Posts mit dem Label Jugendbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jugendbuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 31. März 2019

Orianas Vision von Jutta Schönberg




Klappentext

Oriana, die junge Hexe von Ossian, hat eine Vision. Sie sieht, wie sich eine große Dunkelheit aus alten Zeiten vom Meer her über das Land senkt und alle Menschen vernichtet. Sie prophezeit aber auch sieben Reiter, die gegen das Verhängnis kämpfen.
Auf einem Bankett des Königs wählt Oriana ihre sechs Mitstreiter. Der Geschichtenerzähler Joel und sein ehemaliger Schützling Erwenk sind dabei.
Einen Hinweis kann Oriana noch geben. Im Traum erscheint ihr drei Mal die Schlange Krah, die oberste Gottheit der Hexen von Ossian, und spricht: »Folgt der Spur des Einhorns!« Aber wie sollen die sieben Kämpfer dieses Fabeltier finden? Und was bedeuten die geheimnisvollen Zeichen, die ihnen auf ihrem Weg begegnen?
(Keine Kenntnis der ersten beiden Bände erforderlich)


Erhältlich bei Amazon


Leseprobe

Herein traten zwei weibliche Gestalten in türkisfarbenen Umhängen, die bis zum Boden reichten. Die Kapuzen hatten sie tief ins Gesicht gezogen. Ein Ruck ging durch Joel und er richtete sich alarmiert auf, denn in einer der Gestalten erkannte er die Frau wieder, die er im Spiegel in der Schatzkammer des Königs erblickt hatte. Auch auf ihrer Kapuze, wie der ihrer Begleiterin, prangte eine gestickte, goldene Schlange.
»Zwei Hexen von Ossian«, rief Alek erstaunt aus. »Wo kommen die denn her? Ich dachte, die seien längst verschwunden.«
»Zwei Hexen von Ossian!« Der ältere Priester des Balialo quiekte fast vor Entsetzen. »Sie wollen uns verzaubern und durch ihre Schönheit verliebt machen und zur Sünde verführen. Schau nicht hin!« Er riss sich und seinem jüngeren Begleiter die Kapuzen über die Köpfe. Er faltete die Hände, senkte die Augen darauf und bewegte die Lippen. Wahrscheinlich betete er.
»Stellt euch nicht so an«, sagte Alek verärgert. »Sie sind völlig harmlos. Ein Großteil ihrer Zauberei beruht auf Täuschung und dem geschickten Ausnützen natürlicher Phänomene, wovon sie allerdings ein beachtliches Wissen haben. Nur eure Angst macht euch zugänglich für solches Hexenwerk.«
(…)
Die eine Frau schlug ihre Kapuze zurück. Sie enthüllte glänzendes kastanienbraunes Haar, das ihr glatt bis auf die Schultern fiel. Ihr Gesicht war schmal und oval, die Nase und das Kinn sprangen scharf hervor. Ihr Mund war breit, mit schmalen Lippen. Am bemerkenswertesten waren ihre Augen. Sie waren innen von einem hellen, durchscheinenden Grau, das gegen das Weiß von einem beinahe schwarzen Kranz begrenzt wurde. Joel konnte nicht sagen, ob es die schönsten oder die hässlichsten Augen waren, die er je gesehen hatte.
»Seid gegrüßt, König Teldek von den Mittleren Ländern«, sprach Elexia. »Und auch Ihr, hohe Gäste.« Elexia wies auf ihre Begleiterin, diejenige, die Joel im Spiegel gesehen hatte. »Und dies ist Oriana, die Perle unserer Gemeinschaft.« In Elexias Stimme war etwas, das die Spannung auf den Höhepunkt trieb. Oriana schlug ihre Kapuze zurück. Ein Raunen ging durch die Gästeschar. Es galt der unbestreitbaren Schönheit dieser jungen Frau, die gerade frisch dem Mädchenalter entwachsen war. Auf ihren makellosen Wangen waren die Rundungen der Kindheit noch zu ahnen. Die Flügel der fein geschnittenen Nase bebten wie in einem leisen Windhauch. Ihre großen Augen waren von einem tiefen Blau, beinahe violett. Ihre Haut strahlte einen leichten Schimmer aus wie die wertvollsten Perlen. All das wurde aber vollendet in dem goldenen Haar, das auf komplizierte Weise geflochten und zu einer Art Krone zusammengesteckt war. Sie müsste die Königin sein, schoss es Joel durch den Kopf. Nicht einmal Lene kam mit einer solchen Schönheit mit.
