitte, bleiben sie dran, ich habe die aktuelle Nachricht schon vor mir liegen.“
Der Radiosprecher unterbrach kurz, das Rascheln von Papier war zu vernehmen, eine Stimme im Hintergrund flüsterte aufgeregt, und der Tontechniker gab ein kurzes Kommando.
„Wir fahren fort. Das Bundesministerium für Inneres gibt bekannt, dass es sich wahrscheinlich um einen Meteoriteneinschlag handelt, in dessen Folge ein Erdbeben aufgetreten ist. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien spricht von einem Erdbeben der Stärke 7 auf der Richter Skala. Betroffen dürfte das Gebiet um die südalgerische Stadt Tamanrasset im Hoggargebirge sein. Eine riesige Sand- und Staubwolke zieht derzeit über Algerien und Libyen hinweg, die sich mit großer Geschwindigkeit in nördliche Richtung ausbreitet. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass kein Atomkraftwerk in der Region von dem Ereignis betroffen ist. Die Internationale Atomenergiebehörde mit Sitz in Wien teilte soeben mit, dass sich der Atommeiler Birine im Norden Algeriens außerhalb der Gefahrenzone befindet und seit Monaten außer Betrieb ist.“ Für einige Sekunden war es totenstill, dann setzte ernste Musik ein. Weitere Nachrichten folgten in unregelmäßigen Abständen.
***
Wie groß das Ausmaß der Katastrophe war, sollte sich noch herausstellen. Tatsache war, dass eine großflächige Sandwolke über Nordafrika hinwegstob. Regierungsvertreter baten eindringlich, Ruhe zu bewahren. Schon einige Stunden nach den ersten Nachrichten sprachen die Präsidenten der europäischen Staaten über das Fernsehen zu ihren Bürgern. Der deutsche Rundfunk berichtete, dass heftige Winde aus dem Südwesten der Sahelzone die Lage zusätzlich verschlimmerten und in absehbarer Zeit mit den Sandmassen über dem Mittelmeer und über Süditalien zu rechnen sei.