(…)
Oriana hob die Arme bis zu ihrer Mitte und machte mit ihnen eine wellenförmige Bewegung. Dann formte sie sie als hielte sie eine Schale. Ihr Blick wurde starr und abwesend.
»Ich sah ...« So verschleiert Orianas Augen auch waren, ihre Stimme war klar – und zauberhaft. »Ich sah, wie eine große Dunkelheit sich erhob. Sie kam von alten, fernen Zeiten. Vom Meer her erhob sie sich und verdüsterte den Himmel. Die Dunkelheit zog heran und erreichte das Land. Ich sah, wie das ganze Land sich verdunkelte. Und die Menschen sanken dahin und wanden sich in Schmerzen. Männer, Frauen, Kinder schrien auf, aber ihre Schreie konnten sie nicht retten. Alle Menschen starben unter der großen Dunkelheit.«
Oriana senkte den Kopf. Die Gäste des Königs hielten den Atem an. Das konnte, das durfte doch noch nicht alles gewesen sein. Die Blicke hefteten sich hoffnungsvoll auf Orianas Arme, die sich noch nicht gesenkt hatten. Und tatsächlich hob die junge Hexe den Kopf wieder und lenkte ihre Augen nach oben zur Decke.
»Ich sah ...«, fuhr Oriana fort »… ich sah erneut, wie sich die Dunkelheit über das Meer erhob und gegen das Land lenkte. Doch diesmal sah ich sieben Reiter über das Land heranpreschen.
Sie hoben ihre Fäuste. Ich sah sie, wie sie gegen die Dunkelheit vordrangen. Ich hörte eine Stimme sagen: Sieben werden gehen, sieben werden zurückkehren.«
Oriana hielt inne. Dann senkte sie langsam die Arme und schloss die Augen.
(…)
Wieder machte Oriana mit ihren Armen die wellenförmige Bewegung und ihre Augen verschleierten sich. »Mir träumte, die große Schlange Krah kam zu mir. Sie richtete ihren Körper auf und züngelte. Daraufhin hörte ich die Worte: ›Folgt der Spur des Einhorns!‹ Dreimal träumte mir so und dreimal sprach die Schlange Krah zu mir: ›Folgt der Spur des Einhorns!‹« Oriana ließ die Arme sinken und schloss erschöpft die Augen.
Joel staunte. Die Schlange Krah war ein Teil des Glaubens der Alten Zeit vom Ursprung der Welt und der Menschheit. Krah und ihr Gatte Brah erschufen in einem Wettkampf das All, die Erde, mit allem, was darauf kreuchte und fleuchte, und schließlich die Menschen, bis der eifersüchtige Brah die Schlange erschlug und sich in seiner Trauer in eine dunkle Höhle zurückzog. Noch heute drohte man unartigen Kindern, sie würden in Brahs Höhle enden. Sie galt als das Sinnbild der Dunkelheit, Kälte und Hoffnungslosigkeit schlechthin.
  
Autorenvita

Jutta Schönberg ist promovierte Germanistin und lebt in Tübingen. Weiterbildung als PR-Referentin. Anschließend verschiedene Tätigkeiten, u. a.: Redakteurin für das Presseamt der Universität Tübingen, Projektkoordinatorin für die kommunale Frauenbeauftragte und PR-Beraterin. Wissenschaftliche und journalistische Publikationen. Derzeit freie Autorin und Redakteurin. Seit 2009 Veröffentlichung mehrerer Kurzgeschichten, vor allem im fantastischen Bereich, aber auch in anderen Gebieten. Zweiter Platz beim Frederic-Brown-Award 2009 mit „Zwei Spaziergänger“. 2016 Veröffentlichung von „Erwenks Entdeckung”, „Joels Probe” und „Orianas Vision” (E-books), den ersten drei Teilen einer Fantasyromanreihe mit dem Titel „Joels Lieder”. Mitglied der Tübinger Autorengruppe 'LiteRatten'.
Mehr Informationen unter www.jutta-schoenberg.de.

Sonntag, 13. August 2017

„Koralle und Knochen“ von Tiffany Daune

Übersetzerinnen: Eva Markert und Christina Löw

Originaltitel: „Coral and Bone (The Siren Chronicles Book 1)“

Klappentext:
Halen weiß, dass die Funken, die sich unter ihren Fingerspitzen entzünden, gefährlich sind. Ihr ganzes Leben hat sie versucht, das Prickeln zu unterdrücken, das sie Sachen zerstören lässt. Doch jetzt, als sie wieder in Rockaway Beach ist, wo sie zusehen musste, wie ihr Vater ertrank, lassen sich die Flammen nicht mehr zügeln.
Halen bemüht sich, die Kontrolle zu behalten. Aber dann verschlägt es sie in eine mysteriöse neue Welt – in das Unterwasserreich Elosia. Dort kommt sie hinter die Geheimnisse ihrer Vergangenheit und kann die Funken nicht mehr zurückhalten. Während sie Elosia erkundet, erfährt sie, dass ihr bisheriges Leben eine Lüge gewesen ist. Und als diejenigen, die sie getäuscht haben, sie um Hilfe bitten, muss Halen sich entscheiden: Lässt sie all das hinter sich oder entfesselt sie die Magik, die sie alle vernichten könnte?
Erhältlich bei Amazon
Leseprobe:
Kapitel 1

Gegen ihre neue Angewohnheit, sein schiefes Lächeln zu zeichnen, kam Halen nicht leicht an. Während sie die Blätter in ihrem Heft umwendete, starrten die grauen Augen des Jungen zurück – fast hundert Zeichnungen in drei Monaten. Sie schlug eine leere Seite auf, ohne sich darum zu kümmern, ob der Lehrer es bemerkte, und setzte die Spitze ihres Bleistifts aufs Papier. Als sie die Augen schloss, wusste sie, dass der Junge da sein würde. Er ließ sie nie warten.
Sein Gesicht tauchte plötzlich vor ihr auf. Seine Stirn war gefurcht, die Lippen hatte er zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Ihre Fingerspitzen sprühten Funken und als sie die Augen öffnete, hatte ihre Hand bereits sein kantiges Kinn gezeichnet. Halen skizzierte ihn schnell. Sie war vertraut mit seinen hohen Wangenknochen, unter denen sich Grübchen zeigten, wenn er lächelte. Sie wusste auch, dass eine Seite seines Kiefers eher ein bisschen rund als eckig war und seine Nase sich ganz leicht krümmte, als ob sie mal gebrochen und nicht sachgemäß gerichtet worden wäre. Seine Unvollkommenheiten ergaben Vollkommenheit.
Als sie seine Augen mit kohlschwarzen Schatten umrandete, sehnte sie sich danach, in die Seite zu steigen und ihn zu fragen, was ihn bedrückte. Sie hatte so viele Fragen an ihn. Während sie mit den Fingerspitzen über seinen Mund fuhr, biss sie sich auf die Lippen. Wenn du doch – wenn du doch real wärst.
Halen hatte den geheimnisvollen Jungen zum ersten Mal am Morgen des Umzugs gezeichnet. Nach Rockaway Beach zurückzukommen, war ein Albtraum; deshalb fürchtete sie das Schlimmste, als sie aus einem Schlaf erwachte, in dem sich das Gesicht des Jungen auf die Innenseite ihrer Lider eingebrannt hatte, und sich Funken an ihren Fingerspitzen entzündeten. Sie wusste, dass diese Funken eine Warnung bedeuteten. Ihr ganzes Leben lang hatte sie gegen die züngelnden Flammen angekämpft. Es hatte mehr mit dem Jungen auf sich, als sie zugeben wollte. Es hatte auch mehr mit Rockaway Beach auf sich, als sie bereit war, sich einzugestehen.
Der Junge lächelte wissend.
Als ob es dich kümmern würde. Mit einer ausladenden Handbewegung zeichnete sie einen langen Zwirbelbart unter seine Nase. Dann riss sie die Seite aus dem Heft und zerknüllte sie. Sofort wurden ihre Handinnenflächen so warm, als hielte sie einen heißen Stein. Doch sie wusste, dass diese Hitze aus ihrem Innern kam.