Wolfgang ging den Mittelgang entlang, er streichelte diesen und jenen Kopf und versuchte unablässig, die Kinder ein wenig aufzumuntern.
„Julia, komm, schau dir die schönen Wolken an.“
„Ich bin Ulli“, antwortete zaghaft die Kleine, deren Augen gerötet waren.
„Ach, Ulli, ich muss eure Namen noch lernen, aber das wird bald“, dabei kniff er sie ein wenig in die Wange. Die Kinder mochten Wolfgang vom ersten Augenblick an. Er wirkte trotz seiner neunundzwanzig Jahre wie ein großer Schuljunge. Kurz geschnittene strohblonde Haare, viele Sommersprossen und strahlend blaue Augen. Sein athletischer Körper verriet, dass er viel Sport betrieb. Wolfi, wie sie ihn bald nannten, scherzte gerne und war immer guter Laune.
Das Flugzeug schaukelte, die Motoren dröhnten und die Luft in der Kabine wurde stickig. Einige Kinder mussten sich übergeben, viele weinten und die Betreuer hatten alle Hände voll zu tun, die Kleinen zu beruhigen. Trotz der heftigen Turbulenzen waren sie auf den Beinen und hielten sich mit aller Kraft an den Lehnen fest, während sie die Kinder notdürftig mit Tüchern säuberten.
Fritz torkelte auf dem Weg zur Pilotenkanzel durch den Gang. Die Maschine mit ihrer kostbaren Fracht von sechsunddreißig Passagieren war jetzt schon gut zweieinhalb Stunden in der Luft. Die Tür zum Cockpit war offen und klapperte fast unentwegt; daher konnte man gelegentlich die beiden Piloten sprechen hören, aber außer Fritz und Alexandra verstand sie niemand. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Die Rufe, Kommandos und Fragen des ersten Piloten wurden zunehmend lauter und energischer. Lautes Knacksen war zu vernehmen, aber keine Antworten.
Alexandra war knapp hinter Fritz getreten, der in der klapprigen, verbeulten Metalltür stand und auf den Piloten einredete. Plötzlich war es ganz still in der Kabine geworden, nur das tiefe Brummen der Motoren war zu hören. Alle Augen waren auf Fritz und Alexandra gerichtet, die, wie es schien, mit den Piloten aufgeregt diskutierten.
Fritz mit seinen dreiundsechzig Jahren sprach perfekt Russisch. Er hatte als Bauingenieur lange Jahre in der Sowjetunion, auch für europäische Firmen, gearbeitet. Alexandra versuchte sich in Schulrussisch, das sie in der Handelsakademie erlernt hatte, bevor sich die nunmehr Sechsundzwanzigjährige zur Pädagogin hatte ausbilden lassen. Jetzt schüttelte sie den Kopf und kämpfte sich mit den Armen rudernd auf ihren Platz zurück, während Fritz weiterhin mit der Besatzung diskutierte.
Schließich kehrte auch Fritz auf seinen Platz zurück. Leise und eindringlich redete er auf seine Frau Anna ein, die ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Fritz hielt Annas Hand, die heftig zitterte.
Johanna und Irene, die beiden österreichischen Betreuerinnen, waren beunruhigt. Was war denn los? Sie hatten sich vor Fritz aufgebaut. Fritz’ Stimme bebte. Die Bordinstrumente seien ausgefallen, und eine Orientierung sei deshalb im Moment nicht möglich.
„Ich bitte euch: Sorgt dafür, dass unter den Kindern keine Panik ausbricht, das können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen. Es wird sicher gutgehen, die Piloten sind erfahrene Männer, die auch die Gegend gut kennen.“
Die beiden jungen Frauen bestürmten Fritz mit Fragen. Er vertröstete sie und bat, die Kinder abzulenken und etwas aufzuheitern. Ein schwieriges Unterfangen in der angespannten Situation. Johannas Stimme zitterte beim Sprechen und sie fühlte plötzlich, wie ihre Knie zu schlottern begannen. Ermattet ließ sie sich auf einen freien Sitzplatz niederplumpsen und bemühte sich, Fassung zu bewahren. Angestrengt blickte sie aus dem winzigen Fensterchen auf vorbeirasende, graue Wolkenfetzen, krallte ihre Finger in den steifen Plastikbezug und versuchte sich abzulenken. ‚Nur jetzt nicht schlapp machen‘, schoss es ihr durch den Kopf.
Kopilot Georgi, ein kräftiger Mann mit kohlrabenschwarzem Haar und donnernder Stimme, erschien im Türrahmen und winkte Fritz mit einer ausladenden Handbewegung heran. Ein Rufen war wegen des Motorenlärmes nicht möglich, so fuchtelte Georgi aufgeregt mit seinen Armen in der Luft herum, um auf sich aufmerksam zu machen. Dies war unnötig gewesen, denn alle Augen klebten ohnedies an der Tür zur Pilotenkanzel. Fritz kämpfte sich wieder nach vorne und erhielt Anweisungen von Georgi, der gleich nach der kurzen Unterweisung die Tür hinter sich schloss.
Fritz, ein Mann, den nichts so leicht erschüttern konnte, kehrte grau im Gesicht an seinen Platz zurück. Er winkte mit einem Fingerzeig Wolfgang, Alexandra, Johanna und Irene zu sich und Anna heran.
„Kinder, wir sind in einer ganz blöden Situation“, dabei schluckte er heftig und fuhr leise, fast flüsternd, fort: „Die Geräte streiken, und der Sprit wird nicht mehr lange reichen“, wobei er ratlos in die sorgenvollen Gesichter der Umstehenden blickte.
„Soll das heißen, dass …“, sprudelte es verzweifelt aus Johanna hervor.
„Ja“, unterbrach Fritz schnell, um Johannas Frage, die nichts Gutes befürchten ließ, zuvorzukommen.
„Der Pilot wird versuchen, bei nächster, günstiger Gelegenheit zu notlanden. Die Wälder haben sich ein wenig gelichtet und ab und zu hat er Kahlstellen und Wiesen ausgemacht, da wäre das Landen möglich.“
„Ich habe Angst“, jammerte Irene, die Jüngste der vier Betreuer.
„Ich auch“, stimmten die anderen zaghaft ein.
„Bitte, geht und sagt den Kindern, dass es bald kräftig rumpeln wird, sie sollen sich fester anschnallen und versucht, sie auf jeden Fall ruhig zu halten.“
Das Schicksal mischte jetzt ihre Karten. Die Angst stand jedem von ihnen ins Gesicht geschrieben. Bleich und machtlos standen sie da. Niemand hatte noch Fragen an Fritz und wenn, dann fühlten sie, dass dieser keine Antworten haben würde.
Anna war die ganze Zeit über still dagesessen, ihre Hände im Schoß gefaltet; es schien, als betete sie. Jetzt nahm sie Fritz’ Hand und flüsterte ihm zu: „Fritz, wenn jetzt alles aus ist, dann sage ich dir noch schnell, wie sehr ich dich immer geliebt habe.“ Und fast lautlos fügte sie hinzu, mehr an sich als an ihren Mann gerichtet: „Auch das noch, als hätten wir in den letzten Wochen nicht schon genug gelitten.“
Dann schlug sie ihre zitternden Hände vor das tränennasse Gesicht.
Es dauerte nicht lange, bald stellten sich Kopf– und Ohrenschmerzen bei den Passagieren ein. Die Kinder jammerten, einige erbrachen sich und die Erwachsenen hielten sich die Hände an die Ohren und bemühten sich, den Kindern ihre Angst zu verbergen. Wolfgang hatte bei allen Fenstern vorsorglich die Rollos heruntergezogen, sodass kein Licht von außen in das Innere der Kabine dringen konnte. Die Innenbeleuchtung war schon vor einigen Minuten erloschen. Jetzt saßen sie festgezurrt im Dunkeln und zitterten einem ungewissen Schicksal entgegen. Die Motoren brüllten, die Tür zur Pilotenkanzel knarrte und ächzte. Endlos lange Minuten verstrichen, bis es kräftig rüttelte. Die Insassen wurden auf ihren Sitzen hin- und hergerissen, die Maschine schlingerte, hob und senkte sich wieder, das Metall der Wände knarrte und winselte. Ein furchtbarer Druck presste die verängstigten Passagiere in ihre Sitze, und die Gurten schnürten sich in deren Körper.
Die Angst lähmte alle, nur ein Kind schrie auf. Die anderen verharrten angespannt in ihren Sitzen. Einige von ihnen hingen reglos in den Gurten, sie waren ohnmächtig geworden. Das heftige Schlingern hatte aufgehört, jetzt rumpelte das Flugzeug über einen unebenen Landeplatz dahin. Noch bevor die Passagiere aufatmen und Zuversicht schöpfen konnten, spürten sie einen kräftigen, dumpfen Schlag. Die Maschine bebte noch einen kurzen Augenblick, bevor sie endgültig zu stehen kam. Bleierne Stille legte sich über das gestrandete Gefährt; Sekunden vergingen, dann riss Pilot Fjodor die Cockpittür auf, die quietschte und knarrte, als müsste sich das soeben Überstandene mit einem Male lauthals bemerkbar machen.
Fjodor stand breitbeinig in der Tür und rief etwas in die erstarrte Menge. Hinter ihm machte sich der stattliche Georgi breit und grinste über das ganze Gesicht. Fritz sprang auf und stürzte unsicher auf die beiden zu, die drei umarmten sich lange und stürmisch. Langsam erhob sich auch die kreidebleiche Anna aus ihrem Sitz und torkelte ihrem Mann entgegen, der sie wortlos in seine Arme schloss.