Über die Autorin:
Tiffany Daune
schreibt Geschichten über Magik, Liebe und dunkle Kreaturen, die in den Schatten lauern. Sie ist die Autorin von Surface und der Reihe The Siren Chronicles. Wenn sie nicht tief ins Reich des Überarbeitens entschwunden ist, liest sie ein Buch von ihrem turmhohen Stapel ungelesener Bücher oder entspannt sich, indem sie mit ihrer Familie zusammen Filme anschaut. Sie lebt auf einer Insel im Pazifischen Nordwesten umgeben von Meerjungfrauen, die viel freundlicher sind als die in ihren Büchern.

Sonntag, 17. April 2016

Sinas Pferdeabenteuer von Sarah Lee

Klappentext:
 
Sina - Sammelband, Teil 1 - 3
Erlebt mit, welch spannende Abenteuer der Teenager Sina erlebt.
Fast immer mit dabei sind ihre Freunde, Klassenkameradin Reena und der aufstrebende Jungspringreiter Josef.
Das sind ihre ersten drei Abenteuer um ...
- ein verwahrlostes Pony im Schrebergarten
- geheimnisvolle Hufspuren im Watt
- eine scheue Araberstute, deren Vertrauen es zu gewinnen gilt.
Erhältlich bei Amazon als E-Book und als Taschenbuch.
  
Leseprobe:
 
Kapitel 1

„Ach Mann, macht euren Kram doch alleine!“, fluchte Sina und warf die Forke wütend auf den Boden.
Scheppernd fiel das Utensil auf den dunklen Stein der Stallgasse. Eines der Pferde in den Ställen erschrak so sehr, dass es ein hysterisch-erbostes Wiehern ausstieß.
„Ich weiß echt nicht, wo dein Problem ist?“, fragte Marina, eine blonde Sechzehnjährige, die ihren Haflinger Marino sattelte.
„Ich soll jede Woche die Stallgasse saubermachen und ihr reitet nur. Das geht nicht.“ Mit funkelnden Augen starrte Sina Marina und ihre Freundin Belinda an. Beide gingen auf das Gymnasium und bildeten sich besonders viel ein. Aber Sina schwor sich, ihnen heute die Stirn zu bieten. „Ihr seid an der Reihe mit Fegen.“
„Ja nerv' doch nicht!“, lachte Belinda und trat herausfordernd einen Schritt auf Sina zu. In ihrer rechten Hand hielt sie einen dicken Strick. Ihre Fuchsstute wurde scheu und trat zurück.
Sina zuckte zusammen, als das große Mädchen einen weiten Schritt auf sie zumachte und erwartete, von ihr zu Boden geschubst zu werden. Aber sie schwor sich, trotzdem die Stellung zu halten, nicht aufzugeben.
Belinda wandte sich von Sina ab und ihrem Pferd zu, zog brutal am Strick und schlug gegen die Nüstern. „Du dummes Tier, sei gefälligst ruhig!“, blubberte sie die Stute trotzig an.
In Sinas Brustkorb zog sich das Herz zusammen, so sehr schmerzte sie der Anblick des zurechtgewiesenen Tieres, das sich nicht gegen die grobe Hand seiner Besitzerin wehrte. Sina kannte Belinda als Zicke, die vor Gewalt gegen ihr Pferd kein Halt kannte. Sei es ein Gertenhieb bei Ungehorsamen oder auch aggressives Reißen am Zügel. Nein, Fairness gegenüber dem Tier lag dem Mädchen fern.
„Hey, muss das sein, dass du dein Pferd auch noch schlägst?“, fragte Sina mit gefletschten Zähnen. Sie stemmte ihre Hände in die Seiten, bog den Oberkörper vor und machte große Augen. Ihr Herzschlag hatte sich verdoppelt und Adrenalin schoss durch ihre Venen. Jeder ihrer Sinne war bis aufs Äußerste geschärft.
„Die Art und Weise, wie ich mit mit meinem Pferd umgehe, ist jawohl meine Sache. Halt dich daraus, du Anfängerin. Du meinst, nur weil deine Oma dir ein Pferd organisiert hat, bist du was Besseres?“
Sina bemerkte, wie ihre Hände schweißnass wurden und Wut durch ihren Körper pulsierte. Am liebsten wäre sie auf das freche Mädchen gestürzt und hätte sich mit ihr geprügelt. Die Hormone spielten verrückt. Es musste an der Pubertät liegen, dachte sie, denn nie war ihr der Gedanke gekommen, sich mit jemandem prügeln zu wollen. Der Anblick der dumm dastehenden und zuschauenden Marina fachte ihre Wut nur noch mehr an.
In dem Moment, wo Belinda ihr drohend gegenüberstand, mit dem Rücken zu ihrem Pferd gewandt, hoffte sie, die Stute würde vorschnellen und sie mit dem Kopf rammen.
Wehr dich gegen das fiese Mädchen, erwehre dich doch!, ging sie in Gedanken durch und versuchte mit aller Kraft, diese Gedanken auf das Pferd zu projektieren, was natürlich unmöglich war.
„Was ist nun, Sina, hat es dir etwa die Sprache verschlagen?“
Vor Sinas Augen drehte sich alles, die Wut ließ ihr kaum Möglichkeiten, einen sachlichen Satz auf die Zunge zu bringen. Heftig ein und wieder ausatmend, kniff sie ihre Augen zusammen, als sie eine Stimme hörte. Es war ihre Rettung.
 

Vita: Sarah Lee

Sarah Lee ist das Pseudonym der Autorin Julia Meyer. Sie wurde 1983 in Lüneburg geboren.
Sie ging zur Realschule und absolvierte eine Lehre zur Groß-und Außenhandelskauffrau. Sie arbeitet als Vertriebssachbearbeiterin in einer Firma für Tiefkühlfisch.
Seit ihrer Jugend schreibt sie Romane und Kurzgeschichten. Im Laufe der Jahre haben sich viele Geschichten angesammelt. Der erste Erfolg kam 2002 mit dem Kurzkrimi „Josefs Braut“, der in der TV-Zeitschrift „Funk Uhr“ abgebildet wurde.
Der erste Teil der Sina-Reihe, eine Reihe über Freundschaft, Pferde und Lehrthemen, „Sina und das Pony aus dem Schrebergarten“ erschien sowohl im Ebook-Format als auch als Taschenbuch bei Amazon. Teil zwei und drei folgten, ein vierter ist bereits in Artbeit. Die ersten drei Bände gibt es im praktischen Sammelband „Sinas Pferdeabenteuer“ in beiden Versionen, Taschenbuch und Ebook. Des Weiteren schreibt sie auch Liebesromane.
Weitere Werke aus den Bereichen Horror und Thriller sind unter ihrem richtigen Namen ebenfalls bei Amazon erschienen.
Neben ihrem Hund ist die Autorin begeisterte Opel-Fahrerin, geht gern schwimmen, in Freizeitparks und ist mit Freunden unterwegs.
Link zur Autorenseite bei Amazon.
 
 

Sonntag, 13. März 2016

Sina und das Pony aus dem Schrebergarten von Sarah Lee




Klappentext Band 1 – Sina und das Pony aus dem Schrebergarten
Die reitbegeisterte vierzehnjährige Sina träumt wie viele Mädchen von einem eigenen Pferd. Zusammen mit ihrer besten Freundin Reena geht sie, wann immer es die Zeit erlaubt, zu ihrer Reitbeteiligung. Eines Tages führt sie ihr Weg durch die Kleingartenkolonie, wo sie eine traurige Entdeckung machen. Ein verwahrlostes Pony wird dort gehalten. Kann der aufstrebende Jungspringreiter Josef, Sinas heimlicher Schwarm, ihr helfen, das Pony aus der Hölle zu befreien? 