VITA
Die Österreicherin lebte mehr als zweieinhalb Jahre in Mittelamerika und Asien und kam in der Einsamkeit zum literarischen Schreiben. Sie verfasste und illustrierte auch Kurzgeschichten, Lyrik und beschrieb ihre Reiseerlebnisse.

Sonntag, 26. April 2015

„Horizon – Aufbruch ins Ungewisse“ von Amanda Laurie




Klappentext:

Nachdem er fernab der Heimat erzogen wurde, wird der sechzehnjährige Königssohn Corin von seinem Vater an den Hof nach Carbonn beordert. Widerwillig fügt er sich dieser Entscheidung.
Doch fühlt er sich auf Burg Carbonn nicht wohl. Selbst das Zusammensein mit seinem älteren Bruder ist für ihn eine Herausforderung, da beide nicht unterschiedlicher sein könnten.
Indes verfolgt der König Pläne, die auch das Schicksal seiner Söhne mit einschließen. Denn das magiebegabte Volk von Lindoras ist seiner Familie noch einen Gefallen schuldig, und diesen möchte er endlich einfordern.
Als Corin schließlich von seiner besonderen Gabe erfährt, steckt er bereits mitten in einem großen Abenteuer, bei dem auch Riesenadler eine Rolle spielen …

„Horizon – Aufbruch ins Ungewisse“ bietet auf 380 Seiten eine gelungene Mischung aus Abenteuer und Magie. Es ist der Auftakt zur neuen Fantasy-Buchreihe von Amanda Laurie für Leser ab 12 Jahren.