Erhältlich bei Amazon,  auch als Sammelband der Bände 1 - 3  


Kapitel 1

Sie hörte die Wellen rauschen, spürte das Wasser gegen ihre nackten Beine spritzen. Die Sonne schickte ihre Strahlen vom wolkenlosen Himmel und wärmte die Leiber von Sheila und ihrem schwarzen Hengst. Sie glaubte, zu schweben, fühlte sich wie im Paradies. Der Stress der letzten Tage war vergessen und der Hunger in den Hintergrund geraten. Es gab nur sie und das Pferd auf der Insel und die endlose Weite des Horizontes.
Sheila fühlte jeden Muskel des stolzen Andalusiers unter sich. Sie balancierte sich aus und hob ihre Hände in die Luft. „Jaaaa!“, schrie sie und lächelte. Frei wie der Wind, dachte sie. Das war sie und sie fühlte sich glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben. Wo auch immer ihre Familie jetzt war, es interessierte sie nicht. Tashunga, der Herrscher der Insel, würde da sein, um sie vor jedem Ungemach zu beschützen, das da draußen lauern mochte. Hier war sie frei und geborgen ...

„Sina Merbach, Sie sollen keine Pferdegeschichten lesen, sondern dem Unterricht folgen.“
Gelächter brach aus, flutete den Klassenraum. Peinlich berührt starrte die Rothaarige den strengen Lehrer Bognatz an, der ihr das Pferdebuch entrissen hatte. Auf dem Cover sah sie den Kopf eines schwarzen Hengstes. Tashungas Abenteuer lautete der Titel. Im Hintergrund erkannte sie eine untergehende Sonne in unterschiedlichen Rot-Orange-Tönen, die am Ende des Horizonts im Meer zu versinken schien.
Träume sind Schäume, dachte Sina, als sie sah, dass der abgewetzte Schultisch unter ihren Händen hervor kam und nicht das samtige Fell des Hengstes, den sie in ihren Gedanken eben noch geritten hatte. Welches Mädchen in ihrem Alter träumte nicht von einem schwarzen Hengst, wie es die bunte Medienwelt zu gern darstellte? Schwarze oder weiße Hengste lagen besonders weit oben in der Gunst kindlicher Liebhaberei. Leider nicht in der Gunst des Mathematiklehrers. Der stand vor Sina und statt eines gestählten Pferderückens fühlte sie die harte Sitzfläche des ollen Stuhls unter ihren Pobacken.
Alle Augen waren auf Sina gerichtet. Nervös fummelte die Vierzehnjährige an ihren Locken. „Können Sie die Frage wiederholen?“ Ihre blauen Augen blickten wie die eines Hündchens, der gerade einen Schuh zerkaut hatte. Wer konnte da böse sein? Das dachte Sina sich auch und hoffte, den Lehrer zu erweichen.
Bognatz mit den kurzen dunkelbraunen Haaren verzog den Mund und rückte seine Brille gerade. Sich räuspernd bemerkte er: „Bitte das nächste Mal aufpassen, ok?“ Er wartete das Nicken seiner Schülerin ab.
Sina schluckte und blickte sich verlegen um. Jeder ihrer neunzehn Klassenkameraden schaute zu ihr. Erwischt! Schon wieder als Anbeterin des schwarzen Hengstes entlarvt. Das konnte nicht wahr sein. Sie schallte sich selbst als dumm, ausgerechnet in der Mathe-Stunde bei Bognatz im Buch gelesen zu haben. Aber das Buch war einfach zu spannend und der Schulstoff zu langweilig gewesen. Nun hatte sie den Salat, stand im Mittelpunkt aller.
Dahinten grinste Jan, der Schwarm bei den Mädchen in der Klasse, wortlos in sich hinein. Der Wuschelkopf zerriss ein Blatt Papier in viele kleine Teile.
„Ja, Herr Bognatz, versprochen, ich werde nicht mehr im Unterricht lesen.“
„Bis zum Ende der Stunde nehme ich das Buch mit zum Pult.“
Sina blickte ihrem Roman mit hängenden Schultern nach. Getuschel kam hinter ihr auf. Sie drehte sich um.
„Können sich deine Eltern immer noch kein Pferd für dich leisten?“
„Halt deine Klappe!“ Bissig drehte sich Sina zurück. Ihre gehasste Klassenkameradin Lisa nervte mal wieder mit ihren doofen Sprüchen. Immer musste sie zänkisch sein. Nur, weil ihre Eltern eine angesagte Lokalität in Hamburg führten? Gut, ihre eigene Mutter, Marie, war Verkäuferin in einem Drogeriemarkt und ihr Vater Jorsch, Klempner. Sina dachte, dass die Jobs ihrer Eltern besser waren, als arbeitslos zu sein wie der faule Vater von Mirco, der drei Reihen weiter vorne saß. Sie wunderte sich, wie der es auf die Realschule geschafft hatte.
Sina nahm wahr, dass ihre beste Freundin Reena am zweiten Tisch vor ihr, ihr zuzwinkerte und zur Uhr wies. Die feschen Augen Sinas wanderten in ihren Höhlen herum, bis sie die Uhr über der Tafel streiften. In zwanzig Minuten würde die leidige Mathematikstunde zuende sein. Nie zuvor hatte sich Sina so sehr auf ein Ende der Stunde gefreut wie heute. Ihr Buch fehlte ihr.

Kapitel 2

Ihre Rucksäcke locker auf den Rücken geschmissen, schlurften Sina und Reena durch die Gartenkolonie nach Hause. Es war sonnig und warm, ein herrlicher Frühsommertag.
„Der Lehrer ist affig! Mir einfach das Buch weg zu nehmen“, sagte Sina. Sie hörte, wie ihre Freundin, im selben Alter wie sie, auflachte.
„Wenn man so offensichtlich nur kitschige Pferdestories liest, statt Schulstoff zu pauken, kein Wunder.“
„Haha“, gab Sina zurück. Sie zupfte ihr marineblaues langärmeliges Shirt zurecht und folgte zähneknirschend den Weg hinauf, der von etliche Lauben umsäumt wurde. Einige waren besonders liebevoll aufgemacht, andere sahen aus, als würden sie Jahre vor sich hin schimmeln.
„Ich muss mich damit abfinden, dass ich kein eigenes Pferd haben kann. Dafür schwelge ich in Büchern und schaue Filme über Pferde und ihre Abenteuer“, sagte Sina.
„Na ja, du hast doch die Reitbeteiligung auf Paco. Das reicht doch, oder nicht?“ Reena schob ein Kaugummi zwischen ihre rot geschminkten Lippen. Fesch in dunklen Kleidern und besonders schlank, sah sie deutlich älter als vierzehn aus.
Sina zwinkerte und zuckte mit den Schultern. „Klar“, sagte sie und blieb stehen. „Paco ist nur ein Pony.“
„Mein Gott, du hast Wünsche, Sina. Es gibt Leute, die können sich keine Reitbeteiligung leisten. Freu dich, dass du es kannst.“ Ihrer Freundin Mut zusprechend, neckte Reena sie. „Sieh´s mal positiv, lieber einen Haflinger als diese 50-Cent-Wackelpferde, die oft vor Supermärkten stehen.“
„Was redest du da, Mann?“, fragte Sina und ließ sich erklären, was ihre Freundin mit Wackelpferd meinte. Sie verstand erst spät, dass es diese Dinger waren, wo man Geld einwerfen konnte, um dann ein paar Minuten hin und her zu schaukeln. Kinderspielgeräte. Die locker flockige Art der hochgewachsenen Halbrussin Reena, die sie seit dem Kindergarten kannte, entlockte ihr ein Grinsen. Grübchen erschienen an ihren Mundwinkeln. „Du hast recht“, sagte sie.
Die beiden Mädchen gingen weiter. Ihnen kam ein Mann entgegen. Sie kannten ihn  flüchtig. Er war wenig freundlich und grüßte  nicht, als er an ihnen vorbei kam. Er zog eine Fahne nach sich. Es roch nach billigem Alkohol und er schien angetrunken zu sein. Weiße Zotteln hingen ihm auf dem Rücken. Sein Hemd war am Kragen dunkel. Er trug eine kakifarbene Cordhose.
Sina sah Reena an, die den Gestank nach Suff scheinbar nicht gerochen hatte.
„Hey, warte!“
Sina ging weiter, als hätte sie ihre Freundin überhört. Ihre Aufmerksamkeit galt einem Jägerzaun. Dahinter befand sich ein ungepflegter Buschwald. Keiner der Büsche war gestutzt. Mehrere Bäume wucherten in den Weg hinein.
Reena tauchte neben Sina auf. „Was´n?“
„Schau mal!“ Sina wies mit dem Zeigefinger auf ein paar Strohhalme, die vor dem Gartentor lagen. Auch hinter dem Tor konnte sie ein paar sehen. Dann meinte sie, ein Schnauben zu vernehmen. „Hörst du das auch?“
„Was?“
„Ein Pferd!“
Reena lachte. „Das hier ist eine Kleingartenkolonie. Hier dürfen keine Tiere gehalten werden.“
Aufgeregt beugte sich Sina über den Zaun, versuchte, etwas Verdächtiges zu entdecken. „Heu!“
„Vielleicht ein schwarzer Araberhengst.“ Schnippisch, aber nicht wirklich herablassend, formte Reena mit ihren Händen ein Herz. „Der schwarze Hengst, die größte Liebe ihres Lebens. Boa, wie kitschig. Als ob es Hengste sein müssen. Das verstehe ich an den Filmen und Büchern sowieso immer nicht.“
Aus dem linken Weg kam ein älteres Ehepaar. Die greise Dame nickte den Teens zu. Sina bekam sofort ein komisches Gefühl im Bauch. Fast, als würde die Frau etwas über den zugewucherten Garten wissen. Sie wollte ihr noch nachrufen und fragen, ob sie den Eigner kannte. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Der Cordhosen-Opa musste es gewesen sein. Seine Optik passte zu gut zu dem lumpigen Garten.
„Mach das nicht. Es ist Hausfriedensbruch“, mahnte Reena, als Sina drauf und dran war, das Tor zu öffnen. „Hey, du hast Stalldienst um vier Uhr. Lass uns jetzt hingehen, wenn du Paco vorher noch reiten willst.“
Da war es wieder. Ein Wiehern. Sina ballte die rechte Hand zur Faust. „Ein Pferd, ich habe ein Pferd gehört. Das bilde ich mir nicht ein.“