ISBN: 3734768195
Erhältlich als Taschenbuch bei amazon.de, Taschenbuch bei thalia.de und E-Book bei amazon.de


Leseprobe

Ein riesiger Schatten legte sich über die kleine Gruppe. Corin erstarrte. Seine Augen weiteten sich entsetzt. Nie im Leben hätten sie allesamt Platz hier oben! Aber selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sich jetzt nicht mehr fortbewegen können. Zu schockiert war er aufgrund des Anblicks. Er sah eine Menge Federn, zwei braune Flügel, kräftige behaarte Beine mit scharfen Krallen – und dann, wie der riesige Körper des Tieres zwischen ihnen zur Landung ansetzte.
Der Vogel legte die Flügel an, hielt den Kopf schräg und schien die Eindringlinge zu mustern, die es gewagt hatten, seinen Horst zu betreten.
Corin hielt den Atem an, immer noch unfähig, sich zu bewegen, und starrte den Neuankömmling an.
»Was geht hier eigentlich vor?«, wisperte er, in der Hoffnung, keines der Tiere aufzuschrecken.
»Das ist Peronimus, der König der Adler.«
Als sei damit alles geklärt, wandte sich sein Vater an den Vogel neben sich. »Peronimus, sei auch du gegrüßt.«
Ein leises Klackern seines Schnabels, dann beobachtete der Vogel Corin. Bryant lehnte währenddessen mit seiner Stirn am Kopf von Abernath, der leise, keckernde Laute von sich gab.
Wie konnte sein Vater so nah an den wilden, gefährlichen Vogel herantreten? Wieso ließ sich ein Raubvogel überhaupt solche Berührungen gefallen? Corin hätte viel eher erwartet, dass das Tier mit einem Schlag seiner Schwingen ihr Leben beendet hätte. Stattdessen klang der Vogel zufrieden und schien die Streicheleinheiten zu genießen.
Corin traute seinen Sinnen nicht. »Was sind das für Tiere? Ihre Größe ist doch nicht normal!«, wisperte er.
Erst jetzt schien sich Bryant zu entsinnen, dass er nicht alleine war. Stolz betrachtete er seinen Sohn.
»Das ist ein Teil deines Erbes, Corin.«
Corin runzelte die Stirn. Er verstand nicht. Das waren Vögel. Bei näherer Betrachtung gar keine so hässlichen, wie er ursprünglich geglaubt hatte. Das braune Gefieder glänzte, stellenweise stachen bei dem einen an den Flügelenden sowie am Bauch helle, fast weiße Federn hervor. Dennoch hatten die Vögel nichts gemein mit einem Menschen. Wie konnten sie Teil seines Erbes sein?
Bryant schmunzelte. »Was glaubst du denn, wie das Wappen der Bryants entstanden ist?«
Corin versuchte, sich zu erinnern, was er darüber gehört hatte. Von irgendeinem Vorfahr war die Rede gewesen, großer Gefahr, irgendeiner Sage. Er hatte nicht genau zugehört, denn er konnte sich erinnern, dass dies eine der Unterrichtsstunden gewesen war, in denen Raoul ihn geärgert hatte. Da war er eher beschäftigt gewesen, diesem unauffällig Konter zu bieten ... und ihm nach der Stunde mit seinen Fäusten das Maul zu stopfen.
Doch diese Antwort würde Bryant nicht erfreuen. Deswegen beschränkte Corin sich auf: »Keine Ahnung. Sicher werdet Ihr es mir gleich verraten.«
Unzufrieden blickte Bryant auf ihn herab.


Über die Autorin:

Amanda Laurie veröffentlichte bereits 2013 Kurzgeschichten in ihren Sammlungen „Ein Hauch von Magie“ und „Flucht durch die Wälder“.
Mit dem Jugendroman „Horizon – Aufbruch ins Ungewisse“ startet ihre neue Fantasy-Reihe.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Sachsen. Am Rande eines kleinen Dorfes umgeben von viel Grün findet sie die Zeit und Inspiration, ihre Geschichten niederzuschreiben.
Derzeit arbeitet Amanda Laurie an der Fortsetzung zu „Horizon“.

Mehr Infos über die Autorin und ihre Bücher auf: www.amandalaurie.de