Vita: Sarah Lee

Sarah Lee ist das Pseudonym der Autorin Julia Meyer. Sie wurde 1983 in Lüneburg geboren.
Sie ging zur Realschule und absolvierte eine Lehre zur Groß-und Außenhandelskauffrau. Sie arbeitet als Vertriebssachbearbeiterin in einer Firma für Tiefkühlfisch.
Seit ihrer Jugend schreibt sie Romane und Kurzgeschichten. Im Laufe der Jahre haben sich viele Geschichten angesammelt. Der erste Erfolg kam 2002 mit dem Kurzkrimi „Josefs Braut“, der in der TV-Zeitschrift „Funk Uhr“ abgebildet wurde.
Der erste Teil der Sina-Reihe, eine Reihe über Freundschaft, Pferde und Lehrthemen, „Sina und das Pony aus dem Schrebergarten“ erschien sowohl im Ebook-Format als auch als Taschenbuch bei Amazon. Teil zwei und drei folgten, ein vierter ist bereits in Artbeit. Die ersten drei Bände gibt es im praktischen Sammelband „Sinas Pferdeabenteuer“ in beiden Versionen, Taschenbuch und Ebook. Des Weiteren schreibt sie auch Liebesromane.
Weitere Werke aus den Bereichen Horror und Thriller sind unter ihrem richtigen Namen ebenfalls bei Amazon erschienen.
Neben ihrem Hund ist die Autorin begeisterte Opel-Fahrerin, geht gern schwimmen, in Freizeitparks und ist mit Freunden unterwegs.

Link zur Autorenseite bei Amazon.